Otto Beisheim

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Otto Beisheim (* 3. Januar 1924 in Voßnacken[1] bei Essen; † 18. Februar 2013 in Rottach-Egern) war ein deutsch-schweizerischer Kaufmann, Unternehmer und Mitgründer des Metro-Konzerns.

Leben[Bearbeiten]

Beisheim wurde als Sohn eines Gutsverwalters geboren. Er machte eine Lehre zum Lederwarenkaufmann.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Zwischen 1941 und 1945 war Beisheim Angehöriger der Leibstandarte Adolf Hitler. Laut der Sendung quer des Bayerischen Fernsehens vom 17. November 2005 ist seine Zugehörigkeit zur Leibstandarte Adolf Hitler aufgrund von Auskünften des Bundesarchivs und anderer Behörden belegt. Sie wurde auch von Erich Greipl, unter anderem Vorsitzender der Otto-Beisheim-Stiftung, Mitte November 2005 bestätigt, jedoch habe Beisheim „nur den untersten Dienstgrad“ innegehabt, nach dem Krieg sei Beisheim in englischer Kriegsgefangenschaft gewesen und entnazifiziert worden. Beisheim war SS-Sturmmann (entspricht Gefreiter) in einem Artillerie-Regiment der „Leibstandarte“. Bis auf seine Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse sind Einzelheiten über seine Zeit bei der Waffen-SS nicht bekannt.[2]

Unternehmertätigkeit[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Otto Beisheim als Prokurist der Elektrohandels-Firma Stöcker & Reinshagen, Mülheim an der Ruhr; deren Eigentümerfamilie Schell wurde 1964 Mitgesellschafter der von den Duisburger Kaufleuten Wilhelm Schmidt-Ruthenbeck und Ernst Schmidt 1963 in Essen gegründeten Firma Metro AG (Cash and Carry). Der erste Metro-Markt eröffnete im November 1963 in Essen-Vogelheim, Geschäftsführer war von 1963 bis 1970 Walter Vieth. Mit der Eröffnung des zweiten Metro-Marktes in Mülheim an der Ruhr (1964) stieß Otto Beisheim zur Metro und wurde deren Hauptgeschäftsführer. Als 1966/67 durch Vermittlung von Beisheim das Duisburger Traditionsunternehmen Franz Haniel & Cie. als Metro-Gesellschafter gewonnen werden konnte, wurde auch Otto Beisheim Metro-Gesellschafter. Bis zur Gründung der Metro AG firmierte die Gesellschaft als Metro-SB-Großmärkte GmbH & Co. KG. Gesellschafter waren seit 1966/67 zu je einem Drittel-Anteil die Familien Schmidt-Ruthenbeck (Gründer), Haniel und der Alleingeschäftsführer Otto Beisheim. Unter der Leitung von Otto Beisheim hat sich die später als Metro AG firmierende Gesellschaft zu einem der größten Handelskonzerne der Welt entwickelt.

Beisheim erwarb 1990 von Leo Kirch die Rechte an 2500 Filmen und rettete ihn so vor dem Konkurs. Außerdem war Beisheim bis 1995 am TV-Sender Kabelkanal (heutiger Name: Kabel eins) beteiligt.

Beisheim-Center am Potsdamer Platz in Berlin

Am 10. Januar 2004 wurde an der Nordwestseite des Potsdamer Platzes in Berlin das Beisheim-Center eingeweiht, das Otto Beisheim für 463 Mio. Euro errichten ließ und in dem sich unter anderem 5-Sterne-Hotels der Ketten Ritz-Carlton und Marriott befinden.

Beisheim gehörten 18,5 Prozent der Metro-Gruppe. Sein Vermögen wurde 2008 auf rund 4,85 Mrd. Euro geschätzt. Am 7. Oktober 2009 teilte Beisheim mit, 5,2 % der Aktien der Metro AG an verschiedene nationale und internationale Investoren veräußert zu haben. Weitere 3,1 % könnten im Rahmen von Kurssicherungsgeschäften veräußert werden. Damit werde sich der Anteil an der Metro AG auf rund 10 % reduzieren. Die Beteiligung von 10 % an der Metro AG werde durch die Otto-Beisheim-Gruppe als strategisch sinnvoll und ausreichend betrachtet.

Privates[Bearbeiten]

Otto Beisheim lebte in Baar in der Schweiz, deren Staatsbürgerschaft er 1988 annahm. Einen Zweitwohnsitz hatte Beisheim in Rottach-Egern, einer Gemeinde am Tegernsee. Als sein Winterwohnsitz galt Miami in Florida/USA. Fünfzig Jahre lang war er mit seiner Frau Inge verheiratet, die 1999 starb. Seit 2008 war er mit Liese Evers verheiratet.[3][4][5] Er litt zuletzt an einer unheilbaren Krankheit und ist „aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden“,[6] indem er sich im Badezimmer seiner Villa in Rottach-Egern mit einer Pistole erschoss.[3]

Stiftungen[Bearbeiten]

Beisheim betätigte sich als Mäzen, der in der Nähe seines Zweitwohnsitzes in Deutschland mehrere Kindergärten, Rettungswagen und Sportvereine förderte. 2005 wurde Beisheim die Ehrenbürgerwürde aller fünf Talgemeinden am Tegernsee gleichzeitig verliehen.

1993 spendete Beisheim 50 Mio. Mark an die WHU – Otto Beisheim School of Management (ehemals WHU – Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung) in Vallendar (Rheinland-Pfalz).[7] Im Gegenzug trägt die Hochschule seitdem seinen Namen.

Ein weiteres Stiftungsangebot in Höhe von 10 Mio. Euro an das Gymnasium Tegernsee vom Sommer 2005 unter der Bedingung der Umbenennung in „Otto-Beisheim-Gymnasium“ zog Beisheim zurück, nachdem das Lehrerkollegium des Gymnasiums am 10. November 2005 eine Art „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ hinsichtlich Beisheims Rolle im Zweiten Weltkrieg verlangt hatte.[8] Die Regierung von Oberbayern hob die Stiftung auf, sodass der Schule das Geld jedenfalls nicht zufallen konnte.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Otto Beisheim, Internationales Biographisches Archiv 42/2007 vom 20. Oktober 2007 (cs), Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 08/2013, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 25. Februar 2013 (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Max Hägler: Beisheim darf Schulnamen doch kaufen, die tageszeitung, 16. November 2005
  3. a b Michael Graeter: Der große Beisheim. Abendzeitung, 20. Februar 2013
  4. av: Metro-Gründer ist tot: Otto Beisheim: Selbstmord am Tegernsee, Abendzeitung, 18. Februar 2013
  5. "Otto Beisheim: Selbstmord im Badezimmer", Die Welt, 19. Februar 2013
  6. dpa: Metro-Mitgründer Otto Beisheim ist tot, Abendzeitung, 18. Februar 2013
  7. a b c d Professor Dr. h.c. mult. Otto Beisheim – Namensgeber der WHU, auf der Website der WHU Otto Beisheim School of Management, abgerufen am 25. Februar 2013
  8. Max Hägler: Herr Beisheim kauft sich eine Schule, die tageszeitung, 18. Oktober 2005
  9. Ehrenpromovenden der TH/TU Dresden, auf der Website der TU Dresden
  10. Stephan Burgdorff: Viel Glück, wenig Skrupel, Spiegel special 5/1996, 1. Mai 1996