Otto Brahm

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Otto Brahm, Porträtfoto von Nicola Perscheid
Eberhard Bachmann: Büste von Otto Brahm vor dem Deutschen Theater (1962)

Otto Brahm (* 5. Februar 1856 in Hamburg; † 28. November 1912 in Berlin; eigentlich Abrahamsohn, Pseudonym: Otto Anders) war ein deutsch-jüdischer Kritiker, Theaterleiter und Regisseur.

Wirken[Bearbeiten]

Brahm war zunächst Theaterkritiker und ab 1889 Chefredakteur der neu gegründeten Zeitschrift Freie Bühne für modernes Leben, die schnell zum Sprachrohr des Naturalismus in Deutschland wurde. Die Ziele werden recht pathetisch ausgedrückt:

„Der Bannerspruch der neuen Kunst, mit goldenen Lettern von den führenden Geistern aufgezeichnet, ist das eine Wort: Wahrheit; und Wahrheit, Wahrheit auf jedem Lebenspfade ist es, die auch wir erstreben und fordern … Nicht die objective Wahrheit, die dem Kämpfenden entgeht, sondern die individuelle Wahrheit, welche aus der innersten Ueberzeugung frei geschöpft ist und frei ausgesprochen: die Wahrheit des unabhängigen Geistes.“

1889 wurde Brahm auch Präsident des Theatervereins Freie Bühne, der in Berlin gerade von Theaterkritikern neu gegründet worden war und sich der Aufführung sozialkritischer Dramen der Naturalisten verpflichtet hatte. Das erste inszenierte Stück war Gespenster von Ibsen, bald folgte die Uraufführung von Hauptmanns Vor Sonnenaufgang. Brahm übernahm 1894 die Leitung des Deutschen Theaters und machte Hauptmann zu seinem Hausdichter. Max Reinhardt hat 1894 im Ensemble des Deutschen Theaters begonnen. Brahm förderte während dieser Zeit auch Fritz Stavenhagen und leitete 1905–1912 das Lessingtheater.

Als Theaterleiter analysierte Brahm vor jeder Inszenierung den Text eines neuen Stückes, um so die Aufführung ganz auf die spezifischen Eigenheiten auszurichten. Die Schauspieler wurden angehalten, nicht – wie bisher üblich – zu deklamieren, sondern realistisch und psychologisch nachvollziehbar zu agieren. Mit diesen Neuerungen leistete Brahm einen wichtigen Beitrag zur Etablierung des Kammerspiels.

Brahm hatte ein Verhältnis mit Clara Jonas (1863–1922), der Frau seines Mitstreiters im Verein Freie Bühne und Justiziar des Deutschen Theaters Paul Jonas. Beide überlebten ihn. Ein Konvolut von etwa eintausend Briefen liegt seit 2008 bei der Berliner Akademie der Künste.

Brahms Denkmal steht in der Berliner Schumannstraße.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Buth: Das Lessingtheater in Berlin unter der Direktion von Otto Brahm (1904–1912). Eine Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung der zeitgenössischen Theaterkritik. München 1965
  • Horst Claus: The Theatre Director Otto Brahm. Ann Arbor (Michigan) 1981
  • Hubert Kulick: Brahm, Otto. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 507 f. (Digitalisat).
  • Mirko Nottscheid: Brahm, Otto. In: Hamburgische Biografie, Band 5, Wallstein, Göttingen 2010, S. 62–63.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Otto Brahm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien