Otto Carius

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Otto Carius, Autogrammfoto mit Ritterkreuz und Eichenlaub von 1944

Otto Carius (* 27. Mai 1922 in Zweibrücken[1]; † 24. Januar 2015 in Herschweiler-Pettersheim) war ein Offizier der Wehrmacht und Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg und Apotheker. Bekannt wurde er als Autor seines 1960 veröffentlichten Buchs Tiger im Schlamm, in dem er seine Erinnerungen an den Kriegseinsatz von 1940 bis 1945 schildert und das zu den erfolgreicheren Titeln der Kriegserinnerungsliteratur gehört.

Leben[Bearbeiten]

Carius besuchte ab 1928 die Grundschule und anschließend von 1932 bis 1940 das Humanistische Gymnasium in Zweibrücken. Nach dem Abitur meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht und nahm von 1941 bis 1945 am Zweiten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg absolvierte er Vorpraktikum und Vorexamen als Apothekerassistent und studierte er von 1948 bis 1951 Pharmazie in Freiburg im Breisgau. Danach arbeitete er von 1952 bis 1956 als Apotheker in Zweibrücken und übernahm 1956 die Hirsch-Apotheke im westpfälzischen Herschweiler-Pettersheim. 1960 baute er dort ein eigenes Wohn- und Geschäftshaus und zog mit seiner Apotheke in das neue Haus. Bis 2011 leitete er die Apotheke, die er in Tiger-Apotheke umbenannt hatte.

Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Nach dem Abitur meldete er sich kurz vor seinem 18. Geburtstag im Mai 1940 freiwillig zum Dienst bei der Panzerabwehr. Sein Vater und später auch sein jüngerer Bruder nahmen am Zweiten Weltkrieg als Offiziere der Wehrmacht teil. Weil bei der Panzerabwehr kein Personalbedarf bestand, wurde Carius dem 104. Infanterie-Ersatzbataillon (Posen) zugeteilt. Von dort meldete er sich freiwillig zur Panzerwaffe und wurde zur Panzer-Ersatz-Abteilung 7 in Vaihingen versetzt.[1]

Nach beendeter militärischer Ausbildung nahm er an den Kampfhandlungen teil. Als am 22. Juni 1941 der deutsche Angriff auf die Sowjetunion begann, war Carius Ladeschütze auf einem Panzer 38(t) des Panzer-Regiments 21, das Teil der 20. Panzer-Division war. Er wurde zum Unteroffizier befördert und im August 1941 als Offizieranwärter angenommen.[1]

Nach der Offiziersausbildung kam Carius als Zugführer der III. Abteilung des Panzer-Regiments 21 zurück an die Front. Zum Leutnant befördert, übernahm er im Juni 1943 das Kommando als Zugführer in der 2. Kompanie der schweren Panzer-Abteilung 502 bei Leningrad, die als eine der ersten mit dem neuen Panzerkampfwagen VI Tiger ausgerüstet wurde. In der Schlacht um den Brückenkopf von Narva zerstörte der mittlerweile zum Oberleutnant beförderte Carius im Frühjahr 1944 mehrere sowjetische Panzer SU-85, ebenso am 22. Juli im Dorf Malinava bei Dünaburg. Eine schwere Verwundung im Nahkampf am 24. Juli 1944 beendete den Einsatz des zum Kompanieführer ernannten Carius an der Ostfront.

Nach einem längeren Lazarettaufenthalt wurde Carius 1945 an die Westfront versetzt und zum Chef der 2. Kompanie der schweren Panzerjäger-Abteilung 512 ernannt, die mit dem Jagdtiger ausgestattet war. Im April 1945 geriet er in den Ruhrkessel und nahm an den Kämpfen bei der Friedrich-Wilhelm-Höhe nahe dem Bismarckturm Unna teil. Am 15. April ordnete Generalleutnant Fritz Bayerlein, dem Carius unterstellt war, die Einstellung aller Kampfhandlungen an. Carius kam im Kreis Iserlohn bei Letmathe/Schwerte-Ergste in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er Ende 1945 entlassen wurde.

Zusammen mit Michael Wittmann und Johannes Bölter galt Carius als einer der erfolgreichsten Panzerkommandanten des Zweiten Weltkrieges und wurde Teil der deutschen Propaganda. Als einer von wenigen Panzerkommandanten trug er das Panzerkampfabzeichen der höchsten Stufe.

Insgesamt erhielt Carius folgenden Auszeichnungen: Die Ostmedaille am 20. August 1942, das Eisernes Kreuz (1939) II. Klasse am 15. September 1942, das Eisernes Kreuz (1939) I. Klasse am 23. November 1943, das Panzerkampfabzeichen II. Stufe in Silber am 15. Juli 1944, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub[2], das Ritterkreuz am 4. Mai 1944, das Eichenlaub am 27. Juli 1944 (535. Verleihung; nach Lazarettaufenthalt und Genesung im Oktober 1944 von Heinrich Himmler überreicht), das Panzerkampfabzeichen III. Stufe in Silber am 1. September 1944 sowie das Verwundetenabzeichen (1939) in Gold am 11. September 1944.

Werk und Rezeption[Bearbeiten]

1960 veröffentlichte Carius mit Tiger im Schlamm sein einziges Buch. Darin schildert er seine Erinnerungen als Panzerkommandant des Zweiten Weltkriegs. Das Werk gehört zur typischen Kriegserinnerungsliteratur[3] und erschien in seiner Erstausgabe bei der Buchkameradschaft Scharnhorst im Vowinckel-Verlag (heute Teil der Verlagsgesellschaft Berg, einem der bundesweit größten rechtsextremistisch geprägten Verlage[4]), bei dem auch die vier Folgeauflagen innerhalb der Schriftenreihe Landser am Feind bis 2006 herauskamen. Zuletzt erschien das Buch im Selbstverlag und wurde von Carius über die Tiger-Apotheke direkt vertrieben. Mit sechs Auflagen gehört das Buch zu den erfolgreicheren Titeln der Kriegserinnerungsliteratur.[5] Das Buch wurde außerdem in mehrere Sprachen, darunter ins Englische[6], Estnische[7] und Russische[8] übersetzt. Der bekannte japanische Zeichner Hayao Miyazaki gestaltete daraus ein Manga.[9] Bis heute ist Carius in militaristischen und anderen Kreisen populär, wird in Computerspielen thematisiert,[10] ist als Sammlerfigur zu kaufen[11] oder dient zum Bewerben von Panzermodellen.[12] Soweit bekannt, hat sich Carius einer kritischen Auseinandersetzung mit seiner Kriegsteilnahme verweigert. Vielmehr verwahrte er sich gegen Kritik an der Kriegsführung der Wehrmacht und sah sein Buch auch als Quelle und Rechtfertigungsschrift gegen die von ihm empfundene Diffamierung der Wehrmachtssoldaten und gegen die angebliche Lügenkampagne, durch die die deutsche Bevölkerung umerzogen worden sei.[13] Zugleich rechtfertigte er den Krieg gegen die Sowjetunion als Abwehrkampf gegen den Kommunismus. Bis ins hohe Alter bewarb und verkaufte Carius sein Buch in seiner Apotheke, wo er es auch signierte und sich mit seinen Kriegsorden fotografieren ließ.[14]

Werk[Bearbeiten]

  • Otto Carius: Tiger im Schlamm: Die 2./schw.Pz.-Abt. 502 vor Narwa und Dünaburg. (Landser am Feind, Band 8), Kurt Vowinckel Verlag, Neckargemünd 1960. (Weitere Auflagen: 3. Aufl. Neckargemünd: Vowinckel, 1967; 5. Aufl. Berg am See: Vowinckel, 1985; 6. neu überarb. Aufl. Tiger im Schlamm: ein Tigerkommandant berichtet Stegen am Ammersee: Druffel und Vowinckel, 2007; 6. kompl. überarb. Aufl. Saarbrücken: Selbstverlag, 2012, ISBN 978-3-00-037404-3.

Literatur[Bearbeiten]

  • Düsterberg, Rolf: Soldat und Kriegserlebnis. Deutsche militärische Erinnerungsliteratur (1945-1961) zum Zweiten Weltkrieg. Tübingen 2000.
  • Willi Mues: Der große Kessel. Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen Lippe und Ruhr / Sieg und Lenne. 7. Auflage, Selbstverlag des Verfassers, Erwitte 1999 (Erstausgabe 1984), ISBN 3-9800968-2-3.
  • Erwin Lenfeld, Franz Thomas: Die Eichenlaubträger 1940–1945. Weilburg, Wiener Neustadt 1983, ISBN 3-900100-07-1.
  • Viktor Carl: Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten. Henning, Edenkoben 1995, ISBN 3-980466-80-9.
  • Ronald M. Smelser, Edward J. Davies (II): The Myth of the Eastern Front. The Nazi-Soviet War in American Popular Culture, Cambridge University Press, Cambridge, MA 2001, S. 206, ISBN 978-0-521-71231-6.
  • Feist, Uwe (Hg.): Otto Carius. Meine Dienstzeit. My Military Service 1940-1945. 90th Birthday Edition. Feist Books 2012. ISBN 978-0985521219.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Otto Carius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Otto Carius: Tiger im Schlamm: Die 2. schwere Panzer-Abteilung 502 vor Narwa und Dünaburg, 6. komplett überarbeitete Auflage, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-00-037404-3
  2. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S.257
  3. Düsterberg, S. 18.
  4. Verfassungsschutzbericht 2002 des Landes Nordrhein-Westfalen, S. 113.
  5. Düsterberg, S. 46 f.
  6. Tigers in the mud: the combat career of German Panzer Commander Otto Carius, übersetzt von Robert J. Edwards, J.J. Fedorowicz, 1993, ISBN 0-921991-14-2.
  7. "Tiigrid Poris" ISBN 978-9949-448-34-0.
  8. "Тигры" в грязи: воспоминания немецкого танкиста (tigry v grjazi : vospominanija nemeckogo tankista), Centrpoligraf, Moskau, 2009, ISBN 978-5-9524-4092-0.
  9. "Otto Carius: Doromamire no tora (Tigers Covered With Mud)", erschienen in Model Graphix zwischen Dezember 1998 und Mai 1999, Buchausgabe 2002, ISBN 4-499-22790-9.
  10. https://books.google.de/books?id=aGYOBAAAQBAJ&pg=PA40&dq=%22tiger-apotheke%22&hl=de&sa=X&ei=suDZVKrdGtjVaqbcgYgF&ved=0CDoQ6AEwBA#v=onepage&q=%22tiger-apotheke%22&f=false
  11. http://www.figurines-12-pouces.com/en/12119-otto-carius-schwere-panzer-abteilung-502.html
  12. http://tuttomodellismoedipiu.blogspot.de/2013/05/otto-carius-tiger-tank-135-scale-by.html
  13. Carius, Tiger in the mud, S. XI-XIII, Smelser/Davies, S. 206.
  14. http://www.warrelics.eu/forum/history-research-third-reich-ww2/meeting-otto-carius-368534/