Otto Carius

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Otto Carius, Autogrammfoto mit Ritterkreuz und Eichenlaub von 1944

Otto Carius (* 27. Mai 1922 in Zweibrücken)[1] ist ein ehemaliger deutscher Offizier der Wehrmacht und hochdekorierter Panzerkommandant im Zweiten Weltkrieg. Bekannt wurde er darüber hinaus als Autor. Sein 1960 erschienenes Buch Tiger im Schlamm schildert seinen Kriegseinsatz von 1940 bis 1945 und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Leben[Bearbeiten]

Carius besuchte ab 1928 die Grundschule in Zweibrücken und anschließend von 1932 bis 1940 das Humanistische Gymnasium in Zweibrücken. Nach dem Abitur meldete sich Carius kurz vor seinem 18. Geburtstag im Mai 1940 freiwillig, um bei der Panzerabwehr Dienst zu tun. Sein Vater und später auch sein jüngerer Bruder nahmen am Zweiten Weltkrieg als Offiziere der Wehrmacht teil. Weil bei der Panzerabwehr kein Personalbedarf bestand, wurde Carius dem 104. Infanterie-Ersatzbataillon (Posen) zugeteilt. Von dort meldete er sich freiwillig zur Panzerwaffe und wurde zur Panzer-Ersatz-Abteilung 7 in Vaihingen versetzt.[1]

Nach beendeter militärischer Ausbildung nahm er an den Kampfhandlungen teil. Als am 22. Juni 1941 der deutsche Angriff auf die Sowjetunion begann, war Carius Ladeschütze auf einem Panzer 38(t) des Panzer-Regiments 21, das Teil der 20. Panzer-Division war. Er wurde zum Unteroffizier befördert und im August 1941 als Offizieranwärter angenommen.[1]

Nach der Offiziersausbildung kam Carius als Zugführer der III. Abteilung des Panzer-Regiments 21 zurück an die Front. Zum Leutnant befördert, übernahm er im Juni 1943 das Kommando als Zugführer in der 2. Kompanie der schweren Panzer-Abteilung 502 bei Leningrad, die als eine der ersten mit dem neuen Panzerkampfwagen VI Tiger ausgerüstet wurde. In der Schlacht um den Brückenkopf von Narva zerstörte der mittlerweile zum Oberleutnant beförderte Carius im Frühjahr 1944 vier SU-85. Im Dorf Malinava bei Dünaburg zerstörte er gemeinsam mit dem Panzerkommandanten Oberfeldwebel Albert Kerscher am 22. Juli 1944 insgesamt 17 sowjetische Panzer. Eine schwere Verwundung im Nahkampf am 24. Juli 1944 beendete den Einsatz des zum Kompanieführer ernannten Carius an der Ostfront.

Die schwere Verwundung mit Oberschenkel- und Halsdurchschuss im Juli 1944 machte einen langen Lazarettaufenthalt erforderlich. Nach der Genesung wurde er 1945 an die Westfront versetzt. Er wurde zum Chef der 2. Kompanie der schweren Panzerjäger-Abteilung 512 ernannt, die mit dem Jagdtiger ausgestattet war. Im April 1945 geriet er in den Ruhrkessel und nahm an den Kämpfen bei der Friedrich-Wilhelm-Höhe beim Bismarck-Turm zwischen Unna und Langschede teil. Am 15. April ordnete Generalleutnant Fritz Bayerlein, dem Carius unterstellt war, die Einstellung aller Kampfhandlungen an. Carius kapitulierte im Kreis Iserlohn bei Letmathe/Schwerte-Ergste. Bis Ende 1945 war Carius in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft und im Lazarett.

Als einer der wenigen Panzerkommandanten trug er das Panzerkampfabzeichen der höchsten Stufe und das Goldene Verwundetenabzeichen. Zusammen mit Michael Wittmann und Johannes Bölter galt Carius als erfolgreichster Panzerkommandant des Zweiten Weltkrieges und wurde Teil der deutschen Propaganda.

Nach einem Vorpraktikum und Vorexamen als Apothekerassistent studierte er von 1948 bis 1951 Pharmazie in Freiburg im Breisgau. Danach arbeitete er von 1952 bis 1956 als Apotheker in Zweibrücken und übernahm 1956 eine Apotheke im westpfälzischen Herschweiler-Pettersheim. 1960 erbaute er dort ein eigenes Wohn- und Geschäftshaus und zog mit seiner Apotheke in das neue Haus. Bis 2011 leitete er die Tiger-Apotheke in Herschweiler-Pettersheim. Noch mit über 90 Jahren ist er in Teilzeit als Apotheker tätig.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Carius schoss insgesamt mehr als 150 gegnerische Panzer ab, wurde fünfmal verwundet und erhielt die folgenden Auszeichnungen:

Werk[Bearbeiten]

Das Buch Tiger im Schlamm schildert nach eigener Erinnerung und dem Gefechtsbericht in Carius' Privatarchiv den Kampfeinsatz der Tiger-Panzer-Abteilung 502. Der Bericht aus erster Hand schildert die Ereignisse aus deutscher Sicht und gibt zugleich die Gedanken eines jungen Offiziers über den Kriegsverlauf und die Einsätze wieder. Es wurde in mehrere Sprachen, darunter ins Englische, Estnische und Russische übersetzt. Der bekannte japanische Zeichner Hayao Miyazaki gestaltete daraus ein Manga.

  • Tiger im Schlamm: Die 2./schw.Pz.-Abt.502 vor Narwa und Dünaburg; Aus der Reihe Landser am Feind, Band 8; Kurt Vowinckel Verlag, Neckargemünd 1960, 6. komplett überarbeitete Auflage, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-00-037404-3.
    • englische Ausgabe: Tigers in the mud: the combat career of German Panzer Commander Otto Carius, übersetzt von Robert J. Edwards, J.J. Fedorowicz, 1993, ISBN 0-921991-14-2.
    • russische Ausgabe: "Тигры" в грязи: воспоминания немецкого танкиста (tigry v grjazi : vospominanija nemeckogo tankista), Centrpoligraf, Moskau, 2009, ISBN 978-5-9524-4092-0.
    • Manga von Hayao Miyazaki: "Otto Carius: Doromamire no tora (Tigers Covered With Mud)", erschienen in Model Graphix zwischen Dezember 1998 und Mai 1999, Buchausgabe 2002, ISBN 4-499-22790-9.
    • estnische Ausgabe: "Tiigrid Poris" ISBN 978-9949-448-34-0.

Literatur[Bearbeiten]

  • Willi Mues: Der große Kessel. 7. Auflage 1999; Selbstverlag des Verfassers; ISBN 3-9800968-2-3.
  • Erwin Lenfeld/Franz Thomas: Die Eichenlaubträger 1940 – 1945. Weilburg, Wiener Neustadt 1983; ISBN 3-900100-07-1.
  • Viktor Carl: Lexikon der Pfälzer Persönlichkeiten. – Edenkoben: Hennig, 1998.
  • Ronald M. Smelser,Edward J. Davies (II): The myth of the Eastern Front: the Nazi-Soviet war in American popular culture, 2001, ISBN, S. 206, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-71231-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Otto Carius: Tiger im Schlamm: Die 2. schwere Panzer-Abteilung 502 vor Narwa und Dünaburg, 6. komplett überarbeitete Auflage, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-00-037404-3
  2. Otto Carius auf der Internetseite der Tiger Apotheke – Herschweiler-Pettersheim
  3. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S.257