Otto Fabricius (Geistlicher)

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Otto Fabricius

Otto Fabricius (* 6. März 1744 in Rudkjøbing, heute Rudkøbing; † 20. Mai 1822 in Kopenhagen) war dänischer Geistlicher und einer der wichtigsten Wegbereiter zur Erforschung von Fauna und Sprache Grönlands.

Jugend[Bearbeiten]

Otto Fabricius (veraltet Otho Fabricius) wuchs als Sohn des Propstes Hans Fabricius und dessen zweiter Frau Else Cathrine Fabricius geb. Ursin in einem religiös geprägten Elternhaus auf. Da der Großvater Schmied war, legte sich die Familie den latinisierten Nachnamen Fabricius zu. Stark beeinflusst von der Mission Hans Egedes, dem Apostel Grönlands, studierte Fabricius seit 1762 mit dem Wunsch, Missionar in Grönland zu werden, u.a. am Grönländischen Seminar in Kopenhagen. Sein Halbbruder Christen kam 1764 von einem fünfjährigen Aufenthalt aus Grönland zurück, was die Begeisterung von Otto weiter entfachte.

Grönland[Bearbeiten]

Fabricius begab sich 1768 für fünf Jahre nach Frederikshåb (Grönländisch: Paamiut) zur Missionierung der Inuit. Es gelang dem aufmerksamen Beobachter schnell, sich intensiv mit der grönländischen Sprache und Kultur vertraut zu machen. Er lebte mit den Grönländern deren Lebensweise. Ergebnisse seiner linguistischen Studien sind eine grönländische Grammatik (1791) und das grönländische Wörterbuch (1804). Sie bauten auf den Arbeiten Paul Egedes auf, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Fabricius übersetzte für Missionszwecke auch das Neue Testament (1794 und 1799) neu ins Grönländische. Postum erschien seine Übersetzung des 1. Buch Mose.

Fabricius als Naturwissenschaftler[Bearbeiten]

Mit Grönland ist auch sein zoologisches Hauptwerk Fauna groenlandica (1780) verbunden. Hierin beschrieb Fabricius wissenschaftlich und mit erstaunlicher Beobachtungsgabe nach dem Vorbild Carl von Linnés die grönländische Tierwelt: 468 Tierarten – in der Denkweise der damaligen Zeit angefangen vom Menschen, dem Eskimo, bis hinunter zu den Meeresschwämmen. Darunter waren ca. 100 bislang unbekannte Arten. Es ist bis heute das Grundlagenwerk der grönländischen Fauna. In der wissenschaftlichen Systematik wird sein Name als O. Fabr. abgekürzt. Jede Tierart wird neben ihrer Beschreibung auf einem Kupferstich dargestellt. Auch nach Erscheinen des Werks machte Fabricius mit weiteren zoologischen Abhandlungen, u.a. zur Nahrung der Wale (1781), zum Polarfuchs (1788) und über Robben (1790/91), auf sich aufmerksam. Sein Ziel einer physischen und ethnologischen Gesamtdarstellung Grönlands hat Fabricius allerdings nicht mehr verwirklichen können.

Rückkehr nach Dänemark[Bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr nach Dänemark 1773 wurde Fabricius Pfarrer an verschiedenen Orten Norwegens und Dänemarks. 1774 heiratete er die Norwegerin Anna Dorothea Ziege (gest. 1785). 1783 zogen beide in die dänische Hauptstadt um, wo Fabricius grönländische Sprache unterrichtete und in verschiedenen Pfarreien als Geistlicher tätig war. 1786 heiratete er seine zweite Frau Anna Gunilde Heineth (gest. 1834) und hinterließ zahlreiche Nachkommen. Zuletzt war Fabricius, hoch geachtet, an der Erlöserkirche in Kopenhagen mit Titel und Rang eines Bischofs und Professors der Theologie tätig.

wichtigste Schriften[Bearbeiten]

  • Fauna Groenlandica, systematice sistens animalia Groenlandiæ occidentalis hactenus indagata, qvoad nomen specificum, triviale, vernaculumqve; synonyma auctorum plurium, descriptionem, locum, victum, generationem, mores, usum, capturamqve singuli, prout detegendi occasio fuit, maximaque parte secundum proprias observationes - Hafn. ; Lips., 1780.
  • Bidrag til Bibel-Kundskab ved oplysende Anmærkninger over vigtige og vanskelige Steder i den hellige Skrift - Kopenhagen, 1783-1787.
  • Fem Taler, til Erindring af den Kongelige Stiftelse for fader- og moderløse Børn, holdne i Waysenhuus-Kirken i Aarene 1783 til 1787 - Kopenhagen, 1787.
  • Forsøg til en forbedret grønlandsk Grammatica - Kopenhagen, 1791 (2. Auflage Kopenhagen, 1801).
  • Den grønlandske Ordbog - Kopenhagen, 1804.
  • Grønlandsbeskrivelse Herausgegeben von A. Ostermann - Kopenhagen, 1946 (= Meddelelser om Grønland Band 129, Nr. 4).

Weblinks[Bearbeiten]