Otto Geithner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Otto Geithner (* 23. Mai 1876 in Merseburg; † 31. Juli 1948 in Gotha) war ein kommunistischer Politiker und Journalist.

Leben[Bearbeiten]

Der gelernte Tischler Geithner kam nach Abschluss der Lehre auf der Walz, dort vor allem in der Schweiz mit sozialistischen Ideen in Kontakt und schloss 1894 der SPD an. Nachdem er sich in Arbeiterbildungsvereinen und in Kursen an der SPD-Parteischule weitergebildet hatte, war der zum linken Flügel zählende Geithner ab 1907, zunächst als Expedient des Parteiverlags, dann als Literaturredakteur des sozialdemokratischen Pressedienstes und ab 1910 als Redakteur und später Chefredakteur des Gothaer Volksblattes hauptamtlich für die Partei tätig.

Die Burgfriedenspolitik der Parteimehrheit nach Beginn des Ersten Weltkrieges ablehnend, machte Geithner aus dem von ihm geleiteten Regionalblatt ein bis zum Verbot im Februar 1915 wichtiges Organ der Kriegsgegner. Geithner nahm im März 1915 an Treffen der Gruppe Internationale teil und fertigte später illegale Flugblätter des Spartakusbundes an und schloss sich 1917 der neu gegründeten USPD an, welcher sich in Gotha und Umgebung große Teile der bisherigen SPD-Mitgliedschaft anschlossen.

Nach der Novemberrevolution und der Abschaffung der Monarchie war Geithner als Vorsitzender des örtlichen Rates der Volksbeauftragten bis zur Berufung von Wilhelm Bock, Emil Grabow und Adolf Schauder als Volksbeauftragte am 30. November 1918 faktisch Regierungschef des Freistaates Sachsen-Gotha. Nach den Wahlen im Februar 1919, bei welchen die USPD die absolute Mehrheit in Sachsen-Gotha erreichte, gehörte er dem Gothaer Landtag bis zu seiner Auflösung 1923 an. Geithner sorgte unter anderem für Sozialreformen wie die Einführung des Acht-Stunden-Tages. Nach der Vereinigung der thüringischen Staaten zum Land Thüringen zog er im Mai 1920 auch in den dortigen Landtag ein, welchem er bis 1927 angehörte. Mit der Mehrheit der örtlichen USPD beteiligte sich Geithner Ende 1920 am Zusammenschluss mit der KPD zur VKPD, deren Zentralausschuss er vom Vereinigungsparteitag als Vertreter des Parteibezirkes Thüringen bis 1923 angehörte, weiterhin leitete er zeitweise die KPD-Tageszeitung Thüringer Volksblatt.

Der in der KPD zum „linken“ Flügel um Ruth Fischer und Arkadi Maslow, dann zum „ultralinken“ Flügel um Iwan Katz gehörende Geithner war einer der ersten prominenten parteiinternen Kritiker, der von der ab 1925 amtierenden Führung um Ernst Thälmann im März 1926 aus der Partei ausgeschlossen wurde. Geithner gründete zusammen mit den beiden ebenfalls aus der KPD ausgeschiedenen thüringischen Landtagsabgeordneten Agnes Schmidt und Hans Schreyer die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft (KAG), welche aber bei den Landtagswahlen 1927 mit 0,46 % der Stimmen den Einzug ins Parlament verfehlte. Geithner und seine Gruppe arbeiteten in der Folgezeit zeitweilig mit Karl Korsch zusammen und schlossen sich in der Endphase der Weimarer Republik der SAPD an.

Geithner wurde 1935 verhaftet, zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und nach Verbüßung der Strafe im Oktober 1938 ins KZ Buchenwald verschleppt, wo er bis zur Befreiung im April 1945 inhaftiert war. Nach Gotha zurückgekehrt, schloss er sich nicht der SED an, arbeitete bei der Thüringischen Volkszeitung und war von 1946 bis zu seinem Tod Direktor der Bibliothek auf Schloss Friedenstein.

Ehrungen[Bearbeiten]

Nach Otto Geithner ist seit 1977 in Gotha eine Straße benannt. Verlegung eines Stolpersteins für Otto Geithner am 4. Aug 2014 in Gotha, Oststr. 40

Literatur[Bearbeiten]

  • Katja Vogel: Aus dem Nachlass von Otto Geithner. In: Gothaisches Museums-Jahrbuch, 6(2003), S. 179-194.
  • Steffen Kachel: Ein rot-roter Sonderweg? Sozialdemokraten und Kommunisten in Thüringen 1919 bis 1949, = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, Kleine Reihe Band 29, S. 550.
  • Geithner, Otto. In: Hermann Weber, Andreas Herbst (Hrsg.): Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Zweite, überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.

Weblinks[Bearbeiten]