Otto Hörsing

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Otto Hörsing
Otto Hörsing spricht vor dem Berliner Schloss während der Verfassungsfeier am 11. August 1928

Friedrich Otto Hörsing (* 18. Juli 1874 in Groß-Schilleningken, Kreis Niederung; † 23. August 1937 in Berlin) war ein Politiker der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule in Groß Schilleningken in Ostpreußen absolvierte Hörsing von 1888 bis 1891 eine Lehre zum Schmied, arbeitete anschließend als Metallarbeiter bei Borsig in Berlin und besuchte ein Privattechnikums in Kiel. Hörsing wurde Mitglied der der SPD. Von 1905 bis 1908 war er hauptamtlicher Sekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Kattowitz, anschließend bis 1914 Sekretär des SPD-Bezirks Oberschlesien in Oppeln. Von 1914 bis 1918 nahm Hörsing am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt im Range eines Vizefeldwebels als Betriebsleiter eines Kriegsgefangenenlagers in Rumänien.

In der Zeit der Novemberrevolution und danach übte Hörsing als Berufspolitiker der SPD bedeutende Funktionen aus. Er war seit Januar 1919 Vorsitzender des Zentral-Arbeiter- und Soldatenrates für die Provinz Oberschlesien, vom 6. April 1919 bis Januar 1920 Reichskommissar für Oberschlesien und die Provinz Posen (seit 27. März war er bereits preußischer Staatskommissar gewesen). Daneben gehörte Hörsing 1919/20 der Weimarer Nationalversammlung und bis Dezember 1922 dem Reichstag an. Von 1924 bis 1932 war er Mitglied des Preußischen Landtags.

Seit dem 23. Februar 1920 leitete Hörsing als Oberpräsident die Verwaltung der preußischen Provinz Sachsen. Gemeinsam mit dem preußischen Innenminister Carl Severing schlug er 1921 die kommunistischen Aufstände in Mitteldeutschland nieder. In seiner Amtsführung zeigte Hörsing „ebensoviel praktische Energie wie verbale Disziplinlosigkeit“.[1]

Im Jahre 1924 ergriff Hörsing die Initiative zur Gründung des parteiübergreifenden Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, um im Zusammenwirken mit republikanisch gesinnten bürgerlichen Kräften Versammlungen und Kundgebungen vor militanten Angriffen aus dem monarchistischen, völkischen oder faschistischen Lager zu schützen. Vorbild war der Republikanische Schutzbund der österreichischen Sozialdemokratie. Die Gründungsversammlung wählte Hörsing am 22. Februar 1924 zum Vorsitzenden.

Hörsings zum Teil unkonventionelles Vorgehen im Amt, wie in der „Mordaffäre Haas“, das 1926 eine dreitägige Debatte im preußischen Landtag zur Folge hatte, seine heftige Kritik an den deutschnationalen Reichsministern in der Regierung Marx, besonders an dem Innenminister Keudell auf dem ostpreußischen Reichsbannertag in Königsberg im Mai 1927, sowie Vorwürfe gegen das Vorgehen der österreichischen Regierung während der „Wiener Ereignisse“ hatten die SPD-Koalitionsregierungen in Preußen immer wieder in Erklärungsnöte gebracht. Schließlich setzte der preußische Innenminister Albert Grzesinski am 21. Juli 1927 Hörsing als Oberpräsidenten nach einer Missbilligung durch die Reichsregierung ab.

Es folgte ein anwachsendes Zerwürfnis mit der SPD-Führung. Am 16. Dezember 1931 ersetzte der SPD-dominierte Vorstand des Reichsbanners Hörsing an der Spitze der Organisation durch den SPD-Politiker Karl Höltermann und am 3. Juli 1932 schloss die SPD Hörsing aus. Zwei Tage später gründete er zusammen mit dem Jugendsekretär und dem Kassierer des Reichsbanners, Paul Crohn,[2] die „Sozial-Republikanische Partei Deutschlands (Hörsing-Bewegung für Arbeitsbeschaffung)“ (SRPD). Am 13. September 1932 fasste der Reichsbanner-Vorstand gegenüber der SRPD einen Unvereinbarkeitsbeschluss und schloss den langjährigen Vorsitzenden aus. Bei der Wahl zum 7. Reichstag am 6. November 1932 erhielt die Hörsing-Partei reichsweit nur 8.395 Stimmen (0,02 %).

Hörsing lebte in Berlin, wo er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten weiterhin ehemaligen Funktionären der SPD verbunden blieb, darunter dem vormaligen Bezirksvorsitzenden in Ostpreußen und Reichsbannerführer Wilhelm Meißner (1899–1994). Zu dessen Kreis gehörten auch Hermann Schlimme, Josef Orlopp und Max Fechner. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1937 vermittelte Hörsing den Kontakt des aus der KZ-Haft entlassenen Julius Leber zu dieser Gruppe.[3]

In der Berliner Gropiusstadt erinnert seit 1972 der Hörsingsteig an ihn.[4]

Schriften[Bearbeiten]

  • D.Curius [d.i. Paul Crohn]: Otto Hörsings Kriegsplan zur Niederringung der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Helios-Verlag, Berlin 1931.
  • Otto Hörsing (Hrsg.): Neue Kampf-Front. Wochenzeitung für Arbeitsbeschaffung, Wirtschaftsbelebung und Politik. Publikationsorgan der Sozial-Republikanischen Partei Deutschlands (S.R.P.D.). [1. Jahrgang]. Berlin 1932 [es erschienen ab dem 8. Juni 1932 wöchentlich 26 Ausgaben].

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.
  • Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band 1. Verstorbene Persönlichkeiten. Verlag J. H. W. Dietz, Hannover 1960, S. 140

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So Heinrich August Winkler in: Der Schein der Normalität. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik. 1924 bis 1930. Dietz, Berlin 1985, ISBN 3-8012-0094-9, S. 404
  2. Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. Hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. München 1988, S. 62
  3. Hans-Rainer Sandvoß: Die „andere“ Reichshauptstadt. Widerstand aus der Arbeiterbewegung in Berlin von 1933 bis 1945. Lukas-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-936872-94-1, S. 145
  4. Hörsingsteig. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
    Die dort aufgestellte Behauptung, Hörsing sei wegen der Gründung „einer extrem-nationalistischen Sozialrepublikanischen Partei aus der SPD ausgeschlossen“ worden, ist unzutreffend.