Otto Keller (Philologe)

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Otto Keller (* 28. Mai 1838 in Tübingen; † 16. Februar 1927 in Ludwigsburg) war ein deutscher Klassischer Philologe.

Otto Keller als Student in Tübingen,1858
Prof. Otto Keller in Prag, 1897
Prof. Otto Keller 1918

Leben und Werk[Bearbeiten]

Otto Keller stammte aus einer schwäbischen Gelehrtenfamilie und war Sohn des Philologen Adelbert von Keller, der für seine herausragenden Leistungen geadelt worden war.

Er besuchte von 1856 bis 1861 die Universitäten in Tübingen und Bonn, an letztgenannter Hochschule als Schüler des Philologen Friedrich Ritschl. Anschließend war er im höheren Schuldienst tätig, seit 1866 als Rektor des württembergischen Lyzeums in Oehringen, bis er 1872 Professor an der Universität Freiburg i. Br. wurde, von wo er 1875 nach Graz berufen wurde. Sechs Jahre später – 1881 – folgte er einem Ruf an die deutsche Universität nach Prag, der er 28 Jahre lang bis zum Jahr 1909, seinem 71. Lebensjahr, angehörte.

Keller beschäftigte sich vor allem mit Horaz, so dass man ihn zur Unterscheidung von seinem Vater auch als „Horaz-Keller“ bezeichnete. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildete die Tierwelt in der Antike, die er in mehreren Monographien behandelte (Die antike Tierwelt, Tiere des klassischen Altertums in kulturhistorischer Beziehung, Tier- und Pflanzenbilder auf Münzen und Gemmen des klassischen Altertums). Seine erste größere Arbeit Untersuchung über die Geschichte der griechischen Fabel galt lange als grundlegend. Keller wurde überdies dadurch bekannt, dass er mit Heinrich Schliemann über die Frage, ob es sich bei den archäologischen Stätten, die dieser ausgegraben hatte, um Troja handelte oder nicht, ausführlich korrespondierte. Schließlich legte er die Arbeit Die Entdeckung Ilions zu Hissarlik 1871 als Antrittsvorlesung bei der Universität Freiburg vor, in der er Schliemann gegen zeitgenössische Kritiker verteidigte.

Aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste wurde Keller Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften. Vom König von Württemberg wurde ihm 1889 die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Komturkreuzes des Ordens der württembergischen Krone verliehen. Er war ferner K.K. österreichischer Hofrat.

Keller heiratete am 24. Mai 1869 Eugenie Leube, Tochter des Med.-Rats Wilhelm Leube in Ulm, eine Schwester Wilhelm von Leubes. Söhne des Paares waren Sigmund Keller (1870–1943) und Wolfgang Keller (1873–1943), Philologe und Lehrstuhlinhaber in Münster; die Tochter Clothilde Schaar (1874–1958) war Bildhauerin.

Schriften[Bearbeiten]

  • (1858) Die Schafzucht Kleinasiens im Altertum. Ausland 1858 N. 45.
  • (1860) Der karthagisch-römische Handel. Ausland 1860 N. 15.
  • (1862) Vulkanische Erscheinungen im Altertum. Ausland 1862, l—4, 12.
  • (1862) Untersuchungen über die Geschichte der griechischen Fabel. Jahrbuch f. klass. Phil. Leipzig. Doktordissertation.
  • (1871) Vicus Aurelii oder Oehringen zur Zeit der Römer. Winckelmann-Programm, Bonn
  • (1871. 1875) Die Entdeckung Ilions zu Hissarlik. Freiburg i. Br.
  • (1876) Ueber den Entwicklungsgang der antiken Symbolik. Graz
  • (1877) Rerum naturalium scriptores graeci minores.
  • (1878) Ueber die Bedeutung einiger Thiernamen im Griechischen und Lateinischen. Graz
  • (1878) Kritische Beiträge zum 4. Buch der Horazischen Oden. Sitzungsberichte der Akad. d. Wiss. Wien
  • (1879—1880) Epilegomena zu Horaz. T. l—3. Leipzig
  • (1883—1886) Der Saturnische Vers als rhythmisch erwiesen. 1. Leipzig und Prag 1883. 2. Prag 1886
  • (1887) Tiere des klassischen Altertums in kulturgeschichtlicher Beziehung. Innsbruck
  • (2001) Tiere des klassischen Altertums in kulturgeschichtlicher Beziehung, Georg Olms Verlag, ISBN 348709424X, 9783487094243, 488 Seiten.
  • (1887—1890) Prager philologische Studien. H. l 1887. H. 2 1890.
  • (1889) Tier- und Pflanzenbilder auf Münzen und Gemmen des klassischen Altertums. Von Imhoof-Blumer und Otto Keller. 1889.
  • (1890) Xenophon Atheniensis: Historia graeca. Herausgeg. 1890 u. ö.
  • (1891) Lateinische Volksethymologie und Verwandtes. Leipzig
  • (1893—1895) Zur lateinischen Sprachgeschichte. Teil 1: Lateinische Etymologien. Leipzig Teil 2: Grammatische Aufsätze. 1895.
  • (1894) Scholia antiqua in Horatium Flaccum. Recens. mit Alfred Holder. 1894.
  • (1924) Q. Horatius Flaccus. Für den Schulgebrauch herausgeg. v. O. Keller u. I. Häußner. 6. A. Leipzig
  • (1905) Hunderassen im Altertum. Jahresh. d. Oesterreich. Arch. Inst. B. 8.
  • (1905) Die Fledermaus im klassischen Altertum.
  • (1905) Frosch und Kröte im klassischen Altertum. Beides in: Kulturgeschichtliches aus der Tierwelt. Prag 1905
  • (1908) Zur Geschichte der Katze im Altertum. In: Mitt. d. Deutsch. Arch. Inst. Rom 23, 40—70
  • (1909—1913) Die antike Tierwelt. 2 Bde. Leipzig 1903—1913.
  • (1920) Gesamtverz. v. Eugen Staiger.
  • Aufsätze über Naturgeschichtliches in Bursian Müllers Jahresberichte über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft. Band 2, 3, 19, 28, 40
  • Keller Otto Sigismund, Keller Sigmund (1899) Untersuchungen über die ludices sacri Palatii laternensis.

Literatur[Bearbeiten]

  • Keller Otto von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 289.
  • Georg Keller: Geschichte der Familie Keller. Stuttgart 1922
  • Oscar Paret: Otto Keller - Klassischer Philologe und Archäologe 1838-1927. In: Württembergisch Franken, Band 48 (1964)
  • Alois Kernbauer: Otto Keller (1876-1881). In: Das Fach Klassische Philologie an der Universität Graz vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Mit Beiträgen von Herbert H. Egglmaier, Walter Höflechner, Alois Kernbauer, Walter Primig, Peter G. Tropper, Franz-Anton Wallisch. In: Beiträge und Materialien zur Geschichte der Wissenschaften in Österreich. Hrsg. von Walter Höflechner (= Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz 11), Graz 1981, S. 120-132.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Otto Keller (Philologe) – Quellen und Volltexte