Otto Moll

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Otto Moll (* 4. März 1915 in Hohen Schönberg bei Kalkhorst, Nordwestmecklenburg; † 28. Mai 1946 in Landsberg am Lech) war ein deutscher SS-Hauptscharführer und im KZ Auschwitz-Birkenau für den Betrieb der Krematorien verantwortlich.

Leben[Bearbeiten]

Nach einer Berufsausbildung als Gärtnergehilfe trat Moll 1933 in den freiwilligen Arbeitsdienst in Velten ein. Im Mai 1935 wurde er als SS-Anwärter zur SS-Totenkopfstandarte „Brandenburg“ in Oranienburg nördlich von Berlin eingezogen und am 16. November 1936 endgültig in die SS aufgenommen. Von 1938 bis 1941 war Moll im Konzentrationslager Sachsenhausen als Kommandoführer der Gärtnerei tätig. Am 2. Mai 1941 wurde er dann ins KZ Auschwitz-Birkenau versetzt und war zunächst für die Leitung der landwirtschaftlichen Arbeiten und dann der Strafkompanie zuständig. Danach, bis zur Inbetriebnahme der Krematorien des Vernichtungslager in Birkenau, leitete er in verschiedenen Funktionen das Sonderkommando für die Leichenverbrennung in den Gruben bei den Bunkern I und II. Dabei zeichnete er sich bei der Behandlung der Häftlinge durch besonderen Sadismus aus, der ihm den Beinamen „Henker von Auschwitz“ eintrug. Die Häftlinge des Sonderkommandos gaben ihm den Namen „Malahamoves“, das hebräische Wort für Todesengel.[1] Nach Zeugenaussagen überlebender Häftlinge verübte Moll in Auschwitz-Birkenau zahlreiche Morde wie die Erschießung von Frauen und Kindern persönlich.[2] Am 30. April 1943 wurde Moll für seine „Verdienste“ mit dem Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. In der Zeit von September 1943 bis März 1944 leitete er das KZ Fürstengrube, ein Nebenlager vom KZ Auschwitz, und anschließend bis Mai 1944 das neueröffnete Nebenlager Gleiwitz I. Danach wurde er von Rudolf Höß zum Bevollmächtigten für die Vernichtung der ungarischen Juden, der sogenannten Ungarn-Aktion, berufen und leitete die Sonderkommandos in den Birkenauer Krematorien. Ende 1944, nach Beendigung der Ungarn-Aktion, bis zur Evakuierung des KZ Auschwitz Mitte Januar 1945 leitete er wieder das Nebenlager Gleiwitz I. Er erdachte auch den sogenannten „Moll-Plan“, die Bombardierung des Lagerkomplexes nach der Evakuierung durch die Luftwaffe und damit die Tötung der zurückbleibenden Häftlinge, der jedoch nicht umgesetzt wurde.

Nach der Evakuierung des KZ Auschwitz soll Moll kurzzeitig zwischen dem KZ Sachsenhausen und dem KZ Ravensbrück mit einer Gruppe von Spezialisten gependelt sein und dort Vergasungen und Erschießungen von Häftlingen geleitet beziehungsweise durchgeführt haben.

Die letzte Station von Molls SS-Laufbahn waren ab dem 25. Februar 1945 diverse Kauferinger Nebenlager des KZ Dachau (größter Konzentrationslagerkomplex innerhalb des Deutschen Reichs; 11 Konzentrationslager). Hier war er für die Arbeitseinteilung der Häftlinge verantwortlich. Dabei soll Moll Häftlinge geschlagen und ihre Versorgung vernachlässigt haben. Nach übereinstimmenden Aussagen ehemaliger Häftlinge und Zwangsarbeiter war Moll Ende April 1945 auf dem Todesmarsch von Dachau nach Tirol an der Erschießung von mindestens 120 russischen Zwangsarbeitern bei Buchberg beteiligt.[3] Nach Aussagen des zuletzt in Kaufering II inhaftierten Kapos Wilhelm Metzler soll Moll dabei 26 russische Zwangsarbeiter eigenhändig erschossen haben.[4]

Im Mai 1945 wurde Moll von den Amerikanern verhaftet. Am 15. November 1945 wurde Moll im Dachau-Hauptprozess, der im Rahmen der Dachauer Prozesse stattfand, von einem amerikanischen Militärgericht als Kriegsverbrecher angeklagt und am 13. Dezember 1945 mit 35 weiteren Mitangeklagten zum Tod durch den Strang verurteilt. Beim Urteil wurden als individuelle Exzesstaten bei Moll die Misshandlung von Häftlingen sowie die Erschießung von Häftlingen auf dem von Kaufering ausgehenden Evakuierungsmarsch berücksichtigt.[5] Das Urteil wurde am 28. Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg vollstreckt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Shlomo Venezia: Leichen verscharren in der Hölle von Auschwitz. In: Welt-Online, 25. Januar 2008
  2. Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. München 1985, 15. Auflage, Taschenbuchausgabe, S. 186
  3. A. Wagner: Der Fussmarsch von Dachau nach Allach und Tirol
  4. BayHStA: Dachau Prozeß, Mikrofilm 89: Wilhelm Metzler: Brief an das Rote Kreuz in Landsberg im Zusammenhang mit seinem Kriegsverbrecher-Prozeß 1947, ohne Datumsangabe
  5. Holger Lessing: Der erste Dachauer Prozess (1945/46)., Baden-Baden 1993, S.322