Otto Reutter

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Otto Reutter, 1900
Otto Reutter im Berliner Apollo-Theater, Plakat von Paul Haase, um 1912
Otto Reutter, 1930
Otto Reutter im Film Otto heiratet
Gedenktafel an seinem Haus in Berlin-Wilmersdorf

Otto Reutter (* 24. April 1870 in Gardelegen; † 3. März 1931 in Düsseldorf; eigentlich Friedrich Otto August Pfützenreuter)[1] war ein deutscher Sänger, Verfasser von Liedern und Komiker.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn von Andreas Pfützenreuter (1843–1899), einem Handlungsreisenden, der beim Militär bei den Ulanen diente, stammte er väterlicherseits aus einer katholischen Familie aus dem Eichsfeld, mütterlicherseits aus der Altmark. Reutter besuchte die katholische Volksschule in Gardelegen und absolvierte von 1884 bis 1887 eine Lehre als kaufmännischer Gehilfe in Gardelegen, Worbis und Lychen. Im Sommer 1887 war er Statist in „Fröbels Sommertheater“ in Berlin. Ein erster großer Erfolg war der 1898 im amerikanischen Musikverlag The B.F.Wood Music Company Boston erschienene Schlager „Ich bin eine Witwe (Lied und Rheinländer)“ mit Musik von Wilhelm Aletter.

In der Zeit des Ersten Weltkrieges produzierte Reutter ab 1915 im angemieteten „Palasttheater am Zoo“ in Berlin sogenannte „Kriegsrevuen“, ab Ende 1916 sang er eher Lieder, in denen das Geschehen und die allgemeine Meinung teilweise kritisch als humorvoll dargestellt wurde. So erzählt das Lied Ich möcht’ erwachen beim Sonnenschein eher melancholisch, teilweise sogar sehr traurig über die allgemeine Stimmung in der Nachkriegszeit und Reutters Verlust seines Sohnes Otto Reutter jun. (geb. 1896) in der Schlacht um Verdun im Mai 1916.

In den 1920er Jahren trat Otto Reutter mit jenen Couplets vor allem im Wintergarten auf, die heute noch bekannt sind und die u. a. von Peter Frankenfeld, Robert Kreis, Markus Schimpp, Meigl Hoffmann und anderen Interpreten vorgetragen und umgesetzt wurden. Insgesamt soll er über 1000 Couplets verfasst haben. Nachgewiesen sind rund 400 Couplets, die in diversen Schallplatten-Aufnahmen und Notendrucken erhalten sind. Reutters Couplets wurden häufig auch von anderen Humoristen, wie Gustav Schönwald oder Armin Berg vorgetragen. Hiervon gibt es ebenfalls Schallplatten-Aufnahmen. Die Schallplattenaufnahmen von Otto Reutter wurden teilweise von einem Orchester begleitet (Grammophon-Studioorchester unter der Leitung von Bruno Seidler-Winkler, später vom Paul-Godwin-Ensemble unter Leitung von Paul Godwin), teilweise hatte er eine Klavierbegleitung.

Otto Reutter betätigte sich auch als Schauspieler. So spielte er 1912 in zwei Kurzfilmen mit, Otto heiratet und Otto als Dienstmann. Möglicherweise war er auch an den Filmen Otto, der Kinostar und der Dackel und Otto hat Pech beteiligt, diese Filme weisen aber außer im Titel nicht auf Otto Reutter als Mitwirkenden hin. Von den vier Filmen existieren keine Exemplare mehr, lediglich drei Standbilder sollen erhalten sein. Er spielte außerdem in verschiedenen Filmen als Statist mit, unter anderem in einem Film über den Hauptmann von Köpenick.

In seinen Couplets sah er nicht nur gesellschaftliche Ereignisse voraus, sie spendeten auch Trost in Zeiten der Entbehrung. Allerdings folgten seine Couplets immer dem jeweiligen Zeitgeschmack und den Tagesereignissen. Man lachte mit der Menge des Volkes über den Erbfeind, über den Reichstag, über das Wunderpferd Hans, über die Gewerkschaft, über die Frau. Reutter forderte in einem Couplet der 1920er Jahre sogar einen neuen starken Führer, damit es vorwärtsgehen sollte – wenngleich er sich sicher dabei nicht einen Adolf Hitler vorstellte. Seine Couplets zeigen somit den damaligen Zeitgeist recht eindrucksvoll. Auch sein heute noch wohl bekanntestes Couplet, Der Überzieher, stammt aus dieser Zeit. (Seh ich weg – von dem Fleck / Ist der Überzieher weg!)

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Aber der Mann
  • Aber jlücklich macht det nicht
  • Aber keiner fängt an
  • Ach, machen ’se das nochmal
  • Ach wie fein (wird’s in 100 Jahren sein) (um 1900)
  • Das Hirschfeldlied (1908)
  • Der Kriegsgewinnler (1919)
  • Alles wegn de Leut (1926)
  • Berlin ist ja so jroß
  • Bevor de sterbst
  • Das ist so einfach und man denkt nicht dran (1925)
  • Der Blusenkauf
  • Der gewissenhafte Maurer (1920)
  • Der Überzieher (1925)
  • Die Liebesgabenkiste
  • Die ganze Geschicht’, die lohnt sich nicht
  • Ein Sachse ist immer dabei (1930)
  • Einmal im Jahr
  • Es geht vorwärts
  • Es ist nichts Halbes, es ist nichts Ganzes
  • Es geht mir in jeder Hinsicht immer besser
  • Gräme dich nicht
  • Gründ’n wir ’ne GmbH
  • Herr Neureich
  • Ich bin ein Optimiste
  • Ich bin eine Witwe (1898)
  • Ich kann das Tempo nicht vertragen
  • Ick wunder mir über jarnischt mehr
  • In fünfzig Jahren ist alles vorbei (1920)
  • Ist das nicht komisch
  • Kinder, Kinder, sorgt für Kinder
  • Laß dir bloß die Nase ändern
  • Laß sie hungern
  • Man sagt
  • Man wird ja so bescheiden
  • Mit der Uhr in der Hand
  • Na, nun tun Se mal nicht so
  • Nun grade nicht
  • Nun weißt du Bescheid
  • Nehm Se ’n Alten (1926)
  • Mir hab’n se als jeheilt entlassen (1928)
  • Phantasie ist jederzeit schöner als die Wirklichkeit
  • Sei gescheit
  • Sei modern
  • Sei nicht blöd
  • Und dadurch gleicht sich alles wieder aus (1928)
  • Und so kommen wir aus der Freude gar nicht raus (1930)
  • Was ich nicht weiß
  • Widewitt bumbum
  • Wie reizend sind die Frauen
  • Wir fang’n noch mal von vorne an (1925)
  • Zwanzig Jahre später

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1912: Otto Reutter will Schauspieler werden (als Otto Reuter)
  • 1914: Otto heiratet
  • 1915: Otto als Dienstmann
  • 1927: Frühere Verhältnisse

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Oppermann (Hrsg.): Otto Reutter. Ein Gedenkbuch über sein Leben und Schaffen. Verlag G. Danner, Mühlhausen (Thüringen) 1931.
  • Otto Reutter: Habn Sie 'ne Ahnung von Berlin! Heitere Lieder und Couplets. Herausgegeben von Helga Bemmann. Parthas, Berlin 2002, ISBN 3-932529-44-8 (Medienkombination: Buch und Audio-CD).
  • „Wie wird man Humorist?“ Theatergeschichten, Schnurren und Couplets. Hörcollage von Peter Eckhart Reichel. Es liest und singt Walter Plathe. duo-phon records, Berlin 2004, ISBN 3-937127-05-4.
  • Helga Bemmann: Reutter, Otto. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 473 f. (Digitalisat).
  • Herbert Becker: Otto Reutter. Meister der Couplets. Sutton, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-604-7.

Veröffentlichte Tonträger (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Otto Reutter – Der König der Kleinkunst – Folge 1 und 2 – 2005 Membran Music Ltd., ISBN 3-86562-235-6 und ISBN 3-86562-236-4.
  • OTTO Reutter – Langspielplatte AMIGA /VEB Deutsche Schallplatten Berlin DDR 1971 (AMIGA-Seriennummer 8 40 088 )

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Otto Reutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Herbert Becker: Gardelegen. Tausend Jahre einer Stadt. Sutton, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-840-9, S. 75 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).