Ottoline Morrell

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Lady Ottoline Morrell, 1902

Lady Ottoline Morrell (* 16. Juni 1873 in Tunbridge Wells, Kent; † 21. April 1938 in London) war eine englische Aristokratin und Kunstmäzenin. Zu Bekanntheit brachte sie es vor allem durch ihre gesellschaftliche Rolle als Gastgeberin für einen Kreis von Schriftstellern und Künstlern um den Bloomsbury-Kreis, sowie durch ihre Affären mit mehreren prominenten Zeitgenossen, darunter Bertrand Russell.

Leben[Bearbeiten]

Die geborene Ottoline Violet Anne Cavendish-Bentinck durfte ab 1879, als ihr Halbbruder William den Titel eines Duke of Portland erbte, die Anrede Lady führen. Sie hatte mehrere Verbindungen zum britischen Adel, unter anderem war Elizabeth Bowes-Lyon ihre Cousine. 1902 heiratete sie den liberalen Politiker Philip Morrell, mit dem sie eine Tochter hatte. Mit ihrem Ehemann führte sie eine offene Beziehung, beide hatten über die Jahre in gegenseitigem Wissen verschiedene Geliebte.

Bertrand Russell, den sie kennenlernte, als dieser politisch mit ihrem Ehemann zusammenarbeitete, war von 1911 bis 1916 ihr Geliebter. Mit Russell verblieb sie bis an ihr Lebensende in enger Freundschaft, was durch zahlreiche erhaltene Briefe bezeugt wird.

Ottoline Morrell hatte später weitere Affären, unter anderem mit den Künstlern Augustus John, Roger Fry und Dora Carrington sowie mit der Schriftstellerin Dorothy Bussy. Polyamory und Bisexualität waren bei den Mitgliedern der Bloomsbury Group nicht unüblich.

Als Gastgeberin brachte Ottoline in ihrem Haus in London, das als Salon diente, viele prominente Personen der liberalen Künstler- und Schriftstellerszene zusammen, darunter unter anderem D. H. Lawrence, T.S. Eliot, Leonard Woolf und Virginia Woolf sowie Stephen Spender. Im Jahr 1915 kaufte das Ehepaar Morrell Garsington Manor bei Oxford, in dem Ottoline die Mitglieder des Bloomsbury Kreises empfing. Viele ihrer Gäste unterstützte sie auch finanziell.

Ottoline Morrell wurde in mehreren literarischen Werken ihrer Freunde und Gäste karikiert. Durch sie inspiriert wurden die Figuren der Mrs. Bidlake in Point Counter Point von Aldous Huxley, der Hermione Roddice in Liebende Frauen (Women in Love) von D. H. Lawrence, der Lady Caroline Bury in It’s a Battlefield von Graham Greene und der Lady Sybilline Quarrell in Forty Years On von Alan Bennett. Manche Kritiker vermuten, dass auch die Figur Lady Chatterleys ihr nachempfunden ist.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Miranda Seymour: Ottoline Morrell: Life on the Grand Scale, Farrar Straus Giroux, New York 1993, ISBN 0-374-22818-3
  • Ursula Voß: Bertrand Russell und Lady Ottoline Morrell. Eine Liebe wider die Philosophie, Rowohlt, Berlin 1999, ISBN 3-87134-310-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lady Ottoline Morrell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. guardian.co.uk