Ouessant

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Ouessant
Wappen von Ouessant
Ouessant (Frankreich)
Ouessant
Region Bretagne
Département Finistère
Arrondissement Brest
Kanton Ouessant
Koordinaten 48° 27′ N, 5° 6′ W48.457222222222-5.096944444444419Koordinaten: 48° 27′ N, 5° 6′ W
Höhe 0–61 m
Fläche 15,58 km²
Einwohner 883 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 57 Einw./km²
Postleitzahl 29242
INSEE-Code
Website www.ouessant.fr
Karte der Insel

Ouessant (bretonisch: Enez Eusa, engl. Ushant) ist eine französische Insel vor der bretonischen Küste im Atlantik. Ouessant bildet zugleich eine Gemeinde mit 883 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) und den französischen Kanton Ouessant, der lediglich aus dieser Gemeinde besteht. Die Insel gehört zur Region Bretagne im Département Finistère im Arrondissement Brest.

Lage und Beschaffenheit[Bearbeiten]

Die 15,58 km² große Insel liegt etwa 20 Kilometer westlich der Küste des Départements Finistère. Die Insel stellt somit den westlichsten Teil des französischen Mutterlandes dar und markiert den äußersten westlichen Abschluss des Ärmelkanals sowie den nördlichen Abschluss des Seegebietes Iroise.

Ouessant besteht wie nahezu alle bretonischen Inseln aus Granitgestein, an ihrer höchsten Erhebung erreicht die Insel 61 m. Die Form der Insel erinnert entfernt an eine Krabbe. Die Gemeinde Ouessant besteht aus offiziell 92 Weilern; Hauptort und Sitz der Verwaltung ist Lambaol/Lampaul.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

Leuchtturm von Nividic

Viele Einwohner leben heute vom Tourismus und dem Dienstleistungsgewerbe. Die Anzahl der Arbeitskräfte in den nautischen Berufen (Fischer, Seeleute oder Leuchtfeuerwärter) ist rückläufig. Die Landwirtschaft spielt kaum noch eine Rolle; für die Imkerei ist die Insel wichtig, da es auf ihr einen reinen, Varroa-freien Bestand der bretonischen Dunklen Biene gibt.

In den Sommermonaten kommen zahlreiche Tagestouristen, die für einige Stunden die Insel erkunden. Gästen, die länger bleiben, stehen einige kleinere Hotels und Privatunterkünfte zur Verfügung. Die Insel ist landschaftlich reizvoll, bietet aber weder bedeutende Badestrände noch herausragende touristische Sehenswürdigkeiten. Erwähnenswert ist der im Westen gelegene, eindrucksvolle 55 Meter hohe Leuchtturm Phare du Créac’h mit einem kleinen Museum über maritime Signaleinrichtungen.

Nach Ouessant besteht eine tägliche Fährverbindung von Brest über die deutlich kleinere, bewohnte Nachbarinsel Molène, die unterwegs angelaufen wird. Ferner ist ein kleiner Flugplatz vorhanden, der vom Flughafen Brest aus angeflogen wird. Ebenso besteht eine Fährverbindung vom Fischerdorf Le Conquet nach Ouessant, durch die Fähre Le Fromveur.

Bedeutung für die Seefahrt[Bearbeiten]

Die Insel markiert für die von Südwesten aus dem Atlantik kommenden Schiffe den Eingang zum Ärmelkanal. Der weithin sichtbare Leuchtturm Phare du Créac’h, besser bekannt als Ushant Lighthouse, ist für Seefahrer das erste Leuchtfeuer nach der Überquerung der Biskaya und die wichtigste Kursmarke für die Einfahrt in den Ärmelkanal. Nordwestlich des Leuchtturms liegt ein Verkehrstrennungsgebiet zur Regulierung der Schifffahrt bei der Kursänderung vom Atlantik in den Ärmelkanal und umgekehrt. Ein Radarturm neben dem Leuchtturm Phare du Stiff im Nordwesten der Insel dient der Kontrolle des Verkehrstrennungsgebietes.

Historische Bedeutung[Bearbeiten]

Der Steinkreis Pen-ar-Lan

„Die Insel des Weltenendes“ besaß mehrere Megalithanlagen, darunter den von Admiral Antoine-Jean-Marie Thévenard im Jahre 1800 so benannten „Heidentempel“. Ein eckiges Gehege, eine so genannte „Quadrilatère“, ist nur noch als Aquarell des Malers Jean-Baptiste Debret vorhanden. Überlebt hat der kleine ovale Steinkreis von Pen-ar-Lan im äußersten Westen der Insel.

Ouessant ist bekannt für seine maritime Vergangenheit, sowohl bezüglich der Fischerei aber und vor allen Dingen auch wegen seiner herausragenden Funktion als französische Landmarke im Ärmelkanal. Der Leuchtturm Phare du Stiff, dessen Bau 1695 unter dem Festungsbaumeister Vauban begonnen und 1700 beendet wurde, war der erste französische Leuchtturm am Ärmelkanal. (siehe auch Liste europäischer Leuchttürme / Frankreich)

Verschiedene berühmte Seeschlachten fanden im Seegebiet vor Ouessant statt. Der berühmte französische Organist und Komponist Charles Tournemire (1870–1939) besaß ein Haus auf Ouessant, und ließ Wildheit und unbändige Naturgewalten dieser Insel in seine spätromantischen Kompositionen einfließen.

1896 sank die Drummond Castle nach der Kollision mit einem Felsen. 243 der 246 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Im Mai 1922 kollidierte 25 Meilen vor der Insel der britische Passagierdampfer Egypt mit einem französischen Frachter und sank innerhalb weniger Minuten, wobei 87 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Es war eine der schwersten Schiffstragödien in dieser Region zu Friedenszeiten.

Von Juli 1940 bis Sommer 1944 war Nordfrankreich von Truppen der Wehrmacht besetzt, die Frankreich binnen weniger Wochen im Westfeldzug zu einem kapitulationsähnlichen Waffenstillstand, den Waffenstillstand von Compiègne, gezwungen hatten. Dann hatten sie an der Ärmelkanalküste eine Kette von Verteidigungsbauwerken (Atlantikwall) errichtet. Am 6. Juni 1944 („D-Day“) begann die Landung der Alliierten in der Normandie. Auf Ouessant waren einige Wehrmacht-Soldaten stationiert. Während der Schlacht um Brest sagten sie sich von ihrer Truppe los, stellten sich auf die Seite der Inselbevölkerung und vertrieben mit Schüssen ein deutsches Boot, das nach ihnen als „Vermissten“ suchen sollte.[1]

Am 16. März 1978 sank 10 km vor der Insel der Öltanker Amoco Cadiz und verschmutzte die Küste der Bretagne.

Bereits 1929 drehte Regisseur Jean Epstein mit Einwohnern der Insel den Stummfilm Finis Terræ, der teilweise auf Ouessant spielt. Auch in dem französischen Spielfilm Die Frau des Leuchtturmwärters aus dem Jahr 2004 wurde dem kargen Leben auf der rauhen Insel ein Denkmal gesetzt.

Der Phare de la Jument im Südwesten von Ouessant ist das Motiv der sehr bekannten Fotografie von Jean Guichard aus dem Jahr 1989, das den Leuchtturmwärter in der offenen Türe des Turmes zeigt, welcher gerade von einer riesigen Welle eingehüllt wird.

Literarisches[Bearbeiten]

Der junge Bernhard Kellermann hat sich einige Zeit auf der Insel aufgehalten und ihr und ihren Bewohnern mit seiner Erzählung Das Meer (1910) ein Denkmal gesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ouessant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lars Hellwinkel: Hitlers Tor zum Atlantik. Links Verlag 2012.