Ougenweide
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| Ougenweide | |
|---|---|
Logo der deutschen Folkband Ougenweide |
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| Gründung | 1970 |
| Auflösung | 1985 (vorläufig) |
| Genre | Folk Rock |
| Website | http://www.oton-studio.com/ |
| Gründungsmitglieder | |
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| Letzte Besetzung vor der Auflösung | |
| Gesang, Schlagzeug | Olaf Casalich |
| Akustische und E-Gitarre | Wolfgang von Henko |
| Blasinstrumente, Saiteninstrumente | Frank Wulff |
| E-Bass, Kontrabass | Stefan Wulff |
| Perkussion, Glockenspiel | Jürgen Isenbart |
| Gesang, Klavier | Minne Graw |
| Ehemalige Mitglieder | |
| Gesang | Renée Kollmorgen (1973) |
| Gesang | Brigitte Blunck (1973) |
| Schlagzeug, Programming | Stefan Rager (1996) |
Ougenweide ist eine deutsche Folk-Rock-Band und Vorreiterin des Mittelalter-Rock in Deutschland.
Ihr Name rührt vom mittelhochdeutschen Wort ougenweide her (Augenweide = ein Anblick, woran man sich weidet).
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Bandgeschichte
[Bearbeiten] Die Anfänge
Eine Vorgängerband bestand Ende 1969 aus Frank Wulff, Michael Steinbeck, Jürgen Isenbart und Brigitte Blunck. Ougenweide wurde im Frühjahr 1970 in Hamburg gegründet. Von Beginn an setzte sich die Band das Ziel, vor allem mittelalterliche Lieder und Gedichte (neu) zu vertonen, wobei der Blickwinkel nie streng auf das Mittelalter beschränkt blieb. Die Band benannte sich nach dem gleichnamigen Lied von Neidhart von Reuental, der ersten gemeinsamen Komposition von Ougenweide (siehe auch: Strophe des Originals). Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die Kombo 1971 bei einem Schulfest. Nach kurzer Zeit wurden Stefan Wulff und Olaf Casalich Bandmitglieder. Ab diesem Zeitpunkt nannten sie sich Ougenweide.
Die Multiinstrumentalisten Olaf Casalich, Wolfgang von Henko, Frank Wulff, sein jüngerer Bruder Stefan Wulff und Jürgen Isenbart nahmen 1973 mit dem Produzenten Achim Reichel ihr erstes Album Ougenweide auf, damals noch mit den Sängerinnen Renée Kollmorgen und Brigitte Blunck. An deren Stelle trat im September des gleichen Jahres die ausgebildete Sängerin Minne Graw.
[Bearbeiten] Die erfolgreichen Jahre 1974–1979
Nach dem 1974 erschienenen Album All die weil ich mag, das textlich einen Bogen von den Merseburger Zaubersprüchen aus dem 9. Jahrhundert über Walther von der Vogelweide und Heinrich von Mügeln bis zu Goethe spannt, folgten 1975 Auftritte mit bekannten Musikern und Bands wie Fairport Convention, Steeleye Span, Planxty, Amazing Blondel, Alan Stivell und Konstantin Wecker. Dichter und Schriftsteller Peter Rühmkorf und Regisseur Gerd Zenkel erstellten im selben Jahr in Zusammenarbeit mit der Band einen Fernsehfilm über das Leben Walthers von der Vogelweide.
Ein Jahr später veröffentlichte die Band gleich zwei Alben: die LP Ohrenschmaus, welche mit Im Badehaus, Pferdesegen, Bald anders und Kommt ihr Jungfern helft mir klagen einige der bekanntesten Lieder der Band enthält; und noch im Dezember desselben Jahres das Album Eulenspiegel, dessen erste Plattenseite ausschließlich Lieder enthält, die Ougenweide zu einer Tübinger Eulenspiegel-Inszenierung beisteuerten, während die zweite Seite die bewährte Mischung aus Vertonungen mittelalterlicher Texte und beschwingten Tanzweisen bietet. Totus floreo (aus Carl Orffs Carmina Burana) und Wol mich der Stunde – die Vertonung eines mittelhochdeutschen Textes von Walther von der Vogelweide – gehören zu den bekannteren Stücken dieses Albums.
In den Jahren 1977 und 1978 gab Ougenweide jeweils bis zu 180 Konzerte. Dies festigte ihren Ruf als Live-Band, was auch durch die Veröffentlichung des Live-Doppelalbums Ungezwungen dokumentiert wurde.
Die 13-teiligen Fernsehserie Dokumente Deutschen Daseins (Regie: Gerd Zenkel), die 1978 gedreht wurde, betreute die Band sechs Folgen lang musikalisch. Diese Zusammenarbeit mündete in die LP Frÿheit, die erstmals keine mittelalterlichen Texte beinhaltet, sondern einen Bogen vom Bauernkrieg von 1525 über den Dreißigjährigen Krieg bis zur Revolution von 1848 spannt. Außerdem wirkten Ougenweide in zwei Folgen über Die Stauffer, einem Film von Peter von Zahn, mit. Es folgten Auftritte in Fernseh-Musiksendungen wie Phonzeit, Liedercircus, Kultur- und Nordschau-Magazin sowie der Sesamstraße. Im gleichen Jahr sendete der Saarländische Rundfunk ein 45-Minuten-Porträt der Gruppe von einem Live-Auftritt in der mit 3.000 Zuschauern ausverkauften Saarbrücker Saarlandhalle. Gastspielreisen brachten die Band in die Niederlande (de Doelen Rotterdam Festival), die Schweiz (Nyon Festival), nach Österreich, nach Polen, ins Elsass und nach England (als erste deutsche Band auf dem Cambridge Festival) und in die Sowjetunion zu Konzerten in Leningrad (St. Petersburg). Höhepunkte aber waren die Konzerte im Hamburger Stadtpark auf der Freilichtbühne, wo bis zu 4.000 Menschen tanzten. Im selben Jahr erschien im Verlag Zweitausendeins ein Liederbuch mit allen Noten und Texten der bisher erschienenen Studioalben.
In Folge dieses erfolgreichen Jahres erschien 1979 mit Ousflug die erste nicht von Reichel produzierte LP. Mit einer weiteren Walther-von der-Vogelweide-Vertonung, drei Tänzen, einem sozialdemokratischen Text des 19. Jahrhunderts sowie einigen selbstgetexteten Stücken bietet Ousflug eine Art Quintessenz des bisherigen Schaffens der Band.
[Bearbeiten] Das (vorläufige) Ende
Nachdem noch 1979 eine Art „Best of...“-Doppelalbum in der „Liederbuch“-Reihe der Polydor erschienen war, vollzog die Band mit dem 1980 veröffentlichten Album Ja-Markt einen radikalen Schnitt. Von „Minne-Rock“ ist nicht mehr viel zu spüren, stattdessen wartet die Platte mit rockigeren Klängen zu fast ausschließlich selbstgeschriebenen, sozialkritischen Texten auf.
Diese Anfang der 1980er freilich nicht mehr ganz zeitgemäße Mischung wurde auf dem 1981 erschienenen Album Noch aber ist April beibehalten und noch um ein ganzes Stück weitergetrieben. Diese Entfernung vom ursprünglichen Bandkonzept mag mit dafür verantwortlich sein, dass die LP sich so schlecht verkaufte, dass Ougenweide ihren Plattenvertrag verloren. Ihre Plattenfirma hinderte dies aber nicht, 1983 die Kompilation Lieder aus 9 Jahrhunderten zu veröffentlichen. Auf den vier LPs finden sich die wichtigsten Lieder der Gruppe chronologisch nach ihrer textlichen Entstehung geordnet.
Der Erfolg der Band ließ in den folgenden Jahren weiter nach, was von Frank Wulff heute einerseits mit dem veränderten Publikumsgeschmack, andererseits aber auch mit den immer weiter divergierenden musikalischen Präferenzen der einzelnen Bandmitglieder erklärt wird. Trotz allem tourte die Band weiter, bis sie sich 1985 nach einer sehr erfolgreichen Abschiedstournee auflöste.
[Bearbeiten] Die Jahre danach
In den folgenden Jahren verfolgten die Musiker – zum Teil bis heute – unterschiedliche Projekte: die Wulff-Brüder und Wolfgang von Henko schrieben Film- und Theatermusik, Olaf Casalich arbeitete u.a. als Trommellehrer, und alle sind hin und wieder als Gastmusiker für andere Musiker tätig (so ist Frank Wulff festes Mitglied der Begleitband von Etta Scollo und der Achim Reichel Band (Wilder Wassermann Tour 2004 und Volxliedertour 2006). Daneben betreiben Frank und Stefan Wulff seit 1985 in den ehemaligen Proberäumen von Ougenweide das O'ton Studio, in dem beispielsweise Blumfeld ihr Album „Verbotene Früchte“ produzierten, Lou Reed die Ouvertüre zur der im Hamburger Thalia Theater aufgeführten Rockoper TIME ROCKER einspielte, Bert Jansch, Pentangle, die Tiger Lillies und viele andere Musiker ihrer Passion nachgingen. Jürgen Isenbart unterhielt eine Kochsendung beim Offenen Kanal Hamburg, für die er 1999 in Stefan Raabs Sendung TV Total für den „Raab der Woche“ nominiert wurde.
[Bearbeiten] Das Comeback
[Bearbeiten] Die Zusammenarbeit mit Time of Roses
1996 trat die Band in neuer Besetzung zusammen – Minne Graw und Jürgen Isenbart waren nicht mehr dabei. Zusammen mit dem Tessera Streichquartett und dem A Cappella-Quintett Time Of Roses entstand das hörbar von esoterischen Ambient-Klängen beeinflusste Album SOL. Zwar schlossen sich an die Veröffentlichung einige sporadische Konzerte an (u.a. auf dem Nürnberger Bardentreffen), jedoch stellte sich die Reunion der Band als eher kurzatmiges Projekt heraus.
[Bearbeiten] Aktivitäten 2004 bis heute
Die im September 2004 veröffentlichte Kompilation Wol mich der Stunde mit bislang unveröffentlichten Liveaufnahmen aus den Jahren 1970–1985 war recht erfolgreich. Zur Vorstellung des Live-Samplers fand sich die Band für einen einmaligen Auftritt in einem Hamburger Club in Originalbesetzung zusammen. Ein Jahr später erschien Ouwe war, ebenfalls mit unveröffentlichten Liveaufnahmen.
Wegen der großen Resonanz der beiden Live-CDs entschied sich das Label Bear Family Records, die Original-Alben in den Jahren 2006 und 2007 auf CD wiederzuveröffentlichen. Zusätzlich sind Ougenweide 2006 auf der Bonus-CD des Best-of-Albums Kein Blick zurück von In Extremo mit einer neuen Version der Merseburger Zaubersprüche zu hören.
Konzerte in einer Neubesetzung fanden im Dezember 2006 in der Music Hall Worpswede in Oberhausen sowie auf dem Burg Herzberg Festival und in Weinheim im Juli 2007 statt. 2008 gab es weitere Auftritte auf Norderney und im Burggraben in Mosbach-Neckarelz. Zuletzt spielte Ougenweide am 20. September 2008 auf dem Festival Mediaval in Selb alte und neue Lieder.
Für 2009 ist ein neues Album angekündigt, an dem Frank und Stefan Wulff und Olaf Casalich bereits seit längerer Zeit arbeiten. Neu dabei ist die Sängerin Sabine Maria Reiß, der Klarinettist Krzysztof Gediga, der Gitarrist Hinrich Dageför sowie der Schlagzeuger Martin Engelbach. Im März 2007 erschien im Verlag der Spielleute ein Walther-von-der-Vogelweide-Sampler mit dem Titel Saget mir ieman: waz ist Minne?, für den Ougenweide in der neuen Besetzung eine Neufassung ihres Klassikers Ouwe beisteuerten und den Minnesänger Hans Hegner bei zwei Liedern begleiteten.
[Bearbeiten] Besetzung
- Olaf Casalich (* 3. Oktober 1947, Hamburg): Gesang, Schlagzeug, Perkussion, Congas, Bongos, Becken, Zimbeln, Pauke, Maracas, Tabla, Triangel, Röhrenglocken, Kleine Trommel, Gong, Fellschelle, Djembe
- Wolfgang von Henko (* 12. Dezember 1949, Elmshorn): Akustische Gitarre, Konzertgitarre, Westerngitarre, Oktavgitarre, Elektrische Gitarre, Midi-Gitarre, E-Bow-Gitarre, Mandoline, Sample-Perkussion, Programming, Gesang (bis 1997)
- Jürgen Isenbart (* 24. April 1943, Hamburg): Glockenspiel, Xylophone, Marimbaphon, Marimba, Vibraphon, Perkussion, Schlagzeug, Schelle, Glocken, Röhrenglocken, Pauken, Stepptanz, Gesang (bis 1985)
- Stefan Wulff (* 3. August 1954, Hamburg): E-Bass, Phaser Bass, Kontrabass, Akustische Gitarre, Effektorgel, Harmonium, Indisches Harmonium, E-Piano, Klavier, Flügel, Synthesizer, Psalter Synthesizer, Akkordeon, Zither, Kabasa, Talking Drum, Marimbaphon, Perkussion, Drum Programming, Mundharmonika, Gesang
- Frank Wulff-Raven (* 28. Juni 1952, Hamburg): Querflöte, Alt-Querflöte, Bass-, Tenor-, Alt-, Sopran- und Sopraninoblockflöte, Krummhörner, Indische Metallflöte, Arabische Schnarrflöte, Chinesische Schnarrflöte, Chinesische Membranflöte, Lotusflöte, Schalmei, Tin Whistle, Muschelhorn, Bombarden, Musette, Alt-Saxophon, Klarinettino, Didgeridoo, Maultrommel, Akustische Gitarre, Elektrische Gitarre, Elektrische 12-saitige Gitarre, Mandoline, Mandola, Laute, Banjo, Bouzouki, Sitar, Saz, Dulcimer, Mandolinenbanjo, Zitôle, Drehleier, Kalimba, Harfenzither, Singende Säge, Schwirrholz, Flügel, Klavier, Indisches Harmonium, Glöckchen, Perkussion, Spieluhr, Waterphon, Gesang
- Minne Graw (* 7. September 1952, Freiburg): Gesang, Harmonium, Cembalo, Klavier, Flügel, E-Piano, Fender Rhodes, Orgel, Positiv, Streicherorgel, Stringensemble, Synthesizer, Harfenzither, Marimba, Marimbaphon, Sopran-Blockflöte (1973–1985)
- Brigitte Blunck: Gesang, Chor, Perkussion, Knochen (bis 1973)
- Renee Kollmorgen: Gesang, Chor, Perkussion, Triangel (bis 1973)
- Stefan Rager: Schlagzeug, Perkussion, Marimba, Programming, Glocken, Toypiano, Harfenzither, Bodhran, Udu, Gesang (1996)
- Sabine Maria Reiß: Gesang (Konzerte am 7. Dezember 2006 und 10. Dezember 2006 in Worpswede und Oberhausen)
- Krzysztof Gediga: Harmonium, Akkordeon, Klarinette, Bassklarinette (Konzerte 2006–2009)
- Martin Engelbach: Schlagzeug, Violine, Glockenspiel (Konzerte 2006–2009)
- Hinrich Dageför: Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Fidel, Kalimba (Konzerte 2006–2009)
[Bearbeiten] Diskografie
[Bearbeiten] Studioalben
- Ougenweide, 1973
- All die weil ich mag, 1974
- Ohrenschmaus, 1976
- Eulenspiegel, 1976
- Frÿheit, 1978
- Ousflug, 1979
- Ja-Markt, 1980
- Noch aber ist April, 1981
- Sol, 1996
[Bearbeiten] Konzertalben
- Ungezwungen, 1977, Wiederveröffentlichung als CD 2007
- Wol mich der Stunde, 2004
- Ouwe war, 2005
[Bearbeiten] Kompilationen/Sampler
- Liederbuch Ougenweide, 1979, Wiederveröffentlichung als CD 1988
- Lieder aus 9 Jahrhunderten, 1983
- Wol mich der Stunde (1970-84), 2005
- Ouwe war, 2006
- Ougenweide / All die weil ich mag, CD 2006
- Ohrenschmaus / Eulenspiegel, CD 2006
- Walther von der Vogelweide - Saget mir ieman: waz ist Minne?
zusammen mit Poeta Magica, Hans Hegner, Anno Domini, Ioculatores, Musiktheater Dingo und vielen anderen, CD 2007 - Frÿheit / Ousflug, CD 2007
- Ja-Markt / Noch aber ist April, CD 2007
[Bearbeiten] Weblinks
- Ougenweide - Die Fan-Page
- Ougenweide O`ton Studio, Frank & Stefan Wulff GbR
- Fanseite
- Interview mit Frank Wulff (Dezember 2005)
- Ougenweide bei MusicBrainz (englisch)
Studioalben: Ougenweide | All die weil ich mag | Ohrenschmaus | Eulenspiegel | Frÿheit | Ousflug | Ja-Markt | Noch aber ist April | Sol
Live-Alben: Ungezwungen | Wol mich der Stunde | Ouwe war
Kompilationen: Liederbuch "Ougenweide" | Lieder aus 9 Jahrhunderten

