Ould Slahi

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Mohamedou Ould Slahi

Mohamedou Ould Slahi (arabisch ‏محمد ولد صلاحي‎, DMG Muḥammad Walad Ṣalāḥī; * 21. Dezember 1970 in Rosso, Mauretanien[1]) wird von den US-Ermittlungsbehörden als eine Schlüsselfigur der al-Qaida angesehen[2]. Seine Geständnisse sind maßgeblich unter Folter erzwungen worden. Einer der mit der Anklage betrauten Staatsanwälte hat sich aus Mangel an verwertbaren Beweisen geweigert, die Anklage gegen ihn zu erheben. Von einem US-Bundesrichter wurde seine Freilassung aus dem Lager Guantanamo Bay angeordnet, diese ist aber nicht rechtskräftig und wurde nicht umgesetzt.

Der Mauretanier kam 1988 mit einem Stipendium der Carl-Duisberg-Gesellschaft nach Deutschland, um ein Studium an der Duisburger Mercator-Universität aufzunehmen. Im Jahre 2000 kehrte er zurück nach Mauretanien. Dort arbeitete er in einem Unternehmen, welches in Mauretanien die Internet-Anbindung ausbaute.

Durch belastende Aussagen von gefassten mutmaßlichen al-Qaida-Mitgliedern geriet er ins Blickfeld der Geheimdienste, wurde in Mauretanien am 20. November 2001 festgenommen und mit Einverständnis der mauretanischen Behörden nach Guantanamo Bay verschleppt. Da sich der Gefangene weigerte, mit den US-Ermittlungsbehörden zu kooperieren, genehmigte am 1. Juli 2003 der Leiter der nachrichtendienstlichen Joint Task Force, General Geoffrey D. Miller, einen Vernehmungsplan, welcher Schlafentzug, Dauerlärm, sexuelle Übergriffe, Tötungssimulationen und die Androhung von Gewalt gegen seine Mutter vorsieht. Die Anwendung dieser Methoden brachten den Gefangenen schließlich dazu, die meisten der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu bestätigen und umfangreiche Aussagen zu machen.

Die US-Ermittlungsbehörden gehen im Fall Slahi von folgenden Annahmen aus: An den Attentaten 1998 auf zwei US-Botschaften in Ostafrika soll er logistisch beteiligt gewesen sein. 1999 planten arabische Terroristen einen Anschlag auf den Flughafen von Los Angeles. Der Sprengstoff wurde auf einer Fähre an der kanadischen Grenze entdeckt. Auch diesen Anschlag soll Ould Slahi mitgeplant haben. Im Herbst 1999 soll er in seiner Wohnung in Duisburg mindestens zwei der 9/11-Flugzeugentführer angeworben haben.

Da die Beweise gegen Slahi nicht mit rechtsstaatlichen Methoden erlangt worden sind, gehen die Staatsankläger davon aus, dass sie keinen Bestand vor einem zivilen Gericht haben würden. Bis jetzt hat keiner der drei Staatsanwälte eine Anklageschrift eingereicht.[3][4]

Auf Betreiben seiner Anwältin, Nancy Hollander, hat der US-Bundesrichter James Robertson am 22. März 2010[5] seine Freilassung aus dem Lager Guantanamo Bay angeordnet. Diese Anordnung ist nicht rechtskräftig, das US-Justizministerium hat Berufung gegen das Urteil angekündigt.[6][7]

Am 28. April 2011 veröffentlichte Wikileaks die Guantanamo-Akte des Gefangenen Slahi.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Guantanamo Files, in: wikileaks.ch
  2. WDR2 - Spuren der Anschläge vom 11. September 2001 führen ins Ruhrgebiet (Version vom 8. April 2008 im Internet Archive), in: WDR Bericht vom 10. September 2007
  3. Der Gefangene Nr. 760, in: Spiegel online vom 6. Oktober 2008
  4. Guantanamo-Häftling Slahi: Schlafentzug, Dauerlärm, Todesdrohung, in: Spiegel online vom 29. April 2011
  5. Terrorist on Your Street?, in www.heritage.org
  6. Judge Orders Release of Gitmo Detainee With Ties to 9/11 Attacks, in: www.foxnews.com
  7. US-Gefangenenlager: Richter fordert Freilassung von Guantanamo-Häftling, in: Spiegel online vom 10. April 2010