Ouroboros

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ouroboros (Begriffsklärung) aufgeführt.
„Allem Zukünftigen beißt das Vergangene in den Schwanz“ – mit dem Ouroboros und ähnlichen Symbolen ist die Ewige Wiederkunft (Friedrich Nietzsche) illustriert worden
Illustration aus der „Chrysopoeia der Kleopatra

Der Ouroboros oder Uroboros (griechisch Οὐροβόρος „Selbstverzehrer“, wörtlich „Schwanzverzehrer“; von griechisch ourá „Schwanz“ und bóros „verzehrend“) ist ein bereits in der Ikonographie des Alten Ägyptens belegtes Bildsymbol[1] einer Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und so mit ihrem Körper einen geschlossenen Kreis bildet.

Bedeutung[Bearbeiten]

Ouroboros. Zeichnung von Theodoros Pelecanos aus Synosius, einem alchemistischen Traktat (1648)
Stich von Lucas Jennis aus De Lapide Philosophico

Platon beschreibt den Ouroboros in seinem Dialog Timaios als autarkes Wesen. Autark deshalb, weil es als in sich geschlossen, ohne Bezug zu oder Bedarf nach einem Außen oder einem Anderen vorgestellt wurde. Er braucht keine Wahrnehmung, da außerhalb seiner nichts existiert, keine Ernährung, da seine Nahrung die eigenen Ausscheidungen sind, und er bedarf keiner Fortbewegungsorgane, da außerhalb seiner kein Ort ist, zu dem er sich begeben könnte. Er kreist in und um sich selbst und bildet dabei den Kreis als vollkommenste aller Formen.[2]

In der alchemistischen Symbolik ist der Ouroboros das Bildsymbol eines in sich geschlossenen und wiederholt ablaufenden Wandlungsprozesses der Materie, der im Erhitzen, Verdampfen, Abkühlen und Kondensieren einer Flüssigkeit zur Verfeinerung von Substanzen dienen soll. Dabei wird die zum Zirkel geschlossene Schlange oft durch zwei Wesen ersetzt, die Maul und Schwanzende verbinden, wobei das obere als Zeichen der Flüchtigkeit (Volatilität) als ein geflügelter Drache wiedergegeben ist.

Die analytische Psychologie verwendet es als Metapher für die frühkindliche Entwicklungsphase, in der noch keine bewusste Differenzierung von Innen- und Außenwelt stattfindet und auch noch keine Geschlechtsidentität angenommen wird. Erst das entstehende Ich-Bewusstsein durchbricht die ouroborische Phase und differenziert die Welt in matriarchal und patriarchal.

Entstehung[Bearbeiten]

Der älteste bekannte Ouroboros erscheint auf einem der Grabschreine, die den Sarkophag von Tutanchamun umgaben. Später ist er mehrfach in den Zauberpapyri des hellenistischen Ägypten zu sehen.[3] Er ist ein Symbol der kosmischen Einheit, die sich in der Formel ἕν τὸ πᾶν hen to pan („Eins ist alles“) ausdrückt, und insbesondere der Entsprechung von Mikro- und Makrokosmos. So erscheint die Formel in der Chrysopoeia der Kleopatra, einem antiken alchemistischen Text, wo sie von der Form des Ouroboros umschlossen wird.

Ähnlichkeiten[Bearbeiten]

Amphisbaena in Ouroborospose

Der Ouroboros taucht nicht nur in der antiken Mythologie und Philosophie auf: Auch die weltumspannende Midgardschlange der nordischen Mythologie beißt sich, dem Gylfaginning, einem Teil der Snorra-Edda zufolge, in den eigenen Schwanz und formt so einen Weltkreis,[4] und im „Yoga KundaliniUpanishad wird von der Kundalini-Schlange ebenfalls gesagt, dass sie ihren Schwanz in das Maul nehme.[5] Ähnlich wie der Ouroboros (Schwanz im Maul) wird auch die Amphisbaena dargestellt. Dennoch handelt es sich dabei um ein weiteres Fabelwesen. Eine Amphisbaena ist eine Schlange oder ein Drache, welcher über einen zweiten Kopf am Schwanzende verfügt. Während beim Ouroboros der Fokus darauf liegt, dass er praktisch autark ist, liegt er bei der Amphisbaena auf der Tatsache, dass sie praktisch unbesiegbar ist, da sie sowohl nach hinten als auch nach vorne blicken und entwischen kann. Da beide Fabelwesen jedoch ähnlich dargestellt werden, kommt es gerne zu Verwechselungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Bischof: Das Kraftfeld der Mythen. Signale aus der Zeit, in der wir die Welt erschaffen haben (= Piper 2655). Piper, München / Zürich 1998, ISBN 3-492-22655-8 (Insbes. Zweiter Teil: Das Chos. 6. Kapitel: Der kosmogonische Inzest S. 191–224.)
  • H. B. de Groot: The Ouroboros and the romantic poets: a renaissance emblem in Blake, Coleridge and Shelley. In: English studies. A journal of English language and literature. Bd. 50, 1969, ISSN 0013-838X, S. 553–564, doi:10.1080/00138386908597350.
  • Bernhard Dietrich Haage: Ouroboros - und kein Ende. Josef Domes u. a. (Hrsg.): In: Licht der Natur. Medizin in Fachliteratur und Dichtung. Festschrift für Gundolf Keil zum 60. Geburtstag (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Nr. 585). Kümmerle, Göppingen 1994, ISBN 3-87452-829-4, S. 149–169.
  • Lutz Käppel: Uroboros. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01470-3, Sp. 1053.
  • Karl Preisendanz: Aus der Geschichte des Uroboros. In: Ferdinand Herrmann, Wolfgang Treutlein (Hrsg.): Brauch und Sinnbild. Eugen Fehrle zum 60. Geburtstag. Südwestdeutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, Karlsruhe 1940, S. 194–209.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ouroboros – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexandre Piankoff: The Shrines of Tut-Ankh-Amon (= Bollingen Series 40, 2, ZDB-ID 844375-0 = Egyptian religious Texts and Representations 2). Pantheon Books, New York NY 1955, Taf. 48.
  2. Platon: Timaios 33.
  3. Karl Preisendanz (Hrsg.): Papyri Graecae magicae. = Die griechischen Zauberpapyri. 2 Bände. 2., verbesserte Auflage, durchgesehen von Albert Henrichs. Teubner, Stuttgart 1973–1974, siehe dort 7, col. 17 und 1, 145 f.; 12, 203 f.; 12, 274 f.; 36, 184.
  4. Gylfaginning 34
  5. Yoga Kundalini Upanishad 1.82-84 engl. Übersetzung