Ouvrage Hochwald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abzeichen Festungstruppen Maginot-Linie.jpg
Ouvrage Hochwald
Typ: Artilleriewerk
Festungsabschnitt: Haguenau
Besatzung: circa 1100 Mann des 22. RIF u. 155. RAP davon 50 Offiziere
Kommandant: Oberstleutnant Miconnet
Aufbau
Eingänge: 2 × für Mannschaften (1 × auf der Rückseite der Anlage und 1 × in der Mitte des Hauptstollens)
1 × für Munition
Kampfblöcke:

6x Artilleriekasematte, 3x Artilleriebunker, 2x Infanteriebunker

Stromversorgung: Kraftwerk West: 4 × Sulzeraggregate mit je 265 PS
Kraftwerk Ost 4 × Sulzeraggregate mit je 165 PS
Munition und Bewaffnung
Keine Details bekannt
Munitionslager: Hauptmunitionslager M1 am Eingang West
Block 1: 1 × 13,5-cm-Turm, 1 × 13,5-cm-Kasematte,

1 × GFM-Glocke, 1 × VDP-Glocke

Block 2: 1 × 8,1-cm-Turm, 1 × GFM-Glocke,

1 × JM-Glocke

Block 3: 2 × 7,5-cm-Kasematten, 2 × 4,7-cm-PAK/JM 2 × GFM-Glocken, 2 × 50-mm-Granatwerfer (Vorbereitung)
Block 5: 1 × MG-Turm
Block 6: 3 × 7,5-cm-Kasematten, 1 × LG-Glocke, 1 × JM-Glocke, 1 × GFM-Glocke
Block 7: 1 × 7,5-cm-Turm, 1 × GFM-Glocke
Block 12: 2 × 7,5-cm-Kasematte, 1 × GFM-Glocke,

 1 × VDP-Glocke

Block 13: 1 × 13,5-cm-Kasematte, 1 × 4,7-cm-PAK/JM,

 1 × JM-Kasematte, 2 × GFM-Glocke

Block 14: 1 × 13,5-cm-Turm, 1 × GFM-Glocke,

 1 × VDP-Glocke

Block 15: 1 × MG-Turm, 1 × GFM-Glocke
Block 16: 2 × 7,5-cm-Kasematten, 2 × 4,7-cm-PAK/JM 2 × GFM-Glocken, 2 × 50-mm-Granatwerfer (Vorbereitung)

Die Ouvrage Hochwald war ein Artilleriewerk der französischen Maginot-Linie im Elsass. Es befindet sich im ehemaligen Secteur Fortifié de Haguenau nahe der Ortschaft Drachenbronn-Birlenbach und sollte das nördliche Elsass verteidigen. Das Werk besteht aus eine Ost- 48.99657.8748 und einem Westblock 49.00047.8487, denen ein gemeinsamer Panzersperrgraben vorgelagert ist. Die Ouvrage Hochwald ist das größte Artilleriewerk der Maginotlinie im Elsass. Einzigartig an diesem Artilleriewerk ist außerdem, dass die ursprünglichen Pläne eine erhöhte rückwärtige Batterie mit weitreichenden 145-mm- oder 155-mm-Geschütztürmen vorsahen.[1]

Aufbau[Bearbeiten]

Block 6 des Artilleriewerks Hochwald

Das Artilleriewerk besteht aus elf Kampfblöcken und drei Eingangsblöcken: Sechs Kampfblöcke im Osten (1–7) und fünf im Westen (12–16) sowie einen Munitionseingang und einen Mannschaftseingang im Westen und einen zweiten Mannschaftseingang in der Mitte des Hauptstollens.

Der Hauptstollen mit einer Länge von circa zwei Kilometern verläuft vom Eingang West zum Ostblock; ein weiterer Stollen mit einer Länge von gut einem Kilometer verbindet den Eingang West mit dem Westblock. Es sind zwei unterirdische Kasernen und zwei Kraftwerke vorhanden; sie sind jeweils in der Nähe der beiden Eingänge angeordnet.

Bei den elf Kampfblöcken handelt es sich um sechs Artilleriekasematten (Block 1, 3, 6, 12, 13 und 16), drei Artilleriebunker (Block 2, 7 und 14) und zwei Infanteriebunker (Block 5 und 15). Nördlich des Ost- und Westblocks verläuft ein Panzersperrgraben, an dem neun weitere Kasematten angeordnet sind.

Geschichte des Werks[Bearbeiten]

Hochwald war eines der aktivsten Werke während des Sitzkriegs von September 1939 bis Juni 1940. Am 8. und 9. Oktober 1939 gab es Feuerunterstützung für französische Patrouillen. Dabei wurden Mängel an den Befestigungen der Geschütze und der Munition festgestellt.[2] Im November wurden deutsche Minenleger beschossen. Während des Westfeldzugs 1940 blieb die Anlage bis zum 16. Juni unbehelligt. Dann beschoss Hochwald deutsche Truppen, die gegen Lembach marschierten. Diese antworteten im Gegenzug mit Artilleriebeschuss und Stuka-Angriffen. Die Angriffe wiederholten sich am 20. Juni und Hochwald gab Feuerschutz für die Ouvrage Lembach. Weitere Luftangriffe folgten am 22. Juni. Durch die Luftangriffe, bei denen 140 Fliegerbomben mit einem Gewicht von bis zu 1000 Kilogramm abgeworfen wurden, entstanden keine wesentlichen Schäden am Werk.[3]

Nach dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 weigerte sich die Besatzung zunächst, das Werk zu räumen. Die Übergabe des Werkes erfolgte am 1. Juli, nachdem ein schriftlicher Befehl des französischen Oberkommandos eingegangen war. Die Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft; ein Teil der elsässischen Kriegsgefangenen wurde 1942 gezwungen, in der deutschen Wehrmacht zu dienen. Teile des Werkes wurden während der deutschen Besatzung als Waffenfabrik genutzt.[4]

Amerikanische Soldaten Ende 1944 am Bunker 13 der Ouvrage Hochwald

Bei Kriegsende wurde die Ouvrage Hochwald Ende 1944 von amerikanischen Truppen befreit. Beim Unternehmen Nordwind, einer deutschen Offensive Anfang 1945, wurde das Werk von deutschen Truppen zurückerobert. Vor dem zweiten deutschen Rückzug wurden viele Bunker durch Sprengungen zerstört. Zwischen 1950 und 1955 wurden große Teile des Werks instand gesetzt.[5]

Das Artilleriewerk heute[Bearbeiten]

1957 richtete die französische Luftwaffe eine Radarstation im Werk ein. Das Werk ist heute Teil der Luftwaffenbasis 901 (BA 901) in Drachenbronn und wird als befestigte Kommandozentrale genutzt. Es ist daher nicht öffentlich zugänglich, abgesehen vom „Pierre Jost Museum“, das an nationalen Gedenktagen geöffnet ist. Die Ausstattung des Werkes aus der Zeit der Maginot-Linie wurde zum Teil an Museen abgegeben, die in anderen Artilleriewerken entstanden sind.

Mont Agel, ein Artilleriewerk der Maginotlinie in den Alpen im Südosten Frankreichs, hatte eine ähnliche Funktion wie Hochwald.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Bernard Wahl: Damals und heute. Die Maginotlinie. Nordfrankreich – Lothringen – Elsass. Geschichte und Reiseführer. Mittler & Sohn, Hamburg 2000, ISBN 3-8132-0685-8.
  • William Allcorn: The Maginot Line 1928–45. Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 1-84176-646-1.
  • J. E. Kaufmann, H. W. Kaufmann: Fortress France: The Maginot Line and French Defenses in World War II. Praeger Security International, Westport, Conn 2006, ISBN 0-275-98345-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ouvrage Hochwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kaufmann, S. 21
  2. Kaufmann, S. 150.
  3. Wahl, Maginotlinie, S. 355–357.
  4. Wahl, Maginotlinie, S. 357.
  5. Wahl, Maginotlinie, S. 357, 364.
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing