Oval (Musikprojekt)

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Markus Popp im Astra Kulturhaus, Berlin 2009

Oval ist der Name eines deutschen elektronischen Musikprojekts.

Gegründet 1991 als Band, bestehend aus Markus Popp, Sebastian Oschatz und Frank Metzger, ging die Band 1996 in Unfrieden auseinander und wurde zu einem Soloprojekt von Markus Popp (* 24. Februar 1968 in Darmstadt, heute in Berlin lebend und arbeitend). Popp veröffentlichte außerdem in Kollaboration mit Jan St. Werner von Mouse on Mars unter dem Namen Microstoria, sowie 2003 zusammen mit Eriko Toyada als So[1].

Markenzeichen von Oval war der Verzicht auf Instrumente klassischer Art und die ausschließliche Verwendung von speziellen Samples von CDs, die sie (beispielsweise durch Bemalung mit Filzstiften) zum „Stottern“, „Hängen“ und Springen brachten und vielfach übereinander mischten. Der so erzielte, unverwechselbare, rhythmische und zugleich orchestrale Sound wurde zum Markenzeichen der Band und machte sie durch ihre Produktionsweise zu Pionieren des Glitch. Popp betonte in Interviews, dass er Oval weniger als Musik denn als akustisches Design verstehe.

Verschiedene Oval-Demotapes, z. B. „azimut“ und „Color“ (1991–1992), listen u.a. Holger Lindmüller, Sven Bergmann, Martin Conrads, Oliver Leistert, Lars Broszat, Markus Arndt und Wiebke Grösch als weitere Mitwirkende auf. Ovals erste Veröffentlichung „Wohnton“ erschien in der oben genannten Dreier-Besetzung 1993 beim Düsseldorfer Label „Ata Tak“. Im Unterschied zu allen nachfolgenden Veröffentlichungen war ein Großteil der Stücke auf „Wohnton“ mit Gesang mit deutschsprachigen Texten.

Im Jahre 1993 entwickelten sie außerdem die so genannte „Wohnton“-Klanginstallation, die aus 8 Modulen mit insgesamt 128 Lautsprechern bestand, die über ein Achtspurgerät angesteuert wurden. Für diese Installation wurden von mehreren Stücken von „Wohnton“ („Hallo draußen“, „Alles in Gedanken“ und „Kardamom“) etwa 20-minütige Instrumentalversionen geschaffen. Die Installationsfassung von „Kardamom“ erschien 1995 in überarbeiteter Form unter dem Titel „dowhile“ auf ihrer dritten Veröffentlichung „diskont94“. 1995 begannen sie mit der Weiterentwicklung des Installationskonzeptes in Richtung einer interaktiven Software, die letztlich im so genannten „Skotodesk“ mündete.

Frank Metzger führte den Namen Oval zeitweilig ebenfalls weiter als Oval / Frank Metzger und veröffentlichte u. a. bei Mego und dem assoziierten Netlabel Falsch, sowie Beta Bodega, alku und tu'mp3. 2003 gründete er zusammen mit Emiliano Romanelli und Rossano Polidoro von tu'm das Projekt Steno.

Sebastian Oschatz arbeitet derzeit als Designer in seiner Firma Meso digital interiors unter anderem an der Entwicklung der graphischen Programmiersprache vvvv.

2001 samplete die isländische Musikerin Björk ihr Stück „Aero Deck“ für ihr Album „Vespertine“. Der amerikanische Regisseur Harmony Korine verwendete 1999 das Stück „Mediaton“ im Soundtrack seines Filmes „Julien Donkey Boy“.

Nach langer Pause veröffentlichte Markus Popp 2010 eine Vielzahl neuer Stücke. Die Produktion erfolgte völlig anders als bei früheren Werken. Popp verwendete anstelle selbstprogrammierter ausschließlich günstige, kommerziell erhältliche Software und Plug-Ins. Statt mehrerer High-End Apple-Rechner nutzte er einen handelsüblichen, vier Jahre alten und 500 Dollar teuren PC.[2] Zunächst veröffentlichte Popp die EP „Oh“[3] und, als kostenlosen Download, die „Ringtone EP“[4]. Es folgt das Album „O“, veröffentlicht als Doppel-CD/-LP mit 70 Tracks[5]. „94 Diskont“ wurde in die Wireliste The Wire's "100 Records That Set The World On Fire (While No One Was Listening)" aufgenommen.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • „Wohnton“, 1993, Ata Tak
  • „Systemisch“, 1994, Mille Plateaux
  • 94 Diskont“, 1996, Mille Plateaux
  • „Aero Deko Europa“, 1998, Form & Function
  • „Dok“, 1998, Thrill Jockey
  • „Szenariodisk“, 1999, Thrill Jockey
  • „Ovalprocess“, 2000, Thrill Jockey
  • „Pre/Commers“, 2000, Tokuma Japan Communications
  • „Ovalcommers“, 2001, Thrill Jockey
  • „Re:Systemisch“, 2001, Form and Function (wurde kurz nach dem Erscheinen wegen rechtlicher Probleme vom Markt genommen)
  • „Oh“, 2010, Thrill Jockey
  • „O“, 2010, Thrill Jockey

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.thrilljockey.com/artists/index.html?id=10041
  2. http://www.thrilljockey.com/catalog/index.html?id=104798
  3. http://www.thrilljockey.com/catalog/index.html?id=104798
  4. http://pitchfork.com/news/39460-oval-releases-free-online-ep/
  5. http://www.thrilljockey.com/catalog/index.html?id=104841

Weblinks[Bearbeiten]