Ozeanbodenspreizung

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Prinzip der Ozeanbodenspreizung. Herkunft: USGS
Ozeanbodenspreizung an einem mittelozeanischen Rücken

Ozeanbodenspreizung ist das langsame seitliche Auseinanderweichen (engl. spreading) des Ozeanbodens als Teilprozess der Mantelkonvektion. Der Ozeanboden besteht aus tausende Kilometer großen Platten, die auf dem weicheren Erdmantel schwimmen. An der Naht zwischen den Platten befindet sich eine Spreizungszone mit dünner, neu gebildeter ozeanischer Kruste über einer flachen Magmakammer. Die Spreizungszone und die noch warmen Plattenränder erheben sich durch Auftrieb (Isostasie) zu einem Gebirgszug. Diese sogenannten mittelozeanischen Rücken bilden ein weltumspannendes, zehntausende Kilometer langes Netz vielfältiger vulkanischer Aktivität.

Das Magma entsteht durch Druckentlastung aus dem heißen Material des Erdmantels. Es füllt von unten die zentimeterbreiten Risse auf, die sporadisch durch die Spreizung entstehen, und bildet darüber hinaus an der Oberfläche eine Schicht Kissenlava. Beim Abkühlen wird die Orientierung des Erdmagnetfeldes im Lavagestein gespeichert. Die in geologischen Zeiträumen häufigen Wechsel des Erdmagnetfeldes führen zu einer symmetrischen Bänderung in der Magnetisierung der Plattenoberfläche. Kissenlaven und magnetische Bänderung wurden ab Anfang der 1960er Jahre mit Forschungsschiffen entdeckt, was der Hypothese der Kontinentalverschiebung zum Durchbruch verhalf.

Die Spreizungsrate ist die senkrechte Komponente (quer zur Naht) der Differenz der Driftgeschwindigkeiten beider Platten. Zum Beispiel verbreitert sich der Atlantische Ozean um 2 cm im Jahr und ist etwa 130 Millionen Jahre alt.

Ein Antrieb der Spreizung ist das Abtauchen ozeanischer Kruste in den Erdmantel (Subduktion), nachdem sie meist viele 10 Millionen Jahre abgekühlt ist.

Altersbestimmung des Ozeanbodens[Bearbeiten]

Paläomagnetisches Muster der mit wechselnder Polarität magnetisierten ozeanischen Kruste. a) vor 5 Mio. Jahren, b) vor 2–3 Mio. Jahren, c) heute

Beim Abkühlen der Lava richten sich magnetisierbare Minerale nach dem magnetischen Feld der Erde aus. Einzelne Gesteinsstreifen sind nach Norden oder Süden ausgerichtet, was an den immer wiederkehrenden Umpolungen des Magnetfelds der Erde liegt. Die magnetische Orientierung jedes Gesteinsstreifens kann einer bestimmten Zeit zugeordnet werden. Die weiter vom Rücken entfernten Gesteinsstreifen sind älter und auf beiden Seiten des Rückens gleich weit entfernte Gesteinsstreifen nachweisbar gleich alt. So kann man die Altersbestimmung des Meeresbodens mit der Bestimmung des Alters eines Baumes durch Jahresringe vergleichen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seafloor spreading – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien