Ozontherapie

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Als Ozontherapie werden mehrere umstrittene Verfahren der Alternativmedizin bezeichnet, bei denen das Gas Ozon, (ein dreiatomiges Sauerstoff-Molekül, O3), eingesetzt wird. Als wissenschaftlich belegt gilt die keimabtötende und desinfizierende Wirkung von Ozon; für spezielle Heilwirkungen fehlen wissenschaftlich nachprüfbare Belege.

Alternativmedizin[Bearbeiten]

Anwendungen[Bearbeiten]

In der Alternativmedizin gibt es verschiedene Anwendungen, bei denen Ozon eingesetzt wird:

  • Bei einer Form der Eigenblutbehandlung werden dem Patienten 60 bis 200 ml Blut aus der Vene entnommen, mit einem Ozon-Sauerstoffgemisch versetzt und anschließend wieder intravenös dem Patienten in die Vene zurückgespritzt. Dabei wird steriles Einwegmaterial benutzt, damit eine Kontaminierungsgefahr durch pathogene Keime minimiert wird. Diese Behandlung dauert in der Regel ca. 20 Minuten, je nach Blutmenge und der Punktierbarkeit der entsprechenden Venen oder einer möglichen Begleitmedikation (ACE-Hemmer erfordern wegen möglichem Blutdruckabfall langsamere Re-Infusion) kann sie bis zu 90 Minuten dauern.
  • Bei der so genannten „kleinen Eigenblutbehandlung“ werden nur 10 bis 20 ml Blut entnommen, mit einem Sauerstoff/Ozongemisch verschüttelt und dann in die Muskulatur injiziert.
  • Bei der vor allem früher praktizierten intraarteriellen Injektion wurden 5 bis 20 ml Sauerstoff/Ozongemisch z. B. in die große Beinschlagader gespritzt, wo es sich rasch im Blut auflösen soll. Prinzipiell kann es bei diesem Verfahren zu einer Embolie als unerwünschte Komplikation kommen.
  • Bei der „rektalen Begasung“ werden dem Patienten mittels Einwegkatheter, der ca. 10 cm tief in den Darmausgang eingeführt wird, bis zu 300 ml Ozon-Sauerstoff-Gemisch mit einer Klistierspritze eingespritzt. Das Ozon kommt mit der Darmwand in Kontakt und soll dabei ähnliche chemische Reaktionen auslösen wie sie bei der großen Eigenbluttherapie extrakorporal in der Glasflasche bei Zugabe des Gasgemisches zum Blut stattfinden sollen.
  • Die äußerliche Auftragung von ozonisiertem Olivenöl auf infizierte Wunden.
  • Die äußerliche Begasung von Wunden mit Ozon, auch als Beutelbegasung bezeichnet, wenn das Ozongas mit Hilfe eines Beutels um betroffene Hautbereiche herum konzentriert wird. Die auf und in der Haut vorhandenen Keime und Pilze sollen dadurch abgetötet werden. Durchgeführt wird die Methode bei venösen, arteriellen oder diabetischen Beingeschwüren, infizierten „Platzwunden“, wegen Wundinfekten wieder eröffneten Operationswunden oder präventiv offen gelassene Wunden, ferner infizierte Fisteln (z. B. Sakraldermoidfisteln oder Fisteln bei Morbus Crohn).
  • die intraartikuläre und periartikuläre Ozoninjektion bei Arthrose. Insbesondere ist diese Methode in Italien und Spanien zur Behandlung von Lumbago und Diskushernien zu beobachten. Mehrere Neurochirurgen praktizieren die gezielte Injektion (unter radiologischer Kontrolle mit dem Bildverstärker) an die sogenannten Fazettengelenke der Wirbelkörper, gelegentlich sogar in die Bandscheiben (intradiskale Injektion) mit angeblichen Erfolgsquoten von rund 60 Prozent z. B. bei „akutem Bandscheibenvorfall“.
  • die subkutane Ozon-Sauerstoff-Injektion unter die Haut ist eine weitere therapeutische Anwendung von Ozon.
  • In Vergangenheit war auch Inhalation von mit Ozon versetzter Luft verbreitet (z.B. Inhalator-Zubehör für Violet Ray-Heilapparat). Aufgrund unangenehmer Nebenwirkungen (Schleimhautreizung, Kopfschmerz) ist dieses heute unüblich.

Wirkung[Bearbeiten]

Nachgewiesen ist, dass Ozon Bakterien, Pilze und Viren abtöten kann. Auch eine kurzzeitige Steigerung der Durchblutung gilt als erwiesen, allerdings haben auch andere Gase diesen Effekt, der darauf beruht, dass die Gefäße kurzzeitig verschlossen werden und darauf wenig später mit einer Erweiterung reagieren. Aussagen, dass Ozon bei schweren Erkrankungen wie Krebs eine heilende Wirkung haben, sind empirisch nicht gestützt.

Eine prospektive placebo-kontrollierte Studie aus Polen zeigte, dass eine Anwendung eines Ozon-Sauerstoffgemischs im Vergleich mit einer reiner Sauerstofftherapie im Rahmen einer AHT (ozonated autohemotherapy, O3-AHT) keinen signifikanten Unterschied auf NK-Zellen hatte.[1] In Tierversuchen an Ratten konnten Forscher in Kuba zeigen, dass in die Bauchhöhle verabreichtes Ozon den später mittels Tetrachlorkohlenstoff induzierten Leberzellschaden vermindern konnte.[2]

Italienische Forscher beobachteten in einer 2005 publizierten Anwendungsbeobachtung [3] ohne Kontrollgruppe eine günstige Beeinflussung von verschiedenen Hauterkrankungen und Durchblutungsstörungen durch äußerliche Anwendung von Ozon und ozoniertem Olivenöl und wiesen dabei auf die sowohl schädlichen wie aus ihrer Sicht therapeutisch nutzbaren Eigenschaften von Ozon hin.

Indikationen[Bearbeiten]

Die Anwender nennen als Indikationen für Ozontherapien vor allem Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Virusinfektionen, Asthma, Allergien, Gelenkschmerzen, aber auch Krebs. Ozon-Einläufe werden angewendet bei Verstopfung, Hämorrhoiden und Colitis ulcerosa. Mit ozonisiertem Olivenöl werden Wunden, Hautpilz, Ekzeme und Analfissuren behandelt.

Kontraindikationen und Risiken[Bearbeiten]

Ozon soll nicht eingesetzt werden bei akutem Herzinfarkt, inneren Blutungen, einer erblichen Störung der Blutgerinnung, nach einem Schlaganfall, Schilddrüsenüberfunktion, Fehlfunktionen der Schilddrüse, chronischen Pilzinfektionen, Ozonallergie und während einer Schwangerschaft.[4] Bei gleichzeitiger Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen. Vitamin C-Präparate reagieren ebenfalls mit Ozon und sollten während einer solchen Therapie nicht genommen werden.

Alle Ozonanwendungen sind medizinisch umstritten. Auf Websites von Anbietern ist oft zu lesen, dass entsprechende Therapien risikoarm sind und es kaum Nebenwirkungen gebe. Solche Aussagen können als unverantwortlich eingestuft werden.[4] Ozon ist ein Reizgas, das bei einer (ungewollten) Freisetzung die Atemwege und die Augen reizt. Laut Stiftung Warentest liegt das Risiko von Zwischenfällen bei mindestens 1:2000.[4] Ozoninjektionen in eine Vene oder Arterie können schwere Nebenwirkungen hervorrufen; bei einer zu schnellen Einspritzung kann es zu einer Lungenembolie oder einem Kreislaufkollaps kommen, mindestens ein Todesfall durch eine Embolie ist wissenschaftlich beschrieben. [5]. Stiftung Warentest spricht von mehreren Todesfällen, die vor Gericht behandelt wurden.[4] Eine Infektion mit durch Blut übertragbare Viren ist nicht auszuschließen, insbesondere das bei chronische Infizierten in sehr hohen Konzentrationen vorkommende Hepatitis-B-Virus kann auf einen nachfolgenden Patienten übertragen werden. Mögliche Begleiterscheinungen einer Behandlung sind Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Husten und Darmkrämpfe. Es besteht die Gefahr eines allergischen Schocks.[4] Mediziner fordern, dass Anwender von Ozon in Verbindung mit einer Eigenblutbehandlung eine Ausbildung als Notfallmediziner haben. Laut Stiftung Warentest ist es kritisch zu bewerten, „daß die Anwender Zwischenfälle bagatellisieren und nicht der Methode selbst, sondern ausschließlich unsachgemäßer Technik zuschreiben.“[6]

Zahnmedizin[Bearbeiten]

In der Zahnmedizin wird von einigen Zahnärzten Ozon eingesetzt, um Karies ohne Bohren zu behandeln und Parodontitis vorzubeugen. Außerdem kann Ozon zur Wurzelkanal-Desinfektion oder Sterilisation von Zahnflächen verwendet werden. Bei der Kariesbehandlung von kleinen Defekten (Initialkaries) wird Ozon direkt auf den befallenen Zahn aufgetragen, um die Kariesbakterien abzutöten, es wird keine Zahnsubstanz entfernt. Bei größeren kariösen Defekten ist dagegen eine vorherige Entfernung der kariösen Substanz mittels Bohrer oder Laser nötig. Die so erhaltene Kavität kann anschließend mit Ozon begast werden, um Restbakterien zu eliminieren. Anschließend wird der Zahn remineralisiert.[7] Auch an schwer zugänglichen Stellen und unter vorhandenen Füllungen ist die Behandlung mit Ozon seit kurzem möglich. Außerdem wird teilweise ozonisiertes Wasser sowohl zur Behandlung von Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und Parodontitis als auch zur antimikrobiellen Mundspülung eingesetzt.

Der Einsatz des Ozons in der Zahnmedizin erfordert ein Umdenken in Diagnose und Therapie. Während kariöse Zähne mit Substanzverlust (größere Löcher) nicht mit Ozon mehr behandelt werden können, muss der Einsatz Ozons bereits in der Phase der Infektion des Zahnes mit kariesrelevanten Keimen stattfinden. Erst nachdem die Keime mit der Ozontherapie im Zahn deutlich reduziert worden sind, kann eine Fluoridtherapie einen größeren Schutz des Zahnes vor Demineralisation bieten. Studien geben mittlerweile vielversprechende Hinweise, dass durch die schmerzlose Anwendung von Ozon in Verbindung mit einer intensiven Fluoridierung insbesondere bei ängstlichen Kindern erfolgreich behandelt bzw. vorgebeugt werden kann.[8] Die Kosten für Ozonbehandlungen bei Karies werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

Literatur und Quellennachweise[Bearbeiten]

  1. Biedunkiewicz B, Natural killer cell activity unaffected by ozonated autohemotherapy in patients with end-stage renal disease on maintenance renal replacement therapy. In: Int J Artif Organs. 2004 Sep;27(9):766-71
  2. O. S. León et al.: Ozone Oxidative Preconditioning: a Protection Against Cellular Damage by Free Radicals. In: Mediators of Inflammation (1998) 7: S. 289-294 PMID 9792340
  3. Valacchi G, The dual action of ozone on the skin. In: Br J Dermatol. 2005 Dec;153(6):1096-100
  4. a b c d e Stiftung Warentest (Hg): Die andere Medizin. Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden, Berlin 2. Aufl. 1992, S. 231 f.
  5. Marchetti D, An unexpected death during oxygen-ozone therapy, Am J Forensic Med Pathol. 2000 Jun;21(2):144-7
  6. Stiftung Warentest (Hg): Die andere Medizin, S. 232
  7. Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit: Wunderwaffe Ozon?
  8. Medizinauskunft Karies: Ohne Bohren und Schmerz behandeln
  • Di Paolo N, Extracorporeal blood oxygenation and ozonation: clinical and biological implications of ozone therapy, Redox Rep. 2005;10(3):121-30
  • Bocci VA, Scientific and medical aspects of ozone therapy. State of the art., Arch Med Res. 2006 May;37(4):425-35

Weblinks[Bearbeiten]

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