Pädagogische Professionalität

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Unter Pädagogischer Professionalität im engeren Sinne versteht man neben der in Bildungsstätten erworbenen Wissensbasis auch die Anwendbarkeit dieses Wissens in komplexen und spezifischen Arbeitssituationen.[1][2]

Pädagogische Professionalität vollständig zu erreichen, ist nach aktuellem Forschungsstand und Expertenmeinungen nicht möglich, da dieser Prozess einerseits zu langwierig, andererseits aufgrund der Rahmenbedingungen nicht abschließbar sei.[3][4]

Die Lehrperson muss sich jedoch mit der Diskrepanz des Bildungssystems arrangieren und mit den Voraussetzungen als Experte professionell umgehen.

Daher ist eine Verschränkung der Voraussetzungs- und Lehrerperspektive nötig, um ein weitgehend professionelles Handeln zu ermöglichen.[5]

Professionalität im Lehrberuf[Bearbeiten]

Aufgrund der Komplexität des Lehrberufs ist für eine professionelle Ausübung im Alltag die Trias aus Wissen, Handlungsroutine und Ethos entscheidend.[6]

  1. Wissen versteht sich sowohl fachwissenschaftlich als auch fachdidaktisch, da auch das Wissen über die Lehrbarkeit des Fachwissens von Bedeutung ist.
  2. Die Handlungsroutine ermöglicht der Lehrperson, in vielfältigen Unterrichts- und Erziehungssituationen Entscheidungen zu treffen, die in der einzelnen Situation zum optimalen Ergebnis führen.
  3. Unter Ethos versteht man die Einstellung und die Haltung des Lehrers zum und im Lehrberuf. Verantwortung und Engagement sowie die Einhaltung bestimmter Grundsätze legen den Grundstein für professionelles Handeln.[7]

Professionalität in der Grundschule[Bearbeiten]

Notwendige Voraussetzungen für eine professionelle Entwicklung der Lehrperson sind die Gestaltungsfreiheit und Autonomie im Bereich der Unterrichtsgestaltung und eine hohe Verantwortung für die Schüler/innen im Schulalltag.[8] Erreichbar ist dies am besten in der Grundschule bzw. Primarstufe, da in dieser das fächerübergreifende Klassenlehrsystem den Unterricht zeitlich flexibler macht und die Öffnung des Unterrichts methodische Variationen ermöglicht. Die Lehrperson kann somit nahezu autonom unterrichten.[9]

Studien zur Professionalisierungs- und Expertiseforschung im Lehrberuf (Bauer/Burkard 1992, Bauer u.a. 1996) bestätigen, dass im Besonderen für den Primarstufenbereich eine hohe Kultur der pädagogischen Professionalität festzustellen ist.[10]

Domänen - Bausteine einer professionellen Praxis[Bearbeiten]

Die EPIK-Studie und das Fünf-Faktoren-Modell von Osterdorf und Angleitner haben durch die Ergebnisse ihrer Untersuchungen über die Fähigkeiten und Fertigkeiten des professionellen Lehrers fünf Kompetenzfelder entworfen, deren Inhalte den Profi vom Laien unterscheiden. Diese Kompetenzfelder werden nach dem EPIK-Ansatz Domänen, nach dem Fünf-Faktoren-Modell die Big Five (B5) genannt.[11][12]

  • Professionsbewusstsein - sich als Experte/Expertin wahrnehmen
  • Personal Mastery - die Kraft individueller Könnerschaft
  • Kooperation und Kollegialität - Die Produktivität von Zusammenarbeit
  • Differenzfähigkeit - der Umgang mit großen und kleinen Unterschieden
  • Reflexions- und Diskursfähigkeit - das Teilen von Wissen und Können[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schneider, Edith: Professionalität von Lehrerinnen und Lehrern. FIZ Karlsruhe, 2004
  2. Vanderstraeten, R.: Zwischen Profession und Organisation, Professionsbildung im Erziehungssystem. In: Helsper u.A. (2008) a.a.O., S.102
  3. Vanderstraeten, R.: Zwischen Profession und Organisation, Professionsbildung im Erziehungssystem. In: Helsper u.A. (2008) a.a.O., S.103
  4. Schrittesser, I.: Professionelle Kompetenzen: Systematische und empirische Annäherung. In: Schratz u.A. (2001) a.a.O., S.96
  5. Schratz, Schrittesser, Forthuber, Pahr, Paseka, Seel: Domänen von Lehrer/innen/professionalität. Journal für Lehrerinnen- und Lehrerbildung, Heft 1/2007
  6. Blömeke, S.: Professionelles Lehrerhandeln. Kriterien und aktuelle empirische Erkenntnisse aus der Unterrichtsforschung. Vortrag an der Universität Passau, 11. Oktober 2003
  7. Schönknecht, G.: Die Entwicklung der Innovationskompetenz von LehrerInnen aus (Berufs-)Biographischer Perspektive, 2005 S.1
  8. Schönknecht, G.: Die Entwicklung der Innovationskompetenz von LehrerInnen aus (Berufs-)Biographischer Perspektive, 2005
  9. Brügelmann, H. (1997): 25 Jahre „Öffnung des Unterrichts“: eine Zwischenbilanz. In: Die Grundschulzeitschrift, H. 105, S. 8 – 11.
  10. Schönknecht, G.: Die Entwicklung der Innovationskompetenz von LehrerInnen aus (Berufs-)Biographischer Perspektive, 2005 S.21
  11. Schratz, Schrittesser, Forthuber, Pahr, Paseka, Seel: Domänen von Lehrer/innen/professionalität; Journal für Lehrerinnen- und Lehrerbildung; Heft 1/2007
  12. Mayr, J.: Der Persönlichkeitsansatz in der Lehrerforschung. Konzepte, Befunde und Folgerungen. In: Therhart u.A. (2011) a.a.O., S. 128
  13. Schratz, M./Paseka, A./Schrittmesser, I. (Hg.): Pädagogische Professionalität: quer denken - umdenken - neu denken. Impulse für next practice im Lehrberuf. Wien: Facultas, 2011, S. 26