Přemysl Pitter

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Přemysl Pitter (* 21. Juni 1895 in Prag; † 15. Februar 1976 in Affoltern am Albis) war ein tschechischer Pädagoge, evangelischer Prediger und Humanist.

Leben[Bearbeiten]

Pitter war Kriegsfreiwilliger der österreichisch-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg, wurde unter dem Eindruck der Kriegserlebnisse zum Pazifisten und begann nach dem Ende des Krieges in Prag evangelische Theologie zu studieren. In den 1920er Jahren war er politisch aktiv in der internationalen Bewegung der Kriegsdienstverweigerer/innen, die u.a. für das Recht der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen eintraten. Pitter war darüber hinaus an der Idee der Gewaltfreiheit orientiert. 1925 war er aktiver Teilnehmer an der internationalen Konferenz der War Resisters' International (WRI) und wurde für die Jahre 1925 - 1927 in den internationalen Rat der WRI gewählt.[1]

1933 gründete er das Kinderheim Milíčův dům (Militsch-Haus) in Prag-Žižkov.

Während der Zeit der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei ab 1939 (sog. Protektorat Böhmen und Mähren) nahm er unter Lebensgefahr jüdische Kinder in sein Kinderheim auf, was ihm ein Verhör bei der Gestapo einbrachte.

Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann Pitter, für aus den Konzentrationslagern befreite, elternlose jüdische Kinder Heime aufzubauen. Dazu stellte ihm der tschechoslowakische Staat im Mai 1945 insgesamt vier Schlösser in den südöstlich von Prag gelegenen Dörfern Kamenice u Prahy, Olešovice, Štiřín und Lojovice zur Verfügung.

Außer jüdischen Kindern, unter anderem aus dem KZ Theresienstadt, nahm Pitter jedoch ebenso deutsche Waisenkinder in seine Heime auf und rettete ungefähr 400 deutsche Kinder vor dem Tod in tschechoslowakischen Internierungslagern.

Nach der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei im Februar 1948 geriet Pitter immer mehr unter Druck. Er musste, wie er selbst immer wieder betonte, 1951 wegen „Verfolgung durch die Kommunisten“ nach Westdeutschland flüchten und fand zunächst im so genannten Valka-Lager in Nürnberg ein neues Betätigungsfeld. In Westdeutschland trat er auch mit den vertriebenen Sudetendeutschen in Verbindung. In der Evangelischen Akademie Tutzing gab er im Frühjahr 1958 zusammen mit Vertretern der Evangelischen Sudetendeutschen eine Erklärung zur Aussöhnung der deutschen und tschechischen evangelischen Christen ab.

1966 wurde Pitter von der israelischen Regierung mit einer Medaille für seine Rettungsaktion ausgezeichnet und man pflanzte für ihn in Jerusalem an der Allee der Gerechten einen Baum.

1973 erhielt er vom deutschen Bundespräsidenten Gustav Heinemann das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Internationale der Kriegsdienstgegner: Die Kriegsdienstgegner der ganzen Welt, Bericht über die Bewegung in zwanzig Ländern und über die Internationale Konferenz in Hoddeston, Herts., England im Juli 1925 (dt. Version), herausgegeben vom Generalsektretariat der War Resisters’ International Enfield, England 1925

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]