P. G. Wodehouse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
P. G. Wodehouse (1904)

P. G. Wodehouse [ˈwʊdhaʊs], kurz für Sir Pelham Grenville Wodehouse, Spitzname Plum (* 15. Oktober 1881 in Guildford, Surrey; † 14. Februar 1975 in Southampton, New York), war ein britischer Schriftsteller. 1955 wurde er amerikanischer Staatsbürger.

Leben[Bearbeiten]

Wodehouse wurde als Sohn von Eleanor Wodehouse (geb. Deane) und Henry Ernest Wodehouse (1845–1929), einem britischen Richter in Hongkong, während eines Besuchs seiner Mutter in Guildford geboren.

1914 heiratete er Ethel Wayman, die eine Stieftochter, Leonora, mit in die Ehe brachte. Wodehouse hatte keine eigenen Kinder.

Obwohl Wodehouse und seine Werke zumeist als sehr britisch betrachtet werden, lebte er nach 1914 überwiegend in den USA. 1934 zog er nach Frankreich, um eine Doppelbesteuerung seiner literarischen Arbeit durch die US-amerikanischen und britischen Behörden zu vermeiden. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, blieb er in seinem neuen Heim in Le Touquet. Nach der deutschen Invasion Frankreichs wurde er zunächst nach Belgien verbracht und anschließend im Internierungslager Tost (heute Toszek) in Oberschlesien interniert. Hier wurde ihm gestattet, weiterhin als Schriftsteller tätig zu sein. Der Lagerkommandant stellte sich ihm gegenüber als ein Anhänger seiner Werke vor und Wodehouse bekam für seine Arbeiten sogar eine Schreibmaschine überlassen. Nachdem er u.a. für seine Mitgefangenen Stücke geschrieben hatte, wurde ihm Anfang 1941 indirekt angeboten, an Radioprogrammen mitzuwirken, die in den USA ausgestrahlt werden sollten. Von der Ausstrahlung eines solchen Programms erhoffte sich das für Propaganda im Ausland zuständige Rundfunkreferat des Auswärtigen Amts (Kult R) einen positiven Effekt innerhalb der sich noch nicht im Krieg befindenden USA. Wodehouse wurde von Tost nach Berlin gebracht und im Hotel Adlon einquartiert.[1] Dies führte später zu einer Kontroverse um seine Tätigkeit während des Krieges.

Aufgrund dieser Kontroverse zog Wodehouse nach dem Krieg in die USA und nahm dort 1955 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Vermutlich wurde er auch deshalb erst kurz vor seinem Tod, im Alter von 93 Jahren, Mitglied des Order of the British Empire.

Wodehouse veröffentlichte über neunzig Erzählungen, Drehbücher und humoristische Romane, darunter die berühmten Romane über Bertram Wooster und seinen Diener Jeeves sowie die auf Blandings Castle spielenden Romane mit Lord Emsworth und seiner Zuchtsau, der „Kaiserin von Blandings“.

Einige der Jeeves-Geschichten wurden für ITV unter Mitwirkung von Stephen Fry in der Rolle von Jeeves und Hugh Laurie als Wooster verfilmt. Nachdem die deutschsprachigen Übersetzungen lange Zeit vergriffen waren, hat der Schweizer Verlag Edition Epoca im Jahr 2000 damit begonnen, die Romane in neuen Übersetzungen von Thomas Schlachter neu aufzulegen.

Die Liste von Wodehouses Anhängern reicht von Bertolt Brecht und Daniel Kehlmann über Douglas Adams und Neil Gaiman bis zu Tony Blair und der englischen Königinmutter. Auch die Rockmusiker Lemmy Kilmister und Sting sind bekennende Wodehouse-Leser.

Werke (Auszug)[Bearbeiten]

  • Blandings-Castle-Romane
    • Something Fresh (1915); deutscher Titel: In alter Frische
    • Summer Lightning (1929); deutscher Titel: Sommerliches Schloßgewitter
    • Heavy Weather (1933); deutscher Titel: Seine Lordschaft und das Schwein; Sein und Schwein
    • Uncle Fred in the Springtime; deutscher Titel: Schloss Blandings im Sturm der Gefühle
      • Neu aufgelegt: Onkels Erwachen, neu übersetzt von Thomas Schlachter Edition Epoca, Zürich 2010 ISBN 978-3-905513-53-0
    • Lord Emsworth and the Girl Friend
    • Full Moon; deutscher Titel: Vollmond über Blandings Castle
    • Uncle Dynamite; deutscher Titel: Onkel Dynamit
    • Pigs Have Wings; deutscher Titel: Schwein oder Nichtschwein
    • Service with a Smile (1961); deutscher Titel: Stets zu Diensten
    • Galahad at Blandings (1965); deutscher Titel: Reichtum schützt vor Liebe nicht
    • A Pelican at Blandings (1969); deutscher Titel: Ein Pelikan im Schloss
    • Sunset at Blandings
    • Blandings Castle and Elsewhere (1935); deutscher Titel Herr auf Schloß Blandings
    • Leave It to Psmith (1923); deutscher Titel Psmith macht alles; Ein Lord in Nöten
  • Jeeves-und-Bertie-Romane
    • The Inimitable Jeeves (1923); deutscher Titel: Der unvergleichliche Jeeves
    • Carry on Jeeves (1924); deutscher Titel: Weiter so, Jeeves
    • Very Good Jeeves (1930); deutscher Titel: Jeeves ist eine Klasse für sich; Jeeves rettet die Situation
    • Right Ho, Jeeves (1934); deutscher Titel: Dann eben nicht, Jeeves
    • Thank you, Jeeves (1934); deutscher Titel: Besten Dank, Jeeves!; Bertie in wilder Erwartung
    • The Code of the Woosters (1937); deutscher Titel: Alter Adel rostet nicht
    • Joy in the Morning (1947); deutscher Titel: Ohne mich, Jeeves!; Schwamm drüber, Sir; Zu Hilfe, Jeeves!, Titel in den Vereinigten Staaten: Jeeves in the Morning
    • The Mating Season (1949); deutscher Titel Das höchste der Gefühle; Jeeves wirkt Wunder
    • Ring for Jeeves (1953)
    • Jeeves and the Feudal Spirit (1954); deutscher Titel: Adel vergißt sich
    • Jeeves in the Offing (1960); deutscher Titel: Wo bleibt Jeeves; Keine Ferien für Jeeves
    • Stiff Upper Lip, Jeeves (1963); deutscher Titel: Was tun, Jeeves?; SOS, Jeeves!, erschienen bei Epoca.
    • Much Obliged, Jeeves (1971); Titel in den Vereinigten Staaten: Jeeves and the Tie That Binds; deutscher Titel: Ohne Butler geht es nicht
    • Aunts Aren't Gentlemen (1974) ; deutscher Titel Fünf vor zwölf, Jeeves ; Titel in den Vereinigten Staaten: The Catnappers
  • Psmith
    • Psmith, Journalist (1915)
    • Psmith in the City
  • Musical comedies
  • Sonstige
    • Quick Service (1940); deutscher Titel: Jetzt oder nie!
    • Laughing Gas (1936)
    • The Luck of the Bodkins (1935); deutscher Titel: Monty im Glück
    • Performing Flea (Autobiography)
    • The Indiscretions of Archie (1921); deutscher Titel: Er kann nicht nein sagen
    • Piccadilly Jim (1917)
    • Bachelors Anonymous
    • The Little Nugget (1913)
    • Pearls, Girls & Monty Bodkin (1972); deutscher Titel: Lieber reich und glücklich
    • Something Fishy; deutscher Titel Hier ist etwas faul
    • Thomas Schlachter (Hrsg.): Wodehouse im Krieg. Die Berliner Radioansprachen und ihre Folgen. Edition Epoca, Bern 2013, ISBN 978-3-905513-58-5.

Literatur[Bearbeiten]

  • Benny Green: P. G. Wodehouse : A Literary Biography, London : Pavilion Michael Joseph, 1981, ISBN 0-907516-04-1
  • Martin Breit: P. G. Wodehouse : Gentleman der Literatur, Zürich : Römerhof, 2014, ISBN 978-3-905894-20-2
  • Lee Davis: Bolton and Wodehouse and Kern. The Men Who Made Musical Comedy. Heineman, New York 1993, ISBN 0-87008-145-4
  • Barry Day and Tony Ring: P. G. Wodehouse 'In his own words, London : Hutchinson, 2001, ISBN 0-09-179399-8
  • Barry Day (Hrsg.): The Complete Lyrics of P. G. Wodehouse. Scarecrow, Lanham 2004, ISBN 0-8108-4994-1.
  • Robert McCrum: Wodehouse. A Life. Norton, New York 2004, ISBN 0-393-05159-5.
  • Richard Usborne: Plum Sauce. A P. G. Wodehouse Companion. Overlook, Woodstock/NY 2003, ISBN 1-58567-441-9, S. 137–207.
  • Iain Sproat: Wodehouse at War. New Haven : Ticknor & Fields, 1981

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: P. G. Wodehouse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert McCrum: Wodehouse. A Life. Norton, New York 2004, ISBN 0-393-05159-5, S. 301ff.