PAAG-Verfahren

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Das PAAG-Verfahren (auch HAZOP-Studie) ist ein Verfahren der Sicherheitstechnik und dient der Untersuchung der Sicherheit von technischen Anlagen. PAAG steht für: Prognose, Auffinden der Ursache, Abschätzen der Auswirkungen, Gegenmaßnahmen.

Ein Expertenteam aus verschiedenen Fachgebieten unter Leitung eines Moderators untersucht in Besprechungen alle Teile einer Anlage durch systematische Analyse.

Mit PAAG setzte die Berufsgenossenschaft Chemie das von ICI in Großbritannien entwickelte HAZOP-Verfahren (von englisch Hazard and Operability) für Deutschland um; letztlich sind die Verfahren gleich. Seinen Ursprung hat HAZOP in der Chemieindustrie in den frühen 1970er Jahren und wurde in den frühen 1990er Jahren erstmals auf einer Software angewendet.

Anforderungen[Bearbeiten]

Obwohl es vom Prinzip her relativ einfach erscheint, erfordert das PAAG-Verfahren den Einsatz eines Teams aus erfahrenen Mitarbeitern aus dem Bereich der Anlagenplanung, des Anlagenbetriebes, der Überwachung, der Wartung und Instandhaltung usw. Bei der Anwendung sind ein entsprechender Erfahrungsschatz, ein entsprechendes technisches Wissen und Verständnis und Kenntnisse in der Vorgehensweise zum PAAG-Verfahren erforderlich.

Mit teilweise vorgefertigten Tabellen können eine Vielzahl bekannter prozesstechnischer Abweichungen bestimmt und beurteilt werden. Es ist die Aufgabe der Beteiligten zu prüfen, ob die allgemein bekannten Parameter alle Vorgänge in einer Anlage vollständig abbilden. Es ist Weitsicht gefordert, um auch nicht übliche oder seltene Szenarien zu erkennen, deren Extremzustände zu beschreiben und die Konsequenzen in vollem Umfang zu ermitteln.

Methode[Bearbeiten]

Zunächst wird ein technisches abgegrenztes System für die Analyse ausgewählt. Das System ist in der Prozessindustrie ein Anlagenteil, oder auch eine komplette Anlage. Dann wird das bestimmungsgemässe Soll-Verhalten des Systems im Betrieb definiert.

Die zentrale Methode von PAAG (Hazop) ist die Untersuchung, was für Auswirkungen es hat, wenn sich das betrachtete System nicht so verhält, wie es vorgesehen ist. Insbesondere geht es dabei um mögliche auftretende Gefahren oder Betriebseinschränkungen.

Die Untersuchung erfolgt durch ein Expertenteam. Ein erfahrener Diskussionsleiter führt das Analyseteam systematisch durch den Analyse-Prozess, indem er geeignete Leitworte benutzt. Die Leitwörter werden während der Diskussion mit bestimmten Prozessparametern verknüpft, um mögliche Abweichungen von der geplanten Betriebsweise zu ermitteln. Die Leitworte fokussieren das Team auf bestimmte Aspekte, die diskutiert werden sollen. Die Summe aller Leitworte führt dazu, dass das Systemverhalten umfänglich beleuchtet wird.

Der Schwerpunkt der Leitwort-Methode liegt im Auffinden von möglichen Gefahren und Risiken durch Abweichungen vom Soll-Verhalten. PAAG hat nicht das Ziel, für die gefundenen Abweichungen und Gefahren sofort auch alle möglichen Ursachen und Abhilfen zu finden [1]. Üblicherweise sind dazu weitere Analysen mit Methoden wie z.B. FMEA erforderlich [2]. Aber: Die Ursachen und mögliche Abhilfen, die während der PAAG Besprechung gefunden werden, werden natürlich protokolliert.

Leitworte[Bearbeiten]

Die Aufgabe der Leitworte ist es, dafür zu sorgen, dass das Diskussionsthema vollständig abgedeckt ist. Die Leitworte, die in PAAG (HAZOP) vorgeschlagen wurden, müssen daher bei besonderen Aufgabenstellungen gegebenenfalls ergänzt oder angepasst werden.

Leitwort Erklärung
Nein, nicht Sollfunktion erfolgt nicht oder wird negiert
Mehr Quantitativer Zuwachs, es geschieht zu viel
Weniger Quantitative Abnahme, es geschieht zu wenig
Sowohl als auch Zusätzlich passiert etwas anderes
Teilweise Sollfunktion erfolgt unvollständig
Umkehrung Es geschieht das Gegenteil
Anders als Substitution: Sollfunktion erfolgt nicht, dafür aber etwas anderes

Literatur[Bearbeiten]

  • IEC 61882. “Hazard and operability studies (HAZOP studies) – Application guide”. 2001, International Electrotechnical Commission, Geneva.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IEC 61882, Kapitel 4
  2. IEC 61882, Kapitel 5.2