PARS 3 LR

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PARS 3 LR

PARS3LR.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Panzerabwehrlenkwaffe
Hersteller: PARSys GmbH
Entwicklung: 1988– 2005
Indienststellung: 2010
Stückpreis: 558.823 €
Technische Daten
Länge: 1,6 m
Durchmesser: 159 mm
Gefechtsgewicht: 49 kg
Spannweite: 0,37 m
Antrieb: Feststoffrakete
Geschwindigkeit: 290 m/s (1044 km/h)
Reichweite: nominal 6 km
Ausstattung
Zielortung: Abbildendes Infrarot
Gefechtskopf: Tandemhohlladung 9 kg
Zünder: Kontaktzündung
Waffenplattformen: Eurocopter Tiger
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Die PARS 3 LR ist eine Fire-and-Forget Panzerabwehrlenkwaffe welche auch gegen feindliche Helikopter eingesetzt werden kann. Sie begann unter der Bezeichnung Trigat (in Frankreich AC 3G) als europäische Entwicklung und wird nur von Deutschland in Dienst gestellt. Die Waffe wird von der PARSys GmbH, einem Joint Venture der MBDA Deutschland GmbH und Diehl BGT Defence hergestellt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Trigat begann als europäisches Programm, an dem sich die drei Staaten Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich beteiligten. 1988 wurde ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Entwicklung einer Familie von Panzerabwehrlenkwaffen unterzeichnet. Belgien und die Niederlande traten als assoziierte Mitglieder 1989 bei. Die Waffen wurden von der Euromissile Dynamics Group (EADS) und Matra BAe Dynamics entwickelt. Später gründeten EADS und BAe die Firma MBDA, unter deren Dach der Vertrieb heute stattfindet. Die Tests der leichteren Trigat MR waren im Juli 1998 abgeschlossen, für die LR-Version begannen sie im 2003. Im Juli 2000 beschloss das Vereinigte Königreich den Ausstieg, im September folgten die Niederlande. Frankreich verabschiedete sich 2004 vom Projekt. Die Familie sollte zwei Lenkflugkörpersysteme umfassen:

  • Trigat MR: Diese leichtere Variante sollte von Infanteristen im Feld eingesetzt werden. Die Waffe war wie die AT-16 Scallion als Beamrider ausgelegt. Der Lasersucher befand sich bei der Waffe am Heck des Flugkörpers, die Rakete versucht während des Fluges innerhalb des Laserstrahls zu bleiben. Die Startplattform sollte mit einem Infrarotvisier und einem CO2-Laser bestückt werden. Die Schussentfernung sollte von 200 m bis zu 2400 m betragen. Die Waffe besaß eine Tandemhohlladung und wurde wie die Variante Trigat LR über Gasdüsen gesteuert.
  • Trigan: Variante der Trigat MR, welche über einen nachgezogenen Lenkdraht gesteuert werden sollte, um von MILAN-Startern aus eingesetzt zu werden.
  • Trigat LR: Die Variante mit höherer Geschwindigkeit und Reichweite sollte von Fahrzeugen und Helikoptern eingesetzt werden. Nachdem Deutschland die Entwicklung alleine weiterführte, wurde die Bezeichnung in PARS 3 LR geändert.

Zwischen März 2000 und Juni 2001 fanden mit der Trigat LR vier Testschüsse statt. Dabei wurden verschiedene Anflugprofile auf stehende und bewegliche Ziele in 500 bis 4200 Metern Entfernung getestet. Das Schießen auf AMX-30 und Leopard 1 Panzer erfolgte auch unter Einsatz von Nebelmittelwurfanlagen. Dabei trafen 4 von 5 gestarteten Flugkörpern ihr Ziel, eine musste gesprengt werden weil sie vom Verfolgerradar verloren wurde. Die abschließende Testserie begann am 27. September 2001, als ein sich bewegender Helikopter einen beschleunigenden Panzer in 2600 m mit einer Trigat traf. Am 19. Oktober wurde der Schwierigkeitsgrad erhöht: Ein Panzer wurde in 4500 m frontal beschossen und getroffen, während im Hintergrund ein weiterer Panzer als Köder fuhr. Vier Tage später, am 23. Oktober wurde auf ein bewegliches Ziel in 4500 m geschossen, welches hinter einem täuschkörperwerfenden T-72 fuhr. Das Ziel wurde ebenso getroffen wie ein Panzer am 27. November, welcher ebenfalls pyrotechnische Täuschkörper auslöste, nachdem die Waffe in 4500 m bei 180 km/h Fluggeschwindigkeit abgefeuert wurde. Eine zweite Lenkwaffe im Starter schaltete sich ebenfalls erfolgreich auf und behielt die Erfassung bei. Der anschließende Test fand am 5. Dezember statt. Ein Panzer fuhr in 4000 m neben einem Dieselfeuer eine Kurve und wurde am Turm getroffen.[1] Erste erfolgreiche Tests der Elektronik fanden im Dezember 2002 statt; 2003 folgte eine Testserie auf einem Panther-Helicopter. 2004 wurden erste Tests, die Anfang 2005 abschlossen, mit dem Eurocopter Tiger absolviert, so dass die Rakete Mitte 2005 Serienreife erlangte. Bei einer Reihe von Testschüssen am Tiger, welche am 20. Mai 2011 abgeschlossen wurden, konnten Ziele in etwa 7000 m mit scharfen Gefechtsköpfen bekämpft werden.[2]

Technik[Bearbeiten]

Die Rakete besteht aus einem abbildenden Infrarotsucher, dahinter liegt die Vorhohlladung sowie die Gasdüsen, danach die Haupthohlladung sowie der Antrieb. Die Waffen werden in eckigen Startbehältern transportiert, welche je 4 Lenkwaffen pro Behälter fassen. Die Behälter schützen die Lenkwaffen vor Splittern und kühlen die Suchköpfe vor, um Verzögerungen bei der Zielauffassung wie bei der FGM-148 Javelin zu vermeiden. Der HIPPAG 320 (High Pressure Pure Air Generator) kühlt dabei die Sucher mittels Druckluft auf kryogene Temperaturen herunter.[3] Die Zielerfassung erfolgt über einen bildverarbeitenden IR-Suchkopf welcher im Wellenlängenbereich von 8 bis 12 μm arbeitet, der vor dem Start der Lenkwaffe über das Mastvisier OSIRIS des UH Tiger auf das Ziel eingewiesen wird.[4] Zur Steuerung befinden sich am Rumpf vier Gasdüsen, welche die Lenkwaffe durch Schubvektorsteuerung ins Ziel steuern. Dabei sind grundsätzlich zwei Anflugmodi wählbar:

  • direct: Die Lenkwaffe fliegt das Ziel direkt an
  • lofted: Die Waffe fliegt in einem Bogen von oben an

Vier Raketen können dabei als Salve auf vier verschiedene Ziele abgefeuert werden. Dazu selektiert der Schütze die gewünschten Ziele nacheinander, wobei diese im Sichtfeld des Mastvisiers bleiben müssen. Danach führt der Helikopter ein Pop-up-Manöver durch, und feuert vier PARS 3 LR innerhalb von acht Sekunden auf die verschiedenen Ziele. Durch die Fire-and-Forget-Eigenschaften kann sich der Helikopter danach unmittelbar in Deckung begeben und einen Stellungswechsel durchführen. Die Zündung der Tandemhohlladung erfolgt beim Einschlag. Die Schubvektorsteuerung und die hohe Spitzengeschwindigkeit von 2000 km/h ermöglichen auch die effektive Bekämpfung feindlicher Helikopter.

Nutzer und Kosten[Bearbeiten]

Im Juni rügte der Bundesrechnungshof die hohen Kosten für die Beschaffung der Raketen. Unter Einrechnung der Entwicklung würde ein einziger Schuss rund 1,3 Mio. Euro kosten. 680 Raketen wurden am 30. Juni 2006 für 380 Mio. Euro bestellt. Der Bedarf an diesen Raketen wurde in Deutschland im Jahre 1982 angemeldet, die Auslieferung erfolgt in den Jahren 2010 bis 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://knygos.sprogmenys.net/knygos-2/Rocketry/Missiles%20and%20Warheads/Jane%27s%20Missiles%20and%20Rockets.pdf
  2. http://defense-update.com/wp/20110524_pars3.html
  3. HIPPAG - Missile Seeker Cooling
  4. Anti-tank guided missile developments