PRESTEL

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Tandata Td1400 Prestel Terminal, von der Nottingham Building Society für den Home Banking Service ausgegeben. Fernbedienungs-Tastatur und Dockingstation wurden mit einem Fernsehgerät oder Monitor und einer normalen Telefonleitung verbunden

PRESTEL (Kofferwort aus „press telephone“), Name eines früheren Bildschirmtext-Dienstes des General Post Office, der Postverwaltung von Großbritannien, der neben dem französischen Minitel eine der Grundlagen für die Entwicklung des Dienstes Bildschirmtext (Btx) der Deutsche Bundespost war. PRESTEL war ein interaktives über die normale Telefonleitung geliefertes und auf einem Fernsehbildschirm angezeigtes Informationssystem.

Ideenauslöser für den deutschen Bildschirmtext[Bearbeiten]

Eric Danke, unter dessen Leitung beim deutschen Postministerium der Bildschirmtextdienst entwickelt wurde, wurde 1975 erst durch eine Fachveröffentlichung über Samuel Fedida und PRESTEL auf die Technologie aufmerksam. Es folgte zunächst eine Kooperation mit der britischen Post, während man die Technik und die rechtlichen Grundlagen für Btx schuf. Am 25. August 1977 wurde Btx erstmals von Eric Danke und dem damaligen Bundesminister für Post- und Fernmeldewesen Kurt Gscheidle der deutschen Presse auf der Internationalen Funkausstellung Berlin (IFA) als Projekt vorgestellt.

Entwicklung und Markteinführung in Großbritannien[Bearbeiten]

Von 1972 an wurde von der Entwicklungsbehörde der britischen Post unter der Leitung des Ingenieurs Samuel Fedida das System Viewdata entwickelt, mit dessen Hilfe über eine Telefonleitung Daten eines Großrechners auf den Fernsehbildschirm übertragen werden konnten.

Unter der Bezeichnung PRESTEL wurde der Dienst dann 1979 offiziell von der britischen Post eingeführt. Die Seiten nach PRESTEL-Standards ähnelten den heute noch eingesetzten Videotext-Seiten mit einer Pseudografik aus farbigen ASCII-Zeichen („Klötzchengrafik“).

Technik und Inhalt[Bearbeiten]

Ein modifizierter Fernsehbildschirm wurde zur Anzeige eines nicht-scrollenden Fensters mit 40x24 Textzeichen mit einfachsten ASCII-Grafiken verwendet, entsprechend dem CEPT1 Standard von 1981. PRESTEL bot schon 1980 ein weitreichendes Informationsangebot, sowohl von der PRESTEL Abteilung der britischen Post als auch von Drittanbietern, und auch von Regierung und Parlament. Die Daten wurden in einem in London basierten zentralen Update-Computer (genannt Duke) eingegeben und dann auf verschiedenen im ganzen Land verteilten Satellitenservern gespiegelt, denen ebenfalls literarische und kulturelle Namen gegeben wurden (z.B. Dryden, Kipling, Derwent, Enterprise, Dickens, Keats, Bronte, Eliot und Austen).

Begrenzter Erfolg und Übergang zum Internet[Bearbeiten]

Wegen der Kosten der Anschaffung und der zum Teil hohen Kosten für Abrufe mancher Inhalte pro Seite konnte sich PRESTEL nie weitverbreitet durchsetzen. Es erreichte noch nicht einmal die bescheidenen Erfolge von Btx in Deutschland und hatte zu keinem Zeitpunkt mehr als 90.000 Nutzer.

1990, als PRESTEL bereits auf die inzwischen von der britischen Postbehörde getrennte und privatisierte British Telecom (BT) übergegangen war, begann das Ende des eigentlichen PRESTEL Systems, als BT sich entschied, gar keine Inhalte mehr zur Verfügung zu stellen, sondern nur noch telekommunikative Infrastruktur.

Mit der wachsenden Popularität des Internets wurden auch letzte Anwendungen von PRESTEL in geschlossenen Benutzergruppen, vorwiegend für Wirtschaftsdaten und ähnliches, Schritt für Schritt eingestellt.

PRESTEL-Patentierung und Lizenzgebühren für Hyperlinks im Internet[Bearbeiten]

Viewdata und PRESTEL waren 1975 von der britischen Post im Vereinigten Königreich als Patent eingetragen, welches daher inzwischen abgelaufen ist. Rechtsstreitigkeiten gab es aber um die entsprechenden US-Patente. In den USA wurde das Patent beim ersten Antrag nicht erteilt, weil Samuel Fedida vergessen hatte, den Patentantrag ausreichend zu frankieren.[1] 1980 wurde der Antrag allerdings zum zweiten Mal eingereicht und letztlich 1989 erteilt.[2] Hierauf beruhte unter anderem 2000 eine Klage von BT in den USA, mit dem sie von allen Lizenzen für Hyperlinks im Web einforderte. Die Klage wurde 2002 in den USA abgewiesen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ade, du schöner Schaltstern. In: heise online. 28. August 2002
  2. Hyperlink Patent – Terminal Apparatus In: About.com
  3. US-Gericht sieht in Nutzung von Hyperlinks keine Patentrechtsverletzung. In: heise online. 23. August 2002