Pablo Escobar

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Graffitti von Pablo Escobar

Pablo Emilio Escobar Gaviria, auch „El Doctor“, „El Patrón“ oder „Don Pablo“ genannt, (* 1. Dezember 1949 in Rionegro; † 2. Dezember 1993 in Medellín) war ein kolumbianischer Drogenhändler. Durch groß angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenschmuggel wurde er zu einem der reichsten Menschen der Welt. Allgemein wird er als einer der mächtigsten und brutalsten Drogenhändler angesehen, die es je gegeben hat.

Hintergrund[Bearbeiten]

Unter anderem eine Atmosphäre der Gewalt prägte die Jugend Pablo Escobars und begründete seine Skrupellosigkeit zur Durchsetzung seiner Ziele.[1] Ihren Ursprung hatte diese Atmosphäre in den Reichtumsverhältnissen des Landes zur Zeit um Escobars Geburt: 3 % der Bevölkerung – eine reiche Machtelite, die aus wenigen wohlhabenden Familien bestand – besaßen 97 % der Ländereien und Rohstoffe Kolumbiens, darunter Bergwerke, Ölquellen sowie Kaffee- und Bananenplantagen. Diese ungleiche Verteilung brachte dem Großteil der kolumbianischen Bevölkerung lähmende Armut[2].

1948 wurde dann der liberale Präsidentschaftskandidat und Reformer Jorge Eliécer Gaitán erschossen.[3] Dies führte zu einem El Bogotazo genannten Volksaufstand, der vor allem in ländlichen Zonen mit großer Vehemenz fortgesetzt wurde, bedingt zum einen durch religiösen Eifer und zum anderen durch Macht- und Landansprüche. Dies mündete in die sogenannte „Violencia“, einen grausamen Bürgerkrieg zwischen Anhängern der liberalen und der konservativen Partei[4][5]. Mit welcher außerordentlichen Brutalität hierbei vorgegangen wurde, zeigt unter anderem die Tötungsart der „Kolumbianischen Krawatte“, die zu dieser Zeit erfunden wurde.[6][1]

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Pablo Emilio Escobar Gaviria wurde in El de Tablazo/Antioquia[7] als drittes von sieben[8] Kindern des Viehzüchters Abel de Jesús Escobar und der Lehrerin Hermilda Gavíria geboren.[9] Er entstammte dem ländlichen Mittelstand, seine Familie besaß Milchkühe und 12 Hektar Land. Die relativ wohlhabenden Rinderfarmen von Frontino und Rionegro waren stets Schauplätze gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen liberalen Heereseinheiten und Guerilleros aus den Bergen.[10]

Die Familie zog nach Envigado, dort gründete Hermilda eine Volksschule. Pablo Escobar schloss sich in Envigado einer nihilistischen Jugendbewegung, dem „Nadaismo[11], an und begann bereits mit 13 Jahren kolumbianisches Marihuana zu rauchen. Seine Schule Liceo Lucrecio Jaramillo verliess er 1966 aus Protest vorzeitig. Escobar konsumierte große Mengen an Softdrinks, Pizza und Fastfood, was zu seinem Übergewicht führte.[12]

Zusammen mit seinem Cousin Gustavo Gaviria verbrachte er seine Jugend auf den Straßen und in den Bars des Medellíner Rotlichtbezirks Jesús el Nazareno. Im „Barrio Antioquia“ von Medellin machte er Bekanntschaft mit lokalen Unterweltgrößen, die für seine weitere Laufbahn wichtig waren. Der Besitz von Feuerwaffen brachte ihm schnell den Respekt der anderen Banden ein, die damals meist nur mit Messern und Macheten bewaffnet waren. Früh schloss er sich einer Marihuana-Schmugglerbande an und beteiligte sich an Raubüberfällen auf der Straße. Ein weiterer Erwerbszweig war der Handel mit geschmuggelten Marlboro-Zigaretten. Nach Aussagen seiner Mutter war er für eine ehrliche Tätigkeit ungeeignet, denn er wollte sich schon früh große Macht aneignen.

Mit 20 Jahren begann er, Autos zu stehlen, um sie zerlegt als Hehlerware zu verkaufen. Kurze Zeit später entführte er mit seiner Bande reiche Bürger und tötete sie oft auch trotz Lösegeldzahlung, um seine Macht zu demonstrieren.

1971 entführte er den beim Volk sehr unbeliebten Industriellen Diego Echavarría und erdrosselte ihn nach Erhalt des Lösegeldes.[13] Die Entführung machte ihn in Medellin berühmt und brachte ihm den Beinamen „El Doctor“ ein.[14]

Mitte der 1970er-Jahre wurde der „Marimba“-Marihuanahandel durch die Modedroge Kokain abgelöst.[15] Pioniere in diesem neuen Boom-Geschäft waren Escobar, die Ochoa-Brüder, Carlos Lehder und José Rodriguez Gacha.[13]

Escobar nutzte die ungeahnten Verdienstmöglichkeiten für seinen gesellschaftlichen Aufstieg. In den 1970er-Jahren baute er ein riesiges Drogenimperium auf. Während seiner besten Jahre soll er bis zu 1,5 Millionen US-Dollar am Tag verdient haben.[16] Er war als der Drogenbaron Kolumbiens bekannt.

Drogenhandel[Bearbeiten]

Escobar zeichnete sich durch Grausamkeit und Skrupellosigkeit aus, die ihn schnell an die Spitze des Medellín-Kartells brachten.

Obwohl Escobar einmal im Besitz von elf Kilogramm Kokain festgenommen wurde, gab es nie einen Prozess wegen Drogenbesitzes oder Drogenhandels gegen ihn, da der ihn belastende Polizist unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Durch Morddrohungen wurden auch die Richter eingeschüchtert, die den Mordprozess daher nicht noch einmal aufrollten.

1975 lernte Escobar einen wohlhabenden Piloten mit dem Decknamen „Rubin“ aus Medellín kennen, der fließend Englisch sprach,[17] Miami gut kannte und bereits für die Ochoa-Brüder (Alsonso, Jorge und Fabio) arbeitete.[18] „Rubin“ kaufte in Miami Sportflugzeuge und warb weitere Piloten an. Der erste Kokainschmuggler aus Medellín war Fabio Restrepo, mit dem „Rubin“ 1975 ein bis zwei Lieferungen Kokain (40–60 kg) nach Miami ausflog und einen Gewinn von etwa 40.000 USD erwirtschaftete.[19] Escobar erhielt von Jorge Ochoa die Erlaubnis, unverschnittenes Kokain an Restrepo zu verkaufen. Er ließ Restrepo ermorden und „Rubin“ sowie die Ochoa-Brüder wissen, dass sie fortan für ihn arbeiten.[20]

1976 heiratete Escobar die 15-jährige María Victoria Henao Vellejo.[21] Mit ihr bekam er die Kinder Juan Pablo und Manuela. Die Ehe wurde nach eigener Aussage als sehr glücklich eingeschätzt, obwohl Escobar seine Frau mit unzähligen jungen Frauen betrog. Wurde eine dieser Frauen schwanger, wurde sie von Escobars Auftragsmördern getötet.

John Jairo Velásquez Vásquez, genannt „Popeye“, war engster Vertrauter und Chefkiller Escobars, er tötete auf seinen Befehl über 150 Menschen.[22][23] Insgesamt ließ Escobar 30 Richter sowie 457 Polizisten töten.

1976 ließ das Departamento Administrativo de Seguridad (DAS) seinen Cousin Gustavo Gaviria verhaften, nachdem er in Miami Kokain abtransportiert hatte. Escobar wurde verhaftet und musste in Itagüí eine Gefängnisstrafe absitzen, wurde aber durch Bestechung kurz danach wieder freigelassen, die DAS-Beamten, die ihn verhaftet hatten, wurden ermordet.[24] Er etablierte damit das kolumbianische „plata o plomo“. Bedeutung: Silber oder Blei, Prinzip: Entweder lässt du dich bestechen oder es fliegen Bleikugeln (für oder gegen ihn).[25]

Weiterhin schuf er folgendes Geschäftsprinzip: Kokain wurde von unabhängigen Pflanzern gewonnen, Escobar kontrollierte den Transport. Erzeuger zahlten dafür eine Provision von 10 Prozent auf den Großhandelspreis in Miami. Bei Verlust einer Lieferung zahlte Escobar den Lieferanten Ersatz auf den Erzeugerkostenpreis. Die Gewinne lagen bei Weitem über den Verlusten der abgefangenen Lieferungen. Escobar erkaufte sich Schutz von den Pflanzern über die Verarbeiter bis zu den Distributeuren. Die Transporte wurden hauptsächlich mit Staffeln von Sportflugzeugen (etwa eine Tonne Fracht) abgewickelt, aber auch mit ferngesteuerten Mini-U-Booten, die bis zwei Tonnen Kokain von der Nordküste Kolumbiens bis nach Puerto Rico transportierten. In der Endphase ließ er 10 Tonnen Kokain in einer umgebauten Boeing 727 in die USA exportieren.

Gacha und Lehder arbeiteten in der Anfangsphase teils für Escobar, teils gegen ihn. 1975 wurde eine Kokainlieferung von 600 Kilogramm in einem Flugzeug in Cali abgefangen; diese Maßnahme löste die Ermordung von 40 Personen an einem Wochenende aus, da sich die Organisationen gegenseitig vorwarfen, das Geschäft gestört zu haben. Der unermessliche Reichtum durch das Kokaingeschäft führte zu einer neuen Gesellschaftsschicht in Kolumbien, die diesen durch Villen, Diskotheken etc. zur Schau trug.

Escobars Schwager Mario Henao, ein linksorientierter Intellektueller, verschaffte Escobar die patriotische Rechtfertigung für seinen Drogenhandel,[26] um ein neues, modernes und fortschrittliches Kolumbien aufzubauen.[27] In Medellín gab Escobar die Zeitung Medellín Cívico heraus, die sich mit der Glorifizierung seiner Person befasste.[28] Ihm zur Ehre wurde das Viertel Pablo Escobar für Wohnungslose erbaut. Escobar stellte sich als großzügiger Arbeitgeber in Medellín dar und zahlte dem Personal in den Drogenlabors hohe Gehälter. 1978 wurde Escobar als Abgeordneter in den Stadtrat von Medellín gewählt, die politische Immunität schützte ihn vor weiterer Strafverfolgung. Der Diplomatenstatus wurde für Reisen seiner Familie nach Miami genutzt.

In Miami erwarb die Familie ebenfalls Luxusvillen und eine 8-Millionen-Dollar-Ranch bei Plantation im Broward County. Die kolumbianischen Narco-Millionäre und -Milliardäre setzten die Tradition der Wohlhabenden fort, die ihre Reichtümer damals der Sklavenarbeit, dem Tabak- und Chinin-Schmuggel, der Landbeschlagnahmung während der Bürgerkriege, dem Gold- und Smaragdschmuggel verdankten.

1981 stellte Escobar nach der Entführung von Marta Ochoa eine private MAS-Miliz „Muerte a los Secuestradores“ auf.[29] Die Gründung der MAS-Miliz wurde von 223 Drogenhändlern unterzeichnet und durch das Abwerfen von Flugblättern über einem Fußballstadion bekanntgegeben. Der Zusammenschluss der MAS wird auch als Gründungsdatum des Medellín-Kartells gesehen.

1982 ließ sich Escobar als Abgeordneter in den kolumbianischen Kongress wählen. Er war Vertreter der liberalen Partei, befand sich auf dem Gipfel seiner Popularität und wurde „paisa Robin Hood“[30] genannt.[31] Da er aber öffentlich beschuldigt wurde, mit Drogen zu handeln, war er gezwungen, sein Mandat niederzulegen. Aufgrund seiner Finanzmacht und seiner Verbindungen konnte er sich weiterhin großen Einfluss auf Politik und (bestochene) Politiker sichern.

1983 bot Manuel Noriega dem Medellín-Kartell Exil und großzügige Anlagemöglichkeiten für das Drogengeld.[32] Nach der Ermordung Rodrigo Lara Bonillas flohen Escobar, Lehder, Gacha und die Ochoa-Brüder nach Panama.

Aus dieser Zeit stammt sein Zitat: „Lieber ein Grab in Kolumbien als eine Gefängniszelle in den Vereinigten Staaten.“

1984 war er der erfolgreichste Kokainhändler der Welt, er hatte große Teile des Kokainmarktes unter Kontrolle (80 Prozent in Kolumbien). Seinen größten Gewinn erzielte er mit dem Kokainschmuggel in die USA, wo Kokain etwa dreimal teurer verkauft werden konnte als in Kolumbien. Ein Kilogramm Kokain, sobald es über der Grenze war, hatte statt seines ursprünglichen Wertes von 9.000 Dollar nun einen von 30.000 Dollar. Da sein Reinheitsgrad von ursprünglich 90 Prozent in den USA auf 30 Prozent gestreckt wurde, stieg der Wert auf über 90.000 Dollar.

1984 vernichtete die amerikanische DEA Escobars großangelegte Kokainlaboratorien Tranquilandia und Vila Coca und beschlagnahmte 14 Tonnen reines Kokain, das bedeutete eine schwere Einbuße für das Medellín-Kartell. Die US-Luftwaffe versprühte Herbizide auf Kokainpflanzungen in den Regenwäldern Kolumbiens.[33]

1985 begannen Gacha und Escobar mit der „Säuberung“ des Mittleren Magdalenatals von der FARC-Guerilla. Den Operationen, die durch britische und israelische Söldner unterstützt wurden, fielen tausende von Bauern und Feldarbeitern zum Opfer. Paramilitärische Verbände des Medellínkartells und Heereseinheiten fügten der FARC, ELN und M-19 im Magdalenatal schwere Verluste zu. Im gleichen Jahr stürmte die linksgerichtete Untergrundorganisation M-19 (Movimiento 19 de Abril) den Justizpalast von Bogotá, Escobars Beteiligung blieb unklar.[34]

1986 starb der US-Basketballstar Len Bias nach einer Kokainüberdosis, das öffentliche Bewusstsein wendete sich gegen die Partydroge und sie wurde geächtet.[35] Escobar – zuvor als Inbegriff des Zeitgeistes wahrgenommen –, wurde von der Weltöffentlichkeit zum Schwerkriminellen erklärt.

1988 wurde George Bush US-Präsident und investierte einen Milliarden-Etat in den Kampf gegen den kolumbianischen Drogenhandel.[36]

1989 war Escobar laut Forbes Magazine mit einem Privatvermögen von 2,7 Milliarden USD der siebtreichste Mann der Welt und kontrollierte 80 Prozent des internationalen Kokainmarktes.[37]

Escobar war auch sozial engagiert: Er finanzierte Krankenhäuser, Sozialwohnungen und Schulen und genoss daher unter dem ärmsten Teil der Bevölkerung seiner Heimatstadt Medellín zum Teil sogar einen guten Ruf. Das Fußballstadion seines Heimatvereins in Envigado wurde mit seinen Geldern erbaut. Escobar gründete in Medellín Büro- und Apartmentkomplexe, Diskotheken und zahlreiche Restaurants, noch heute sind seine Spuren sichtbar.[38]

Hacienda Nápoles[Bearbeiten]

1979 kaufte Escobar für 63 Millionen USD[25] eine 3.000 Hektar große Ranch bei Puerto Triunfo am Río Magdalena und machte daraus einen luxuriösen Landsitz.[39]

Der Besitz umfasste einen Flugplatz, einen Hubschrauberlandeplatz, eine Stierkampfarena, sechs Swimmingpools, ein gynäkologisches Untersuchungszimmer, künstliche Seen für Wasserski und ein komplettes Straßennetz. Für seinen Zoo auf der Hacienda ließ Escobar Elefanten, Büffel, Löwen, Nashörner, Gazellen, Zebras, Flusspferde, Kamele und Strauße einfliegen. Für seinen Sohn ließ er Dinosaurierfiguren errichten.

Die Hacienda Nápoles hatte komfortable Schlafgelegenheiten für über 100 Personen. Der Eingang war mit einem Sportflugzeug geschmückt, mit dem Escobar seine ersten Kokaintransporte nach Medellín abwickelte.

Für die Unterhaltung seiner Freunde ließ er kolumbianische Schönheitsköniginnen[40] auftreten, welche Striptease vorführten, bei Wettspielen teure Sportwagen gewinnen konnten, sich aber auch Demütigungen wie einer kompletten Haarrasur, Insekten schlucken oder nackt um die Wette auf Bäume klettern, aussetzen mussten.[41]

Auf der Hacienda fanden auch zahlreiche Hinrichtungen statt. Ein Arbeiter, der Escobar bestahl, wurde an Händen und Füßen gefesselt und zur Unterhaltung der Gäste in einem der Swimmingpools ertränkt.[42][43] Der Architekt, der den Baufehler und den Einsturz des ersten Stocks in der Villa zu verantworten hatte, wurde erschossen.

Nachdem 2007 Räuber nach legendären Reichtümern suchten und plünderten, wurde aus der verfallenen Villa ein Freizeitpark „Parque Temático Hacienda Napolés“.[44] Die von Escobar ausgesetzten Flusspferde fühlen sich im tropischen Regenwaldklima von Kolumbien wohl und vermehren sich stark.[45]

Virginia Vallejo[Bearbeiten]

Virginia Vallejo, TV-Journalistin und Moderatorin, war Geliebte von Pablo Escobar von 1983 bis 1987. Sie veröffentlichte 2007 „Amando a Pablo, odiando a Escobar“ (deutsch: Pablo lieben, Escobar hassen),[46] worin sie Escobar mit Politikern wie Alberto Santofimio[47][48] und Präsidenten Alfonso López Michelsen,[49] Ernesto Samper und Álvaro Uribe Vélez[50] in Verbindung bringt und einen Politskandal in Kolumbien auslöste.

Verfolgung und Tod[Bearbeiten]

Erschießung Escobars

Im Widerstand gegen ein von der kolumbianischen Regierung beabsichtigtes Gesetz zur Auslieferung von Drogenhändlern an die USA führte Escobar an der Spitze der Extraditables („die Auslieferbaren“) einen regelrechten Krieg gegen den Staat. Er ließ Hunderte von Polizisten, Richtern und Staatsanwälten ermorden und überzog die Hauptstadt Bogotá mit Bombenterror. Ein besonders spektakuläres Bombenattentat legte den Sitz der Tageszeitung „El Espectador“ in Bogotá in Trümmer. Zahlreiche Entführungen von Angehörigen des öffentlichen Lebens in Kolumbien, häufig mit tödlichem Ausgang, gingen auf Escobars Konto. Für seinen eigenen Schutz engagierte er Leibwächter und unterhielt eine große Zahl von Sicarios (Auftragskillern). Die besonders entschiedene Feindschaft der kolumbianischen Polizei erwarb sich Escobar durch ein Kopfgeld von 500 bis 1000 Dollar, das er für jeden getöteten Polizisten in Medellín aussetzte.

Die Verfolgung Escobars durch den Staat Kolumbien wurde weiter intensiviert, nachdem 1989 der Präsidentschaftskandidat der liberalen Partei, Luis Carlos Galán, der für den Fall seiner Wahl eine verstärkte Offensive gegen die Drogenmafia angekündigt hatte, während einer Wahlveranstaltung in Soacha, einem Vorort von Bogotá, ermordet wurde.

Nach Friedensverhandlungen erklärte Escobar 1991 schließlich einen Waffenstillstand und stellte sich der Polizei, nachdem ihm zugesichert worden war, nicht an die USA ausgeliefert zu werden. Mit seiner Leibwache kam er, wie bei den Verhandlungen ausgemacht, in das eigens von ihm errichtete luxuriöse Gefängnis La Catedral in der Nähe seines Heimatortes Envigado. Nach mehreren Skandalen (unter anderem ließ Escobar Drogenhändler ins Gefängnis kommen und dort ermorden) wollte ihn die Regierung in ein anderes Gefängnis verlegen, woraufhin er die Flucht ergriff. Dabei soll er zwei seiner Bewacher getötet haben.

Escobar starb schließlich, als eine US-amerikanisch-kolumbianische Elite-Einheit ihn 16 Monate später bei einer Razzia in Medellín erschoss: Er hatte aus seinem Versteck heraus mit seinem Sohn telefoniert, und die Ermittler hatten den Anruf zurückverfolgt. An seiner Beerdigung nahmen über 20.000 Menschen teil.

Drogengelder auf blockierten Bankkonten[Bearbeiten]

In einem Spiegel-Online-Artikel vom 7. November 2009 wird behauptet, Millionen Drogengelder seien auf Bankkonten in Luxemburg, der Schweiz und Panama „verschollen“.[51] Wie der Luxemburger Staatsanwalt Jean-Paul Frising erklärte, wurden schon 1989 auf Antrag der US-Behörden Konten mit insgesamt 5 Mio. Euro bei fünf Luxemburger Banken, darunter BNP, Crédit Lyonnais und die nicht mehr existente BCCI, eingefroren. Damit der Staat die Gelder endgültig beschlagnahmen könnte, sei jedoch ein Gerichtsbeschluss aus den USA erforderlich, der die Kontoinhaber des Drogenhandels oder der Geldwäsche für schuldig erkläre.[52]

Rezeption[Bearbeiten]

Politisch[Bearbeiten]

Escobar veränderte und spaltete den kolumbianischen Staat und schadete nachhaltig dem weltweiten Ansehen des Landes als „Narco-Republik“ Kolumbien.

George Bush erklärte Escobar zum Staatsfeind Nummer Eins.[53] Die Gewaltkultur und die nach Escobars Tod arbeitslosen sicarios (Auftragsmörder in Kolumbien)[54] verschärften die Sicherheitslage. Insbesondere in Medellín radikalisierten die Elendsviertel mit langen Auswirkungen. Aus vielen meist minderjährigen sicarios, die für Escobar oder für Gacha arbeiteten, wurden paramilitärische Milizen der AUC.[55][56]

In Medellín wird Escobar vor allem in seinem Heimatviertel Envigado heute noch als Volksheld verehrt. Der Fußballverein Atlético Nacional in Medellín verdankt seinen Aufstieg der finanziellen Förderung durch Escobar.[57]

Im April 2003 wurden in einigen Stadtteilen Medellins Wahlkampfplakate mit dem Konterfei von Pablo Escobar gesichtet, über die näheren Hintergründe dieser Aktion ist nichts bekannt.[58]

Filmisch, künstlerisch und literarisch[Bearbeiten]

  • Motive von Pablo Escobar werden vom kolumbianischen Maler Fernando Botero gemalt.
  • 2001 wurde Escobar von Cliff Curtis im Film „Blow“ als Geschäftspartner der Hauptfigur George Jung dargestellt.
  • Mark Bowden schildert die Jagd auf Escobar in seiner Dokumentation „Killing Pablo“. Im History Channel erschien „The True Story of Killing Pablo“ Ein weiterer Dokumentarfilm ist für 2009 vorgesehen.
  • 2006 taucht Escobar im Dokumentarfilm Cocaine Cowboys auf.
  • Der Film „Pablo of Medellin“ von Jorge Granier-Phelps stellt Escobar teilweise als Heiligen, teilweise als Dämon dar.
  • Der Film "Los Dos Escobar" schildert das Leben von Pablo Escobar und dem Fußballer Andrés Escobar, der nach einem Eigentor und dem frühen Ausscheiden der kolumbianischen Mannschaft bei Fußball-WM 1994 ermordet wurde. Der Film vertritt die These, dass der Fußball-Fan Pablo Escobar den Mord niemals geduldet hätte.
  • Tom Clancy benutzt Escobar in seinem Roman Der Schattenkrieg („Clear and Present Danger“) und dem darauf beruhenden Kinofilm „Das Kartell“ für seine Figur „Ernesto Escobedo“ (gespielt von Miguel Sandoval).
  • In der HBO-Serie Entourage spielt der fiktive Darsteller Vincent Chase (Adrian Grenier) die Hauptrolle in „Medellín“, einem fiktiven Film über das Leben Pablo Escobars.
  • In dem Videospiel Grand Theft Auto: Vice City gibt es einen Flughafen mit dem Namen „Escobar Int. Airport“. Die fiktive Stadt Vice City ist in diesem Spiel ein Drehkreuz des amerikanischen Kokainhandels.
  • Auf dem Album Enslaved der Thrash-Metal-Band Soulfly geht es in dem Song Plata O Plomo um Pablo Escobar.
  • Der Thriller "Paradise Lost" (2014) handelt von einer Liebesgeschichte innerhalb des Escobar-Clans.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Luis Cañón: Pablo Escobar: Leben und plötzlicher Tod des Kokainkönigs. Aufbau-Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-351-02422-3.
  • Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-8270-0164-1.
  • Gabriel García Márquez: Nachricht von einer Entführung. (Noticia de un secuestro) – über Details der Erpressung Escobars gegen den kolumbianischen Staat und die Geschichte der Los Extradictables, 1996, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001, ISBN 978-3-423-12897-1.
  • James Mollison: Escobar: der Drogenbaron. Heyne, München 2010, ISBN 978-3-453-67576-6.
  • Roberto Escobar Gaviria: Mi Hermano Pablo. Oveja Negra 2008 (spanisch), ISBN 978-9-580-61109-7 – Enthüllungsbuch von Escobars Bruder Roberto

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pablo Escobar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 27.
  2. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 19.
  3. EL BOGOTAZO – 9 DE ABRIL DE 1948 – JORGE ELIECER GAITAN. ColombiaLink.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  4. El Bogotazo. Html.rincondelvago.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  5. 9 de abril de 1948 – El bogotazo. Patriagrande.net. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  6. Blogger: Inhoudswaarschuwing. Cmcorpkillers.blogspot.com. Archiviert vom Original am 10. März 2009. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  7. Pablo Escobar nació en 1949, en una pequeña localidad rural llamada El Tablazo, en las proximidades de Antioquia (Colombia)in http://www.pabloescobargaviria.info/index.php?option=com_content&task=view&id=223&Itemid=32
  8. „Pablo Escobar by Marcela Grajales“. Accents Magazine, Kean University. Abgerufen am 13. Februar 2012.
  9. Luis Cañón Moreno: El Patrón. Vida y muerte de Pablo Escobar. Planeta, Santafé de Bogotá 1994, ISBN 958-614-402-X, S. 304.
  10. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 29–30.
  11. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 30–31.
  12. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 46–47.
  13. a b Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 36.
  14. The Rise and Fall of Pablo Escobar and the Medellin Cartel. New Criminologist. 9. Januar 1998. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  15. LA MAFIA DEL NARCOTRAFICO (PDF) pabloescobargaviria.info. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  16. The 5 richest criminals of all time – Entertainment. World Financial Blog. 18. April 2008. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  17. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 37.
  18. David P. Thompson: Pablo Escobar, Drug Baron: His surrender, imprisonment, and escape, Studies in Conflict & Terrorism, 1992 in http://www.informaworld.com/smpp/content~content=a789412808&db=all
  19. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 38.
  20. Biography – Pablo Escobar on Crime and Investigation Network. Crimeandinvestigation.co.uk. 10. September 2009. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  21. Biography of Pablo Escobar. Latinamericanhistory.about.com. 2. Dezember 1993. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  22. El narcotraficante Pablo Escobar fue escondido en Nicaragua por sandinistas, dice ex compinche – Radio La Primerísima – La Gente – Noticias desde Managua, Nicaragua. Radiolaprimerisima.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  23. Un lugarteniente del narcotraficante Pablo Escobar detalla los lazos del capo de las drogas con Fidel Castro. Libertad Digital. 14. August 2005. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  24. Fiestas Y DesĂłrdenes En CĂĄrcel De ItaguĂ – Archivo – Archivo Digital de Noticias de Colombia y el Mundo desde 1.990. eltiempo.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  25. a b Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 40.
  26. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 44–45.
  27. Los Jinetes de la Cocaína. Derechos.org. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  28. Publicado por Ludovikof Martínez: Martínez-Solís, Genealogía: Pablo Escobar-Gaviria. Genealogia-martinez-solis.blogspot.com. 28. Februar 2004. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  29. frontline: drug wars: thirty years of america's drug war. PBS. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  30. paisa – Bewohner der kolumbianischen Provinz Antioquia
  31. Escobar – Pablo Escobar – Archivos periodisticos – UN ROBIN HOOD PAISA. Pabloescobargaviria.info. 16. Mai 1983. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  32. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 67.
  33. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 65.
  34. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 77.
  35. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 63.
  36. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 62, 91f.
  37. Pablo Escobar (1949–1993). Cocaine.org. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  38. Pablo Escobar Gaviria – English Biography – Articles and Notes. ColombiaLink.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  39. Escobar – Pablo Escobar – Archivos periodisticos – EL RECUERDO DE LA HACIENDA NÁPOLES. Pabloescobargaviria.info. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  40. Escobar’s drug demesne up for grabs: ThePost.ie. Archives.tcm.ie. 20. August 2006. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  41. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 43.
  42. Von Philipp Lichterbeck: Die Geschichte: Pablo Escobar: Killer, Staatsfeind, Volksheld – International – Politik – Tagesspiegel. Tagesspiegel.de. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  43. Mark Bowden: Killing Pablo. Berlin-Verlag, 2001, S. 47.
  44. Kolumbien: Das gruselige Erbe des toten Drogenbarons – Nachrichten Wirtschaft – WELT ONLINE. Welt.de. 22. Dezember 2007. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  45. Hippos Invade Colombia. Willmore.net. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  46. Loving Pablo, Hating Escobar , OFFICIAL WEBSITE. Lovingpablo.com. 11. Juli 2008. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  47. Virginia Vallejo OFFICIAL WEBSITE, photos, biography, videos. Virginiavallejo.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  48. Alberto Santofimio convicted in '89 Galan killing (Poorbuthappy in Colombia!). Poorbuthappy.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  49. Escobar – Pablo Escobar – Archivos periodisticos – Pasiones clandestinas. Pabloescobargaviria.info. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  50. „Se llama Álvaro Uribe Vélez y Pablo lo idolatra“ : Uribe niega nexos con capo del narcotráfico Pablo Escobar Gaviria. Aporrea.org. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  51. Tobias Käufer: Die vergessenen Millionen des Medellin-Kartells. SPIEGEL online 7. November 2009.
  52. Pech gehabt. d’Land 13. November 2009. S. 9.
  53. How America Lost the War on Drugs : Rolling Stone. rollingstone.com. 13. Dezember 2007. Archiviert vom Original am 20. Juni 2008. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  54. Reisebericht: Medellin, die gefährlichste Stadt der Welt? – Kolumbien, Medellin. GEO-Reisecommunity.de. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  55. COLOMBIAN CHILDREN -SICARIOS IN MEDELLIN (Poorbuthappy in Colombia!). Poorbuthappy.com. 4. September 2009. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  56. Pablo Escobar, el „patrón“, inventor de la palabra „sicario“ en Colombia. Monografias.com. 7. Mai 2007. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  57. Pablo Escobar, el Zar de la Coca. Articuloz.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  58. lmorfheol: Historia – Vida y Muerte De Pablo Escobar -Videos-Documental. Taringa!. 9. Februar 2010. Abgerufen am 26. Juni 2010.