Pacific (Lokomotive)

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Der Flying Scotsman der London and North Eastern Railway
Bayerische S 3/6
01 1102 mit Stromlinienverkleidung

Pacific ist die auch in Europa gebräuchliche alte amerikanische Bezeichnung für Dampflokomotiven der Achsfolge 2'C1', also mit einem vorauslaufenden zweiachsigen Drehgestell, drei Kuppelachsen und einer Nachlaufachse.

Pacific-Lokomotiven gehörten vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts bis zum Ende der Dampflokzeit zu den schnellsten, stärksten und modernsten Dampflokomotiven. Sie beförderten die großen Expresszüge, vor allem in England, Frankreich und Deutschland, zum Beispiel den Flying Scotsman, den Train Bleu, den Orient-Express oder den Rheingold. Mit ihren großen Rädern und ihrer eleganten Erscheinung üben sie bis heute einen besonderen Reiz auf Reisende und Beobachter aus.

Die Konstrukteure trugen der besonderen Bedeutung der Pacifics als "Paradepferde" im Fahrzeugpark häufig durch eine besonders aufwändige Gestaltung Rechnung. So gelten der Flying Scotsman, die badische IV h und die bayerische S 3/6 als die formschönsten Dampflokomotiven der Eisenbahngeschichte. Ab den dreißiger Jahren wurden die Pacific-Loks mit Stromlinienverkleidungen versehen, die ihnen ein besonders schnittiges Aussehen verliehen.

Konstruktiver Aufbau[Bearbeiten]

Die Achsfolge 2'C1' stellt bei den in Europa gegebenen Beschränkungen (Kurvenradien, Steigungen und Länge der vorhandenen Drehscheiben) das Optimum in Bezug auf hohe Leistungen für schwere Züge bei hohen Geschwindigkeiten dar:

  • Die drei Treibachsen werden benötigt, um eine ausreichend hohe Zugkraft zu erreichen. Gleichzeitig verhindern die für die hohen Geschwindigkeiten notwendigen großen Treibraddurchmesser die Anordnung einer vierten Kuppelachse.
  • Das führende Drehgestell sorgt für einen sicheren und ruhigen Lauf bei hohen Geschwindigkeiten und ist notwendig, um das Gewicht des Kessels mit zu tragen.
  • Die Nachlaufachse trägt ebenfalls einen Teil der Gesamtmasse des Fahrzeugs und ermöglicht durch die Anordnung der dritten Treibachse vor dem Stehkessel den festen Achsstand gering zu halten (im Gegensatz dazu war man bei der Achsfolge 2'C, etwa bei der preußischen S 10, gezwungen, die letzte Kuppelachse hinter dem Stehkessel anzuordnen, um den Überhang nicht zu groß werden zu lassen). Die Laufachse wurde in der Regel als Bissel-Achse ausgebildet.

Typische technische Daten[Bearbeiten]

  • Höchstgeschwindigkeit 120 bis 160 km/h
    Bei Versuchsfahrten wurde deutlich mehr erreicht. So beträgt der von der englischen Pacific Mallard aufgestellte, bis heute gültige Weltrekord für Dampflokomotiven 201,2 km/h. Die schnellste deutsche Pacific ist die 18 201 mit 182,5 km/h (die 05 002 mit 200,4 km/h ist keine Pacific, sondern hat die Achsfolge 2'C2').
  • Treibrad-Durchmesser 1800 mm bis 2300 mm
  • Gesamtlänge von Lok und Tender etwa 21 bis 26 m
  • Lok-Dienstmasse 85 bis 119  t
  • Leistung etwa 1700 bis 2500 PSi

Pacifics in der Kunst[Bearbeiten]

Der besondere Reiz der Pacifics als "High Tech" ihrer Zeit inspirierte auch Künstler, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Pacific-Lokomotiven in Europa[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland mussten mit der starken Zunahme des Bahnverkehrs in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg die bisherigen Schnellzugloks mit zwei Kuppelachsen durch stärkere Loks mit drei Kuppelachsen ersetzt werden. Während die preußische Staatsbahn die Achsfolge 2'C bevorzugte, wählten die süddeutschen Bahnen und später die Reichsbahn und die Bundesbahn die Achsfolge 2'C1'.

Im Lauf der Zeit wurden in Deutschland die folgenden Baureihen entwickelt, die durchwegs bis nach dem Zweiten Weltkrieg im Einsatz waren.

18.0 (Sächsische XVIII H, Baujahre ab 1917),
18.1 (Württembergische C, ab 1909),
18.2 (Badische IV f, ab 1907),
18.3 (Badische IV h, ab 1918),
18.4-5 (Bayerische S 3/6, mehrere Serien, ab 1908, 1912 bzw. 1923)
01 (Baujahre ab 1925),
02 (ab 1925, später in 01 umgebaut),
03 (ab 1930),
01.10 (ab 1937),
03.10 (ab 1939)
01.5 (ab 1961 aus 01 umgebaut),
03.10 Reko (1956 bis 1958 aus 03.10 umgebaut),
18 201 (1961 aus 61 002 umgebaut),
18 314 (1960 umgebaut)
modernisierte 01.10 (ab 1953 umgebaut),
modernisierte 03.10 (ab 1956 umgebaut),
10 (Neubau 1957),
18.6 (ab 1953 modernisierte S3/6)
  • ... und außerdem:
Martens’sche Einheitsliliputlok

Österreich und Schweiz[Bearbeiten]

In Österreich und der Schweiz wurden keine Pacifics gebaut. Auf den Gebirgsstrecken wurden für schwere Schnellzüge mehr als drei Kuppelachsen benötigt, so bei der BBÖ-Baureihe 214 mit der Achsfolge 1'D2'.

Frankreich[Bearbeiten]

In Frankreich gab es verschiedene Pacific-Typen der verschiedenen Privatbahnen und der 1937 gegründeten SNCF. Im Nummernschema der SNCF erscheint die Achsfolge 231 in der Baureihenbezeichnung, siehe Liste der Lokomotiven und Triebwagen der SNCF. Das Einsatzgebiet waren die langen Flachlandstrecken von Paris in die großen Provinzstädte.

Großbritannien[Bearbeiten]

Auch in Großbritannien waren Pacifics die idealen Lokomotiven für schwere Schnellzüge auf den langen, von London ausgehenden Hauptstrecken. Die privaten Bahngesellschaften standen in einem harten Wettbewerb um die Fahrgäste. Vor allem in Richtung Norden wetteiferte die London and North Eastern Railway (LNER) mit der London, Midland and Scottish Railway (LMR) um die kürzeste Fahrzeit von London nach Edinburgh[2]. So entstanden die berühmten Pacifics der LNER-Klassen A1, A3 (darunter die Flying Scotsman) und A4 (mit der Weltrekordlok Mallard), aber auch alle anderen Bahngesellschaften entwickelten eigene Pacific-Typen. In den fünfziger Jahren stellte British Rail noch einige Neubauloks, zuletzt die Klasse 8P, in Dienst.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: 4-6-2 locomotives – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag in der IMDb und Film bei YouTube
  2. Andrew Roden,Flying Scotsman.The Extraordinary Story of the World's Most Famous Train, Aurum Press, London 2007, ISBN 978-1-84513-241-5
  3. Geoffrey Freeman Allen, Dampflokomotiven in England, Frankh, Stuttgart 1977, ISBN 3-440-04461-0