Paczków

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Paczków
Wappen von Paczków
Paczków (Polen)
Paczków
Paczków
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Landkreis: Neisse
Fläche: 6,60 km²
Geographische Lage: 50° 27′ N, 17° 0′ O50.4517Koordinaten: 50° 27′ 0″ N, 17° 0′ 0″ O
Einwohner: 7865
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 48-370
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: ONY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KłodzkoNysa
Schienenweg: GliwiceKłodzko
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 79,70 km²
Einwohner: 13.161
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 165 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1607073
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Bogdan Wyczałkowski
Adresse: Rynek 1
48-370 Paczków
Webpräsenz: www.paczkow.pl
Rathaus
Blick vom Breslauer Torturm
Stadtmauer

Paczków ['pat͡ʂkuf] (deutsch: Patschkau) ist eine Stadt in Polen. Sie liegt an der Einmündung der Kamienica in die Glatzer Neiße und gehört dem Powiat Nyski an.

Geschichte[Bearbeiten]

Patschkau, dessen Name sich vom altslawischen Vornamen Pakoslaw ableiten soll, gehörte zur Kastellanei Ottmachau, die als Ausstattungsgut den Breslauer Bischöfen zugewiesen wurde. Es wurde urkundlich am 8. März 1254 gegründet, als der Breslauer Bischof Thomas I., der die Ansiedlung mit Deutschen förderte, seine Zustimmung zur Errichtung einer neuen Siedlung auf einem Teil der Gemarkung des Dorfes Patschkau und auf der Gemarkung des kleinen Dorfes Bogunov (Bogenau) gab. Ersteres wurde daraufhin Alt Patschkau genannt.[2] Es wurde als ovale Stadtanlage mit Gitterstraßennetz und einem 160 X 80 Meter großen Marktplatz, dem Ring, angelegt. Es wuchs als Marktort durch Zuzug deutscher Siedler rasch an und war auch von einem Kranz deutscher Dörfer umgeben.

Als der Breslauer Herzog Heinrich IV. kurz vor seinem Tod 1290 dem Neisser Bistumsland das Privileg der Landeshoheit erteilte, protestierte Herzog Bolko I. von Schweidnitz dagegen. Sein Versuch, das Bistumsland zu besetzen, scheiterte zwar, allerdings gelang ihm die Einnahme von Patschkau.[3] Zur Sicherung der Grenze zu Böhmen errichtete er eine Burg. Sie lag nordwestlich der Stadt und wurde erstmals 1301, dem Todesjahr Bolkos I., erwähnt. Vermutlich nach Bolkos Tod gelangte Patschkau an das Herzogtum Münsterberg. Für das Jahr 1315 ist eine Pfarrschule in Patschkau belegt.[4] Erst Anfang der 1340er Jahre verkaufte Herzog Nikolaus von Münsterberg Patschkau an den Breslauer Bischof Preczlaw von Pogarell. Er verband Patschkau wiederum mit dem Bistumsland, das seit 1342 ein Lehen der Krone Böhmen war, die 1526 an die Habsburger gelangte.

Im Spätmittelalter und den folgenden Epochen war Patschkau von mehreren Katastrophen betroffen: Hungersnöte (1325), Hochwässer der Glatzer Neiße (1333, 1501, 1539, 1560, 1598, 1602), Brände (1565, 1634), Epidemien (Pest 1349, Cholera 1603, 1607, 1633). In den Hussitenkriegen wurde es am 17. März 1428 erobert und stark zerstört. Noch vor Kriegsende brandschatzte der Glatzer Landeshauptmann Hynek Kruschina von Lichtenburg Patschkau und Umgebung, nachdem er die nördlich gelegene Burg Neuhaus erfolglos belagert hatte. Erst in der nachfolgenden Zeit erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung. Das Ende des Wohlstands brachte der Dreißigjährige Krieg, als Kriegsscharen die Gegend verheerten.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Patschkau zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an das Königreich Preußen. Da durch die Grenzziehung der südliche Teil des Fürstentums Neisse bei Böhmen verblieb, kam der Fernhandel, der durch Patschkau verlief, zum Erliegen. Durch die Säkularisation des Fürstentums Neisse wurde die Herrschaft der Breslauer Bischöfe 1810 beendet. Ab 1816 gehörte Patschkau zum Landkreis Neisse, der vom Regierungsbezirk Breslau in den Regierungsbezirk Oppeln umgegliedert wurde. Seit 1817 bestand eine tägliche Fahrpost, die von Neisse über Patschkau nach Glatz führte. 1874 wurde der Amtsbezirk Patschkau gebildet, der aus den Landgemeinden Fuchswinkel, Gostitz, Heinzendorf, Kamitz und Kosel sowie den gleichnamigen Gutsbezirken bestand.[5] Im selben Jahr erhielt Patschkau Anschluss an der Eisenbahnlinie, die von Königszelt über Frankenstein, Kamenz und Patschkau nach Neisse verlief. 1933 wurde östlich der Stadt das Ottmachauer Staubecken fertiggestellt.

Die Zugehörigkeit zu Deutschland endete 1945, als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fast ganz Schlesien unter polnische Verwaltung gestellt wurde. Seitdem heißt das von polnischen Zuzüglern besiedelte Städtchen Paczków. Die historische Altstadt, die wegen der vollständig erhaltenen Stadtmauer (Befestigungsanlage) zur deutschen Zeit als schlesisches Rothenburg bezeichnet wurde, trägt heute den Beinamen polnisches Carcassonne.

Nur wenige deutsche Patschkauer durften nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrem Heimatort bleiben. Seit dem Winter 1945 waren viele Bewohner vor der näher rückenden Front und der Sowjetarmee geflohen oder wurden ins südliche Reichsgebiet evakuiert. Der große Rest der nach dem Kriegsende zurückgekehrten deutschen Bevölkerung wurde im Verlauf des Jahres 1946 vertrieben und mittels Güterzügen, die jeweils mit mehr als 1 000 Personen besetzt waren, in die Britische Zone abtransportiert. Ein solcher Transport endete in der niedersächsischen Stadt Einbeck, die einige Jahre später die Patenstadt für die vertriebenen Patschkauer wurde. Polnische Umsiedler und Polen, die selbst aus dem von der Sowjetunion okkupierten Ostpolen vertrieben worden waren, nahmen die Wohnungen, Häuser und Gehöfte der Deutschen in Besitz.[6] Zwischen 1995 und 2003 wurde nordwestlich der Stadt das Staubecken Jezioro Paczkowskie errichtet, mit dem die Glatzer Neiße gestaut wird. Neben dem Hochwasserschutz und der Stromerzeugung dient der See auch als Naherholungs- und Fremdenverkehrsgebiet.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

Am Anfang des 17. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl ca. 2.800, nach dem Dreißigjährigen Krieg sank sie auf rund 700. Im Jahr 1765 wurden 1.570 Einwohner gezählt, 1825 waren es 2488, 1925 6.818 und 1939 7522. Nach dem Übergang an Polen waren es im Jahr 1961 7289 und 1971 rd. 8100 Einwohner.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Patschkau - Ring
Stadtpfarrkirche St. Johannes
  • Die Pfarrkirche St. Johannes Evangelist ist eine dreischiffige Hallenkirche in Backstein. Ihr Vorgängerbau wurde erstmals 1285 erwähnt. Der Neubau im Stil der Gotik wurde 1361 begonnen, die Weihe erfolgte 1389. Um 1529 wurde sie wegen der Türkengefahr zur Wehrkirche mit einem Zinnenkranz umgebaut. Der Renaissance-Sandsteinaltar von 1588 in der Maltitzkapelle wird dem Neisser Bildhauer Georg Grebacher zugeschrieben. In der Kirche befinden sich zahlreiche Epitaphien aus dem 16. Jahrhundert, der sogenannte Tartarbrunnen aus dem 14./15. Jahrhundert sowie zwei Holzskulpturen aus dem Jahr 1496. Sie stellen die Muttergottes mit Kind sowie den hl. Laurentius dar. 1858 erhielt die Kirche einen neugotischen Hauptaltar. Die Gemälde der Seitenaltäre schuf 1890 der Glatzer Kunstmaler Hieronymus Richter. Eine hölzerne Pietà aus der Zeit um 1430 ist heute verschollen.
  • Die Stadtmauer mit 19. Mauertürmen wurde um 1350 errichtet. Sie enthielt zunächst das Breslauer, Glatzer und Frankensteiner Tor. Als viertes Tor wurde 1573 das Neisser Tor gebrochen. Nach den Zerstörungen durch die Hussiten wurde die Ringmauer in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wiederaufgebaut.
  • Das Rathaus auf dem Ring wurde 1542–1552 errichtet und 1821/22 sowie 1911/12 umgestaltet. Der Renaissance-Rathausturm mit durchbrochenem Turmhelm wurde 1550–1552 unter Bischof Balthasar von Promnitz errichtet.
  • Bürgerhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert
  • Im ehemaligen „Henkerhaus“ befindet sich heute ein Heimatmuseum
  • Gasmuseum, im Gaswerk von um 1900
  • Naherholungsgebiet mit den Stauseen Jezioro Paczkowskie und Jezioro Otmuchowskie

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten]

Das Umland der Stadt ist stark von Landwirtschaft geprägt. Die gesamte Nutzfläche beträgt 6193 ha, die sich auf 569 Bauernhöfe, unter ihnen auch Kleinstbetriebe, aufteilen. Das entspricht etwa achtzig Prozent der gesamten Fläche der Gemeinde.

Die Stadt- und Landgemeinde Paczków (gmina miejsko-wiejska) gliedert sich auf einer Fläche von 79,69 km² neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende Schulzenämter (sołectwo):

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 393–396 (Kröners Taschenausgabe 316).
  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 725–728.
  • L. Biller: Neisse, Ottmachau und Patschkau. Die Städte am Mittellauf der Glatzer Neiße. Breslau 1932
  • G. Jahndel: Patschkau unverlorene Heimat. Festschrift zur Feier des 700jährigen Bestehens der Stadt Patschkau. Einbeck 1954
  • Hans-Georg Mohr und Leo Schiller: 1254 – 2004. 750 Jahre Patschkau. Die Geschichte der Stadt Patschkau in Schlesien. Osnabrück 2004

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Hans-Georg Mohr, Leo Schiller (Hrsg.): 1254 -2004. 750 Jahre Patschkau. Die Geschichte der Stadt Patschkau in Schlesien. Dohlenverlag, Osnabrück 2004, S. 19: deutscher Text der Gründungsurkunde.
  3. Rudolf Žáček: Dějiny Slezska v datech. Praha 2004, ISBN 80-7277-172-8, S. 421.
  4. Ludwig Petry, Josef Joachim Menzel (Hrsg.): Geschichte Schlesiens. Band 1: Von der Urzeit bis zum Jahre 1526. 5. durchgesehene Auflage. Thorbecke, Stuttgart 1988, ISBN 3-7995-6341-5, S. 393.
  5. http://www.territorial.de/obschles/neisse/patschla.htm Amtsbezirk Patschkau
  6. Ralf Volkmann, Helga Grasleben: Das Flüchtlingslager Mariental. 1945 - 47. Gemeinde Mariental, Landkreis Helmstedt, 1997.