Palais Kinsky (Wien)

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Palais Kinsky in Wien

Das Palais Kinsky, auch als Palais Daun-Kinsky bekannt, befindet sich an der Freyung 4 in der Inneren Stadt an der Abzweigung der Herrengasse. Es ist eines der bedeutendsten hochbarocken Palais Wiens.

Geschichte[Bearbeiten]

Daun´scher Palast um 1750, Stich von Salomon Kleiner

Das Palais wurde von 1713 bis 1719 von Johann Lucas von Hildebrandt für Feldmarschall Wirich Philipp Graf Daun erbaut, − in der Zeit nach Beseitigung der Bedrohung durch das Osmanische Reich, als Vienna gloriosa entstand. Am 7. Mai 1763 wurde Fürst Józef Antoni Poniatowski, der Polnische General und Marschall von Frankreich, hier geboren. 1764 erwarb es Graf Khevenhüller. 1784 kam es an Rosa Gräfin von Kinsky. Eine Zeit lang war es Stützpunkt der Stadtguardia, eines Vorläufers der Polizei. Nach 1945 war im Palais ein Offiziersklub der britischen Besatzungsmacht untergebracht. Heute ist das Palais im Besitz von Karl Wlaschek; im 2. Hof des Hauses befindet sich das Wlaschek-Mausoleum. Laut Wiener Gemeindegesetz dürfen Grabstätten auf eigenem Grund ab einer Fläche von 2000m² errichtet werden. Das nützte Wlaschek, um im Palais Kinsky ein Mausoleum für seine Familie in Auftrag zu geben. Hier ruhen nun nicht nur seine Eltern, sondern auch seine vierte Ehefrau, die im Jahre 2003 verstarb.

Gestaltung[Bearbeiten]

Prunkräume 2. Stock
Prunkstiege
Barockes Deckenfresko

Die bemerkenswerte Fassade mit ihrem an römischen Vorbildern orientierten Portal war mit ihren dekorativen Elementen bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in Wien stilbildend.

Ebenso bemerkenswert ist die Innenausstattung mit dem Stiegenhaus (Entwurf wahrscheinlich von Antonio Beduzzi) und den Deckenfresken in der Beletage. Diese stammen von Carlo Carlone − mit Quadraturmalerei von Marcantonio Chiarini − und stellen die Apotheose des Grafen Daun dar. Die Stiege erschließt hier in zwei übereinanderliegenden, von je einem Zwischenpodest unterbrochenen Läufen zwei Hauptgeschosse, die an der Fassade durch eine Kolossalordnung von acht Pilastern zusammengefasst sind. Das letzte Geschoss wird im Inneren des Stiegenhauses durch einen umlaufenden Balkon markiert, der für das Deckenfresko eine Art Rahmung bildet und die illusionäre Perspektive des Bildes darüber noch schwebender und unwirklicher erscheinen lässt.[1]

Die Skulpturen im Inneren wie wahrscheinlich auch die Figuren am Außenportal stammen von Joseph Kracker. Die Seitentrakte wurden im 19. Jahrhundert mehrmals umgebaut, die Ausstattung stammt unter anderem von Rudolf Weyr.

Die Steinmetzmeister Hans Georg Haresleben und Simon Sasslaber aus Kaisersteinbruch schufen aus Kaiserstein unter anderem das Haupttor, die Stufen der Prunkstiege, Tür- und Fenstersteine und Sockelplatten.[2] [3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Tölzer: Scalalogia Schriften zur internationalen Treppenforschung, Treppen in Wien, 1990. S 40
  2. Stift Heiligenkreuzer Archiv, Kaisersteinbruch: Specification der Graf Taunischen Arbeith ... Rubrik 51/VII/2b
  3. Helmuth Furch: Hans Georg Haresleben, Heiligenkreuzer Untertan und Steinmetzmeister in Steinbruch in Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Nr. 36, S 10-40, Februar 1995. Erstmals veröffentlichte Dokumente zum Bau des Palais Daun-Kinsky.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wilhelm G. Rizzi, Hellmut Lorenz, Wolfgang Prohaska, Andrea Stockmann (Redaktion), Amisola-Immobilien-AG (Hrsg.): Palais Daun-Kinsky. Wien, Freyung. Beiträge zum barocken Palast. Johannes Lehner, Wien 2001, ISBN 3-901749-22-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palais Kinsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21152777777816.36375Koordinaten: 48° 12′ 42″ N, 16° 21′ 50″ O