Palast der Republik

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Dieser Artikel behandelt den ehemaligen Palast der Republik in Berlin, für das gleichnamige Gebäude in Kasachstan siehe Palast der Republik (Almaty).
Palast der Republik
Ansicht des Palastes 1977 vom Boulevard Unter den Linden aus

Ansicht des Palastes 1977 vom
Boulevard Unter den Linden aus

Daten
Ort Berlin-Mitte
Architekt Kollektiv der Bauakademie der DDR um Heinz Graffunder
Bauherr Regierung der DDR
Baujahr 1973–1976
Abriss 2006–2008
Höhe 32 m
Grundfläche 15.300 m²
Koordinaten 52° 31′ 3″ N, 13° 24′ 8″ O52.517513.402222222222Koordinaten: 52° 31′ 3″ N, 13° 24′ 8″ O

Der Palast der Republik war ein Gebäude am Marx-Engels-Platz (ab 1994 Lustgarten und Schloßplatz) auf der Spreeinsel im Berliner Stadtbezirk Mitte. Er wurde zwischen 1973 und 1976 nach Plänen von Heinz Graffunder und anderen auf einem 15.300 m² großen Teil des Geländes des ehemaligen Berliner Stadtschlosses gegenüber dem Außenministerium der DDR in Nachbarschaft zum Berliner Dom und zum Staatsratsgebäude errichtet. Er war Sitz der Volkskammer und beherbergte eine große Zahl von Veranstaltungsräumen eines öffentlichen Kulturhauses. Ab 1990 war das Gebäude wegen der Emission krebserregender Asbestfasern geschlossen. Von 1998 bis 2003 wurden die Asbesteinbauten entfernt. Nach einem entsprechenden Beschluss des Deutschen Bundestags von 2003 wurde das Bauwerk von Anfang Februar 2006 bis Anfang Dezember 2008 abgerissen.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Palast der Republik wurde am 23. April 1976 nach 32-monatiger Bauzeit eröffnet und war ab dem 25. April für die Öffentlichkeit zugänglich. Chefarchitekt war Heinz Graffunder, der zusammen mit Karl-Ernst Swora, Wolf-Rüdiger Eisentraut, Günter Kunert, Manfred Prasser und Heinz Aust arbeitete.

Offiziell wurden die Baukosten mit 485 Millionen Mark angegeben, nach einer internen Aufstellung des Ministers für Bauwesen, Wolfgang Junker, waren es rund 800 Millionen Mark und nach anderen Schätzungen soll es eine Milliarde Mark gewesen sein.[1]

Bis zu 5000 Tonnen Spritzasbest – dies entspricht rund 720 Tonnen Rohasbest – wurden beim Bau aufgebracht. Zum Zeitpunkt der Errichtung war dies ein international übliches Verfahren, um der tragenden Stahlkonstruktion des Gebäudes den bautechnisch vorgeschriebenen Feuerwiderstand zu geben.[2]

Der Palast wurde auf einem Teil des Geländes des im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten und schwer beschädigten Berliner Stadtschlosses gebaut, das 1950 auf Weisung der DDR-Führung trotz internationaler Proteste zugunsten eines Aufmarschgeländes mit Tribüne gesprengt wurde. Danach wurde das Areal, das am 1. Mai 1951 gemeinsam mit dem ehemaligen Lustgarten in Marx-Engels-Platz umbenannt wurde, 23 Jahre lang als Fest- und Aufmarschplatz (insbesondere Militärparaden am 1. Mai), Politikertribüne und Parkplatz genutzt. Um den Platz für Aufmärsche zu erhalten, entstand der Palast der Republik nur auf der Ostseite des Schlossareals; zwischen Palast und Spreearm (Kupfergraben) verblieb eine große Freifläche. Die Erschütterungen der schweren Fahrzeuge bei den Militärparaden gefährdeten allerdings die Glasfassade des Palastes der Republik, weswegen die Organisatoren die Paraden in die Karl-Marx-Allee verlegten. Die Fläche vor dem Palast der Republik diente dann hauptsächlich als Parkplatz.

Lage und Baubeschreibung[Bearbeiten]

Sicht von Westen, 1979
Westfront in den 1980er Jahren
Veranstaltung im Palast
(„Erichs Lampenladen“), 1976
Unser Sandmännchen, die Trickfilmfigur aus dem DDR-Fernsehen, begeht seinen 25. Geburtstag im Palast der Republik vor der „gläsernen Blume“, 1984
Eröffnung des XI. Parteitages der SED, 1986
Signet des Palastes der Republik
Ostseite (vom Fernsehturm aus), 2003

Der Palast der Republik stand zwischen der Karl-Liebknecht- und der Rathausstraße neben dem Neuen Marstall, gegenüber dem Lustgarten und dem Berliner Dom, direkt am Spreeufer. Ganz in der Nähe befand sich das Staatsratsgebäude der DDR, in das 2006 die European School of Management and Technology sowie die Hertie School of Governance einzogen.

Hinter dem Palast der Republik befanden sich jenseits der Spree das inzwischen veränderte Marx-Engels-Forum und der Berliner Fernsehturm. In der Nähe stand auch das Rote Rathaus, heute Sitz des Berliner Senats, und das Forum des Alexanderplatzes.

Das Gebäude bestand aus zwei massiven Außenblöcken und einem dazwischen eingefügten Mittelstück, die dem Gebäude zusammen die Form eines Quaders mit einer Länge von 180 Metern, einer Breite von 85 Metern und einer Höhe von 32 Metern gaben. Die Höhe orientierte sich an der des benachbarten Marstalls und des Staatsratsgebäudes. Es stand in der Sichtachse von Unter den Linden (Abb. rechts). Es war das erste freitragende Stahlskelett in der DDR.[3]

In der Mitte seiner Hauptfassade war als Schmuck das mehrere Meter hohe kupferfarbene DDR-Staatswappen angebracht. Es wurde nach der Wiedervereinigung demontiert.

Volkspalast und seine Einrichtungen[Bearbeiten]

Nutzungskonzept[Bearbeiten]

Dem Bau des Palastes der Republik lag das Konzept eines Volksheimes oder Volkshauses zugrunde, das im 19. Jahrhundert vor allem von der sozialistischen Arbeiterbewegung verfochten und etwa in Belgien, Frankreich (Centre Georges Pompidou), den Niederlanden oder Schweden (Kulturhuset in Stockholm) zu umfangreichen Bauten führte. Vor allem in der jungen Sowjetunion wurden Kulturhäuser zu Symbolen der neuen Staatsmacht. In Deutschland bauten bis 1933 („Machtergreifung“ der Nationalsozialisten) vor allem die Gewerkschaften solche Anlagen. In der DDR wurde die Aufgabe des Kulturhauses oder Kulturpalastes zu einer eigenständigen Richtung der Architekturtheorie.

Räume und Kultureinrichtungen[Bearbeiten]

  • Der kleine Saal des Palastes war Sitz der Volkskammer.
  • Der Große Saal des Palastes diente als Ort für große Kulturveranstaltungen. Er hatte die Form eines symmetrischen Sechsecks mit 67 Meter Breite und 18 Meter Höhe. Hubeinrichtungen ermöglichten verschiedene Höhen der Bühne für verschiedene Kongress- oder Konzertzwecke. Die Aktionsfläche war somit von 170 bis 1000 m² wandelbar. Sechs schwenkbare Parkettteile, absenkbare Deckenplafonds und flexible Trennwände ermöglichten eine äußerst variable Einrichtung und Bestuhlungen zwischen etwa 1000 und 4500 Plätzen. Die Größe des Saals war auf die Delegiertenzahl der 1976, 1981 und 1986 dort stattfindenden SED-Parteitage abgestimmt. Im großen Saal wurden viele Fernsehaufzeichnungen der DDR-Unterhaltungssendung Ein Kessel Buntes aufgezeichnet.
  • Das Hauptfoyer lud vor allem an Wochenenden oder Fest- und Feiertagen zu verschiedenen Kulturveranstaltungen wie Auftritte von Musikern (Blasmusik, auch Popmusik), Amateurtanz oder Modenschauen.[4]
  • In weiteren Foyerbereichen gab es Familienveranstaltungen (Tag der Familie, Tag der Solidarität).[4]
  • Im ersten, zweiten und dritten Geschoss gab es folgende gastronomische Einrichtungen: Milchbar, Espresso und Moccabar (1. Etage), Lindenrestaurant, Spreerestaurant, Palastrestaurant und Foyerbar (2. Etage), Bierstube, Weinstube, Jugendtreff mit Diskothek und Spreebowling (Bowlingbahn mit Imbissmöglichkeiten; 3. Etage).[4]
  • Im zweiten und dritten Stockwerk waren Galerien eingerichtet, die insgesamt 16 Monumentalbilder bekannter DDR-Künstler zeigten, darunter Willi Sitte, Walter Womacka, Wolfgang Mattheuer und andere unter dem Motto „Wenn Kommunisten träumen“.
  • Ein theater im palast (TiP) bot Inszenierungen klassischer Theaterstücke aber auch Gegenwartsdramatik, musikalisch-literarische Abende, Schriftstellerlesungen oder Kammer- und Gitarrenkonzerte. Das TiP verfügte über eine mobile Studioregieanlage für Ton, Licht und Regie (Design: Jürgen Frenkel).[4]
  • Bemerkenswert waren auch ein sonntags geöffnetes Postamt sowie die oft gezeigte „Gläserne Blume“ der Magdeburger Künstler Reginald Richter und Richard Wilhelm und aus Schweden importierter weißer Marmor im Foyer.

Auftritte[Bearbeiten]

Auftritte von Künstlern wie beispielsweise Santana, Harry Belafonte, Mireille Mathieu, Katja Ebstein, Miriam Makeba, Helen Schneider, Herman van Veen, Mikis Theodorakis, Mercedes Sosa, Czesław Niemen u. v. a. fanden im Großen Saal statt und wurden im Fernsehen der DDR übertragen.

Auch zum Rock für den Frieden fanden Konzerte u. a. von den Puhdys, Stern-Combo Meißen, Karat, Pankow, Stefan Diestelmann, Bernd Kleinow, Jürgen Kerth und Engerling, City, Silly, Berluc, Express und Drei sowie Amateurbands wie Bromm Oss statt. 1987 waren es hier 20.000 Zuschauer und 65 Bands. Zu den Bands und Musiker aus Westeuropa gehörten u. a. Udo Lindenberg, Latin Quarter und Tom Robinson, der mit der DDR-Band NO 55 spielte.

Am 31. Januar 1980 traten Tangerine Dream als erste westdeutsche Band in der DDR auf. Das Konzert fand im Rahmen der DT64-Jugendkonzerte im Großen Saal statt und erntete internationale Beachtung.

Am 25. Oktober 1983 wurde überraschend während der Veranstaltung Rock für den Frieden dem westdeutschen Rocksänger Udo Lindenberg ein 15-minütiges Konzert im Palast der Republik vor ausgewähltem FDJ-Publikum erlaubt,[5] nachdem er in seinem Lied Sonderzug nach Pankow darüber geklagt hatte, dass ihm Auftritte in der DDR versagt blieben. Die in Aussicht gestellte DDR-Tournee wurde dann aber doch nicht genehmigt, obwohl er eine Lederjacke an Erich Honecker verschenkte und im Gegenzug eine Schalmei (die Erich Honecker als Jugendlicher gespielt hatte) erhielt.

Zu einem Eklat kam es 1984, als sich die westdeutsche Band BAP weigerte, einen Titel aus dem Programm zu streichen und am Vorabend des Konzerts abreiste.

Im Jahr 2004 fand nach einem Beschluss des Berliner Senats zum Abriss des Palastes der Republik ein Konzert der Band Einstürzende Neubauten statt.

Entwicklung ab 1990[Bearbeiten]

Schließung und Asbestsanierung[Bearbeiten]

Im Jahr 1990 wurde der Palast wegen Asbestverseuchung geschlossen. Bereits zu seiner Bauzeit war davor gewarnt worden, die Stahlkonstruktion mit Spritzasbest gegen Feuer zu isolieren. Als absehbar war, dass nach der deutschen Wiedervereinigung europäische und bundesdeutsche Arbeitsschutz- und Gesundheitsnormen auch in Berlin gelten würden, wurde der Palast am 19. September 1990 auf Anweisung der Volkskammer geschlossen. Eine Sanierung wurde aus verschiedenen Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht geplant.

Zwischen 1998 und 2003 entsorgten Spezialfirmen den im Baukörper vorhandenen Asbest. Der Auftrag dafür wurde für eine Pauschalsumme von 35 Millionen Euro vergeben. Während der Asbest-Entsorgung musste die gesamte Inneneinrichtung entfernt werden; danach befand sich der Baukörper im Rohbau-Zustand. Die Entsorgung erfolgte so, dass danach sowohl ein Abriss als auch eine Sanierung möglich waren.[2]

Die zahlreichen und häufig einmaligen Ausstattungsstücke des Palastes mit dem Logo PdR wurden zu großen Teilen verkauft oder in Auktionen angeboten.

Totalumbau versus Abriss und Neubau[Bearbeiten]

Proteste gegen den Abriss, 2006

Die stadtplanerische Entwicklung des Berliner Schloßplatzes war aufgrund der zentralen Lage des Platzes und der geschichtlichen Bedeutung von Schloss und Palast seit der deutschen Wiedervereinigung Gegenstand intensiver Diskussionen.

Bei der Entscheidung zwischen Wiederaufbau oder Abriss des Palastes der Republik standen sich im Wesentlichen zwei Gruppen gegenüber: Die Fraktion der Befürworter eines Abrisses sah darin die Chance zur Wiederherstellung der historischen Mitte Berlins. Ein Verlust des Palastes wurde unter Verweis auf Kostenaufwand, Architekturqualität und nicht geklärtem Nachnutzungskonzept als hinnehmbar angesehen.

Als einziges Mitglied der Expertenkommission Historische Mitte Berlin gab Bruno Flierl ein Votum gegen den Schlossneubau und für den Erhalt des Palastes der Republik ab. Gregor Gysi besetzte das Dach des Gebäudes, um gegen den Abriss zu protestieren. Nach mehreren Architekturwettbewerben beschloss der Bundestag 2003 den Abriss des Palastes sowie die zwischenzeitliche Anlage einer Grünfläche bis zur Errichtung des Humboldt-Forums. Dieses wird die Museen außereuropäischer Kulturen (bis dahin in Berlin-Dahlem), die Zentral- und Landesbibliothek Berlin und die wissenschaftshistorischen Sammlungen der Humboldt-Universität aufnehmen. Deren nicht der Spree zugewandte Fassaden sollen nach dem Vorbild der barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses rekonstruiert werden.

Der Palast der Republik war kein eingetragenes Denkmal. Dennoch war im Berliner Denkmalamt 1991/1992 ein unveröffentlichtes, stark umstrittenes Gutachten entstanden, das seinen Denkmalwert analysierte, ihn als Zeitdokument würdigte, seine Bedeutung für das Stadtbild und ein Interesse der Öffentlichkeit an seiner Erhaltung betonte. In der Diskussion um Erhalt oder Abriss des Palasts spielten Denkmalaspekte keine Rolle, zumal das Gebäude für die Asbestbeseitigung bis auf den Rohbau abgetragen werden musste.[6]

Zwischennutzungen vor dem Abriss[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2004 begannen Zwischennutzungen des entkernten Palastes der Republik unter der Bezeichnung Volkspalast. Dazu gehörten Kunstausstellungen und Theateraufführungen, die im Innenraum mit Hilfe provisorischer Zuschauertribünen stattfanden. Bei dem Projekt Fassadenrepublik konnten die Besucher den teilweise gefluteten Palast im Schlauchboot erkunden.

Am 26. Januar 2005 installierte der norwegische Künstler Lars Ramberg auf dem Dach des Palastes mehr als sechs Meter hohe neonbeleuchtete Buchstaben, die das Wort „ZWEIFEL“ bildeten. Der Schriftzug diente als Logo für das Projekt Palast des Zweifels. Die Aktion lief bis zum 10. Mai 2005. Ramberg wollte mit diesem Projekt die Diskussionen um den Palast fördern und mit dem Diskurs um verlorengegangene Utopien, dem Suchen nach neuen Perspektiven und Identitäten verbinden.[7]

Mit der Ausstellung Fraktale entstand in der Mitte des Palastes ein großer weißer Raum. Die Ausstellung White Cube Berlin versuchte, anhand dieses Raumes mit international renommierten Künstlern die neue Nutzung den Abrissplänen entgegenzustellen.[8] Diese letzte Zwischennutzung des Baus (bis Dezember 2005) und den Prozess des Aufbaus des White Cube hat der Dokumentarfilm AltlastPalast dokumentiert.[9]

Abriss zwischen 2006 und Ende 2008[Bearbeiten]

Abrissarbeiten, 2008
Baugrube, 2009
Freifläche nach Ende der Abrissarbeiten, September 2009

Der Abriss des Palastes der Republik verschob sich mehrfach. Am 19. Januar 2006 lehnte der Deutsche Bundestag Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei zur Verschiebung des Abrisses bzw. zur Erhaltung des Bauwerks ab. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages behandelte 880 Einwände gegen den Abriss, die allesamt abgelehnt wurden.[10]

Nach Terminen im Frühjahr 2005 und im Oktober 2005 wurde das Gebäude ab dem 6. Februar 2006 mithilfe von fünf Kränen zurückgebaut. Eine Sprengung des Gebäudes kam nicht infrage, weil Beschädigungen umliegender Gebäude durch den Auftrieb der Bodenwanne und das dadurch bedingte Absinken des Grundwasserspiegels zu befürchten waren. Stattdessen wurde das abgetragene Material gewogen und das gleiche Gewicht an mit Wasser versetztem Sand in die Bodenwanne geleitet. Die Kellergeschosse des Palastes der Republik blieben vollständig erhalten und sollen bei einer Neubebauung genutzt werden.

Die Abrissarbeiten sollten ursprünglich Mitte 2007 abgeschlossen sein. Im Laufe der Arbeiten stellten die beauftragten Firmen an mehreren Stellen weiteres asbesthaltiges Material fest. Der Abriss verlangsamte sich dadurch deutlich. Am 2. Dezember 2008 wurde der letzte Gebäudeteil des Palastes abgerissen.[11] Die Zusatzkosten in Höhe von bislang 9,9 Millionen Euro musste der Bund übernehmen.[12] Der Abriss erfolgte nach Ausschreibung durch die Arbeitsgemeinschaft Rückbau Palast der Republik, bestehend aus den Unternehmen Ludwig Freytag GmbH & Co. KG, Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. und Jaeger Umwelttechnik GmbH & Co. KG.[13]

Nach Abschluss der Abrissarbeiten wurde das Kellerbecken des Palastes mit 20.000 m³ Sand aufgefüllt. Die Fläche wurde begrünt, als Zwischenlösung bis zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum. Die Bauarbeiten zum Berliner Stadtschloss begannen im März 2013. Am 12. Juni 2013 legte Bundespräsident Joachim Gauck den Grundstein.[14] Auf dem direkt anschließenden Areal der ehemaligen Schloßfreiheit war von September 2008 bis August 2010 die „Temporäre Kunsthalle Berlin“ öffentlich zugänglich.

Die insgesamt 78.000 t abgetragenen Baumaterialien bestanden aus:

  • 56.600 t Beton
  • 19.300 t Stahl und Eisen
  • 00 500 t Glas (rund 8.200 m²)
  • 00 600 t Ziegel und Holz
  • 01.000 t Bitumengemische, Kunststoffe und Dämmstoffe
  • 00 200 t besonders überwachungsbedürftige Stoffe, die wegen der Asbestanteile getrennt entsorgt werden mussten.[15]

Der schwedische Stahl der Grundkonstruktion wurde eingeschmolzen und nach Dubai für den Bau des Burj Khalifa verkauft.[16] Weiterer Stahl konnte von Volkswagen für den Bau von Motorenblöcken im Golf VI verwendet werden.[17][18]

Die Asbestsanierung und der Rückbau kosteten nach einem Bericht des seinerzeitigen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung rund 119 Millionen Euro, davon:

  • Asbestsanierung: 80,3 Millionen Euro
  • Honorar für Sonderfachleute: 6,5 Millionen Euro
  • Abriss: 32 Millionen Euro (veranschlagt waren 12 Millionen Euro)

Hinzu kamen 118.000 Euro für die Begrünung (Rasenfläche) und den Bau von Holzstegen für die Übergangszeit bis zum Baubeginn des Humboldt-Forums.[19][20]

Der Palast der Republik in den Medien[Bearbeiten]

Sonderbriefmarke im Schmuckblock aus Anlass der Eröffnung des PdR 1976

Altlastpalast ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2006 von Irina Enders. Er zeigt die letzten sechs Monate der Existenz des Palastes der Republik, die Diskussion um den Abriss in Berlin, die Entstehung der Fraktale-Ausstellung zum Thema „Tod“ im Palast und die Debatte zum Schlosswiederaufbau. Er beinhaltet auch die letzten Innen- und Luftaufnahmen vom Palast vor seinem Abriss.

Der Palast war Motiv einer Dauerbriefmarkenserie und mehrfach für Sonderausgaben.

Spitznamen[Bearbeiten]

Für den Palast der Republik gab es im Volksmund verschiedene Bezeichnungen wie „Palazzo di Protzo“ (Wolf Biermann[3]), „Ballast der Republik“ oder „Erichs Lampenladen“. Letzterer spielte auf die verschwenderisch installierten Leuchten der Foyerdeckenbeleuchtung in Bezug auf den Staats- und Parteichef Erich Honecker an.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Beutelschmidt, Julia M. Novak (Hrsg.): Ein Palast und seine Republik. Ort, Architektur, Programm. Verlag Bauwesen, Berlin 2001, ISBN 3-345-00765-7.
  • Tim Birkholz: Schloss mit der Debatte? Die Zwischennutzungen im Palast der Republik im Kontext der Schlossplatzdebatte. Institut für Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin, 2008, ISBN 978-3-7983-2092-5, (ISR Graue Reihe Heft 14), (Volltext; PDF; 2,8 MB).
  • Bruno Flierl: Gebaute DDR. Über Stadtplaner, Architekten und die Macht. Verlag für Bauwesen Berlin, Berlin 1998, ISBN 3-345-00655-3.
  • Heinz Graffunder, Martin Beerbaum, Gerhard Murza (Fotos): Der Palast der Republik. Seemann Verlag, Leipzig 1977.
  • Moritz Holfelder: Palast der Republik. Aufstieg und Fall eines symbolischen Gebäudes. Christoph Links Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-491-4, Dokumentation der Palast-Jahre in Berlin Mitte.
  • Thorsten Klapsch: Palast der Republik. Verlag Edition Panorama, Mannheim 2010, ISBN 978-3-89823-429-0 (Fotoband mit Aufnahmen von 1993; Bebilderte Rezension von Katja Iken bei einestages.spiegel.de, 2010).
  • Anke Kuhrmann: Der Palast der Republik. Geschichte und Bedeutung des Ost-Berliner Parlaments- und Kulturhauses. Imhof-Verlag, Petersberg 2006, ISBN 3-86568-143-3 (Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte 49) (aktualisierte und überarbeitete Dissertation November 2003 am Kunsthistorischen Institut der Ruhr-Universität Bochum).
  • Philipp Misselwitz, Hans Ulrich Obrist, Philipp Oswalt (Hrsg.): Fun Palace 200X. Der Berliner Schlossplatz. Abriss, Neubau oder grüne Wiese? Martin Schmitz Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-927795-35-6.
  • Alexander Schug (Hrsg.): Palast der Republik. Politischer Diskurs und private Erinnerung. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8305-1373-5.
  • Conrad Tenner (Hrsg.): Der Palast der Republik. Bilder und Geschichte. Das Neue Berlin, Berlin 2009, ISBN 978-3-360-01979-0.
  • Zwischennutzung des Palast der Republik, Bilanz einer Transformation 2003. Hrsg.: ZwischenPalastNutzung, Bündnis für den Palast. Urban Catalyst, Berlin 2005.
  • Christian von Steffelin: Der Palast der Republik. Hatje Cantz Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-7757-2721-1.
  • Andreas Venzke: Portal IV. Eine literarische Beschreibung zur Geschichte von Schloss und Palast der Republik. In: Andreas Venzke: Berlin Berlin – Geschichte einer Nation. Würzburg 2011. S. 155–159. ISBN 978-3401061436

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palast der Republik – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutscher Bundestag:Geschichte>Parlamentarische Schauplätze>Palast der Republik.
  2. a b Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Rückbau Palast der Republik – Asbestsanierung, abgerufen am 12. Oktober 2007
  3. a b Schwierig zu lieben Süddeutsche Zeitung vom 17. Mai 2010
  4. a b c d Anzeige auf der 3. Umschlagseite des Telefonbuches Berlin / Hauptstadt der DDR von 1989
  5. [1]
  6. Die Kontroverse um den Palast der Republik in seiner Denkmaleigenschaft auf DenkmalDebatten
  7. Moritz Holfelder: Palast der Republik: Aufstieg und Fall eines symbolischen Gebäudes, S. 196f. auf Google Books
  8. Das Ausstellungswunder von Berlin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Dezember 2005
  9. Altlastpalast in der Internet Movie Database (englisch)
  10. Aus dem Petitionsalltag. In: General-Anzeiger (Bonn), 14. Mai 2009, S. 4
  11. Der Palast der Republik ist platt. In: Die Welt, 2. Dezember 2008
  12. Palast-Abriss dauert länger und wird teurer als geplant. In: Die Welt, 11. Dezember 2006
  13. Rückbau des Palastes der Republik - Zuschlag erteilt Pressemitteilung des Berliner Senats vom 6. Januar 2006.
  14. Gauck legt Grundstein für Berliner Schloss am 2. Juni 2013, abgerufen am 13. Juni 2013
  15. Broschüre: Palast der Republik – Der Rückbau, eine Information der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
  16. Technologie-Presseservice Pressebox.de, 6. August 2008
  17. Spiegel Online: Recycelte Materialien im VW Golf VI – DDR inside
  18. Infoseite Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zum Rückbau des Palastes der Republik
  19. Ulrich Paul: Palast-Abriss war viel teurer als geplant. In: Berliner Zeitung, 17. Januar 2009
  20. Ulrich Paul: Teurer Rasen für den Schlossplatz. In: Berliner Zeitung, 18. Juni 2009