Palasthotel (Berlin)

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Das Hotel vom Palast der Republik aus aufgenommen, 1985

Das Palasthotel wurde 1979 in Berlin-Mitte an der Spree eröffnet und bis 1992 von der Interhotel-Kette betrieben. Nach der Schließung folgte 2001 der Abriss des Komplexes, auf dessen Gelände anschließend das CityQuartier DomAquarée errichtet wurde, in dem ein Hotel der Radisson Blu-Kette untergebracht ist.

Lage[Bearbeiten]

Das Palasthotel in der Bildmitte. Dahinter der Berliner Dom. Am linken Bildrand hinten der Palast der Republik und vorne das Marx-Engels-Forum
Mai 2001: Die letzten Mauern fallen...

Das Hotel lag auf einem Grundstück an der Spree, das von der Karl-Liebknecht-Straße und der Spandauer Straße begrenzt wurde. Auf der anderen Uferseite befand sich der Berliner Dom und der mittlerweile ebenfalls abgerissene Palast der Republik. Das Marx-Engels-Forum war auf der anderen Seite der Karl-Liebknecht-Straße.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor dem Palasthotel der DDR gab es schon ein Hotel mit diesem Namen am Leipziger Platz. Das von Ludwig Heim zwischen 1892 und 1893 erbaute Haus wurde 1943 im Krieg zerstört und die Ruine in der Nachkriegszeit abgeräumt.[1]

Mit der Planung für das neue Hotel wurde 1976 begonnen. Auf dem Gelände befanden sich vor dem Zweiten Weltkrieg Wohnhäuser, die zum Teil schwer beschädigt und um 1950 abgerissen worden waren. Nach einem Entwurf von Ferenc Kiss begannen die Bauarbeiten unter der Leitung von Erhardt Gißke. Der dreiflüglige Bau, der sich um einen Innenhof spannte, war vertikal in drei Bereiche untergliedert. Die unteren zwei, teilweise drei Stockwerke waren ein horizontal ausgerichteter Flachbau, in dem sich Restaurants, Bars und ein Café – mit zusammen 2000 Sitzplätzen – befanden. Verbunden über ein technisches Zwischengeschoss thronte darüber ein Bau mit 600 Hotelzimmern und 40 Suiten mit insgesamt 1000 Hotelbetten. Der Haupteingang befand sich mit der Vorfahrt im Innenhof, durch den auch die Tiefgarage erreicht werden konnte.[2]

Das Hotel war eines von vier Hotels in der DDR, die von DDR-Bürgern nicht genutzt werden konnten und ausschließlich auf ein westliches Publikum ausgerichtet waren. Dafür war es mit „West-Produkten“ ausgestattet, die sonst in der DDR kaum oder nicht erhältlich waren, wie die Limousinen von BMW, Audi und Volvo. Dem DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski und dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) diente es als Kontaktort. Schalck-Golodkowski unterhielt in den Zimmern 80.26 und 80.27 ein Büro unter Leitung des Österreichers Herbert Rübler. Der für den Einkauf von Westprodukten zuständige Rübler verstarb 1989 an einer Kopfverletzung im Palasthotel.[3]

Das MfS überwachte große Teile des Hotels per Video und hatte 25 bis 30 der Zimmer mit versteckten Audio- und Videoaufzeichnungsgeräten ausgestattet. Für den Dienst interessante Gäste bekamen diese Räume zugeteilt.[4] Unter anderem setzte das MfS Prostituierte ein, um Informationen von westlichen Gästen abzuschöpfen.[5] Den Terroristen Abu Daoud, Drahtzieher der Geiselnahme von München 1972, brachte das MfS ab 1981 für längere Zeit in dem Hotel unter.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Hotel bis 1992 von der Interhotel AG weitergeführt. Die erste Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen in Berlin bezog einen Trakt. Die Radisson SAS-Kette übernahm 1992 das Haus.[6] 1995 wurde es noch einmal für 60 Millionen DM umfassend renoviert.

Am 1. Dezember 2000 wurde das Hotel geschlossen, und am 15. Januar 2001 begann sein Abriss. Bei den Abrissarbeiten wurde am 20. Juni 2001 in vier Metern Tiefe eine amerikanische 250-Kilo-Fliegerbombe gefunden. Seit 1979 befand sich das Betonfundament des Hotels über dem Blindgänger, der 55 Jahre unbemerkt im Erdreich lag. Die Bombe wurde vor Ort entschärft.[7]

In Thomas Brussigs 2004 erschienenen Roman Wie es leuchtet spielt das Hotel eine zentrale Rolle. Matthias Matussek war als Korrespondent im Palasthotel untergebracht. Seine Erinnerungen und Beschreibungen über die deutsche Einheit veröffentlichte er in den Büchern Palasthotel oder Wie die Einheit über Deutschland hereinbrach und Palasthotel Zimmer 6101. Reporter im rasenden Deutschland.

Gastronomie[Bearbeiten]

Die gastronomischen Bereiche des Palasthotels konnten teilweise auch von DDR-Bürgern genutzt werden. Das Hotel beherbergte das große Café am Palast, eine Diskothek sowie mehrere Restaurants und Bars:

  • Rôti d'or, Speiserestaurant mit französischer Küche
  • Märkisches Restaurant, Speiserestaurant (176 Plätze)
  • Jade, asiatisches Restaurant
  • Quick, Selbstbedienungsrestaurant (120 Plätze)
  • Domklause, Kneipe und Restaurant für deftigere Speisen
  • Nante-Eck, Bierkneipe (75 Plätze)
  • Grill-Speisebar
  • Skybar
  • Sinus-Bar

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palasthotel (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Palast Hotel am Potsdamer Platz
  2. Berlin. Architektur von Pankow bis Köpenick. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1987
  3. Dirk Banske, Michael Behrendt: Tod aus dem Osten. In: Die Welt, 26. September 2003
  4. Milliarden mit KoKo. In: SPIEGEL special 2/1990, Seite 58
  5.  Liebe öffnet jeden Tresor. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1991, S. 84–94 (online).
  6. F. Kunke, D. Reichert: Schonender Abbruch in Berlin-Mitte (PDF; 1,1 MB) In: Tiefbau 2/2002
  7. 250-Kilo-Bombe lag über 55 Jahre am Dom. Wo zuletzt das Palasthotel stand. B.Z. Online vom 21. Juni 2001

52.51966666666713.402666666667Koordinaten: 52° 31′ 11″ N, 13° 24′ 10″ O