Palazzo Grimani

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Palazzo Grimani. Zustand August 2003

Der Palazzo Grimani (di San Luca) ist ein Renaissance-Palast in Venedig. Er liegt am Canal Grande in der Nähe der Rialtobrücke.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Das ab 1556 errichtete Gebäude für den Prokurator von San Marco, Girolamo Grimani, ist ein Spätwerk des Architekten Michele Sanmicheli. Auch Andrea Palladio hatte – allerdings erfolglos – einen Entwurf eingereicht, der später in seinen Quattro libri dell'architettura (1570) publiziert wurde. Das ursprünglich nicht geplante zweite Obergeschoss wurde nach dem Tod von Sanmicheli im Jahre 1559 unter der Leitung von Giangiacomo de' Grigi hinzugefügt. Die Kunstgeschichtsschreibung neigt dazu, die Aufstockung wegen ihrer Auswirkung auf die Proportionen der Fassade zu kritisieren. Auch die Bauten in unmittelbarer Nachbarschaft des Palazzo Grimani werden von der Höhe des Bauwerks beinahe erdrückt.

Architektur[Bearbeiten]

Palazzo Grimani im Häusergefüge am Canal Grande

Das Erdgeschoss der im Kontrast zu den umliegenden Bauten aus weißem Marmor errichteten Fassade des Palazzo Grimani wird dominiert von einem Triumphbogenschema in der Mitte. Während der mittlere Bogen die gesamte Höhe der Erdgeschossebene einnimmt, sind die seitlichen Teile deutlich niedriger; die übereinander liegenden Fenster deuten das Vorhandensein eines Mezzaningeschosses an. Im Mittelteil des Obergeschosses (piano nobile) ist das Triumphbogenmotiv zu einem bis auf den Boden reichenden Venezianischen Fenster abgewandelt, wobei die niedrigeren seitlichen Rechteckfenster durch Oberlichter überhöht sind. Die größeren äußeren Fensterbögen lassen den Ansatz zu einer Reihung des Motivs erahnen, wie es bereits am Palazzo Bevilacqua in Verona erkennbar ist, der ebenfalls von Sanmicheli stammt. Während das Erdgeschoss in der Vertikalen durch Pilaster gegliedert ist, finden sich im Obergeschoss – abgesehen von den Ecken des Bauwerks – Säulen. Erstmals ist an einer venezianischen Palastfassade ein scheinbar durchgehender Balkon zu sehen.

Spätere Nutzung[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert war der Palazzo Grimani Sitz der Post, danach befand sich in ihm der Appellationsgerichtshof für Venetien. Das einst vorhandene Dekor im Inneren ist nicht erhalten geblieben.

Der seit 1981 im Staatsbesitz befindliche Palazzo Grimani wurde 2001 in die Verantwortung des Ministeriums für den Kulturbesitz übertragen. Seit 2008 steht das Gebäude nach einer Renovierung für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2012: Echi neorealisti nella fotografia italiana del Doppoguerra (Neorealistische italienische Fotografie der Nachkriegszeit).[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Verschiedene Zweige der Familie Grimani besaßen in Venedig noch acht weitere Paläste aus unterschiedlichen Epochen, von denen heute noch sechs existieren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elena Bassi: Palazzi Veneziani. Admiranda Urbis Venetae. Venedig 1980, ISBN 1182653065.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palazzo Grimani di San Luca (Venice) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu schön, um reich zu sein. Es war einmal in Italien - Fotografien des Neorealismus in Venedig in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 26. August 2012, Seiten 26 und 27

45.43595833333312.332805555556Koordinaten: 45° 26′ 9″ N, 12° 19′ 58″ O