Palermostein

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Palermostein
Fragment P1 des Annalensteins, Petrie Museum in London

Der Palermostein ist eines der beiden größeren Bruchstücke vom Annalenstein der 5. Dynastie, der zusammen mit dem Kairostein und anderen kleineren Teilstücken die Namen der Könige (Pharaonen) aus prädynastischer Zeit bis zur 5. Dynastie (2504 bis 2347 v. Chr.) enthielt. Seinen Namen bekam dieses Teilstück aufgrund seines jetzigen Aufbewahrungsortes im Archäologischen Regionalmuseum von Palermo, wo es sich seit 1877 befindet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Annalenstein der 5. Dynastie

Ehemalige Form[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Annalenstein war eine schwarze Dioritplatte, deren Maße wohl 220 x 140 cm betragen haben. Aus unbekannten Gründen ist das Artefakt in Fragmente zerbrochen, von denen bislang insgesamt sieben erhalten sind. Die beiden größten Fragmente werden aufgrund ihrer Ausstellungsorte „Palermostein“ und „Kairostein“ genannt, ein deutlich kleines Fragment (P1; „Londonfragment“ genannt) befindet sich im Petrie Museum of Egyptian Archaeology in London. Daneben existieren drei weitere Fragmente, die als „Kairofragmente“ bezeichnet werden.[1]

Heutige Form[Bearbeiten]

Der Palermostein ist annähernd schildförmig, ca. 43,5 cm hoch, ca. 25 cm breit und ca. 6,0 cm dick, wobei die Dicke des Steins unregelmäßig verläuft. Er ist beidseitig beschriftet, wobei die Inschrift auf der Rückseite besser erhalten ist, als auf der Vorderseite. Sie wurde mit Kreide direkt auf den Stein aufgetragen.[1]

Beschriftung[Bearbeiten]

Die Steintafel ist vorder- und rückseitig beschriftet. Die Einteilung ist in ihrer Grundform klar strukturiert. Die Eintragungen sind in waagerechter Schriftrichtung ausgeführt und werden von rechts nach links gelesen. Sie sind durch die Jahreshieroglyphe Renpet (Gardiner-Zeichen M4; eine kahle Palmrispe) in kleine Felder („Jahresereignis-Felder“ oder „Ereignis-Felder“ genannt) unterteilt. Die Anzahl der Felder entspricht der Anzahl der Jahre seit Reichseinigung. Nicht jede Zeile enthielt die gleiche Anzahl von Jahresfeldern, da die einzelnen Herrscher unterschiedlich lange regierten. Der ersten noch breit gefassten Zeile folgen zwei schmale Reihen. Die vierte Zeile wird durch erweiterte Eintragungen wieder breiter; ab der fünften Reihe auch entsprechend höher. Anschließend wachsen die Zeilen bis zu ihrer monumentalen Form auf der Gegenseite.[2][1]

In der obersten Zeile sind die Namen prädynastischer Herrscher eingetragen. Darunter folgen sämtliche Könige der 1. bis 4. Dynastie. In den freien Zwischenzeilen, welche die Tabellen trennen, sind die Horusnamen, Thronnamen, Goldnamen und Kartuschennamen der Herrscher notiert, sowie die Namen der jeweiligen königlichen Mutter. Die Namensbandarolen der Könige sind stets so positioniert, dass sie exakt mittig über der zugehörigen Tabelle stehen. Direkt darunter werden von rechts nach links in schmalen Fenstern die wichtigsten Jahresereignisse aufgelistet. Dazu gehörten religiös-kultische Feste wie das Horusgeleit und das Sedfest, politisch-wirtschaftliche Ereignisse wie die Viehzählung oder Militärkampagnen gegen fremdländische Völker (z. B. die Iuntiu und Setjet), die Erschaffung („Geburten“) von Götter- und Königsstatuen sowie die Gründung von Tempeln, Domänen und Städten. In einer sehr dünnen Extrazeile unter jedem Fenster wird der jahresaktuelle Stand der Nilschwemme angegeben.[1]

Die Herrschertabellen enden stets mit der Angabe, in welchem Kalenderjahr der König verstarb. Die Jahreszählung für den Nachfolgekönig beginnt danach aber nicht mit der Regierungsübernahme, sondern nennt nur das Jahr, in welchem der jeweilige König den Thron bestieg (sog. Krönungsjahr). Als Kalenderform wurde der ägyptische Verwaltungskalender gewählt, dessen Beginn immer mit dem 1. Achet I in der ägyptischen Jahreszeit „Überschwemmung“ ansetzte.[3] Nach diesem Prinzip ist die gesamte Front der ehemaligen Gedenktafel aufgebaut. Die Rückseite widmet sich den Königen der 5. Dynastie. Der Palermostein und der Kairostein sind die beiden größten Fragmente und noch heute Gegenstand der Forschung.[1]

Erhaltene Königsnamen[Bearbeiten]

Auf der Vorderseite des Palermosteins sind die Eintragungen für folgende Könige (Pharaonen) lesbar:

  • Imichet, ein unterägyptischer König während der Prädynastik
  • Wenegbu, ein unterägyptischer König während der Prädynastik
  • Niheb, ein unterägyptischer König während der Prädynastik
  • Tiu, ein unterägyptischer König während der Prädynastik
  • Itjiesch, ein unterägyptischer König während der Prädynastik
  • Iucha (Chaiu), ein unterägyptischer König während der Prädynastik
  • Seka, ein unterägyptischer König während der Prädynastik

Auf der Rückseite des Palermosteins sind die Eintragungen für folgende Herrscher erhalten:

  • Huni König (Pharao) der 3. Dynastie (Altes Reich)
  • Schepseskaf König (Pharao) der 4. Dynastie (Altes Reich)
  • Userkaf König (Pharao) der 5. Dynastie (Altes Reich)
  • Sahure König (Pharao) der 5. Dynastie (Altes Reich)
  • Neferirkare König (Pharao) der 5. Dynastie (Altes Reich)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Schäfer: Ein Bruchstück altägyptischer Annalen (= Abhandlungen der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften. Anhang: Abhandlungen nicht zur Akademie gehöriger Gelehrter. Philosophische und historische Abhandlungen. 1902, 1, ZDB-ID 221471-4). Mit Beiträgen von Ludwig Borchardt und Kurt Sethe. Verlag der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1902, S. 32–33, online.
  • Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt - The Palermo stone and its associated fragments. Routledge, London 2012, ISBN 113660247X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palermostein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2012, S. 18–21.
  2. Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz/ Wiesbaden 1950, S. 52–53.
  3. Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Mainz/ Wiesbaden 1950, S. 53.