Palmerston (Neuseeland)

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Dieser Artikel behandelt den Ort auf der Südinsel Neuseelands, für den Ort auf der Nordinsel siehe Palmerston North
Palmerston
Palmerston (Neuseeland)
Palmerston
Koordinaten 45° 29′ S, 170° 43′ O-45.484027777778170.71526388889Koordinaten: 45° 29′ S, 170° 43′ O
Einwohner 804 (2006)
Region Otago
Distrikt Waitaki
Der Puketapu überragt Palmerston, im Vordergrund die Statue der Zealandia

Palmerston ist ein kleiner Ort auf der Südinsel Neuseelands in der Region Otago. Er gehört administrativ zum Ward Waihemo des Waitaki-Distrikts. Beim Zensus 2006 hatte er 804 Einwohner.[1]

Der Ort liegt 50 km nördlich von Dunedin. Er wird oft mit der Stadt Palmerston North verwechselt, deren Einwohner diese Stadt umgangssprachlich ebenfalls als "Palmerston" bezeichnen. Allerdings wurde die Stadt auf der Südinsel bereits 1862 erwähnt, während Palmerston North seinen Namen 1871 erhielt. Die beiden Städte erhielten ihren Namen nach Lord Palmerston, einen britischen Premierminister des 19. Jahrhunderts.

Palmerston war die Hauptstadt des Waihemo County' und des Distrikts, bevor dieser 1989 im Waitaki-Distrikt aufging.

Palmerston liegt wenig südlich vom Shag River, fünf Kilometer von der Küste des Pazifischen Ozeans entfernt. Zwischen Stadt und Meer liegt der Hügel Puketapu (Maori für heiliger Kopf), auf dem sich ein Denkmal für einen Politiker der Region aus dem 19. Jahrhundert, Sir John McKenzie, befindet. Jährlich wird ein Wettlauf den Hügel hinauf bis zum Denkmal und zurück veranstaltet. Seinen Namen Kelly's canter erhielt der Lauf von Albert Kelly, der diesen Hügel als Constable der Polizei von Palmerston während des Zweiten Weltkrieges jeden Tag hinauflief.

Der Shag River, dessen Name besonders bei britischen Besuchern zu viel Belustigung führt (shag ist im britischen Englisch ein Slangbegriff für "Geschlechtsverkehr"), erhielt seinen Namen jedoch nach dem Kormoran (engl. shag). Der Name der Māori für den Fluss, Waihemo, wurde als schwindender Fluss übersetzt. Es besteht die Vermutung, dass dies auf die Neigung des Flusses zurückzuführen sei, im Sommer zu einem Rinnsal zusammenzuschrumpfen.

Panorama von Puketapu Cairn über Palmerston und Umgebung

Verkehr[Bearbeiten]

Palmerston entstand aus einem Straßenkreuz. Der State Highway 1 verbindet Dunedin und Waikouaiti im Süden mit Oamaru und Christchurch im Norden. Der State Highway 85 (umgangssprachlich auch als The Pigroot bekannt) führt ins Landesinnere und ist der Hauptverkehrsweg der Ebene Maniototo.

Der Ort liegt an der Eisenbahnstrecke der Main South Line, auf der der Personenverkehr des Southerners im Jahr 2002 allerdings eingestellt wurde. Auf der Strecke verkehrt jedoch noch regelmäßig der Güterverkehr. Zudem fährt der Touristenzug Seasider ein oder zwei Mal die Woche zwischen Dunedin und Palmerston. Von 1880 bis 1989 führte von Palmerston eine Zweiglinie, die Dunback and Makareao Branches, ins Inland.

Geschichte[Bearbeiten]

Die moderne Archäologie siedelt die polynesische Erstbesiedelung Neuseelands um das Jahr 1100 an. Damals konzentrierte sich die Bevölkerung an der Ostküste der Südinsel. Eine bedeutende Siedlung der archaischen oder „Moa-Jäger“ - Periode der Māori-Kultur wurde an der Mündung des Shag River ins Meer nahe Palmerston gefunden. Dieser Platz ist den Europäern seit den 1840er Jahren bekannt und wurde bereits früh von Archäologen untersucht. 1987 und 1989 wurden umfassende neue Ausgrabungen unter Atholl Anderson durchgeführt. Man kam zu dem Schluss, dass die Siedlung für eine Zeit von 20-50 Jahren des 14. Jahrhunderts ganzjährig genutzt wurde.[2]

Im Jahre 1814 fuhren der Ersten Maat Robert Brown mit zwei weiteren Europäern und fünf indischen Seeleuten in einem offenen Boot des von Kapitän Fowler geführten Schiffes Matilda der Ostküste entlang. Sie übernachteten an der Küste nördlich von Moeraki, rund 20 Kilometer von Palmerston entfernt. Sie wurden von Māori entdeckt und wegen einer Fehde, die vier Jahre früher wegen des Diebstahls eines Hemdes ausgebrochen war, angegriffen. Nach dem im Jahr 2003 entdeckten Creed Manuskript entkamen zwei Mann in der Dunkelheit und flüchteten bis Goodwood Bobby's Head an der Küste etwas südlich von Palmerston. Dort erhielten sie nach der zwei Tage und Nächte dauernden Reise Nahrung von den lokalen Māori. Aber 30 Maori folgten ihnen und sollen sie getötet und gegessen haben.

Im Mai 1826 zeichnete Thomas Shepherd eine Skizze der Küste, der er auf der Rosanna entlangsegelte. Das Dokument wird heute in der Mitchell Library in Sydney aufbewahrt.

In den 1840er kamen weitere Besucher wie Edward Shortland. Charles Suisted nahm in der Gegend in den 1850ern Land und Palmerston entstand 1862 als Lagerplatz am Beginn einer Strecke durch das Shag Valley zu den Goldfeldern in Zentral-Otago. Es wurde 1864 vermessen und erhielt seinen Namen.

Im Ort ist eine 1876 von David Ross entworfene und aus dem vor Ort verfügbaren Sandstein errichtete Presbyterianerkirche erhalten. Eine Marmorstatue der Zealandia von Carlo Bergamini im Stadtzentrum gedenkt dem Burenkrieg. Es ist landesweit eine von zweien, die andere steht in Waimate.

Wenige Kilometer im Landesinneren am Bahnhof Shag Valley stellte Frank Bell am 18. Oktober 1924 die erste Funktverbindung zwischen Neuseeland und England her. Dieses Ereignis fand damals in den Medien als die „erste Funktübertragung um die Welt“ international Beachtung.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palmerston – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • A. Anderson: When All the Moa-Ovens Grew Cold, Otago Heritage Books, Dunedin 1983
  • A. Anderson: The Welcome of Strangers, University of Otago Press, Dunedin 1998, ISBN 1-877133-41-8 pb
  • C. Dann, N.Peat: Dunedin, North and South Otago, GP Books, Wellington 1989, ISBN 0-477-01438-0
  • P. Entwisle: Taka a Vignette Life of William Tucker 1784-1817, Port Daniel Press Dunedin 2005, ISBN 0-473-10098-3
  • G. Griffiths: In the Land of Dwindle River, Otago Heritage Books, Dunedin 1982
  • C.W.S. Moore: Northern Approaches, Otago Centennial Historical Committee, Dunedin 1958

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistics New Zealand
  2. A. Anderson et al. Shag River Mouth, The Australian National University. Canberra 1996