Paltalk

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Paltalk
Entwickler A.V.M. Software Inc. (NY, USA)
Aktuelle Version 11.5
(November 2014)
Betriebssystem Windows
Deutschsprachig Ja
www.paltalk.com

Paltalk ist ein Chatservice für Text, Sprache und Videochats. Das Paltalk-Messenger-Programm ist ein in der Grundversion kostenloser und werbefinanzierter Onlineservice aus den USA und unterliegt mit seinen Nutzungsbedingungen auch amerikanischem Recht. Erweiterte Versionen ohne Werbung und mit besserer Videoqualität sind kostenpflichtig. Die zu installierende PalTalk Version läuft nur unter dem Betriebssystem Microsoft Windows. Im September 2007 erweiterte Paltalk seine Bezeichnungen um den Namen PaltalkScene.

Wie im Juni 2013 bekannt wurde, wird die gesamte über Paltalk stattfindende Kommunikation (Videos, Anrufe und Chats) direkt vom US-Geheimdienst NSA im Zuge des Überwachungsprogramms PRISM mitgeschnitten, unbefristet gespeichert und ausgewertet.[1]

Software[Bearbeiten]

Im Juni 2008 hat Paltalk auch eine webbrowserbasierte Version von PaltalkScene veröffentlicht mit dem Namen Paltalk Express. Der Client benötigt Adobe Flash und Java und verfügt über fast alle Funktionen, wie auch Paltalk Scene.

Im Juli 2010 wurde Paltalk Mobile herausgebracht, eine App für BlackBerry OS, iOS und Android.[2]

Aufbau[Bearbeiten]

Paltalk-chatrooms.JPG

Es gibt verschiedene Chaträume, auch Groups genannt, in denen verschiedenste Interessengruppen zusammenkommen können. Räume für Musikdarbietungen, Chaträume in verschiedenen Sprachen und Sonderräume um Hilfe zu Paltalk zu erhalten, werden hier angeboten. Es gibt Räume mit diversen Ratings (Bewertungen). Die sogenannten "G" Räume (General Audience, All ages) sind für alle Benutzer aller Altersgruppen zugänglich und umfassen den normalen Sprachgebrauch einer üblichen Unterhaltung ohne anzügliche und beleidigende Inhalte. Die mit "R" gekennzeichneten Räume (Adult Language Permitted) enthalten Gespräche auch über "nicht jugendfreie" Themen (z. B. Eheprobleme, bewusst grob geführte Diskussionen (Flaming) aber auch sexuelle Themen), jedoch keine Nacktdarstellungen. Daneben gibt es auch die "A" gekennzeichneten Räume (Adult Language, Nudity Permitted), die ebenfalls nur für Erwachsene ("Adult") gedacht sind, welche nun auch Nackdarstellungen von sich oder eingespielter Videos erlauben. Nach Deaktivierung des sogenannten "Adult Content Filter", der die A-Räume ausblendet, erscheint noch einmal ein Warnhinweis. Diese Räume beinhalten unter anderem, aber nicht ausschließlich, Videochats mit zum Teil sexuell exhibitionistischen Darstellungen.

Das Mitschneiden des Chats ist möglich, verstößt aber bei missbräuchlicher Nutzung gegen die Nutzungsbedingungen von PalTalk[3]. Ein einzelner Chatraum kann bis zu 250 Personen fassen. In der kostenlosen Grundversion können Videos anderer Chatpartner nur zehn Sekunden lang angesehen werden, danach muss eine einminütige Pause eingelegt werden. Es können beliebige Dateien an andere Teilnehmer verschickt werden.

Es nutzen über vier Millionen aktive Teilnehmer den Service, die Software wurde mehr als 42 Millionen mal aus dem Netz heruntergeladen. Paltalk verzeichnete in einer 2006 erhobenen Untersuchung jährlich über acht Milliarden Gesprächsminuten.[4]

Kritik[Bearbeiten]

Die Moderation und Kontrolle wird von Benutzern in Eigenregie übernommen. Das heißt aber auch, dass neben anderen, gutmoderierten Räumen auch beliebige rassistische und verhetzende Chaträume gebildet werden können. Bestimmte Verstöße können zwar an die Hilferäume gemeldet werden, jedoch ohne Garantie einer Verfolgung. Grobe Beleidigungen, Bedrohungen und in einem Fall sogar eine Liveübertragung eines Selbstmordes durch Erhängen (Shropshire in England, 2007) brachten Paltalk in die Kritik.[5]

Deutsche Verfassungsschutzbehörden berichten, dass Paltalk auch eine zentrale Rolle für salafistische Schulungen spielt, da per Live-Übertragungen prominente Anhänger des salafistischen Gelehrtennetzwerkes als „Online-Imame“ auftreten, wie z. B. der Leipziger Hassan Dabbagh und der Berliner Abdul Adhim Kamouss.[6][7][8]

Patentklagen[Bearbeiten]

2006 verklagte Paltalk Holdings Microsoft auf Zahlung von 90 Millionen US-Dollar; mit den technischen Grundlagen des Xbox-Multiplayer-Modus (u. a. Halo) habe Microsoft gegen Patente verstoßen, die Paltalk 2002 von HearMe erworben hatte. Das Verfahren wurde 2009 mit einem Vergleich beendet, dessen Höhe nicht bekannt wurde.[9][10]

Im September 2009 reichte die New Yorker Paltalk Holdings wieder in der texanischen Kleinstadt Marshall Patentklagen ein gegen weitere Hersteller von MMORPGs, darunter die südkoreanische NCsoft Corp. (Guild Wars), die britische Jagex Ltd. (RuneScape), Turbine Inc. (Lord of the Rings), Sony Online Entertainment und Activision Blizzard (World of Warcraft).[11][12] Im November 2010 wies das Gericht die Klage gegen Jagex als unbegründet ab. Die britische Jagex Ltd. wies darauf hin, dass Paltalk Holdings sie vor der Klage nicht zur Sachverhaltsaufklärung kontaktiert hatte und das Verfahren in Texas Verteidigungskosten in siebenstelliger Höhe verursachte, und sprach von Patent-Trollen.[13]

Open Source Alternativen[Bearbeiten]

Als kostenlose Open Source Alternativen zu Paltalk gibt es die Programme Jitsi und Ekiga. Über die plattformübergreifenden Clients (Windows, Mac und Linux) können vollständig verschlüsselte Chats, Anrufe und Videocalls realisiert werden. Für die Nutzung ist jeweils eine kostenlose Registrierung notwendig.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • paltalk.com – offizielle Webpräsenz (weitgehend deutsch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NSA Prism program taps in to user data of Apple, Google and others Glenn Greenwald and Ewen MacAskill, The Guardian, 7. Juni 2013
  2. Paltalk Brings Their Popular Online Community to Handheld Devices Paltalk Blog, NEW YORK, July 13, 2010
  3. Terms of Service Paltalk
  4. [1]
  5. Chatroom hanging captured on webcam The Sydney Morning Herald, March 26, 2007
  6. Verfassungsschutzbericht 2008 Bremen (PDF; 3,3 MB)
  7. Lagebild zur Verfassungsfeindlichkeit salafistischer Bestrebungen (PDF; 423 kB) Innenministerkonferenz, Juni 2011
  8. Die muslimische Jugendszene Claudia Dantschke, BpB 5. Juli 2007
  9. Xbox Multiplayer: Microsoft auf 90 Millionen Dollar verklagt Peter Steinlechner, golem.de 10. März 2009
  10. Multiple MMO developers/publishers named in patent suit By Michael Thompson, arstechnica.com September 17, 2009
  11. 35:271 Patent Infringement, Texas Eastern District Court
  12. Sony, Activision Blizzard Sued Over Online Games (Update1) By Susan Decker, Bloomberg September 14, 2009
  13. UK-Based RuneScape Dev Jagex Wins Patent Infringement Lawsuit by Kris Graft, Gamasutra November 17, 2010