Pankow (deutsche Band)

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Pankow
Pankow (2011)
Pankow (2011)
Allgemeine Informationen
Genre(s) Rock, New Wave
Gründung 1981
Website www.electrocadero.de/pankow
Gründungsmitglieder
Gitarre, Gesang
Jürgen Ehle (seit 1981)
Gesang
André Herzberg (1981–1990)
Schlagzeug
Frank Hille (bis 1985)
Keyboard
Rainer Kirchmann (bis 1996)
Bass
Jäcki Reznicek (bis 1986)
Aktuelle Besetzung
Gitarre, Gesang
Jürgen Ehle (seit 1981)
Gesang
André Herzberg (seit 1996)
Schlagzeug
Stefan Dohanetz (seit 1985)
Keyboard
Kulle Dziuk (seit 1996)
Ehemalige Mitglieder
Bass, Gitarre, Gesang
Jens Jensen (1991–1996)
Bass
Ingo Griese (1987–1990)
Livemitglieder
Bass
Jäcki Reznicek
Keyboard
Ritchie Barton (2009)

Pankow ist eine 1981 in der DDR gegründete Rockband. Entstanden ist die Band aus der ehemaligen Begleitband von Veronika Fischer, die ab 1977 als 4 PS weiterarbeitete. Nach dem Weggang von Franz Bartzsch suchten die übrigen Mitglieder Jäcki Reznicek, Frank Hille, Jürgen Ehle und Rainer Kirchmann einen neuen Frontmann, den sie in André Herzberg bei der Gaukler Rock Band fanden. Die neue Besetzung nannte sich 1981 in Pankow um. Man nannte sich vordergründig nach dem Berliner Stadtbezirk Pankow. Pankow war aber auch in den 1950er Jahren ein westdeutscher Schmähbegriff für das DDR-Regime. Des Weiteren lautmalte der „Punk“ mit.[1]

Bereits zu DDR-Zeiten eine der bekanntesten Bands des Landes, hatten ihre Stücke oft einen kritischen und provozierenden Unterton. „Ähnlich vielen Schriftstellern zählten sie zu den etablierten Größen ästhetischer Subversion“, schrieb der Journalist Christoph Dieckmann in einem 1999 im Rolling Stone erschienenen Artikel.[2] Bei einigen ihrer Stücke traten daher Veröffentlichungsprobleme auf. So konnte ihr Erstlingswerk Paule Panke erst 1989 beim staatlichen Plattenlabel Amiga erscheinen. Das Lied Langeweile vom Album Aufruhr in den Augen durfte zeitweise im DDR-Rundfunk nicht gesendet werden. Diese Stücke wurden aber bei Pankows öffentlichen Auftritten gespielt.

Musikalisch werden Pankow gelegentlich mit den Rolling Stones[2][3][4][5] verglichen und haben in ihrer Bandgeschichte zahlreiche Musikstile verarbeitet und Theaterprojekte realisiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufruhr in den Augen (1981–1989)[Bearbeiten]

Paule Panke[Bearbeiten]

Von Anfang an wurde der Band eine große Aufmerksamkeit durch die Medien zuteil.[6] 1983 beschrieb der West-Berliner Olaf Leitner in seinem Standardwerk über die Rockszene in der DDR die Begeisterung, mit der der Held des Rockspektakels Paule Panke als neue Kultfigur angenommen wurde und Pankow damit „endlich das DDR-typische Liedhafte eliminiert zugunsten einer rauhen, vital-treibenden Rhythmik“ und prophezeite der Band den Weg „an die Spitze aller Rockbands des Landes“.[7]

1981 brachte Pankow Paule Panke auf die Bühne, ein mit Elementen einer Theateraufführung in Szene gesetzte Rockspektakel, das einen Tag aus dem Leben eines Lehrlings erzählt und für das als Texter fast ausschließlich Frauke Klauke alias Wolfgang Herzberg, Bruder von André Herzberg, verantwortlich zeichnet. Im Folgejahr kam es zu ersten Produktionen im Studio sowie zu einem Live-Mitschnitt von Paule Panke.

Pankow (2011)

Bei Paule Panke waren Handlung und Musik nahezu gleichberechtigt. Die optische Darstellung der Handlung beschränkte sich im Wesentlichen auf den Frontmann der Band André Herzberg, der ähnlich wie Peter Gabriel in den frühen Jahren von Genesis die vorgetragenen Texte mit theatralischen Elementen visuell verstärkte. Paule Panke war das erste Rockspektakel der DDR, dessen Aufführung nicht auf Theaterbühnen und damit auf ein relativ kleines Publikum beschränkt war. So wurde Paule Panke in den Kulturhäusern und auf den Freilichtbühnen der DDR etwa 200 Mal vor rund 50.000,[8] in anderen Quellen auch vor ca. 100.000[9] Jugendlichen live im Konzert gespielt.

Trotz des enormen Erfolgs bei den Live-Konzerten im ganzen Land, der mehrfachen Sendung von Paule Panke im staatlichen Radio, der finanziellen Unterstützung der Band bei den Proben durch die Generaldirektion beim Komitee für Unterhaltungskunst und einer Auszeichnung im Rahmen des 1982er Interpretenwettbewerbs der Unterhaltungskunst[10] wurde der Band letztlich die Veröffentlichung beim staatlichen Plattenlabel Amiga verwehrt.[10][11][12]

Ein von Heiner Carow geplantes Projekt zur Verfilmung des Paule Panke-Stoffs im Stil einer Rockoper[13] wurde nach Vorlage des Treatments von der Abteilung HV Film beim Ministerium für Kultur gestoppt,[14] während unter der Regie von Lew Hohmann 1983 der Dokumentarfilm Paule in concert gedreht wurde, in dem der Alltag von Jugendlichen in der DDR von Songs aus Paule Panke begleitet wird.[15][16]

Hier und auch in den Folgejahren kommt die Ambivalenz des „kulturpolitischen Systems DDR“ zum Ausdruck. Auf der einen Seite gab es Unterstützer der Band, die sich in den offiziellen Medien und bei den zuständigen Behörden für die Band einsetzten,[2] Texte und Aufführungen positiv rezensierten,[17][18][19] sowie ein großes Interesse, den Stoff auch szenisch als Film oder Bühnenstück umzusetzen.[13][14][15][20] Auf der anderen Seite standen Gegenspieler, wie etwa der unter ideologischen und wirtschaftlichen[21] Prämissen agierende Chefredakteur von Amiga, René Büttner, der den von ihm und der Band bereits unterzeichneten Plattenvertrag für Paule Panke nach Intervention von nicht näher genannter Stelle zurückzog,[22][23] eine Vertragsverletzung, die Pankow in den folgenden Verhandlungen mit dem künstlerischen Direktor der VEB Deutsche Schallplatten Berlin, Hansjürgen Schaefer, in eine unbefristete und vertraglich garantierte Option zur jährlichen Veröffentlichung eines Albums ummünzen konnte.[24]

Die Schriftstellerin Gisela Steineckert, ab 1984 Präsidentin des Komitees für Unterhaltungskunst, urteilte 1982 über Paule Panke:

„Das Werk, das sich die jungen Künstler vorgenommen haben, krankt daran, daß der Entwurf „Mensch“ zu klein geraten ist und insgesamt nicht einmal durchschimmert. […] Die Reflexionswelt dieses jungen Mannes, der mir hier an der Peripherie langgeführt wird, läßt mich kalt. Was wäre denn, wenn er „aus dem Arsch“ käme? Was wäre denn dann, wonach würde er streben, wen denn könnte seine Käsigkeit beglücken? Man muß ja noch froh sein, daß dieser chronische Miesmacher, Nörgler und Muffel nicht aktiver ist, sonst wäre er gänzlich unerträglich.“

Gisela Steineckert[25]

1984 in einer Sammlung von Briefen veröffentlicht, hat sie nach dem Live-Erlebnis und dem Kennenlernen der Band diese harsche Kritik allerdings öffentlich revidiert und in der Folge das Konzept von Pankow unterstützt.[26]

Die Ursachen für diese Ambivalenz sind sicher auch in den Folgen und der Verunsicherung der Kulturfunktionäre nach der Biermann-Ausbürgerung und den darauf folgenden Protesten und dem Exodus von namhaften DDR-Künstlern zu sehen.

„Die sich damit auftuenden Freiräume wurden von Pankow von Anfang an zu nutzen versucht. Damit verbunden war auch der Wunsch, sich ästhetisch und inhaltlich von der damals bereits stark politisch vereinnahmten DDR-Rockmusik abzusetzen. Dabei waren Instinkt und „Bauchgefühl“ ein mindestens so ausgeprägter Antrieb wie die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung, auch innerhalb der Band.“

Jürgen Ehle[27]

Lieder statt Konzeptalben[Bearbeiten]

1983 wurde mit Kille Kille unter dem Druck der Popularität der Band eine erste Zusammenstellung von Titeln veröffentlicht.[28] André Herzberg schreibt dazu in seinem autobiographischen Roman Mosaik:

„So hatte die Band als Gegentaktik Einzellieder entwickelt, um nun doch noch eine Platte machen zu können.“

André Herzberg[29]

Trotz der in kurzer Zeit vergriffenen ersten Auflage von 110.000 blieb diese Zusammenstellung von Amiga ohne konzeptionellen Zusammenhang der einzelnen Stücke für die Band und ihr Publikum, die nach den vielen Live-Konzerten auf die Veröffentlichung von Paule Panke gehofft und gewartet hatten, hinter den Erwartungen zurück.[8]

Als es Pankow dann 1985 gelang, das ebenfalls als Konzept angelegte Rockspektakel Hans im Glück bei Amiga zu veröffentlichen, führte der Inhalt des Stücks wieder zu kontroversen Diskussionen und vielfach auch zu Ablehnung von Seiten der für Jugendkultur in der DDR zuständigen Funktionäre und Organisationen.[10]

Wenn bei Paule Panke noch die Fiktion des Einbringens in eine entwicklungsfähige Gesellschaft (Komm aus’m Arsch) überwog, so mehrten sich die als systemkritisch empfundenen Töne in den Texten von Frauke Klauke auf Hans im Glück. Zeilen wie die folgenden aus Hans Negativ wurden vom Publikum auch auf das sozialistische System der DDR bezogen:

»Die Luft ist vergiftet / Die Gewässer vermistet / Das Land ausgesaugt / Von Geiern beklaut
Vom Hunger geplagt / Von Krankheit zernagt / Ohne Rast, ohne Ruh’ / Geht’s dem Untergang zu
Städte veröden / Die Leute verblöden / Durch die Arbeit zerhackt / In Familien versackt
Im Konsum ertrunken / Ins Fernseh’n versunken / Ohne Rast, ohne Ruh’ / Geht’s dem Untergang zu
Alles Scheiße / Ob in Nord, Ost, Süd oder West / Immer nur Horror / Und geistige Pest«

– Textauszug Hans Negativ[30]

André Herzberg beschrieb die Wirkung der Texte auf das jugendliche Publikum:

„Bei Hans im Glück waren das alles mehr oder weniger Anti-Figuren. Das Publikum ist auf den Rhythmus der Musik eingestiegen und hat dem negativen Helden zugeklatscht. Das war teilweise eine ganz bescheuerte Situation, wenn dem Spießer plötzlich dankbar zugejubelt wurde, viele mitgrölten „Alles Scheiße“ oder „Immer mit’m Arsch an der Wand entlang“ und so, als würden sich die Leute mit diesen Rollen identifizieren, was wir gar nicht beabsichtigt hatten.“

André Herzberg[31]

Nach teils heftigen Kontroversen und Diskussionen über Hans im Glück in der Öffentlichkeit, die neben den Texten auch das Konzept der Band in Frage stellten, trennten sich Pankow und ihr Texter Frauke Klauke.[32] Fortan wurden die Texte zu den Songs von Herzberg und Ehle oder anderen Textern, wie etwa Ronald Galenza, verfasst. In Konzerten waren einzelne Songs von Paule Panke, wie Freitag oder auch der Werkstattsong weiterhin präsent. Von Stille, dem Abschlusstitel von Hans im Glück, gab es auf dem 2006er-Album Nur aus Spass ein Remake.

1985 gingen Pankow auf Tournee durch die Bundesrepublik Deutschland. Nach der Tour verließ Frank Hille die DDR und somit auch die Band. Er wurde durch Stefan Dohanetz ersetzt.

Das 1986 erschienene Album Keine Stars wurde von Teldec auch in der BRD verlegt. Das Album enthält den von Ronald Galenza getexteten Titel Er will anders sein, der das Motto großer Teile der jungen Generation in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre der DDR wurde[33] und dessen Refrain bei Live-Auftritten von Sänger und Publikum lautstark im Chor skandiert wurde.[34]

»Er hat außer Klagen noch mehr zu sagen / … /
Manchmal will er sowieso / Weg nach Irgendwo. /
Aber er haut nicht ab in einen andern Ort, / Er rennt nicht vor Problemen fort. /
Abzuhau’n fällt ihm nicht ein / Er will doch ganz anders sein. / … /
Er will anders sein, / Er will ganz anders sein. / Er will anders sein, / Er will ganz anders sein.«

– Textauszug Er will anders sein[35]

Ende 1986 verließ Jäckie Reznicek die Band in Richtung Silly,[36][37][38] war aber bei vielen Tourneen sowie Studioaufnahmen von Pankow, insbesondere ab 1996, wieder präsent.[36][39] Für ihn kam 1987 Ingo Griese von Rockhaus.[40]

1987 kam es zur erfolgreichen Uraufführung von Paule Panke als Rockmusical im Theater der Stadt Schwedt.[20][41] Dabei traten die Musiker von Pankow auch als Schauspieler auf: André Herzberg als Paule Panke, Rainer Kirchmann als Operettenbuffo, Jürgen Ehle als Mann mit Mundharmonika, Ingo Griese und Stefan Dohanetz als Lehrlinge. Nach sieben Vorstellungen wurde die Aufführung aus „politisch-ideologischen Gründen“[11] gestoppt.

Im Juni 1987 stand Pankow als erste DDR-Rockband beim Provinssirock-Festival in Seinäjoki neben internationalen Acts wie Bob Geldof, Iggy Pop, Elvis Costello und Hüsker Dü auf der Bühne. Darauf folgte bis Mitte Juli eine Tour mit der niederländischen Band Gruppo Sportivo.[42]

Aufruhr in den Augen[Bearbeiten]

Mit dem Einsetzen von Perestroika und Glasnost in der Sowjetunion ab Mitte der 1980er Jahre waren die Funktionäre der SED bemüht, ihr Land vor ähnlichen Entwicklungen abzuschirmen. Das in dieser zeitgeschichtlichen Phase 1988 erschienene Album Aufruhr in den Augen mit Texten solcher Songs wie Langeweile oder Gib mir’n Zeichen sowie der provozierende Auftritt von Pankow in westdeutschen Medien zogen Kreise bis in das ZK der SED.[10] Zeilen wie diese:

»Dasselbe Land zu lange gesehn' / Dieselbe Sprache zu lange gehört.
Zu lange gewartet, zu lange gehofft / Zu lange die alten Männer verehrt.
Ich bin rum gerannt, / Zu viel rum gerannt. / Zu viel rum gerannt. / Und ist doch nichts passiert«

– Textauszug Langeweile[43]

»Komm ich hol dich raus, raus, raus / Dann geh’n wir hier weg.
Gib mir ’n Zeichen, / Die andern brauchen es nicht zu sehn. / Gib mir ’n Zeichen.«

– Textauszug Gib mir’n Zeichen[44]

führten zu einer heftigen Replik im Zentralorgan der SED.[45]

Die Kritik der DDR-Oberen konnte zu diesem Zeitpunkt Produktion und Vertrieb des Albums sowie die Aufführung im Rundfunk und bei Konzerten der Band nicht mehr verhindern. Bezeichnend für die sich bereits ändernden Zeiten war die 1989 folgende Tournee mit der Big Band des Stabes der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland durch die DDR, auf der trotz aller Widerstände die Titel des Albums einem breiten Publikum zu Gehör gebracht wurden.[10][46]

Im September 1989 gehörten die Musiker von Pankow zu den Unterzeichnern der Resolution von Rockmusikern und Liedermachern, die notwendige Veränderungen in der DDR unter Einbeziehung basisdemokratischer Organisationen wie dem Neuen Forum forderten. Am 15. Oktober beteiligte sich Pankow am „Konzert gegen Gewalt“ vor etwa 2000 Besuchern in der Ost-Berliner Erlöserkirche, auf dem zahlreiche neue Resolutionen zur Situation im Land verlesen wurden.[47][48]

Vierer Pack (1990–1996)[Bearbeiten]

Mit der politischen Wende in der DDR und dem damit verbundenen Zusammenbruch des kulturpolitischen Rahmens, der neben Einschränkungen und Kontrolle durch die staatlichen Organe für die etablierten Künstler auch eine finanzielle Sicherheit brachte, eröffneten sich ab 1990 neue Möglichkeiten aber auch Notwendigkeiten für Bands und Musiker, auf dem internationalen Musikmarkt Präsenz zu zeigen.[49][50] So waren die Musiker von Pankow in den folgenden Jahren in einer Vielzahl weiterer Projekte und Bands aktiv.[51] André Herzberg verließ 1990 die Band, um eigene Projekte zu realisieren. Im selben Jahr kam Jens Jensen für Ingo Griese in die Band.

1989/90 tourte der US-amerikanische Musiker Ben Vaughn mit Pankow als Begleitband durch die DDR. Eines der Konzerte wurde im ost- und westdeutschen Fernsehen übertragen.[52] Ebenfalls 1990 trat Pankow zusammen mit Rio Reiser in Berlin auf.[11]

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem damit verbundenen offenen Zugang zu Medien außerhalb Deutschlands rückte Pankow so auch kurzzeitig in den Fokus der angelsächsischen Publizistik. Der US-amerikanische Historiker Timothy W. Ryback, bekannt durch sein 1990 erschienenes Werk Rock around the bloc: a history of rock music in Eastern Europe and the Soviet Union, charakterisiert Pankow neben Silly als eine der beiden angesehensten und professionellsten Gruppen der Ostberliner Rockmusik-Szene, „originally showed the influence of the Rolling Stones, but has developed into a dynamic band that combines the energy of the Clash with the innovation of the Talking Heads“.[53]

Am 13. Dezember 1991 fand in der mit über 4.000 Besuchern ausverkauften Halle in Berlin-Weißensee das 10-Jahre-Pankow-Konzert statt. Pankow spielte in der Besetzung Ehle, Herzberg, Kirchmann, Dohanetz und Reznicek. Als Gastmusiker traten Frank Hille, Heiner Witte von Engerling, Volker Schlott und die Big Band des Stabes der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland auf.[54] Das Konzert wurde live im Rundfunk bei DT64 übertragen. Vom Konzert erschienen 1992 der Videomitschnitt 10 Jahre Pankow. Ebenfalls unter dem Titel 10 Jahre Pankow veröffentlichte Amiga in der Reihe Rock aus Deutschland Ost 1991 eine Best-of-Kompilation.

Mit Barbara Thalheim wurde von Dezember 1991 bis Januar 1992 das Album Ende der Märchen eingespielt, produziert und 1992 veröffentlicht.

1994 komponierte und spielte Pankow für die Theaterinszenierung von Clockwork Orange, einem Rockmusical nach Anthony Burgess, an der Landesbühne Sachsen-Anhalt in Eisleben.[55] Im selben Jahr erschien das Album Vierer Pack, eingespielt in der Besetzung Ehle, Kirchmann, Dohanetz, Jensen. Mitwirkende Gäste waren Blanche Elliz, Paul Brady, Jens Streifling, Jean Pacalet und Jäcki Reznicek. Ende 1994 folgte die Herzberg-Pankow-Tour, von Pankow und der Herzberg-Band gemeinsam bestritten.

Am ersten Mai 1996 erschien bei Grauzone das Album Paparazzia als letzte Produktion von Pankow als „Vierer Pack“ Kirchmann, Jensen, Dohanetz und Ehle.

Reunion (1996–1999)[Bearbeiten]

André Herzberg (2011)

1996 kehrte Herzberg zurück, für Rainer Kirchmann kam Kulle Dziuk und für Jens Jensen kam Jäcki Reznicek. So stand Ende 1996 Pankow in der Besetzung Herzberg, Ehle, Dohanetz, Reznicek, Dziuk wieder auf der Bühne. Die Single Am Rande vom Wahnsinn war erschienen, das Album gleichen Namens folgte im Frühjahr 1997. Die Konzerte zur Wiedervereinigung der Band fanden Ende 1996 im Tränenpalast in Berlin statt.[2][4][5] Erstmals wurde während der bis zu zweieinhalb Stunden dauernden Konzerte auch ein Teil der Pankow-Songs unplugged aufgeführt.

Noch 1996 spielte die Band den Song Hurra für das bei Gringo Records 1997 erschienene Die Ärzte-Tribute-Album GötterDÄmmerung ein.

Im Brecht-Jahr 1998 gab es unter dem Titel Kille Kille, Bertolt zusätzlich zu den regulären Konzerten eine Tournee mit einem Programm, das ausschließlich an Theaterbühnen aufgeführt wurde. Wichtige Stationen waren die langjährige Wirkungsstätte von Brecht, das Berliner Ensemble,[56] sowie Brechts Geburtsstadt Augsburg.

Das vorerst letzte Konzert von Pankow fand am 23. Dezember 1998 im Berliner Prater statt.[57] Im März 1999 trat die Band dann noch ein letztes Mal mit Kille Kille, Bertolt und anlässlich der Kurt-Weill-Festspiele in Weills Geburtsstadt Dessau auf.

Die Musiker verfolgten daraufhin bis Anfang 2004 eigene Projekte.

2004 bis heute[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 kam es zu einer kurzen Wiedervereinigung und Konzerttournee durch den Ostteil Deutschlands mit Konzerten unter anderem in Berlin und Leipzig.[58] Im Mai 2006 erschien beim Label Buschfunk mit Nur aus Spass nach langer Zeit wieder ein neues Studioalbum. Von August bis Oktober 2006 gab es eine Jubiläumstournee zum 25. Geburtstag der Band.[59] Am 28. März 2009 beendeten Pankow ihre – wie Herzberg sagte, vorläufig letzte – Tour (Januar bis März 2009) mit dem Abschlusskonzert im Berliner Postbahnhof.[60]

Die im März 2009 gestartete Wiederaufführung des Rockspektakels Hans im Glück – gemeinsam mit Schauspielern der Berliner Volksbühne und Supervision durch Frank Castorf – wurde im April 2009 im Prater fortgesetzt.[60][61][62]

Am 3. November 2011 starteten Pankow mit ihrem aktuellen Album Neuer Tag in Pankow die Tour zum 30-jährigen Bühnenjubiläum in der Besetzung Ehle, Herzberg, Dziuk, Dohanetz und Ingo York als Gastmusiker am Bass.[63][64]

Diskografie[Bearbeiten]

Diskografie
Nur Studioalben mit Ausnahme von Paule Panke.
Für eine vollständige Aufstellung siehe:
Pankow (deutsche Band)/Diskografie

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  André Herzberg: Mosaik. 1. Auflage. Avinus Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-930064-22-9.
  •  Michael Rauhut: Rock in der DDR. 1. Auflage. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2002, ISBN 3-89331-459-8.
  •  Christian Hentschel: Du hast den Farbfilm vergessen … und andere Ostrockgeschichten. 1. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, ISBN 3-89602-317-9.
  •  Götz Hintze: Rocklexikon der DDR. 1. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999, ISBN 3-89602-303-9, S. 216 f.
  •  Michael Rauhut: Schalmei und Lederjacke. 1. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1996, ISBN 3-89602-065-X.
  •  Timothy W. Ryback: Rock around the bloc: a history of rock music in Eastern Europe and the Soviet Union. Oxford Univ. Press, New York 1990, ISBN 0-19-505633-7, S. 204 ff.
  •  Wolfgang Herzberg: Paule Panke. Hans im Glück: Texte für und über die Gruppe Pankow. 1. Auflage. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1990, ISBN 3-362-00292-7.
  •  Jürgen Balitzki: Rock aus erster Hand. 1. Auflage. Lied der Zeit, Musikverl., Berlin 1985, S. 113 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pankow – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Olaf Leitner: 10 Jahre Pankow. Begleitheft zur CD. Abgerufen am 4. Dezember 2011.
  2. a b c d Christoph Dieckmann: Nun machs gut, Inge Pawelczik, du Wilde! Die „Stones des Ostens“ treten nun ab. In: Rolling Stone. ISSN 1612-9563 (1999), Heft 2, S. 14
  3. Michael Rauhut: Rock in der DDR. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2002, ISBN 3-89331-459-8, S. 103
  4. a b Rainer Bratfisch: Aufruhr in den Augen, In: Die Welt vom 16. Dezember 1996 (Version vom 14. April 2012 im Internet Archive)
  5. a b Alexander Osang: Ein Arrangement, In: Berliner Zeitung vom 21. November 1996 (Version vom 1. September 2012 im Internet Archive)
  6. Pankow Presseberichte (Version vom 14. April 2012 im Internet Archive)
  7. Olaf Leitner: Rockszene DDR: Aspekte einer Massenkultur im Sozialismus. Rowohlt, Reinbek 1983, ISBN 3-499-17697-1, S. 448
  8. a b Wolfgang Herzberg: Paule Panke, Hans Im Glück: Texte für und über die Gruppe Pankow. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1990, dialog, ISBN 3-362-00292-7, S. 89
  9. Wolfgang Herzberg. In: Kunst und Kultur in der DDR : 36 Sitzung der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“ am 5. Mai 1993. 2. Teil. Bonn: Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit, 1993. S. 72.
  10. a b c d e Michael Rauhut: Schalmei und Lederjacke. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1996, ISBN 3-89602-065-X, S. 259-260
  11. a b c Pankow Biographie. Sony Music. Abgerufen am 14. Oktober 2014.
  12. Pankow. Interview mit André Herzberg und Frank Hille. In: Melodie und Rhythmus. ISSN 0025-9004 (1984), 11
  13. a b Pankow. Interview mit Heiner Carow. In: Melodie und Rhythmus. ISSN 0025-9004 (1982), 11, online (Version vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)
  14. a b Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hrsg.): Spur der Filme: Zeitzeugen über die DEFA. 2. Auflage. Links, Berlin 2006, ISBN 3-86153-401-0, S. 411ff.
  15. a b Bernd Lindner: DDR Rock & Pop. KOMET, Köln 2008, ISBN 978-3-89836-715-8, S. 153
  16. Paule in concert. DEFA-Stiftung. Abgerufen am 16. Juni 2013.
  17. Jürgen Balitzki: Paule, Pankow und Pawelczik. In: Melodie und Rhythmus. ISSN 0025-9004 (1983), online (Version vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)
  18. Stefan Körbel: PANKOWs Premiere. In: Sonntag, 13/82
  19. Bianca Tänzer: Realitätsgewinn in unserer Republik. In: Musik und Gesellschaft, Dezember 1982
  20. a b Wolfgang Herzberg: Paule Panke, Hans Im Glück: Texte für und über die Gruppe Pankow. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1990, dialog, ISBN 3-362-00292-7
  21. Christian Hentschel: Du hast den Farbfilm vergessen … und andere Ostrockgeschichten. Interview mit Wolf-Dietrich Fruck. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2000, ISBN 3-89602-317-9, S. 144ff.
  22. Christian Hentschel: Du hast den Farbfilm vergessen … und andere Ostrockgeschichten. Interview mit André Herzberg. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2000, ISBN 3-89602-317-9, S. 44ff.
  23. André Herzberg: Mosaik. Avinus Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-930064-22-9, S. 116
  24. Jürgen Ehle, E-Mail vom 13. Februar 2012 an den Autor
  25. Gisela Steineckert: Briefe: 1961 bis 1983. Neues Leben, Berlin 1984, S. 323ff.
  26. Jürgen Ehle, E-Mail vom 13. Februar 2012 an den Autor
  27. Jürgen Ehle, E-Mail vom 25. Januar 2012 an den Autor
  28. Christine Wagner: Pankows Wiedervereinigung, In: Freie Presse vom 11. Januar 1997 (Version vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)
  29. André Herzberg: Mosaik. Avinus Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3930064229, S. 120
  30. Text von Hans Negativ (Version vom 2. Mai 2012 im Internet Archive)
  31. Wolfgang Herzberg: Paule Panke, Hans Im Glück: Texte für und über die Gruppe Pankow. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1990, dialog, ISBN 3-362-00292-7, S. 178-179
  32. Wolfgang Herzberg: Paule Panke, Hans Im Glück: Texte für und über die Gruppe Pankow. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1990, dialog, ISBN 3-362-00292-7, S. 175-176
  33. Bernd Lindner: DDR Rock & Pop. KOMET, Köln 2008, ISBN 978-3-89836-715-8, S. 151
  34. Michael Rauhut: Rock in der DDR. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2002, ISBN 3-89331-459-8, S. 103f.
  35. Text von Er will anders sein (Version vom 29. Mai 2010 im Internet Archive)
  36. a b Jäcki Reznicek (PDF; 16 kB) Jäcki Reznicek. 4. Oktober 2011. Abgerufen am 6. Januar 2012.
  37. Christian Hentschel: Du hast den Farbfilm vergessen … und andere Ostrockgeschichten. Interview mit Jäcki Reznicek. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2000, ISBN 3-89602-317-9, S. 214ff.
  38. Bass Besser Reznicek. Interview mit Jäcki Reznicek. In: Melodie und Rhythmus. ISSN 0025-9004 (2008), 2, S. 52–55. (online; PDF; 3,2 MB)
  39. Pankow (Offizielle Website). Abgerufen am 6. Januar 2012.
  40. Götz Hintze: Rocklexikon der DDR. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999, ISBN 3-89602-303-9, S. 262
  41. Regina Schneider: Wer ist Paule Panke. In: Melodie und Rhythmus. ISSN 0025-9004 (1987), 7, online (Version vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)
  42. Lutz Bertram: Auf Tour – Pankow und Gruppe Sportivo. In: Melodie & Rhythmus, ISSN 0025-9004 (1987), 9, online (Version vom 17. Februar 2005 im Internet Archive)
  43. Text von Langeweile (Version vom 14. Mai 2010 im Internet Archive)
  44. Text von Gib mir’n Zeichen (Version vom 14. Mai 2010 im Internet Archive)
  45. Hans Albrecht. In: Neues Deutschland. 3/ 4. Dezember 1988, S. 7
  46. Doppelte Spielfreude. Junge Welt. 20. Juni 1989
  47. DDR-Journal zur November-Revolution 1989. Die Tageszeitung, 1990, S. 50
  48. DDR Chronik 1989 – 15. Oktober. www.ddr89.de. Abgerufen am 21. Februar 1012.
  49. Keine Schonzeit mehr für DDR-Rock: PANKOW Gitarrist Jürgen Ehle über Perspektiven. Interview mit Jürgen Ehle. In: Melodie und Rhythmus. ISSN 0025-9004 (1990), 7, online (Version vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)
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