Panzerkampfwagen VIII Maus

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Panzerkampfwagen VIII Maus
Panzerkampfwagen VIII Maus im Panzermuseum Kubinka

Panzerkampfwagen VIII Maus im Panzermuseum Kubinka

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 6
Länge 10,09 m
Breite 3,67 m
Höhe 3,80 m
Masse 188 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 50–240 mm
Hauptbewaffnung 12,8-cm-KwK44 L/55
Sekundärbewaffnung 7,5-cm-KwK44 L/36,5, 7,92-mm-MG 42
Beweglichkeit
Antrieb Daimler-Benz MB 509
794 kW (1080 PS)
Höchstgeschwindigkeit 20 km/h
Leistung/Gewicht 5,74 PS/t
Reichweite 186 km
Seitenansicht (Modell).

Der Panzerkampfwagen VIII „Maus“ war ein von der Firma Porsche produzierter überschwerer Panzer der Wehrmacht, von dem bis Ende 1944 zwei Prototypen fertiggestellt wurden, die aber nie zum Kampfeinsatz kamen. Übertroffen wurde er in der Größe nur noch von den Entwürfen für den P-1000 und P-1500. Die Porsche-interne Projektnummer für die Maus lautete 205, wobei die erste fertiggestellte Maus die Nummer 205/1 und die zweite die Nummer 205/2 trug.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Bereits im Jahre 1941 erhielt die Firma Krupp den Entwicklungsauftrag zum Bau eines 100-Tonnen-Panzers. Die daraufhin entstandenen Studien über 110-, 130-, 150- und 170-Tonnen-Panzer gelangten aber nie über das Reißbrettstadium hinaus. Der diesem Projekt zugedachte Deckname „Mammut“ wurde allerdings aus Tarnungsgründen wieder verworfen und in „Maus“ abgeändert.

Am 21. März 1942 wies Hitler die Firma Porsche an, ebenfalls ein 100-Tonnen-Fahrzeug zu entwerfen. Nach einer Gegenüberstellung der beiden Konkurrenzentwürfe von Krupp und Porsche im Januar 1943 gab Hitler der Version von Porsche den Vorzug. Bereits am 1. Mai 1943 wurde Hitler ein Holzmodell der Maus vorgeführt. Das projektierte Gewicht der Maus von etwa 150 Tonnen erhöhte sich aufgrund der immer wieder verstärkten Panzerung (bis 250 mm) schließlich auf 188 Tonnen V1 und 187 Tonnen V2 (Gewichtsersparnis durch gebohrte Laufrollen) und stellte die Konstruktionsgruppe von Porsche vor schwierige Probleme bei der Motorisierung. Der Antrieb erfolgte benzin-elektrisch, indem ein Verbrennungsmotor über ein Zwischengetriebe einen Generator antrieb, der zur Stromversorgung von zwei Elektromotoren diente. Diese brachten das Fahrzeug über Planetengetriebe in Bewegung. In der Maus 205/1 kam ein von Daimler-Benz entwickelter 12-Zylinder-Ottomotor (MB 509) mit einer Leistung von 1080 PS zum Einsatz. Aufgrund des enormen Benzinverbrauchs (3800 Liter auf 100 Kilometer im Gelände) erhielt der zweite Prototyp 205/2 ein ähnlich starkes Dieselaggregat (MB 517). Die Hauptbewaffnung bestand aus einer auf der 12,8-cm-Flak basierenden Kampfwagenkanone (KwK) sowie einer koaxialen 7,5-cm-KwK44/L36,5. Zur Nahverteidigung wurde ein MG42 koaxial im Turm eingebaut.

Halle für die „Maus“ auf dem Gelände der Neuen Verskraft, Heeresversuchsstelle Kummersdorf 2013

Fertigstellung und Erprobung[Bearbeiten]

Am 24. Dezember 1943 war die erste Maus bei der Firma Alkett in Berlin fertig montiert. Nach einem ersten erfolgreichen Fahrversuch bei Alkett wurde die Maus in der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf bei Berlin ersten Tests unterzogen. Aufgrund der wegen der schweren Bombenangriffe schwierigen Ersatzteilbeschaffung erfolgten weitere Tests von Januar bis Anfang Oktober 1944 in der Nähe der Porsche-Werke auf dem Gelände der Panzerkaserne in Böblingen. Die Testfahrten mussten jedoch mit einer dem Turmgewicht von 55 t entsprechenden Attrappe durchgeführt werden, da die mit der Turmfertigung beauftragte Firma Krupp wegen der alliierten Luftangriffe auf Essen mit der Lieferung in Rückstand war. Am 9. April 1944 lieferte Krupp den Turm aus, der sofort eingebaut wurde. Die Maus 205/2 traf nach ihrer Montage bei Alkett am 1. März 1944 in Böblingen zum Einbau des Antriebs ein und wurde in Böblingen erprobt. Davon existieren viele Bilder. Ende 1944 wurden beide Panzer zur „VersKraft neu“[1] in Kummersdorf geschickt. Von der Maus sollten 150 Stück gebaut werden; alle Arbeiten an überschweren Panzern wurden jedoch 1944 eingestellt und die geplante Serienherstellung der Maus daher storniert. Fertiggestellt wurden nur zwei Exemplare, fünf weitere befanden sich in Bau.

Kriegsende[Bearbeiten]

Bei Kriegsende befanden sich beide Prototypen auf dem Heeresversuchsgelände in Kummersdorf, wo die Maus 205/2 beim Herannahen der sowjetischen Truppen von der Wehrmacht auf dem Hindenburgplatz in Wünsdorf gesprengt wurde. Die auf dem Schießplatz zurückgelassene Maus 205/1 wurde in leicht beschädigtem Zustand von der Roten Armee erbeutet. Diese baute den Turm von Maus 205/2 auf die Wanne von 205/1 und schickte das Fahrzeug 1945/46 zu Testzwecken nach Kubinka. Nach dem Abschluss der Erprobung im Jahr 1951 wurden alle Aggregate zur Untersuchung ausgebaut; zurück blieb die leere Hülle. Nachdem das Fahrzeug jahrelang im Freien stand, ist es seit 1978 im Panzermuseum Kubinka ausgestellt. Im Jahr 2000 wurde das Fahrzeug mit dem ursprünglichen Tarnanstrich des Prototyps 205/2 versehen. Am 11. April 2014 wurde bekannt gegeben, dass das Fahrzeug in Kooperation zwischen dem Panzermuseum und Wargaming.net, dem Entwickler des Online-Spiels World of Tanks, neu aufgebaut werden soll.[2]

Militärische Bedeutung[Bearbeiten]

Die Höchstgeschwindigkeit von 13 km/h im Gelände sowie ein Gesamtgewicht von fast 190 Tonnen, welches das Passieren von Brücken praktisch unmöglich machte, stellten große Nachteile dar. Das Fahrzeug war dadurch mehr ein rollender Bunker als ein Panzer zum sinnvollen Einsatz in einem Bewegungskrieg. Im Falle eines Rückzugs hätte keine Möglichkeit zum schnellen Abtransport bestanden; die Maus hätte zurückgelassen, aufgegeben und gesprengt werden müssen. Im Falle eines Angriffs hätte sie bei schnellen Vorstößen nicht mithalten können. Zwar hätte die Maus durch ihre Feuerkraft und Panzerung den Feind vor ein massives Problem gestellt, aber er hätte sie umgehen oder ausmanövrieren können, weshalb der Einsatz von Begleitpanzern erwogen wurde.

Der gigantische Treibstoffbedarf stellte ein weiteres Problem dar, vor allem, da es den Deutschen zu Kriegsende in hohem Maße an Treibstoffen mangelte. Überdies passte diese rollende Festung nur auf einen speziellen 14-achsigen Eisenbahntransportwagen und konnte weder Tunnel noch Eisenbahnbrücken passieren;[3] damit wäre es fast unmöglich gewesen, größere Stückzahlen an die Front zu befördern.[4]

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Hersteller: Alkett
  • Baujahr: 1942–1944
  • Stückzahl: ein Fahrzeug komplett mit Turm, einer ohne Turm und Motor, fünf in Fertigung
  • Besatzung: sechs Mann
  • Gewicht gesamt: 188 t (V1 mit Attrappenturm); 187 t (V2 mit Gefechtsturm)
  • Gewicht Turm: 55 t
  • Länge mit Rohr: 10,09 m
  • Breite: 3,67 m
  • Höhe: 3,63 m
  • Bodenfreiheit: 57 cm
  • Spurbreite: 235,5 cm
  • Kettenbreite: 110 cm
  • Feuerhöhe: 279 cm
  • Kletterfähigkeit: 72 cm
  • überwindet Steigungen von bis zu 30°
  • Watfähigkeit: 200/600 cm
  • Überschreitet 450 cm
  • Tauchfähigkeit: bis zu 800 cm (unter Verwendung eines Schnorchels)

Bewaffnung

  • 12,8-cm-KwK44 L/55 (Prototypen) oder 15-cm-KwK L/44 (für Serie erwogen)
    • Munition: 12,8 cm: 68 Granaten / 15 cm: 50 Granaten
  • 7,5-cm-KwK 44 L/36,5 koaxial im Turm zur 15-cm-KwK
    • Munition: 100 Granaten
  • 1 × 7,92-mm-MG 42
    • Munition: 1000 Patronen

Antrieb

  • benzin-elektrisch
  • 12-Zylinder-Ottomotor Daimler-Benz MB 509, wassergekühlt, 1080 PS, Hubraum: 44,5 l (Maus 205/1)
    • später durch wassergekühlten 12-Zylinder-Dieselmotor Daimler-Benz MB 517 mit 1200 PS ersetzt (Maus 205/2)
  • Getriebe: zwei Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge
  • Höchstgeschwindigkeit
    • Straße: 20 km/h
    • Gelände: 13 km/h
  • Tankinhalt: 3200 l + 1000 l im Reservetank am Heck
  • Verbrauch: Straße 1400 l/100 km, Gelände 3800 l/100 km
  • Fahrbereich: 186 km auf Straße / 68 km im Gelände
  • Wendekreis: wendet auf der Stelle
  • Kettenlaufwerk
    • zwei Gleisketten, Treibrad hinten, Leitrad vorn, zwölf Laufrollenpaare je Seite, zwölf Stützrollen

Panzerung

  • Wanne
    • 200 mm Bug / Neigung 65°
    • 200 mm Fahrerfront / 35°
    • 180 mm Wannenseite unten/oben / 90°
    • 160 mm Heck / 90°
    • 100 mm Decke / 0°
    • 100 mm Boden / 0° vorne und 50 mm nach hinten
  • Turm
    • 200–240 mm Turmblende/front
    • 200 mm Turmseite / 60°
    • 200 mm Heck / 60°
    • 60 mm Decke / 0°

Verblieben Exemplare[Bearbeiten]

Das letzte Exemplar des deutschen „Superpanzers“ vom Typ Maus befindet sich als Beutestück im Panzermuseum Kubinka, Rußland

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter J. Spielberger: Spezial-Panzer-Fahrzeuge des deutschen Heeres. Militärfahrzeuge Band 8. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-87943-457-3.
  • Ferdinand M. von Senger und Etterlin, Franz Kosar, Walter J. Spielberger: Die deutschen Panzer 1926–1945. Bernard & Graefe, Bonn 1998, ISBN 3-7637-5988-3.
  • Michael Sawodny, Kai Bracher: Panzerkampfwagen Maus und andere deutsche Panzerprojekte. Podzun-Pallas, Wölfersheim-Berstadt 1998, ISBN 3-7909-0098-2.
  • Lothar Boschen, Jürgen Barth: Das große Buch der Porsche-Sondertypen und -Konstruktionen von 1931 bis heute. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-87943-805-6, S. 138 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Panzerkampfwagen Maus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eine 1938 errichtete Versuchsanlage zur Erprobung von Vollketten-, Halbketten- und Allradfahrzeugen. Informationen auf der Seite des Fördervereins der Verkehrs-Versuchsanlage Horstwalde, 28. Dezember 2012.
  2. Reconstruction of the Maus
  3. Michael Sawodny, Kai Bracher: Panzerkampfwagen Maus und andere deutsche Panzerprojekte. ISBN 3-7909-0098-2.
  4. Stephen Hart, Russell Hart: Deutsche Panzer im Zweiten Weltkrieg. ISBN 3-8112-1667-8.