Panzertruppe (Bundeswehr)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Barettabzeichen der Panzertruppe in der Bundeswehr

Die Panzertruppe ist eine Truppengattung im Heer der Bundeswehr. Die deutsche Panzertruppe zählt zu den Kampftruppen des Heeres und bildet mit der Panzergrenadiertruppe den Truppengattungsverbund Panzertruppen. Hauptwaffensystem der Panzertruppe ist der Kampfpanzer Leopard 2. Hauptaufgabe ist der Kampf gegen feindliche Panzerverbände im offenen Gelände.

Auftrag[Bearbeiten]

Die Panzertruppe ist die Schwerpunktwaffe des Heeres und wird überwiegend überraschend im Rahmen Entscheidung suchender Angriffsoperationen in großer Anzahl gegen feindliche Panzereinheiten aufgeboten. Sie wird meist in geschlossenen Verbänden gemeinsam mit Panzergrenadieren eingesetzt und soll durch schnelle, wirksame Erfolge dazu beitragen, die Initiative eines Gefechts zu gewinnen. Die Panzertruppe hat ihre Stärke im Angriff und in der Verfolgung, sie kann aber auch erfolgreich zur Verzögerung und in der Verteidigung eingesetzt werden. Hierbei ist es ihre Aufgabe, dem vorrückenden Feind durch Fortsetzung des Gefechts möglichst hohe Verluste beizubringen und eventuell durch Gegenangriffe in Flanke und Rücken wieder die Initiative zu gewinnen. Hauptwaffe der Panzertruppe ist der Kampfpanzer, der sich durch Feuerkraft, Panzerung und Beweglichkeit auszeichnet. Mit den Panzern können kleinere Gewässer, auch in kurzer Unterwasserfahrt, durchwatet werden. Die Panzerbesatzung, bestehend aus Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze und Fahrer, kann bei widrigen Wetterbedingungen und in der Nacht durch Einsatz moderner Zieleinrichtungen den Feuerkampf weiterführen. Die Panzertruppe galt seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Endphase des Kalten Kriegs als die im Kriegsfall entscheidende Truppengattung.[1] In den laufenden Auslandseinsätzen der Bundeswehr spielt die Panzertruppe eine gegenüber dem Kalten Krieg nur noch kleine Rolle. Die großen logistischen Herausforderungen für den Transport und den Betrieb der Kampfpanzer, sowie die aufgrund ihres hohes Gewichts und Größe herabgesetzte Mobilität in den Einsatzländern führten dazu, dass heute leichtere Fahrzeuge und Infanterie eine größere Bedeutung als im Kalten Krieg erhalten haben.

Geschichte[Bearbeiten]

Kampfpanzer M47 der ersten Ausstattung 1959
Herbstmanöver 1958 der Bundeswehr im Westerwald
Drei Generationen
Kampfpanzer M 48 A2C
Kampfpanzer Leopard 1A2
Kampfpanzer Leopard 2A4

Nachdem der Aufbau Mitte der 1960er Jahre fast vollständig abgeschlossen war, verfügte die Bundeswehr über die folgenden Panzerverbände:

  • 6 Panzerdivisionen und 4 Panzergrenadierdivisionen mit
    • 16 Panzerbrigaden zu je 2 Panzerbataillonen und je 1 Panzerjägerkompanie
    • 14 Panzergrenadierbrigaden zu je 1 Panzerbataillon und je 1 Panzerjägerkompanie
  • 1 Gebirgsdivision mit
    • 4 Panzerbataillonen und 2 Panzerjägerkompanien
  • 2 selbstständige Panzerregimenter bei den Korpstruppen (geplantes Panzerregiment 300 des III. Korps wurde nicht aktiviert)
  • sowie Panzerbataillone der Heimatschutzbrigaden des Territorial Heeres
  • insgesamt 51 Panzerbataillone

Bis zur Heeresstruktur II hatte jede Kompanie drei Züge mit je fünf Panzern, zuzüglich der Panzer des Kompaniechefs und ein Umsteigefahrzeug. Die Anzahl der Panzerfahrzeuge wurde später verringert. Der Bataillonsstab verfügte über drei weitere Fahrzeuge bei der Stabs- und Versorgungskompanie – je eines für den Kommandeur und den stellvertretenden Kommandeur sowie ein Umsteigefahrzeug. Ein Bataillon besaß also 54 Kampfpanzer. Insgesamt standen der Bundeswehr bis in die 1990er Jahre etwa 2800 Panzerkampffahrzeuge Leopard 1 und M 48 sowie etwa 970 Jagdpanzer zur Verfügung. Anfang der 1980er Jahre wurden weitere 17 Panzerbataillone als gemischte Verbände (Panzer/Panzergrenadiere) aufgestellt. Sie trugen in ihrer Verbandsnummer jeweils eine 1 am Ende, eine Ziffernkombination, die bis dahin nicht vergeben worden war. Eine Ausnahme bildete nur das Gebirgs-Panzerbataillon 8. Zusätzlich zur Aufstellung kamen zwölf Panzerbataillone der Heimatschutzbrigaden, die jedoch nur teilaktiv und teilmobil (Ist-Bestand ca. 60 %) waren.

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Ausbildung und Weiterentwicklung der Panzertruppe erfolgt im Wesentlichen am Ausbildungszentrum Panzertruppen in Munster. Das Ausbildungszentrum Panzertruppen ist Teil des Ausbildungszentrums Munster, dessen Kommandeur gleichzeitig General der Panzertruppen ist. Der General der Panzertruppen ist verantwortlich für die Ausbildung und Weiterentwicklung der Panzertruppen.

Organisation[Bearbeiten]

Einordnung[Bearbeiten]

Die Panzertruppe im Heer war immer eine eigene Truppengattung. Bis 2005 bildete die Panzertruppe mit der Panzergrenadiertruppe (vor 1995 noch Teil der Infanterie), der Panzeraufklärungstruppe und der Panzerjägertruppe den Truppengattungsverbund Gepanzerte Kampftruppen. Seit 2005 bildet die Panzertruppe mit der Panzergrenadiertruppe den Truppengattungsverbund Panzertruppen. Die Panzertruppen zählen zu den Kampftruppen der Bundeswehr.

Aktive Truppenteile[Bearbeiten]

Im deutschen Heer werden zukünftig in der Heeresstruktur „HEER2011“ noch zwei Divisionen mit drei Brigaden als Panzerdivision bzw. Panzerbrigade bezeichnet. Seit dem Sommer 2008 besitzt die Bundeswehr folgende sechs Panzerbataillone:

Bezeichnung Ort Verband Kräftekategorie Bemerkung
Internes Verbandsabzeichen des Panzerbataillons 33 Panzerbataillon 33 Neustadt am Rübenberge Panzerlehrbrigade 9 Eingreifkräfte wird in PzGrenBtl 33 umgewandelt
Internes Verbandsabzeichen des Panzerlehrbataillons 93 Panzerlehrbataillon 93 Munster Panzerlehrbrigade 9 Eingreifkräfte
Internes Verbandsabzeichen des Panzerbataillons 104 Panzerbataillon 104 Pfreimd Panzerbrigade 12 Stabilisierungskräfte
Internes Verbandsabzeichen des Panzerbataillons 203 Panzerbataillon 203 Augustdorf Panzerbrigade 21 Eingreifkräfte
Internes Verbandsabzeichen des Panzerbataillons 393 Panzerbataillon 393 Bad Frankenhausen Panzergrenadierbrigade 37 Stabilisierungskräfte bis Mitte 2014 Bad Salzungen[2]
Internes Verbandsabzeichen  des Panzerbataillons 413 Panzerbataillon 413 Torgelow Panzergrenadierbrigade 41 Stabilisierungskräfte wird in JgBtl 413 umgewandelt

Teilaktive Truppenteile[Bearbeiten]

Folgende teilaktive Bataillone sind ausgeplant:

Bezeichnung Ort Verband Status Bemerkung
GebPzBtl 8.png GebPzBtl 8 Pfreimd Panzerbrigade 12 teilaktiv Neuaufstellung Gebirgspanzerbataillon 8 zum 20. September 2014 in Pfreimd geplant. Das Bataillon steht in der Traditionslinie des früheren GebPzBtl 8 in Kirchham vormals Pocking. Wie sein Vorgänger handelt es sich um ein „reguläres“ Panzerbataillon ohne besondere Befähigung für den Gebirgskrieg. Das Bataillon ist teilaktiv, so dass nur zwei der vier Kompanien aktiv in Dienst stehen. Diese beiden Kompanien unterstehen dabei organisatorisch im Frieden den PzBtl 104 (3./GebPzBtl 8) und 393 (4./GebPzBtl 8). Die 4./GebPzBtl liegt nicht wie die anderen Kompanien in Pfreimd sondern in Bad Frankenhausen.[3]

Außer Dienst gestellte Truppenteile[Bearbeiten]

Ausrüstung[Bearbeiten]

Hauptwaffensysteme[Bearbeiten]

Das Hauptwaffensystem der Panzertruppe ist der Kampfpanzer Leopard 2. Die Bundeswehr verfügt (Stand 2005) über rund 125 Kampfpanzer des Typs Leopard 2A5 (für zwei Bataillone der Stabilisierungskräfte) sowie rund 155 des Typs 2A6 zzgl. 70 mit Minenschutz des Typs 2A6M für die drei Panzerbataillone der Division Eingreifkräfte (1. Panzerdivision) sowie für ein weiteres Bataillon der Stabilisierungskräfte. Zu Erprobungs- und Ausbildungszwecken stehen außerdem etwa 50 ältere Leopard 2A4 bereit.

Jedes Bataillon führt äquivalent zur Verteilung der Schützenpanzer im Panzergrenadierbataillon insgesamt 44 Kampfpanzer (vier pro Zug, je Kompanie drei Züge sowie zwei je Kompanieführungsgruppe in den drei Kompanien und zwei weitere für die Bataillonsführung).

Uniform[Bearbeiten]

Die Waffenfarbe der Panzertruppe, gezeigt beispielsweise als Farbe der Litzen und Kragenspiegel, ist Rosa. Das Barett ist schwarz und wird häufig auch im Gefechtsdienst getragen. Das Barettabzeichen der Panzertruppe zeigt einen stilisierten Kampfpanzer in einem Kranz aus Eichenlaub, abgeleitet vom Panzerkampfabzeichen der ehemaligen deutschen Wehrmacht. Die aufgelöste Panzerjägertruppe unterschied sich in dieser Hinsicht nur durch ein anderes Barettabzeichen von der Panzertruppe. Panzerbesatzungen tragen statt Feldhose und Feldbluse eine einteilige Panzerkombination.

Taktisches Zeichen[Bearbeiten]

Taktisches Zeichen der Panzertruppe in der NATO ist das liegende Oval, das eine stilisierte, umlaufende Panzerkette verkörpert.

Dienstgradbezeichnungen[Bearbeiten]

Niedrigster Dienstgrad in Truppenteilen der Panzertruppe ist der Panzerschütze. Er entspricht dem Dienstgrad Schütze, Funker, Panzergrenadier, usw. (→ vgl. hier) anderer Truppengattungen. Die übrigen Dienstgrade entsprechen den allgemeinen Dienstgraden der Bundeswehr. Soldaten im niedrigsten Dienstgrad in Truppenteilen der früheren Panzeraufklärungstruppe führten ebenfalls den Dienstgrad Panzerschütze.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Panzertruppe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Formationen der Panzertruppe. Bundesarchiv, abgerufen am 14. Oktober 2010.
  2. mö: Bundeswehr: Panzerbataillon verlässt jetzt Bad Salzungen. In: insuedthueringen.de. Suhler Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 3. Februar 2014, abgerufen am 30. August 2014.
  3. Pressestelle Panzerbrigade 12: Reservisten für Neuaufstellung des Gebirgspanzerbataillons 8 gesucht. Bundesministerium der Verteidigung, der Leiter des Presse- und Informationsstabes, 31. Juli 2014, abgerufen am 19. August 2014.
  4. a b Die äquivalenten, ranghöheren und rangniedrigeren Dienstgrade sind im Sinne der ZDv 14/5 B 185 angegeben, vgl.  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz). Die in der Infobox dargestellte Reihenfolge der Dienstgrade entspricht nicht notwendigerweise einer der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen regelmäßig durchlaufenen Dienstgradabfolgen und auch nicht notwendigerweise der in der Vorgesetztenverordnung beschriebenen Dienstgradhierarchie im Sinne eines Vorgesetztenverhältnisses).