Papagoit

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Papagoit
Papagoite-k-152b.jpg
Papagoit aus der Sinclair Mine, Karas, Namibia
Chemische Formel

Ca2Cu2Al2[(OH)6|Si4O12][1]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.CE.05 (8. Auflage: VIII/E.06) nach Strunz
60.01.04.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch 2/m[2]
Farbe Himmelblau
Strichfarbe Hellblau
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) 3,25
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit deutlich nach {100}
Habitus tafelige, blättrige Kristalle; mikrokristalline, radialstrahlige Aggregate; Einschlüsse in Quarz
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,607 ; nβ = 1,641 ; nγ = 1,672[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,065[3]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 78°, berechnet: 84°[3]

Das Mineral Papagoit ist ein sehr seltenes Ringsilikat mit der chemischen Zusammensetzung Ca2Cu2Al2[(OH)6|Si4O12][1]. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist geringfügig nach {100} abgeflachte, himmelblaue Kristalle von bis etwa drei Millimeter Größe. Häufiger sind aber blättrige oder mikrokristalline, radialstrahlige Aggregaten und krustige Überzüge oder Inklusionen in Quarz.

Mit einer Mohshärte von 5 bis 5,5 gehört der Papagoit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Apatit mit dem Messer noch ritzen lassen. Sichtbare Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Papagoit in der „New Cornelia Mine“ (auch Ajo Mine) bei Ajo im Pima County im US-Bundesstaat Arizona und beschrieben 1960 durch C. Osborne Hutton und Angelina C. Vlisidis, die das Mineral nach den im Fundgebiet lebenden Tohono O’Odham (spanisch: Papago).

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Papagoit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Ringsilikate (Cyclosilikate)“, wo er zusammen mit Ashburtonit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Papagoit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Art der Silikatringbildung und der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau und seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „[Si4O12]8 – Vierer-Einfachringe ohne inselartige, komplexe Anionen“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.CE.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Papagoit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ringsilikate: Viererringe“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 60.01.04 innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Viererringe als Titanosilikate“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Papagoit als Einschluss (Inklusion) in Quarz aus der „Messina Mine“, Musina, Limpopo, Südafrika

Papagoit bildet sich als Sekundärmineral in kleinen Äderchen innerhalb von Granodiorit-Porphyren, meist in Paragenese mit Ajoit, Aurichalcit, Baryt, Quarz und Shattuckit.

Insgesamt konnte Papagoit bisher (Stand: 2011) an 7 Fundorten nachgewiesen werden. Außer der Typlokalität „New Cornelia Mine“ (Ajo Mine) bei Ajo in den USA sind dies noch die „Sinclair Mine“ in der Region Karas in Namibia, Košice in der Ostslowakei sowie die „Messina Mine“ (Musina Mine) und die Umgebung von Musina in Südafrika.[3]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Papagoit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 12,93 Å; b = 11,50 Å; c = 4,70 Å und β = 100,8° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
  2. Webmineral - Papagoite (englisch)
  3. a b c d Mindat - Papagoite (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Osborne Hutton und Angelina C. Vlisidis: Papagoite, a new copper-bearing mineral from Ajo, Arizona, in: The American Mineralogist, Vol. 45, May-June 1960 (PDF 772,3 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Papagoite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien