Papillon (Buch)

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Papillon ist der erste von zwei Romanen des französischen Schriftstellers Henri Charrière, der wegen Totschlages zu lebenslanger Zwangsarbeit in Französisch-Guayana verurteilt worden war. In dem 1970 erstveröffentlichten Buch, das autobiografische Elemente, historische Fakten und Fiktion miteinander verbindet, schildert er seine Gefangenschaft in Französisch-Guayana, unter anderem auf der Teufelsinsel, und seine zahlreichen Fluchtversuche.

Inhalt[Bearbeiten]

Charrière (Spitzname Papillon) wurde wegen Mordes verurteilt. Er beteuert stets seine Unschuld, ohne diese nachweisen zu können. Noch im Gefängnis in Paris freundet er sich mit dem Fälscher Louis Dega an, dem es gelungen ist, eine große Summe Geldes mitzunehmen (in einem "Stöpsel", einem im After versteckten Metallzylinder), sowie mit Julot Marteau, der zum zweiten Mal auf dem Weg nach Guayana ist und ihm vom Leben in der Strafkolonie erzählt.

Nach der Ankunft in Französisch-Guayana erfahren alle drei, dass man sie auf die Îles du Salut (drei kleine Inseln vor der Küste, Île Royale, Île St. Joseph und Île du Diable, die Teufelsinsel) schicken wird, die wegen der Haie und der Strömung als ausbruchsicher gelten. Daraufhin täuschen sie Krankheiten vor, um ins Krankenhaus zu kommen. Julot allein gelingt die Flucht. Papillon freundet sich mit Clousiot und Maturette an, und sie planen gemeinsam die Flucht. Dega, der nichts von ihrem Plan hält, beschließt, sein Glück durch den Weg auf die Inseln zu versuchen, was ihm jedoch nicht gelingt.

Clousiot, Maturette und Charrière locken mit einem Trick den Aufseher in den Saal und nehmen ihm die Schlüssel ab. Die Flucht per Boot führt sie über Trinidad und Curaçao nach Kolumbien. Dort werden alle festgenommen und in ein Gefängnis gesteckt. Papillon gelingt nochmals die Flucht in ein Indianergebiet, das zu dieser Zeit weder zu Kolumbien noch zu Venezuela gehört. Dort nimmt er sich zwei indianische Frauen. Nach einem halben Jahr kehrt er nach Kolumbien zurück, wird nach einigen Wochen wieder festgenommen und mit seinen Kollegen an Frankreich ausgeliefert.

Er wird auf die Insel St. Joseph (die mittlere der Îles du Salut) verbannt, wo er zwei Jahre schwere Einzelhaft verbüßen muss. Dann kommt er auf die Île Royale (die größte Insel der Îles du Salut). Nach weiteren Fluchtversuchen und dem Mord an einem Mithäftling, der seine Fluchtpläne auffliegen ließ, wird er zu acht Jahren Einzelhaft verurteilt: drei für den Fluchtversuch, fünf wegen Mordes. Das relativ milde Strafmaß für den Mord erklärt sich durch die Aussage mehrerer Zeugen, der andere habe zuerst zum Messer gegriffen. In der Einzelhaft begehen viele Insassen Selbstmord oder erkranken an Skorbut. Nachdem ein höheres Regierungsmitglied bei seinem Besuch Anstoß an diesen Zuständen nimmt, wird wöchentlich ein Ausgang ermöglicht. Bei einem dieser Ausgänge versucht Papillon, die Tochter eines Gefängniswärters vor dem Ertrinken zu retten. Daraufhin wird er nach anderthalb Jahren aus der Einzelhaft entlassen.

Wieder plant er die Flucht. Ein Freund schlägt ihm einen Plan vor: Charrière spielt den Verrückten und wird in das Krankenhaus auf der Île St. Joseph gebracht, in dem dieser Freund arbeitet. Gemeinsam versuchen sie eines Nachts zu fliehen. Doch das Meer ist zu unruhig, Charrière gelangt wieder an Land, aber sein Freund ertrinkt. Charrière wird auf die Teufelsinsel gebracht.

Mitte der 1940er flieht er, wieder in Begleitung eines Freundes, der allerdings im Sumpf vor der guyanischen Küste umkommt, über Britisch-Guayana nach Venezuela. Dort wird er für kurze Zeit in einem Arbeitslager interniert. Das Buch endet mit seiner Freilassung aus dem Gefangenenlager.

Fortsetzung[Bearbeiten]

Nach dem großen Erfolg von Papillon veröffentlichte Charrière kurz darauf den Roman Banco, der von den Geschehnissen nach der Freilassung und vor der Verurteilung berichtet.

Verfilmung[Bearbeiten]

Das Buch wurde 1973 mit Steve McQueen und Dustin Hoffman verfilmt (siehe Papillon (Film)).

Der Film weicht allerdings in folgenden Punkten ab:

  1. wurde er im Film nach einem Fluchtversuch und nicht nach der ersten großen Flucht (die fast ein Jahr dauerte) für zwei Jahre inhaftiert,
  2. wurde er im Film nur wegen eines Fluchtversuchs zu den weiteren fünf Jahren Einzelhaft verurteilt und nicht wegen Mordes,
  3. im Buch musste er die fünf Jahre nicht zur Gänze absitzen (siehe oben),
  4. im Buch hat ihn im Gegensatz zum Film sein Freund Louis Dega (im Film: Dustin Hoffman) nicht ein einziges Mal auf einem Fluchtversuch begleitet, auch wenn die beiden zusammen die Flucht geplant hatten (Dega hielt Charrières Plan für zu riskant),
  5. im Buch hat Louis Dega seine Strafe komplett auf der Île Royale abgesessen und war nie auf der Teufelsinsel,
  6. im Buch wurde der Flüchtling Julot (genannt L’homme au marteau) nicht auf der Flucht ermordet, ihm gelang die Flucht und Charrière sah ihn Jahre später durch einen Zufall wieder,
  7. im Buch war Charrière nie im Camp Kilo 40 oder in einem anderen Arbeitslager auf dem Festland,
  8. der Film endet mit der Flucht von der Teufelsinsel, womit ungefähr ein Fünftel des Romans weggelassen wurde.

Hörbuch[Bearbeiten]

Am 14. Februar 2011 erschien ein von Oliver Rohrbeck eingelesenes Hörbuch.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Wahrheitsgehalt der Geschichte war Gegenstand vieler Kontroversen. Nach französischen Behördenaufzeichnungen und Recherchen von Journalisten waren viele der beschriebenen Ereignisse vermutlich erfunden. Andere hatten zwar stattgefunden, waren jedoch Erlebnisse von Mitgefangenen Charrières wie z.B. Charles Brunier.[1]

Im Jahre 1971 bearbeitete der Meeresforscher Hans Hass den Stoff des Buches in einem Fernsehfilm. Er zeigte, dass die beschriebene Flucht auf einem mit Kokosnüssen gefüllten Floß prinzipiell möglich war.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Papillon alive and well in a Paris retirement home".Mail & Guardian. - June 26, 2005.
  2. Die Teufelsinsel (ARD, ORF, 1972, ca. 44 min, Color). 2008 auf DVD erschienen.