Paralympische Spiele

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IPC Logo

Die Paralympischen Spiele, auch Paralympics (engl. [ˌpærəˈlɪmpɪks]) genannt, sind die Olympischen Spiele für Sportler mit Behinderung. Die ersten Sportspiele für Rollstuhlfahrer fanden 1948 parallel zu den Olympischen Sommerspielen statt, seit 1960 werden die Weltspiele für Behinderte regelmäßig ausgetragen und seit 1992 sind die Paralympischen Spiele organisatorisch mit den Olympischen Sommerspielen verbunden und finden jeweils drei Wochen danach am gleichen Ort statt. Die ersten Paralympischen Winterspiele fanden 1976 in Schweden statt. Nicht zu den Paralympics gehören die Deaflympics für Gehörlose und die Special Olympics für Menschen mit kognitiver Behinderung.

Der Begriff „Paralympics“[Bearbeiten]

Der Begriff „Paralympics“ wurde zunächst als Zusammensetzung der Wörter Paraplegic (engl.: gelähmt) und Olympic geschaffen. Um auch die Zugehörigkeit von Menschen mit anderen Behinderungsarten zu repräsentieren, wurde der Begriff neu definiert und wird jetzt auf die griechischen Worte Para (neben) und Olympics zurückgeführt, um die Nähe zur olympischen Bewegung und das Nebeneinander der Spiele auszudrücken.[1] Er wird offiziell zum ersten Mal 1988 bei den Olympischen Spielen in Korea verwendet. Vorher sprach man von „Weltspielen der Gelähmten“, „Olympiade der Behinderten“ oder „Weltspielen der Behinderten“.

Öffentliches Interesse[Bearbeiten]

Die Paralympics standen viele Jahre lang im Verhältnis zu den Olympischen Spielen weit weniger in der öffentlichen Wahrnehmung; die Medien berichteten oft nur von einzelnen Leistungen. Live-Übertragungen der zahlreichen Veranstaltungen fanden nur einen sehr kleinen Interessentenkreis und werden – wenn überhaupt – der Nachfrage entsprechend an untergeordneten Sendeplätzen bzw. Sendezeiten ausgestrahlt. Die Paralympischen Spiele 2012 in London wurden in Deutschland medial stark beachtet und mit zahlreichen Übertragungen auch zu den Hauptsendezeiten den Olympischen Spielen angenähert.

Geschichte[Bearbeiten]

1948 begannen in Aylesbury (England) die ersten Sportspiele für Rollstuhlfahrer, die sogenannten Stoke Mandeville Games, am selben Tag wie die Olympischen Spiele von London. Der deutschstämmige Neurologe Sir Ludwig Guttmann hatte sie initiiert, um die Wettkämpfe der Behinderten mit den Spielen der Nichtbehinderten zu verbinden. An den Stoke Mandeville Games nahmen 14 kriegsversehrte Männer und Frauen mit Rückenmarksverletzungen teil. Die Teilnehmer maßen ihre Fertigkeiten im Bogenschießen.[2]

1960 fanden die ersten „Weltspiele der Gelähmten“ in Rom statt, aber nicht mehr parallel zu den Olympischen Sommerspielen, sondern wenige Wochen später. Seitdem finden die Paralympics alle vier Jahre statt, immer im selben Jahr wie die Olympischen Spiele. 1976 kamen auch Paralympische Winterspiele hinzu, die ersten Winter-Paralympics wurden in Schweden ausgetragen.

1984 weigerte sich das kommerzielle Organisationsteam der Olympischen Sommerspiele von Los Angeles, die „International Games for Disabled“ durchzuführen. Begründung war, dass dies „nicht in das professionelle Image der Spiele von LA passe“. Daraufhin bot sich die Chicagoer Vorortgemeinde Champagne an, die Veranstaltung durchzuführen. Wenige Monate vor der geplanten Eröffnungsfeier gab die Gemeinde die Spiele zurück mit der Begründung, es fehlen 100.000 $ zur Deckung der Kosten. Daraufhin wurden die Spiele geteilt. Die Gelähmten trugen ihre Wettkämpfe letztmals im britischen Stoke Mandeville aus. Alle anderen körperlich Behinderten wurden frenetisch von den stolzen Bürgern der New Yorker Long-Island-Gemeinde Hempstead gefeiert. Die dortige Hofstra University sammelte innerhalb von zwei Stunden die benötigten Gelder ein und organisierte die Spiele.

Seit den Sommer-Paralympics 1988 finden die Spiele regelmäßig am selben Ort wie die Olympischen Spiele statt. In einem am 19. Juni 1991 geschlossenen Abkommen zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee und dem IPC wurde diese Praxis für alle Spiele ab den Sommer-Paralympics 1992 festgeschrieben.

Bei den Sommerspielen 1996 kam es jedoch trotz dieser Vereinbarung zu einer Blamage für die USA: Die Organisatoren in Atlanta ließen nach den Olympics die Einrichtungen bereits abbauen, so dass die Paralympics quasi in Ruinen stattfanden.

Seit der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 müssen Städte in ihren Bewerbungen auch die Ausrichtung der Paralympics mit einbeziehen, welche dann vom selben lokalen Organisationskomitee wie die Olympischen Spiele koordiniert werden. Die Paralympics beginnen entsprechend dieser Vereinbarung immer drei Wochen nach Ende der Olympischen Spiele.[3]

Paralympische Symbole[Bearbeiten]

Paralympischer Eid[Bearbeiten]

Der paralympische Eid ist das bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele von einem aktiven Sportler des gastgebenden Landes und einem Kampfrichter abgegebene Versprechen, den Fair-Play/Fairness-Gedanken zu beachten. Seit den Sommer-Paralympics 1972 in Sapporo wird der Eid auch von einem Kampfrichter und seit den Sommer-Paralympics 2012 in London auch von einem Trainer gesprochen. Der Eid unterscheidet sich nicht vom Olympischen Eid, jedoch wird das Wort Olympisch durch Paralympisch ersetzt.

Die aktuelle Fassung lautet:

„Im Namen aller Athleten verspreche ich, dass wir an den Paralympischen Spielen teilnehmen und dabei die gültigen Regeln respektieren und befolgen und uns dabei einem Sport ohne Doping und ohne Drogen verpflichten, im wahren Geist der Sportlichkeit, für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaft.“

Paralympischer Fackellauf[Bearbeiten]

Der paralympische Fackellauf ist eine Eröffnungszeremonie der Paralympischen Spiele in der Neuzeit. Er ist das paralympische Pendant zum olympischen Fackellauf, der seinen Ursprung im olympischen Feuer der griechische Antike; das Feuer wurde zu Ehren der Göttin Hestia entzündet.

Bis 2010 durfte das Gastgeberland die Art und den Ort des Entzündens selbst entscheiden. Seit den Sommer-Paralympics 2012 in London hat sich dies geändert. Seitdem wird die olympische Fackel in Stoke Mandeville, dem Gründungsort der paralympischen Bewegung und dem Austragungsort des Vorgängers der Paralympischen Spiele, entzündet. Zu diesem Zweck wurde dort eine Armillarsphäre gebaut, durch die ein Rollstuhlfahrer Funken erzeugen kann.

Die Fackel des paralympischen Fackellaufs ist baugleich mit der Fackel des olympischen Fackellaufs, jedoch ist der Griff der Fackel himmelblau anstelle von rot.[4]

Austragungsorte[Bearbeiten]

Sommerspiele[Bearbeiten]

Briefmarke der Deutschen Bundespost (1972) zu den Weltspielen der Gelähmten 1972 in Heidelberg

Seit 1988 finden die Paralympischen Sommerspiele am gleichen Austragungsort statt wie die Olympischen Sommerspiele.

Jahr Austragungsort Gastgeber
1960 Rom Italien
1964 Tokio Japan
1968 Tel Aviv Israel
1972 Heidelberg Deutschland
1976 Toronto Kanada
1980 Arnhem Niederlande
1984 Stoke Mandeville & New York Vereinigtes Königreich & USA
1988 Seoul Südkorea
1992 Barcelona Spanien
1996 Atlanta USA
2000 Sydney Australien
2004 Athen Griechenland
2008 Peking Volksrepublik China
2012 London Vereinigtes Königreich
2016 Rio de Janeiro Brasilien
2020 Tokio Japan

Winterspiele[Bearbeiten]

Seit 1992 finden die Paralympischen Winterspiele am gleichen Austragungsort statt wie die Olympischen Winterspiele.

Jahr Austragungsort Gastgeber
1976 Örnsköldsvik Schweden
1980 Geilo Norwegen
1984 Innsbruck Österreich
1988 Innsbruck Österreich
1992 Albertville-Tignes Frankreich
1994 Lillehammer Norwegen
1998 Nagano Japan
2002 Salt Lake City Vereinigte Staaten
2006 Turin Italien
2010 Vancouver Kanada
2014 Sotschi Russland
2018 Pyeongchang Südkorea

IPC[Bearbeiten]

An den Paralympics in Peking 2008 nahmen 4124 Athleten aus 148 Ländern teil, die 472 Wettkämpfe in 20 Sportarten austrugen. Die Verantwortung für die Organisation und Entwicklung der Behinderten-Spiele trägt seit 1989 das Internationale Paralympische Komitee (IPC), das in Düsseldorf gegründet wurde und seinen Sitz jetzt in Bonn hat.

Logos

Bis 1987 führte das IPC das Logo der Olympischen Spiele. Nachdem das IOC auf seine Exklusivrechte auf die olympischen Ringe pochte, musste das IPC auf ein alternatives Logo ausweichen: Fünf Tränen in gleicher Farbe und Anordnung, wie die olympischen Ringe. Später legte das IOC auch gegen dieses Logo Einspruch ein, weil dieses den olympischen Ringen zu sehr ähnelt. Darauf wurde die Zahl der Tränen auf drei verringert. Völlig freiwillig führte das IPC im Jahre 2004 das heutige Logo mit den drei farbigen Bögen ein.

Sportarten[Bearbeiten]

Bei den Paralympischen Sommerspielen treten die Athleten in 22 Sportarten an:

Bei den Paralympischen Winterspielen stehen sechs Sportarten im Programm:[5]

Klassifizierung[Bearbeiten]

Hier werden die Sportler in unterschiedliche Kategorien eingeteilt, die international anerkannt sind („Klassifizierung“). Dabei werden die Art der Behinderung und ihre Auswirkung auf die Ausübung einer jeweiligen Sportart berücksichtigt. Die Klassifizierung ist die Grundlage für faire Wettkämpfe, da sich ähnliche Behinderungen auf die funktionellen Fähigkeiten und Voraussetzungen der Sportler hinsichtlich einer Sportart unterschiedlich auswirken. Bei den einzelnen Sportarten gibt es verschiedene Behinderungsklassen. Aber für alle Sportarten kann man folgende Behinderungsarten unterscheiden:

1. Amputierte

Athleten, denen mindestens ein Hauptgelenk in einem Glied fehlt.

2. Zerebralparese

Athleten, die an einer Beeinträchtigung des Bewegungsablaufes und der Haltung leiden, bedingt durch Schädigungen eines oder mehrerer Steuerzentren im Gehirn.

3. Sehbehinderte

Athleten, die in unterschiedlichem Maße sehbehindert sind bis hin zu völliger Blindheit.

4. Rollstuhlsport

Sportler, die zur Ausübung ihres Sports einen Rollstuhl benutzen. Die Klassifizierung findet in allen Sportarten statt, die Rollstuhlsportler betreiben (Rollstuhlrugby, Leichtathletik, Rollstuhlbasketball, Tischtennis, Rollstuhltennis).

5. Kleinwüchsige

Sportler, die höchstens 1,45 m (Männer) oder 1,37 m (Frauen) groß sind.[6]

6. Les Autres („Die Anderen, alle Übrigen“)

Dieser Begriff umschreibt Athleten mit unterschiedlichen Behinderungen, die den Bewegungsapparat betreffen, die aber in keine der anderen fünf Behinderungsklassen eingeordnet werden können.

Diese Art der Klassifizierung ist nicht zu verwechseln mit der Klassifizierung (Graden) im Reitsport.

Zulassung geistig behinderter Menschen[Bearbeiten]

Zu den Paralympics 2004 in Athen und 2008 in Peking wurden Menschen mit geistiger Behinderung nicht zugelassen, nachdem im Jahr 2000 in Sydney die spanische Basketballmannschaft mehrheitlich mit nicht behinderten Sportlern angetreten war. Insgesamt musste Spanien nach den Paralympics 2000 fünf Goldmedaillen wieder abgeben, da in Sportarten für geistig Behinderte Teilnehmer antraten, die später keine geistige Behinderung nachweisen konnten. Für 2012 in London hat das internationale paralympische Komitee bei der Vollversammlung im November 2009 Menschen mit geistiger Behinderung wieder zugelassen. Dann konnten Sportler mit geistiger Behinderung in der Leichtathletik, beim Tischtennis und beim Schwimmen an den Start gehen.[7]

Weitere Sportwettkämpfe für Menschen mit Behinderung[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • P. David Howe: The Cultural Politics of the Paralympic Movement. Through an Anthropological Lens, Routledge, 2008, ISBN 978-0-415-28887-3
  • Britta Jahnke, Klaus Schüle: Entstehung und Entwicklung der Paralympischen Winterspiele : Örnsköldsvik 1976 bis Turin 2006, Sportverl. Strauß, Köln 2006

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Paralympics – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen über die Geschichte und Namensherkunft auf der Webseite des IPC
  2. Die Anfänge der Paralympics
  3. Infos über das Abkommen zwischen IOC und IPC auf der Webseite des IPC
  4. Alexey Mosko: Paralympische Spiele: Der Fackellauf beginnt. Russia beyond the headlines, 27. Februar 2014, abgerufen am 14. März 2014.
  5. Offizielle Seite des Deutschen Behindertensportverbandes e.V.
  6. IPC Athletics Classification Project for Physical Impairments: Final Report - Stage 1 (PDF)
  7. [1]