Parapoxvirus der Hörnchen

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Parapoxvirus der Hörnchen
Systematik
Reich: Viren
Ordnung: nicht klassifiziert
Familie: Poxviridae
Unterfamilien: Chordopoxvirinae
Gattung: Parapoxvirus
Art: Parapoxvirus der Hörnchen
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: komplex
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Squirrel parapoxvirus (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
SPPV

Das Parapoxvirus der Hörnchen (Squirrel parapoxvirus SPPV oder Squirrel poxvirus SQPV) ist ein bei manchen Arten der Hörnchen (Sciuridae) vorkommendes Virus der Familie Poxviridae. Sein Genom besteht aus einer linearen, doppelsträngigen DNA von etwa 158 kb Länge. Es wurde in die Gattung Parapoxvirus eingruppiert, obwohl einige Unterschiede im Genom möglicherweise eine neue, eigene Gattung rechtfertigen.[1]

Biologische Bedeutung[Bearbeiten]

Das SPPV wird für die starke Abnahme der Tierpopulationen des Roten Europäischen Eichhörnchens (Sciurus vulgaris) in Schottland verantwortlich gemacht. Das Virus verursacht in dieser Spezies eine gefährliche generalisierte Erkrankung, während es beim nicht einheimischen, jedoch vom Menschen eingebrachten Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) eine chronisch persistierende Infektion, jedoch keine Erkrankung hervorruft.[2] Das SPPV wurde sehr wahrscheinlich durch dieses nordamerikanischen Grauhörnchen in die einheimische Hörnchenpopulation verbracht.[3] Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und manifestiert sich in einer erythematösen, nässenden Dermatitis mit einzelnen, ulzerierenden und blutigen Hautläsionen; diese können auch die Augen betreffen. Dieses bis mehrere Wochen andauernde Stadium ist durch geringe Nahrungsaufnahme und erheblichen Gewichtsverlust charakterisiert. Der Tod kann durch eine Sepsis oder eine erhebliche Schwächung durch Nahrungsmangel im natürlichen Umfeld eintreten, dies betrifft besonders die wichtige Zeit vor dem Winterschlaf.

Zur Eindämmung einer weiteren Ausbreitung des SPPV in der europäischen Eichhörnchenpopulation, werden seit 2007 Keulungen der nicht-einheimischen Grauhörnchen in Schottland durchgeführt.

Quellen[Bearbeiten]

  • R. M. Buller et al.: Genus Parapoxvirus. In: C. M. Fauquet, M. A. Mayo et al.: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses. London, San Diego 2005, S. 123f ISBN 0-12-249951-4
  • I. K. Damon: Poxviruses. In: David M. Knipe, Peter M. Howley (eds.-in-chief): Fields’ Virology. 5. Auflage, 2 Bände Philadelphia 2007, Band 2, S. 2961 ISBN 0-7817-6060-7
  • C. J. McInnes et al.: Genomic characterization of a novel poxvirus contributing to the decline of the red squirrel (Sciurus vulgaris) in the UK. J. Gen. Virol. (2006) 87(Pt 8): S. 2115-2125 PMID 16847106

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. K. Thomas et al.: A novel poxvirus lethal to red squirrels (Sciurus vulgaris). J. Gen. Virol. (2003) 84(Pt 12): S. 3337-3341 PMID 14645914
  2. A. W. Sainsbury et al.: Grey squirrels have high seroprevalence to a parapoxvirus associated with deaths in red squirrels. Anim. Conserv. (2000) 3, 229–233
  3. D. M. Tompkins et al.: Parapoxvirus causes a deleterious disease in red squirrels associated with UK population declines. Proc. Biol. Sci. (2002) 269(1490): S. 529-533 PMID 11886647, PMC 1690913 (freier Volltext)

Weblinks[Bearbeiten]