Parchim-Klasse

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Projekt 133.1
Indonesische Cut Nyak Dien, ex DDR Lübz, in Málaga, 14. März 1994

Indonesische Cut Nyak Dien, ex DDR Lübz, in Málaga, 14. März 1994

Schiffsdaten
Schiffsart Korvette
Bauwerft Peene-Werft, Wolgast
Gebaute Einheiten 28
Dienstzeit Seit 1981
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
75,2 m (Lüa)
Breite 9,8 m
Tiefgang max. 2,73 m / Sonarunterkante: 4,54 m
Verdrängung Standard: 800 t

maximal: 950 t

 
Besatzung 59 Mann
Maschine
Maschine 3 × M504A-Diesel-Reihensternmotoren
Maschinen-
leistung
3 × 4.750 PS (3.494 kW)
Geschwindigkeit max. 24,7 kn (46 km/h)
Propeller 3
Bewaffnung

Projekt 133.1:

Projekt 133.1M:

Sensoren
  • Funkmesswaffenleitanlage MR 103 mit TV-Zusatzanlage
  • Funkmessanlage 302
  • Funkmessanlage Bison 4 B
  • Flugkörpersteuerungsanlage Nichrom
  • Torpedo-Feuerleitanlage Summer 204A
  • Wasserbomberwaffenleitanlage Burja
  • Sonaranlage MG322
  • Sonaranlage MG329, absenkbar
  • Sonaranlage MG16

Projekt 133.1, von der NATO als Parchim-Klasse bezeichnet, war eine Klasse von U-Jagdschiffen in Korvettengröße, die in der DDR für die Volksmarine und die sowjetische Marine entwickelt wurde. Die Klasse wurde in den 1970er-Jahren auf der Peene-Werft in Wolgast geplant und bis 1989 gebaut. Die Schiffe der DDR wurden 1993 an Indonesien verkauft.

Geschichte[Bearbeiten]

Parchim-Klasse-Schiffe der Bundeswehr

Die Volksmarine übernahm sechzehn Schiffe dieser Klasse. Sie sollten die veralteten Einheiten der Hai-Klasse ersetzen. Die Planungen des Warschauer Pakts für einen Ernstfall im Kalten Krieg sahen für die Volksmarine ausgedehnte Anti-U-Boot-Operationen in Küstengewässern vor. Aus diesem Grund wurden in den 1970er-Jahren diese modernen Schiffe für küstennahe Operationen geplant.

Die Schiffe erhielten eine sowjetische Bewaffnung, zu der unter anderem Sonar-Anlagen und Wasserbombenwerfer gehörten. Ein Kuriosum ist die Ankerauswurfanlage, die wegen Konstruktionsmängeln eingebaut werden musste, da sich die Anker nicht selbstständig vom Schiffskörper lösten.

Insgesamt wurden 28 Schiffe gebaut, 16 für die Volksmarine und 12 für die Baltische Flotte der Sowjetmarine. Alle 16 Schiffe der DDR wurden am 1. Oktober 1990 außer Dienst gestellt. Fünf Schiffe wurden zeitweise von der Bundesmarine erprobt, um dann mit den anderen elf an Indonesien verkauft zu werden.

Die Schiffe der Sowjetmarine erhielten modernere, nicht für den Export zugelassene Waffensysteme und Elektronik und die Bezeichnung Projekt 133.1M. Sie werden von der NATO als Parchim-II-Klasse geführt.

Dienstzeiten bei verschiedenen Marinen:

Technische Daten[Bearbeiten]

Projekt 133.1[Bearbeiten]

  • Elektronik:
    • Funkmesswaffenleitanlage MR 103 Bars mit TV-Zusatzanlage
    • Funkmessanlage MR-302 Rybka (NATO: Strut Curve)
    • Funkmessanlage Bison 4 B
    • Flugkörpersteuerungsanlage Nichrom
    • Torpedo-Feuerleitanlage Summer 204A
    • Wasserbomberwaffenleitanlage Burja
    • Sonaranlage MG322
    • Sonaranlage MG329, absenkbar
    • Sonaranlage MG16
  • Bewaffnung:
    • 1 × 57-mm-Zwillingsgeschütz AK-725
    • 1 × 30-mm-Zwillingsgeschütz AK-230
    • 2 × WABO-Anlage RBU-6000 mit je 12 Rohren für WABO RGB-60
    • 2 × automatische Wasserbombenablaufanlagen
    • 4 × 400-mm-Torpedorohre OTA-40 (2 × doppelte 533-mm-Torpedorohre in den sowjetischen Booten)
    • 2 Starter FASTA 4 mit je 4 Raketen Strela-2 (teilweise Strela-3 bzw. Igla in den sowjetischen Booten)
  • Besatzung: 59

Die Schiffe erhielten drei Diesel-Reihensternmotoren vom Typ Swesda M504. Diese Motoren besaßen sieben Blöcke mit je acht Zylindern. Sie waren wassergekühlt und verfügten über eine Turboverbundaufladung. Die Antriebsleistung lag bei 3 × 3495 kW (4750 PS). Die maximale Umdrehungszahl betrug 1950 Umdrehungen pro Minute. Diese Motoren waren relativ kostenintensiv und hatten das Manko, dass sie sich in niedriger Drehzahl zu schnell erhitzten und bereits sehr schnell Risse im Motorenblock zeigten.

Projekt 133.1M[Bearbeiten]

Projekt-133.1M-Schiff MPK-205 der russischen Marine

Die Schiffe für die Sowjetunion erhielten eine modifizierte Bewaffnung. Der 57-mm-AK-725-Geschützturm am Heck wurde hier durch den 76-mm-L/60-AK-176M-Turm ersetzt, der Platz der AK-230-Flugabwehrmaschinekanone mit ihren beiden 30-mm-L/63-Rohren auf dem Vorschiff wurde hier vom sechsrohrigen AK-630M-System eingenommen. Die 40-cm-Torpedorohre wurden durch zwei 53,3-cm-Zwillingsrohre ersetzt.

Um das Feuer des AK-176-Geschützturms und der AK-630M-Kanone über Radar lenken zu können, wurde der Sensor MR-123 „Wympel“-System (russisch МР-123 „Вымпел“) (NATO: „Bass Tilt“) auf den Aufbau auf dem Achterschiff gesetzt.

Das Hauptradar zur Suche nach Luft-Oberflächenkontakten war hier das MR-352 „Positiw“ (NATO: „Cross Dome“), das auf dem Hauptmast unter einer Abdeckung installiert wurde.

Die Wasserverdrängung änderte sich hier auf 865 Tonnen Standard und 935 Tonnen maximal.

Geschwader DDR[Bearbeiten]

1. Sicherungsbrigade
Standort Peenemünde

  • Angermünde (Bord Nr. 214)
  • Bergen (Bord Nr. 213)
  • Gadebusch (Bord Nr. 211)
  • Grevesmühlen (Bord Nr. 212)

Standort Saßnitz

  • Ludwigslust (Bord Nr. 232)
  • Prenzlau (Bord Nr. 231)
  • Ribnitz-Damgarten (Bord Nr. 233)
  • Teterow (Bord-Nr. 234)

KSS-Brigade Warnemünde

  • Bad Doberan (Bord Nr. 222)
  • Bützow (Bord Nr. 244)
  • Güstrow (Bord Nr. 223)
  • Lübz (Bord Nr. 221)
  • Parchim (Bord Nr. 242)
  • Perleberg (Bord Nr. 243)
  • Waren (Bord Nr. 224)
  • Wismar (Bord Nr. 241)

Einheiten[Bearbeiten]

Projekt 133.1

Name DDR (Nr.) Name Indonesien (Nr.) Stapellauf
Angermünde (214) Lambung Mangkurat (374) 1985
Bad Doberan (222) Sultan Thaha Syaifuddin (376) 1982
Bergen (213) Tjiptadi (381) 1985
Bützow (244) Memet Sastrawiria (380) 1981
Gadebusch (211) Silas Papare (386) 1984
Grevesmühlen (212) Teuku Umar (385) 1983
Güstrow (223) Hasan Basry (382) 1982
Ludwigslust (232) Pati Unus (384) 1983
Lübz (221) Tjut Nya Dhien (375) 1982
Parchim (Rumpfnr. 42 Bord Nr. 242) Sutedi Senpoputra (378) 1981
Perleberg (243) Wiratno (379) 1981
Prenzlau (231) Kapitan Patimura (371) 1983
Ribnitz-Damgarten (233) Untung Suropati (372) 1983
Teterow (234) Iman Bonjol (383) 1983
Waren (224) Nuku (373) 1982
Wismar (241) Sutanto (377) 1981

Projekt 133.1M[1]

Schiffsnummer Name UdSSR Name Russland In Dienst
301 MPK-67 1987
255 MPK-99 Selenodolsk 1987
245 MPK-105 1988
247 MPK-192 Urengoi 1986
311 MPK-205 Kasanez 1986
222 MPK-213 1988
258 MPK-216 1988
209 MPK-219 1988
218 MPK-224 Alexin 1989
233 MPK-227 Junga 1989
244 MPK-228 Baschkortostan 1989
232 MPK-229 Kalmykija 1990

Siehe auch[Bearbeiten]

Belege und Verweise[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. nach www.worldwarships.com

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Mehl, Knut Schafer: Die Seestreitkräfte der NVA. Motorbuchverlag, ISBN 3-613-02406-3 (deutsch)
  • Юрий В. Апальков: Корабли ВМФ СССР. Том 3. Противолодочные корабли. Часть 2. Малые противолодочные корабли (etwa: Juri W. Apalkow: Schiffe der Sowjetischen Marine. – Teil III „U-Jagd-Schiffe“ Abschnitt 2 „Kleine-U-Jagd-Schiffe“). Galea Print, 2005, ISBN 5-8172-0095-3 (russisch).
  • Olaf Rahardt: SCHIFF-Profile Heft 6, U-Jagdkorvetten der PARCHIM-Klasse. Unitec-Medienvertrieb, Stengelheim (deutsch)
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1947–1995. S. 135 f., S. 395 (englisch).
  • Norman Polmar: The Naval Institute guide to the Soviet Navy. Naval Institute Press, 1991, ISBN 0-87021-241-9, S. 181 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Parchim-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien