Pardofelis

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Pardofelis
Zeichnung einer Marmorkatze (Pardofelis marmorata).[1]

Zeichnung einer Marmorkatze (Pardofelis marmorata).[1]

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
Gattung: Pardofelis
Wissenschaftlicher Name
Pardofelis
Sewerzow, 1858

Pardofelis ist eine Gattung mittelgroßer Katzen Südostasiens, die drei Arten umfasst: die Marmorkatze (Pardofelis marmorata), die Borneo-Goldkatze (Pardofelis badia) und die Asiatische Goldkatze (Pardofelis temminckii). Die heutige Abgrenzung der Gattung geht auf molekularbiologische Untersuchungen zurück.[2]

Merkmale[Bearbeiten]

Als der britische Zoologe Reginald Innes Pocock im Jahr 1917 die taxonomische Bestimmung von Pardofelis anerkannte, ordnete er der Gattung neben der Marmorkatze auch die Borneo-Goldkatze zu, da ihre Schädel ähnliche Merkmale aufweisen.[3] Er beschrieb die Marmorkatze als die Typusart dieser Gattung, die sich von der Gattung Prionailurus durch einen kurzen, breiten Schädel unterscheidet, der im rückseitigen Profil ausgesprochen konvex ist; die Nasenpartie ist schmal und die Kuppe der Schnauze oben nicht zusammengedrückt; der Oberkiefer ist dort, wo er an das Nasenbein angrenzt, nicht ausgedehnt, und entwickelt außerhalb des suborbitalen Foramens keinen Auswuchs.[4]

Da der heutige Umfang der Gattung auf molekularbiologische Untersuchungen zurückgeht, liegt derzeit noch keine klassische Beschreibung phänotypischer Gattungsmerkmale vor. Die drei Arten der Gattung sind mittelgroße Katzen, wobei sich die Asiatische Goldkatze und die kleinere Borneo-Goldkatze durch ihre rotgoldene Fellfärbung und Gesichtszeichnung ähneln, während die Marmorkatze in ihrer Fellfärbung dem Nebelparder (Neofelis nebulosa) ähnelt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Asiatische Goldkatze und die Marmorkatze kommen in Hinterindien, im östlichen Himalaya und auf Sumatra vor, die Asiatische Goldkatze außerdem in Südchina. Auf Borneo kommen die Marmorkatze und die Borneo-Goldkatze vor.

Lebensweise[Bearbeiten]

Alle drei Arten bewohnen Wälder und ernähren sich wahrscheinlich hauptsächlich von kleinen Säugetieren, die Asiatische Goldkatze als größte Art auch von kleinen Huftieren. Insgesamt ist über ihre Lebensweise aber wenig bekannt.

Systematische Geschichte[Bearbeiten]

Die Gattung Pardofelis wurde 1858 von dem russischen Naturwissenschaftler Nikolai Alexejewitsch Sewerzow zur Klassifizierung der Marmorkatze vorgeschlagen, die William Charles Linnaeus Martin 1837 als Felis marmorata aus den Regenwäldern Südostasiens beschrieben hatte.[5]

Der britische Zoologe Reginald Innes Pocock erkannte 1917 die taxonomische Bestimmung von Pardofelis an und ordnete der Gattung die Borneo-Goldkatze als Pardofelis badia zu, da er die beiden Arten für verwandt hielt.[3] Im Jahr 1939 beschrieb er die Gattung Pardofelis auf der Grundlage von Schädeln und Fellen, die aus Java, Sumatra, Darjeeling und Sikkim stammten und nahm an, dass Pardofelis marmorata auch im Osten des Himalaya sowie in Assam, Burma, auf der Malaiischen Halbinsel und in Annam vorkommt.[4]

Bis 2006 war die taxonomische Klassifizierung von Pardofelis als monotypische Gattung weithin anerkannt.[6]

Genetische Analysen, die zum Beginn des 21. Jahrhunderts durchgeführt wurden, ließen eine nahe Verwandtschaft mit der Borneo-Goldkatze (Pardofelis badia) und der Asiatischen Goldkatze (Pardofelis temminckii) erkennen. Alle drei Arten entwickelten sich von den anderen Katzen vor etwa 9,4 Millionen Jahren auseinander. Aufgrund ihrer Ergebnisse empfahlen die Wissenschaftler, sie der Gattung Pardofelis zuzuordnen. Diese bildet innerhalb der Kleinkatzen die Schwestergruppe zu allen anderen Gattungen.[2] Diese Empfehlung ist mittlerweile von den Mitgliedern der IUCN Cat Specialist Group akzeptiert worden.[7][8]

Literatur[Bearbeiten]

  •  David W. Macdonald, Andrew J. Loveridge: The Biology and Conservation of Wild Felids. Oxford Univ Press, 2010, ISBN 978-0199234448, S. 26-28.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pardofelis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lydekker, R. (1896) A handbook to the Carnivora : part 1 : Cats, Civets, and Mongooses. Edward Lloyd Limited, London
  2. a b Johnson, W. E., Eizirik, E., Pecon-Slattery, J., Murphy, W. J., Antunes, A., Teeling, E. and O'Brien, S. J. (2006) The late miocene radiation of modern felidae: A genetic assessment. Science 311: S. 73–77
  3. a b Pocock, R. I. (1917) The classification of existing Felidae. The Annals and Magazine of Natural History; zoology, botany, and geology, 8th ser. vol. 20 no. 119: 329–350.
  4. a b Pocock, R. I. (1939) The fauna of British India, including Ceylon and Burma. Mammalia. – Volume 1. Taylor and Francis, London.
  5. Severtzow, M. N. (1858) Notice sur la classification multisériale des Carnivores, spécialement des Félidés, et les études de zoologie générale qui s'y rattachent. Revue et Magasin de Zoologie Pure et Appliquée 2e Série, T. X Séptembre 1858: 385–396
  6. Wozencraft, W. C. (2005) Pardofelis. In: Wilson, D. E., Reeder, D. M. Mammal Species of the World: A Taxonomic and Geographic Reference. Dritte Auflage. Johns Hopkins University Press, 2005. ISBN 978-0801857898
  7. Hearn, A., Sanderson, J., Ross, J., Wilting, A., Sunarto, S. (2008) Pardofelis badia. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.4.
  8. Sanderson, J., Mukherjee, S., Wilting, A., Sunarto, S., Hearn, A., Ross, J., Khan, J.A. (2008) Pardofelis temminckii. In: IUCN 2010. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2010.4.