Parmenides

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Dieser Artikel befasst sich mit dem antiken Philosophen Parmenides. Zu anderen Bedeutungen des Namens siehe Parmenides (Begriffsklärung).
Parmenides in Raffaels Fresko Die Schule von Athen (1510–1511)

Parmenides aus Elea (griechisch Παρμενίδης; * um 520/515 v. Chr.; † um 460/455 v. Chr.) war einer der bedeutendsten griechischen Philosophen. Er wird zu den Vorsokratikern gezählt und lebte in Elea, einer von Griechen gegründeten Stadt in Süditalien.

Leben[Bearbeiten]

Die oben genannten Geburts- und Sterbedaten des Parmenides sind ungesichert. Auch dass er, Plutarch zufolge, in Elea als Gesetzgeber aufgetreten sein soll, kann nicht belegt werden. Antike Quellen geben an, dass Parmenides ein Schüler des Xenophanes sowie der Lehrer des Zenon von Elea und des Melissos war. Auch dafür existieren keine Beweise. Laut Diogenes Laertios soll Parmenides zwar Vorträge des Xenophanes gehört haben, doch dürften eher die Ergebnisse der kritischen Reflexion von dessen Lehre Eingang in das Werk des Parmenides gefunden haben, als dass er dessen Gedanken darin fortführte. Die Meinung, es sei unmöglich, sicheres Wissen zu erlangen, wie sie Xenophanes vertrat, ist für diese Annahme das Hauptargument.

Ein Hinweis auf die Lehrer-Schüler-Verbindung zwischen Parmenides und Zenon wird in Platons Dialog Parmenides gegeben, in welchem Platon Parmenides und Zenon gemeinsam auftreten lässt. Der Verlauf des Dialogs jedoch, in dem Parmenides die Untersuchung seiner Lehre auf dieselbe Art durchführt, die in anderen platonischen Dialogen Sokrates anwendet, sowie der Umstand, dass der Dialog zu Aporien führt, die ungelöst bleiben, lässt die tatsächliche Teilnahme des Parmenides zweifelhaft erscheinen, was auch den Hinweis Platons auf die Verbindung zwischen Parmenides und Zenon zur Spekulation macht.

Gemäß zeitgenössischer Forschung gilt Parmenides ebenfalls als Lehrer von Leukipp.

Werk[Bearbeiten]

Parmenides hat ein einziges, sehr kurzes Werk verfasst. Die Kenntnis dieses Werkes verdanken wir dessen Überlieferung durch den griechischen Philosophen Simplikios.

In der Rezeption wird das Werk als Lehrgedicht bezeichnet und mit dem Titel Über die Natur versehen. Diesbezügliche Autorisationen durch den Verfasser existieren ebenso wenig, wie für die von verschiedenen Interpreten vorgenommene Gliederung der parmenideischen Schrift in die drei Teile: Proömium, Aletheia und Doxa.

Des Weiteren herrscht in der Rezeption die Meinung vor, das Werk des Parmenides sei lediglich in Fragmenten erhalten geblieben, was mit einiger Sicherheit jedoch nur von dem Teil gesagt werden kann, der von verschiedenen Interpreten als Doxa bezeichnet wird.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Werk beginnt mit dem Bericht des Erzählers von einer Reise, die ihn bis vor das Tor führt, durch welches die Pfade von Tag und Nacht verlaufen und das von Dike, der Göttin der Gerechtigkeit, bewacht wird. Nachdem Dike dem Erzähler Einlass gewährt hat, wird er von einer namenlosen Göttin begrüßt, die von nun an allein das Wort führt. Sie erklärt ihm zunächst, dass ihn sein Wandeln fernab von den üblichen Pfaden der Menschen an diesen Ort geführt habe, weshalb sie ihm nunmehr offenbaren werde, was es einerseits über die Wahrheit an Sicherem zu sagen gibt und was andererseits den Sterblichen wahr zu sein scheint. Mit Sicherheit, so fährt die Göttin fort, muss gesagt werden, dass das Seiende (t’eon, ta eonta) ist, das Nicht-Seiende (mê eonta) hingegen nicht. Das Seiende, so Parmenides, sei vollendet und gänzlich unveränderbar. Die Möglichkeit einer Veränderung oder Zerstörung sei undenkbar und somit sei die Annahme irgendeiner Form der Veränderung des Seienden bloße Meinung (doxa) und somit purer Schein, was sie in den Gegensatz einer Erfassung des Seienden durch die Vernunft setzt.

Mit verschiedenen Ansätzen wiederholt die Göttin im Weiteren diese Einsicht und entwirft dabei ein Bild des Seienden als eines unentstandenen, unteilbaren in sich gleichartigen Ganzen, dessen Vollkommenheit mit der einer Kugel verglichen wird. Nachdem die Göttin ihre Rede über die Wahrheit des Seins abgeschlossen hat, folgen einige Sätze zu dem, was in den Meinungen der Menschen wahr zu sein scheint. Aufgrund der Aneinanderreihung dieser Sätze entsteht in der Tat der Eindruck, dass es sich bei ihnen um erhalten gebliebene Bruchstücke einer ursprünglich umfangreicheren Aufzeichnung handelt.

Rezeption[Bearbeiten]

Mit Blick auf den religiösen Kontext von Parmenides’ Werk haben einige Forscher, darunter Alexander P. Mourelatos, Charles H. Kahn und Peter Kingsley, in Deutschland Klaus Heinrich und zuerst Martin Heidegger, die rein philosophische Deutung des Parmenides in Zweifel gezogen. Sie meinen, man habe bislang dem apokalyptischen Kontext zu wenig Beachtung geschenkt, in den Parmenides seine Darlegungen gestellt habe. Daher sei seine Lehre auf eine Weise gedeutet worden, die dem ursprünglichen Werk nicht gerecht werde.

Unbestritten ist der Einfluss des Parmenides auf Platon, über den Parmenides maßgeblich die abendländische Philosophie beeinflusst hat. Platon selbst nennt ihn „unseren Vater Parmenides“ und lässt ihn in seinem Parmenides-Dialog auftreten, wo er sich dialektisch mit Sokrates auseinandersetzt. Im Dialog Theaitetos erklärt Sokrates, Parmenides sei unter allen Weisen der Einzige gewesen, der bestritten habe, dass alles Bewegung und Veränderung sei.

Textausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Hermann Diels: Parmenides. Lehrgedicht. Mit einem neuen Vorwort von Walter Burkert und einer revidierten Bibliographie von Daniela de Cecco. Berlin: Academia, 2003. (= International Pre-Platonic Studies Bd. 3). (zuerst 1897)
  • Ernst Heitsch: Parmenides. Die Fragmente. Griechisch-deutsch. Hrsg., übersetzt und erläutert. Artemis, Zürich 1995
  • Uvo Hölscher: Parmenides. Vom Wesen des Seienden. Die Fragmente griechisch und deutsch, hrsg., übersetzt und erläutert. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969
  • Geoffrey S. Kirk, John E. Raven, Malcolm Schofield (Hrsg.): Die vorsokratischen Philosophen. Einführung, Texte und Kommentare. Metzler, Stuttgart 1994, S. 263-289
  • Jaap Mansfeld: Die Fragmente des Lehrgedichts. Übersetzung und Gliederung. Stuttgart: Reclam, 1985.
  • Kurt Riezler: Parmenides. Text griechisch-deutsch (Übersetzung, Einführung und Interpretation). Mit einem Nachwort von Hans-Georg Gadamer, Frankfurt am Main 2001 (3), ISBN 978-3-465-03151-2
  • Leonardo Tarán: Parmenides. A text with translation, commentary, and critical essays. Princeton 1965.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Bollack: Parménide, de l'étant au monde. Verdier poche, Lagrasse 2006.
  • Guido Calogero: Studien über den Eleatismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1970.
  • Manfred Kraus: Parmenides. In: Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Frühgriechische Philosophie (= Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 1), Halbband 2, Schwabe, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2598-8, S. 441–530.
  • Margarete Lünstroth: Teilhaben und Erleiden in Platons Parmenides. Untersuchungen zum Gebrauch von METECHEIN und PASCHEIN (= Vertumnus, Band 6). Edition Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-7675-3080-5.
  • Maria Marcinkowska-Rosół: Die Konzeption des 'noein' bei Parmenides von Elea. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-021759-9.
  • Denis O'Brien, Richard Goulet, Jörn Lang: Parménide d'Élée. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5, Teil 1, CNRS Éditions, Paris 2012, ISBN 978-2-271-07335-8, S. 150–161 (S. 160 f. zur Ikonographie).
  • Karl R. Popper: Die Welt des Parmenides - Der Ursprung des europäischen Denkens. Piper, München 1998.
  • Karl Reinhardt: Parmenides und die Geschichte der griechischen Philosophie. 2. Auflage, Bonn 1959 (zuerst 1916; klassische Studie).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Parmenides of Elea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Textstellen
Literatur