Parodia

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Parodia
Parodia microsperma

Parodia microsperma

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Kakteengewächse (Cactaceae)
Unterfamilie: Cactoideae
Tribus: Notocacteae
Gattung: Parodia
Wissenschaftlicher Name
Parodia
Speg.

Parodia ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae). Der botanische Name der Gattung ehrt den aus Italien stammenden Apotheker und Botaniker Domingo Parodi (1823–1890).[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Arten der Gattung Parodia bleiben niedrig und wachsen einzeln oder in Gruppen mit meist kleinen, kugelförmigen bis kurz zylindrischen Trieben. Auf den etwas gehöckerten oder vollständig in Höcker aufgelösten Rippen sitzen Areolen, die im juvenilen Stadium oft dicht bewollt sind. Die wenigen bis zahlreichen Dornen sind unterschiedlich geformt und gefärbt. Sie können gehakt sein.

Blüten[Bearbeiten]

Die trichter- bis glockenförmigen, leuchtend gefärbten Blüten erscheinen in der Nähe der Triebspitzen und öffnen sich am Tag. Ihr Perikarpell und die Blütenröhre sind oft mit Haaren und Borsten besetzt, wobei die Borsten häufig auf die oberen Abschnitte der Röhre beschränkt sind. Die Narben sind oft auffällig rot.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die kugel- bis keulenförmigen oder zylindrischen Früchte sind trocken oder fast trocken und mit Wolle oder Borsten besetzt. Dünnwandige Früchte zerfallen an der Basis, dickwandige reißen an der Seite auf. Sie enthalten rötlich braune bis schwarze Samen unterschiedlicher Form. Das Hilum ist groß, ein Samenanhängsel (Strophiola) kann vorhanden sein oder fehlen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Parodia ist im Wesentlichen östlich der Anden in Bolivien, Paraguay, Uruguay, Argentinien und Süd-Brasilien verbreitet.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung wurde 1923 vom italienisch-argentinischen Botaniker Carlos Luis Spegazzini veröffentlicht.[2] Ihre Typusart ist Echinocactus microspermus. Anatomische und morphologische Arbeiten von David Richard Hunt und Mitarbeitern[3] sowie Reto Nyffeler[4] führten zur Eingliederung der Gattungen Brasilicactus, Brasiliparodia, Eriocactus, Notocactus und Wigginsia in die Gattung Parodia. Diese Untersuchungen legten ebenfalls die Einbeziehung der Gattungen Blossfeldia und Frailea nahe.

Die Gattung Parodia kann gemäß Reto Nyffeler in drei Untergattungen unterschieden werden:

  • Untergattung Parodia:
    • Gruppe Parodia: (Parodia s.str.)
      Die Triebe sind flach kugelförmig, kugelförmig oder säulenförmig und sprossen nur selten. Eine Rübenwurzel ist nur selten vorhanden. Das Triebgewebe enthält meist keinen Schleim, die Epidermis ist meist zart. Die Areolen befinden sich immer auf den Höckern. Die Mittel- und Randdornen unterscheiden sich deutlich voneinander. Der Mitteldorn ist manchmal gehakt. Die Blüten sind trichterförmig, Griffel und Narben sind stets gleich gefärbt. Die weichen Früchte vertrocknen später und öffnen sich an ihrer Basis.
    • Gruppe Notocactus: (Notocactus s.str. + Wigginsia)
      Die Triebe sind flach kugelförmig, kugelförmig oder säulenförmig und sprossen gelegentlich. Eine Rübenwurzel ist manchmal vorhanden. Das Triebgewebe enthält meist Schleim, die Epidermis ist häufig hart. Die Areolen befinden sich in den Vertiefungen zwischen den Höckern. Die Mittel- und Randdornen unterscheiden sich. Die Blüten sind breit trichterförmig bis glockenförmig, Griffel und Narben sind in der Regel unterschiedlich gefärbt. Die bei Reife häufig verlängerten Früchte öffnen sich unterschiedlich.
  • Untergattung Eriocactus:
    Die Triebe sind im Alter oft lang säulenförmig und sprossen gelegentlich. Der Triebscheitel ist häufig schief. Das Triebgewebe enthält keinen Schleim. Die Höcker sind zu geraden Rippen verschmolzen. Die Areolen befinden sich zwischen den Höckern. Sie sind nicht oder undeutlich eingesenkt und häufig stark bewollt. Die Dornen sind mehr oder weniger borstenartig. Die hell- bis dunkelgelben Blüten sind breit glockenförmig, Griffel und Narben sind gleich gefärbt. Die Früchte besitzen eine harte Fruchtwand und öffnen sich an ihrer Basis.
  • Untergattung Brasilicactus:
    Die Triebe sind flach kugelförmig bis selten kurz säulenförmig. Der Triebscheitel ist häufig schief. Das auffallend weiche Triebgewebe enthält keinen Schleim. Die Höcker sind voneinander getrennt und in Schrägzeilen angeordnet oder zu Rippen verschmolzen. Die runden Areolen stehen dicht beieinander. Mitteldornen werden sicht ausgebildet oder sind gelegentlich hakig. Es sind zahlreiche Randdornen vorhanden. Die sind schmal trichterförmig, Griffel und Narben sind gleich gefärbt. Die Früchte besitzen eine dünne Fruchtwand und öffnen sich an ihrer Basis.

Die Gattung Parodia sensu lato ist in diesem Umfang monophyletisch, die vorgeschlagen Untergattungen sind es jedoch nicht.[5]

Zur Gattung gehören die folgenden Arten:[6]

Synonyme

Synonyme der Gattung sind Malacocarpus Salm-Dyck (1850, nom. illeg. ICBN-Artikel 53.1), Hickenia Britton & Rose (1922, nom. illeg. ICBN-Artikel 53.1), Notocactus (K.Schum.) Frič (1928), Brasilocactus Frič (1935, nom. illeg. ICBN-Artikel 53.1), Microspermia Frič (1935, nom. illeg. ICBN-Artikel 53.1), Neohickenia Frič (1935, nom. illeg. ICBN-Artikel 53.1), Acanthocephala Backeb. (1938), Eriocephala Backeb. (1938), Brasilicactus Backeb. (1942, nom. illeg. ICBN-Artikel 52.1?), Eriocactus Backeb. (1942, nom. illeg. ICBN-Artikel 52.1), Dactylanthocactus Y.Itô (1957, nom. illeg. ICBN-Artikel 52.1), Sericocactus Y.Itô (1957), Wigginsia D.M.Porter (1964), Brasiliparodia F.Ritter (1979), Aparadoa Vliet (1986, nom. inval. ICBN-Artikel 36.1, 37.1), Peronocactus Doweld (1999, nom. inval. ICBN-Artikel 52.2b), Ritterocactus Doweld (1999) und Bolivicactus Doweld (2000).

Nachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urs Eggli, Leonard E. Newton: Etymological Dictionary of Succulent Plant Names. Springer, Berlin/Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-05597-3, S. 178.
  2. Carlos Luis Spegazzini: Breves notas cactológicas. In: Anales de la Sociedad Cientifica Argentina. Band 96, 1923, S. 70.
  3. D. R. Hunt et al.: Cactaceae. In: S. M. Walters et al. (Hrsg): The European Garden Flora. Band 3, S. 202–301, Cambridge 1989
  4. Reto Nyffeler: Notocactus versus Parodia – the search for a generic classification of the subtribe Notocactinae. In: Cactus Consensus Initiatives. Nr. 7, S. 6–8, 1999
  5. M. Machado, U. Eggli, R.. Nyffeler: Phylogenetic relationships in the genus Parodia Spegazzini (Cactaceae-Notocacteae). In: IOS Bulletin. Band 14, Nummer 1, 2006, S. 14 (PDF).
  6.  Edward F. Anderson: Das große Kakteen-Lexikon. Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2005 (übersetzt von Urs Eggli), ISBN 3-8001-4573-1, S. 494–517.
  7. Lothar Diers, Klaus Beckert: Parodia pilayaensis (Cactaceae) – eine neue Art aus Bolivien In: Kakteen und andere Sukkulenten. Band 57, Nummer 11, 2006, S. 295–301.
  8. Lothar Diers, Walter Rausch: Parodia uhligiana (Cactaceae) – eine Neubeschreibung In: Kakteen und andere Sukkulenten. Band 57, Nummer 9, 2006, S. 225–232.
  9. a b Urs Eggli, Marlon Machado, Reto Nyffeler: Nomenclatural note on the subgenera of Parodia (Cactaceae – Cactoideae). In: Taxon. Band 57, Nummer 3, 2008, S. 985–988 (JSTOR).
  10. Urs Eggli, Andreas Hofacker: Validation of the Name Parodia lenninghausii (Cactaceae), with a Note on the Lectotypification and Orthography of the Name. In: Novon. Band 20, Nummer 1, 2010, S. 30–32, doi:10.3417/2008076.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • John Brickwood: Parodia. In: Cactus Consensus Initiatives. Nummer 3, 1997, S. 22–23.
  • John Brickwood: Parodia. In: Cactus Consensus Initiatives. Nummer 4, 1997, S. 18–19.
  • Urs Eggli, Reto Nyffeler: (1352) Proposal to conserve the name Parodia against Frailea (Cactaceae). In: Taxon. Band 47, Nummer 2, 1998, S. 475–476, (JSTOR).
  • Norbert Gerloff, Jozka Neduchal, Stanislav Stuchlík: Notokakteen. Gesamtdarstellung aller Notokakteen. Kveten, Brno 1995.
  • Mathias Eichler: Lust auf Parodien?. In: Kakteen und andere Sukkulenten. Band 57, Nummer 5, 2006, S. 117–121.
  • Norbert Gerloff, Jozka Neduchal: Taxonomische Neubearbeitung der Gattung Notocactus Fric. In: Internoto. Band 25, Nummer 2, 2004, S. 35–127.
  • Andreas Hofacker: Further nomenclatural adjustments in Frailea and Parodia. In: Cactus Consensus Initiatives. Nummer 6, 1998, S. 11–12.
  • Andreas Hofacker, Pierre Josef Baun: Nomenclatural adjustments in Parodia. In: Cactus Consensus Initiatives. Nummer 6, 1998, S. 10.
  • Roberto Kiesling, Omar Ferrari: Parodia sensu strictu in Argentina, part 1. In: Cactus and Succulent Journal. Band 62, Nummer 4, Cactus and Succulent Society of America, 1990, S. 194–198.
  • Roberto Kiesling, Omar Ferrari: Parodia sensu strictu in Argentina, part 2. In: Cactus and Succulent Journal. Band 62, Nummer 5, Cactus and Succulent Society of America, 1990, S. 244–250.
  • Tony Mace: Notocactus. A review of the Genus incorporating Brasilicactus, Eriocactus and Wigginsia. National Cactus and Succulent Society, 3. Auflage, 1980.
  • Reto Nyffeler: Further referrals of "limbo" species in CCC1: Notocactus. In: Cactus Consensus Initiatives. Nummer 4, 1997, S. 8–9.
  • Reto Nyffeler: Systematics and biogeography of Parodia s. lat. In: IOS Bulletin. Band 10, 2002, S. 22.
  • Walter Weskamp: Die Gattung Parodia. 3 Bände, Selbstverlag, Kiel 1987–1997.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Parodia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien