Parodie

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Eine Parodie (griechisch παρῳδία parōdía „Gegenlied“ oder „verstellt gesungenes Lied“) ist eine verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung.

Begriff[Bearbeiten]

Oft werden ein bekanntes Werk, eine prominente Person(engruppe) oder ein reales Ereignis parodiert. Dabei werden charakteristische Eigenschaften des Originals überzeichnet dargestellt. Diese Verzerrung durch die Parodie hat häufig eine komische Wirkung. Eine Parodie braucht nicht zwingend abwertenden Charakter zu haben, denn sie bestätigt die Bedeutung des Originals. Oft kann sie sogar eine Hommage für den parodierten Gegenstand sein.

Parodien benötigen nicht zwingend ein konkretes Original. Auch ein Genre als Ganzes kann parodiert werden, wenn es gut wiedererkennbar ist. Literaturtheoretisch lässt sich die Parodie als eine spezifische Form des intertextuellen Schreibens begreifen.

Der Parodie nahe verwandte Formen sind die Travestie, die Persiflage und das Pastiche. Eine Sonderform der Parodie ist das Cento. Als eine der frühesten Parodien der abendländischen Literatur gilt die Homer zugeschriebene, tatsächlich aber aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammende „Batrachomyomachie“ (Froschmäusekrieg), wo in parodistischer Manier unter anderem die Kriegsszenen der Ilias nachgeahmt werden.

Parodie kann nicht nur als Genre betrachtet werden, sondern auch als Schreibweise.[1] Als solche kann sie auch in anderen Gattungen auftreten. Gerade die Satire verwendet häufig parodistische Verfahren, was eine eindeutige Unterscheidung zwischen Parodie und Satire erschwert. Beide Genres bzw. Schreibweisen nutzen Ironie als Stilmittel mit unterschiedlicher Wirkung. Die Parodie lebt, wie das Pastiche, von ihrer Beziehung zum Originaltext. Das Pastiche betont dabei die Gemeinsamkeiten und die Parodie die Unterschiede. [2]. Im Gegensatz zur Parodie bezieht sich die Satire auf Elemente außerhalb von Texten. Außerdem ist die Satire wertend und enthält immer eine Gesellschaftskritik.

Theoriegeschichte[Bearbeiten]

Die aktuelle (literatur-)wissenschaftliche Theoriebildung zur Parodie beginnt mit den russischen Formalisten. Sie beschäftigten sich mit der Parodie und erkannten ihre wichtige Rolle für die Literaturgeschichte. Indem die Parodisten vorhandene Werke und Autoren imitieren und ihnen neue Aspekte hinzufügen, entwickelt sich die Literatur weiter. Bei Bachtin[3] ist die Parodie notwendig intertextuell. Der zentrale Punkt seiner Untersuchungen ist die Dialogizität. Jeder Text tritt in Dialog mit früheren Texten, enthält selbst mehrere Stimmen, wie z.B. die Heldenstimme oder die Erzählerinstanz und enthält andere Gattungen, wie z.B. Gedichte, Briefe, etc. Genette[4] diskutiert die Parodie im Rahmen der Intertextualität. In diesem Zusammenhang prägt er den Begriff der Hypertextualität um die Beziehung zwischen Hypotext und Hypertext zu beschreiben. Auf struktureller Ebene wird diese Beziehung entweder durch Transformation oder durch Nachahmung hergestellt. Genette unterscheidet drei Register: spielerisch, satirisch und ernst. Als Parodie bezeichnet er die spielerische Transformation.

Theater[Bearbeiten]

Die wandernden Schauspieler (vgl. Deutsche Wanderbühne) ahmten das höfische Theater nach, indem sie auf Grundlage gedruckter (zunächst italienischer, später französischer) Texte und in Form von Parodien Kritik an Obrigkeit, sozialen Unterschieden und anderen Missständen der Gesellschaft übten. Durch Banalisierung ihrer Vorlagen karikierten sie bewusst das höfische Leben ihrer Zeit.

Auf den Pariser Jahrmärkten entwickelte sich im 18. Jahrhundert im Vorfeld der französischen Revolution eine weitherum beachtete Kultur der theatralischen Parodie und Travestie, die den Anstoß zu vielen Theatergattungen des 19. Jahrhunderts wie Opéra comique, Pantomime, Melodram und Posse gab.

Im Alt-Wiener Volkstheater wurden häufig bekannte Opern oder Theaterstücke als Vorlage genommen oder ironisch zitiert. Johann Nestroy etwa hat ganze Werke paraphrasiert (Judith und Holofernes, Robert der Teuxel, Tannhäuser oder Die Keilerei auf der Wartburg) oder für seine Quodlibets musikalische Anleihen sogar bei Mozart genommen (Der Talisman, Höllenangst).

Musik[Bearbeiten]

In der Musik hatte der Begriff ursprünglich eine andere Bedeutung. Parodie oder Parodieverfahren war in der Barockmusik und in der Klassik die Umgestaltung eines musikalischen Werks, um es für andere Zwecke verfügbar zu machen oder anderen Klangvorstellungen anzupassen. Diese Umgestaltung kann eine neue Textunterlegung sein (siehe auch Kontrafaktur) oder eine rein musikalisch-kompositorische.

Beispiele finden sich bei Händel, Bach, Haydn und vielen anderen. Parodien in diesem Sinne sind auch die Umarbeitungen von Musikstücken, etwa aus Musicals, wie sie von den Musikern des Modern Jazz unter der Gattungsbezeichnung bebop head komponiert wurden, jedoch wird hier, angelehnt an die Terminologie der englischsprachigen Musiktheorie, meist der Begriff Kontrafaktur verwendet.

Seit dem 18./19. Jahrhundert bezeichnet Parodie auch in der Musik zunehmend eine karikierende, satirisch zuspitzende oder ironisierende Nachahmung bestimmter musikalischer Gattungen (Bsp.: Opernparodie), Stilrichtungen oder Satztechniken. Beispielhaft seien die Konzerte von P. D. Q. Bach oder Gerard Hoffnung genannt.

Seit dem 20. Jahrhundert werden insbesondere in der Popmusik Lieder anderer Künstler mit satirischen oder parodistischen Texten versehen, welche den Inhalt des Originals oder auch Themen der Popkultur aufgreifen. Die grundlegende Melodie des Stückes bleibt dabei meist erhalten, die Instrumentation kann dabei variieren. So hat beispielsweise der Musiker Weird Al Yankovic seine Liedparodien mit einem Akkordeon begleitet.

Beispiele[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Auf YouTube befinden sich viele Kanäle, die sich damit beschäftigen bekannte Lieder zu parodieren. Dabei werden die Lieder oftmals mittels neuen Texten in einen neuen Zusammenhang gebracht, beispielsweise zu Computerspielen, Filmen oder Fernsehserien. Diese Parodien sind zumeist Bestandteil der Internetphänomene bestimmter Lieder. Zu den am häufigsten auf diese Weise parodierten Liedern zählen Gangnam Style von Psy, Call Me Maybe von Carly Rae Jepsen und Friday von Rebecca Black.

Film[Bearbeiten]

Zu den bekanntesten Filmparodisten zählt Mel Brooks, der u. a. die Star-Wars-Parodie Spaceballs (1987) und die Western-Parodie Der wilde wilde Westen (1974) schuf. Im selben Jahr wie der letztgenannte Film feiert auch die britische Comedy-Gruppe Monty Python mit Die Ritter der Kokosnuß ihr Leinwand-Debüt, die u. a. die Artussage aufs Korn nimmt. In den 1980er Jahren wird das Team um David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker (auch bekannt als ZAZ) durch ihre Katastrophenfilm-Parodie Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug bekannt. In den 1990ern kann das Trio weitere Erfolge, u. a. mit den Filmreihen Die nackte Kanone und Hot Shots!, verbuchen. Mit Filmen wie etwa der Scary Movie-Reihe (2000-2013) oder Meine Frau, die Spartaner und ich (2008) erfreut sich dieses Filmgenre auch weiterhin großer Beliebtheit.

Literatur[Bearbeiten]

Videospiele[Bearbeiten]

Videospielfiguren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gérard Genette: Palimpseste : die Literatur auf zweiter Stufe, 2. Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-11683-5.
  • Linda Hutcheon: A theory of parody : the teachings of twentieth-century art forms. Methuen, New York [u.a.] 1985, ISBN 0-416-37090-X.
  • Julia Kristeva: Desire in language : a semiotic approach to literature and art. Columbia University Press, New York 1980, ISBN 9780231048064.
  • Michail M Bachtin: Die Ästhetik des Wortes. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1979, ISBN 9783518109670.
  • Erwin Rotermund: Gegengesänge. Lyrische Parodien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1. Aufl., Wilhelm Fink, München 1964.
  • Erwin Rotermund: Die Parodie in der modernen deutschen Lyrik, 1. Aufl., Eidos, München 1963.

Quellen[Bearbeiten]

  1.  Theodor Verweyen, Gunther Witting: Parodie. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft : Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte. de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3-11-019355-8, S. 23-27.
  2. Linda Hutcheon: A theory of parody : the teachings of twentieth-century art forms. New York [u.a.]: Methuen 1985, ISBN 0-416-37090-X
  3.  Michail M Bachtin, Rainer Grübel: Die Ästhetik des Wortes. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1979.
  4. Gérard Genette: Palimpseste : die Literatur auf zweiter Stufe, 2. Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-11683-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Parodie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Parodien – Quellen und Volltexte