Parrhesia

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Parrhesia (eingedeutscht auch Parrhäsie) stammt aus dem Griechischen (παρρησία) und bedeutet Redefreiheit oder über alles sprechen. Der Begriff wurde von Michel Foucault verwendet, um das Konzept des Diskurses zu beschreiben, in dem man offen und wahrhaftig über seine eigene Meinung und seine Ideen spricht, ohne rhetorische Elemente, manipulative Rede oder Generalisierungen zu verwenden.

Es gibt mehrere Bedingungen für die traditionelle altgriechische Idee von Parrhesia. Einer, der Parrhesia verwendet, wird nur als solcher erkannt, wenn er eine glaubwürdige Beziehung zur Wahrheit hat, wenn er sich selber oder populäre Meinungen der Kultur kritisiert, wenn die Offenbarung dieser Wahrheit ihn in Gefahr bringt, und er dennoch die Wahrheit spricht, weil er es als seine moralische, soziale und/oder politische Pflicht erachtet, dies zu tun. Weiterhin muss eine Parrhesia-sprechende Person in einer sozialen Position sein, die unterhalb derjenigen ist, die sie kritisiert. Beispielsweise ein Schüler, der die Wahrheit seiner Lehrerin gegenüber ausspricht, wäre ein zutreffendes Beispiel von Parrhesia; ein Lehrer jedoch, der die Wahrheit seiner Schülerin mitteilt, ist dies nicht.

Foucault beschreibt Parrhesia so:

“More precisely, parrhesia is a verbal activity in which a speaker expresses his personal relationship to truth, and risks his life because he recognizes truth-telling as a duty to improve or help other people (as well as himself). In parrhesia, the speaker uses his freedom and chooses frankness instead of persuasion, truth instead of falsehood or silence, the risk of death instead of life and security, criticism instead of flattery, and moral duty instead of self-interest and moral apathy.”

„Genauer gesagt, ist Parrhesia eine verbale Aktivität, in der ein Sprecher seine persönliche Beziehung zur Wahrheit äußert und dabei sein Leben riskiert, weil er das Aussprechen der Wahrheit als Pflicht erkennt, um andere Menschen zum Besseren zu bekehren oder ihnen zu helfen (wie auch sich selbst). In Parrhesia verwendet der Sprecher seine Freiheit und wählt Offenheit statt Überzeugungskraft, Wahrheit statt Lüge oder Schweigen, das Risiko des Todes statt Lebensqualität und Sicherheit, Kritik anstelle von Schmeichelei, sowie moralische Pflicht anstelle von Eigeninteresse und moralischer Apathie.“

Michel Foucault[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Foucault, Michel: "Das Wahrsprechen des Anderen. Zwei Vorlesungen 1983/84." Frankfurt a. M.: Materialis Verlag, 1988, ISBN 3885351064
  • Foucault, Michel und Pearson, James (Hrsg.): "Diskurs und Wahrheit: Die Problematisierung der Parrhesia. Sechs Vorlesungen, gehalten im Herbst 1983 an der Universität von Berkeley/Kalifornien." Berlin: Merve, 1996, ISBN 3883961299
  • Michel Foucault, Die Regierung des Selbst und der anderen. Vorlesung am Collège de France 1982/83, aus dem Französischen von Jürgen Schröder, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, ISBN 978-3-518-58537-5
  • Michel Foucault, Der Mut zur Wahrheit: Die Regierung des Selbst und der anderen II. Vorlesung am Collège de France 1983/84, aus dem Französischen von Jürgen Schröder, Berlin: Suhrkamp 2010, ISBN 978-3-518-58544-3 (TB-Ausgabe "Die Regierung des Selbst und der anderen - Band I und II": ISBN 978-3-518-06174-9).
  • John T. Fitzgerald (Hrsg.): Friendship, Flattery, an Frankness of Speech. Studies in the New Testament World. E.J. Brill, Leiden, New York, Köln 1996, ISBN 90-04-10454-2.
  • Petra Gehring, Andreas Gelhard (Hrsg.), Parrhesia. Foucault und der Mut zur Wahrheit: philosophisch, philologisch, politisch. Zürich, Berlin: diaphanes 2012, ISBN 978-3-03734-173-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michel Foucault: Discourse and Truth: the Problematization of Parrhesia. Foucault.info. Abgerufen am 9. Juli 2010.