Partenope

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Werkdaten
Originaltitel: Partenope
Form: Opera seria
Originalsprache: italienisch
Musik: Georg Friedrich Händel
Libretto: unbekannt
Literarische Vorlage: Silvio Stampiglia, Partenope (1699)
Uraufführung: 24. Februar 1730
Ort der Uraufführung: King’s Theatre, Haymarket, London
Spieldauer: ca. 3 ¼ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Neapel, mythische Zeit
Personen
  • Partenope, Königin der Stadt Partenope (Neapel), liebt Arsace (Sopran)
  • Arsace, Prinz von Korinth, liebte einst Rosmira und jetzt Partenope (Alt)
  • Rosmira, Prinzessin von Zypern, verlobt mit Arsace und von ihm verlassen worden, verkleidet in armenischen Gewändern unter dem Namen „Eurimene“ (Alt)
  • Armindo, Prinz von Rhodos, liebt Partenope (Alt)
  • Emilio, Fürst von Cumae, liebt Partenope (Tenor)
  • Ormonte, Befehlshaber der Leibwache Partenopes (Bass)
  • Priester, Krieger, Wache, Bedienstete, Volk
Parthenope: Neapolitanische Münze, 4. Jh.

Partenope (HWV 27) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Sie ist die zweite Oper für die 1729 von Händel und Johann Jacob Heidegger gegründete zweite Opernakademie. Grundlage und namensgebend ist die Geschichte der Sirene Partenope, mythische Gründerin der antiken Stadt Partenopolis in der Magna Graecia, der Keimzelle des späteren Neapolis und des heutigen Neapel, und ihren drei rivalisierenden Liebhabern, die mit der Geschichte einer rachsüchtigen Frau kreuzt, die unbedingt ihren untreuen Liebhaber wiederhaben will, der sich inzwischen in den Fängen der Partenope befindet.

Entstehung[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der ersten Opernakademie 1729 und der Gründung eines neuen kommerziellen Opernunternehmens durch Heidegger und Händel im Januar 1730 war dem Erstlingswerk für die New Academy, Lotario, kein Erfolg beschieden, denn es knüpft direkt beim großen, heroischen Stil an, der schon Händels Werke für die erste Akademie ausgezeichnet hatte – jenem also, mit dem sich das Londoner Publikum schon zuvor nicht dauerhaft hatte anfreunden können. Doch Händel gab nicht auf: Mit seiner gewohnten Flexibilität änderte er in Partenope seinen Ansatz. Vermutlich hatte er erkannt, dass ein leichterer, melodischerer Stil erwünscht war. Spöttisch werden hier nun die heroischen Klischees, mit denen er in Lotario und früheren Opern gearbeitet hatte, verballhornt. Die stereotype Situation „Frau als Mann verkleidet“ zum Beispiel wird fast schon zur Farce, wenn der Held nur unter der Bedingung dazu bereit ist, sich mit seinem angeblichen Widersacher (natürlich der Heldin) zu duellieren, wenn beide sich bis zum Gürtel entkleiden. Untermalende Militär- und Kampfmusik ist in einem solchen Übermaß eingesetzt, dass man sie schwerlich ernst nehmen kann. Mit den beschaulicheren Momenten geht Händel behutsam um.[1]

Am 14. Januar war der erste Akt und am 12. Februar 1730 die gesamte Partitur der Partenope fertiggestellt („Fine dell’ Opera | G.F. Handel. | a Londres | ce 12 de Fevrier | 1730“), und schon zwölf Tage später, am 24. Februar, fand im King’s Theatre am Londoner Haymarket die erste Aufführung statt.

Besetzung der Uraufführung:

Libretto[Bearbeiten]

Das Libretto von Silvio Stampiglia, der eine Zeit lang als kaiserlicher Hofdichter in Wien gewirkt hat, war zum ersten Male von Luigi Mancia im Jahre 1699 für Neapel komponiert worden, und im Laufe eines halben Jahrhunderts wurde der Text nicht weniger als sechzehnmal in Musik gesetzt, u. a. von Antonio Caldara, Antonio Vivaldi, Nicola Porpora und Leonardo Vinci und erlebte in dieser Zeit 36 Produktionen in den Musikzentren Europas. Händels Text beruht nicht, wie zu erwarten wäre, auf einer der jüngeren Versionen der Geschichte, sondern auf dem Libretto, was Caldara in seiner Vertonung für den Karneval in Venedig 1707/08 benutzt hatte. Möglicherweise hatte Händel die Oper damals gehört. Von dieser Vorlage übernahm er 22 seiner 31 Arientexte. Aber es gibt nicht nur diese Nähe zu Caldara, auch Texte der Mancia-Vertonung finden sich in Händels Partitur. Es ist zwar durchaus möglich, dass Händel während seines gerade kurz zurückliegenden Aufenthaltes in Venedig die Partenope Vincis, der die Oper 1725 für den dortigen Karneval geschrieben hatte, gehört und ihm diese Aufführung den Stoff wieder nähergebracht hat: Vincis Textbuch jedoch spielt für Händels Libretto keine Rolle. Dass er dessen Oper aber kannte, beweist die Tatsache, dass er von dieser sieben Arien in das Pasticcio L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi im selben Jahr übernahm. Zumindest wird sich Vincis Partitur oder das Textbuch unter den vielen Partituren und Textbüchern befunden haben, die Händel, wie wir wissen, aus Italien mitgebracht hat.[2][3]

Für Händels Oper wurde die Vorlage von unbekannter Hand überarbeitet. Stampiglias Text, eine klare Absage an die bisher vorherrschenden, der Geschichte oder der Sage entliehenen Stoffe, erinnert kaum noch an Parthenope, die letzte der Sirenen, denen Odysseus auf seinen Irrfahrten begegnet ist, an jene Parthenope, die, wie der Historiker Strabon von Amaseia (ca. 64 v. Chr. bis 23  n. Chr.) erzählt, die Gründerin und erste Königin der Stadt Neapel gewesen ist.[2]

Trotz dieser Neuerungen im Musikalischen wie in der Stoffwahl war der neuen Oper aber wiederum kein Erfolg beschieden: Sie lief nur siebenmal. Das lag weder am Text noch an der Musik: Der Darsteller des Arsace, der Kastrat Bernacchi, dem ein großer Ruf vorausging, war den Schwierigkeiten der Partie nicht gewachsen und das Londoner Publikum hatte den großen Senesino noch in zu frischer Erinnerung.[2]

Pier Leone Ghezzi: Karikatur Bernacchis (1731)

Das als Notbehelf Anfang April eingesetzte Pasticcio Ormisda, mit Musik von Vinci, Hasse und anderen „Modernen“, war weit erfolgreicher, wenngleich Mrs. Pendarves, Händels Nachbarin in der Brook Street und lebenslange Anhängerin, es für „very heavy“[4] („sehr schwerfällig“) befand.[1] Es wurde deutlich, dass Bernacchi die durch Senesinos Abwesenheit gerissene Lücke nicht zu füllen vermochte. Händel sah sich gezwungen, für die nächste Spielzeit die Verhandlungen mit seinem früheren Star wieder aufzunehmen. Als Vermittler traten dabei Francis Colman, britischer Gesandter in Florenz, und Owen Swiney auf, der sich 1713 aus England abgesetzt hatte und nun in Italien lebte. In einem Brief vom 19. Juni beauftragt Händel Colman, auch einen Sopran zu engagieren, der

«[…] proposer fasse le Role d’home aussi bien que celuy de Feme.»

„[…] ebenso gut Männer- wie Frauenrollen geben muss.“

Georg Friedrich Händel: Brief an Francis Colman. London, 19. Juni 1730.[5][1]

Er bittet Colman auch

«[…] prier de nouveau qu’il ne soit pas fait mention dans les Contracts du premier, second, ou troisieme Rolle, puisque cela nous géne dans le choix du Drama, et est d’ailleurs sujet a de grands inconveniens.»

„[…] erneut, dass in den Verträgen keine Erwähnung erster, zweiter oder dritter Rollen geschieht, da uns dies in der Wahl der Stücke behindert und überdies Ursache großer Unannehmlichkeit ist.“

Georg Friedrich Händel: Brief an Francis Colman. London, 19. Juni 1730.[5][1]

In der folgenden Spielzeit (1730/31) wurde Partenope siebenmal wiederholt; für den inzwischen folgerichtig ausgeschiedenen Bernacchi übernahm Senesino, inzwischen nach London zurückgekehrt, die Partien des Arsace. Auch musste sich Händel von seinem alten Schulfreund aus Hallenser Tagen, dem Bassisten Riemschneider, trennen. Seine Leistungen konnten mit dem Standard an der Londoner Bühne nicht mithalten. Eine erneute Wiederaufnahme der Oper, jetzt in den Spielplan des Coventgarden Theatre, erfolgte ab 29. Januar 1737 (vier Aufführungen) für die dritte Spielzeit der sogenannten dritten Opernakademie.[6]

Schon im Februar 1731 erschien Partenope in Braunschweig auf der Bühne, mit Gastspielen in Salzthal, der Sommerresidenz von Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, und Wolfenbüttel unter Leitung von Georg Caspar Schürmann, und ab 28. Oktober 1733 bis 1736 führte man die Oper Parthenope an der Hamburger Oper am Gänsemarkt mit einer deutschen Übersetzung der Rezitative von Christoph Gottlieb Wend mindestens 22 mal auf. Die musikalische Leitung dieser Aufführung hatte Georg Philipp Telemann. Die deutschen Rezitative Wends hatte Reinhard Keiser vertont.

Die erste Produktion in der Neuzeit war am 23. Juni 1935 bei den Göttinger Händel-Festspielen in deutscher Sprache (Textfassung: Emilie Dahnk-Baroffio), durch die Akademische Orchestervereinigung unter der Leitung von Fritz Lehmann. In Originalsprache und historischer Aufführungspraxis wurde Partenope erstmals in konzertanter Form im Zusammenhang mit einer Schallplattenproduktion des Werkes am 11. Juni 1979 im Sendesaal des Kölner Funkhauses mit Krisztina Laki (Partenope) und René Jacobs (Arsace) in den Hauptpartien gegeben. La Petit Bande spielte unter Leitung von Sigiswald Kuijken.

Handlung[Bearbeiten]

Charles Meynier: Les Nymphes de Parthénope (Louvre)

Historischer und literarischer Hintergrund[Bearbeiten]

Im Libretto ist das 11. Kapitel des ersten Buches von Giovanni Antonio Summontes Istoria della Citta e Regno di Napoli als Quelle genannt. Die vier Bände dieses Werkes erschienen zwischen 1601 und 1643 und in einer zweiten kompletten Ausgabe noch einmal 1675. Allerdings ist in dem genannten Kapitel nur von der Gründung Neapels die Rede. Die Opernhandlung indes ist frei erfunden.[7] In ihr wird Partenope, die Königin von Neapel, von drei Freiern umworben. Wie nun Partenope zwei der Anbeter abblitzen lässt und welch tragikomische Rolle die Zurückgewiesenen dabei spielen, hat der Textdichter mit feinem Humor geschildert. Mit dem einen, Emilio, dem Fürsten von Cumae, liegt Partenope im Krieg. In der Schlacht wird er besiegt und gerät in Gefangenschaft. Partenope lässt ihn frei und bietet ihm nicht Liebe, sondern ihre Freundschaft an. Die Königin bevorzugt den korinthischen Fürsten Arsace. Sie weiß nicht, dass er Rosmira, seine Verlobte, Prinzessin von Zypern, im Stich gelassen hat. Als armenischer Fürst „Eurimene“ verkleidet, erscheint Rosmira, um dem Ungetreuen den Kopf zurechtzusetzen. Rosmira demütigt den untreuen Arsace; ihr eigenes Geheimnis bewahrt sie fast bis zuletzt. Am Ende geht Armindo, der Fürst von Rhodos, als Sieger aus diesem verwirrenden Liebeskampf hervor.[2]

Erster Akt[Bearbeiten]

Vor dem Altar des Apollon feiert Partenope mit ihrem Volk die Gründung ihrer Stadt. Anwesend sind auch Partenopes Verehrer Arsace und Armindo, und ein dritter kommt hinzu: Rosmira, auf der Suche nach ihrem untreuen Verlobten Arsace, bittet Partenope als Armenier „Eurimene“ verkleidet um Schutz und Hilfe, nachdem „er“ angeblich bei einem Seesturm alles verloren hat. Großzügig lädt Partenope „ihn“ ein, ihr Gast zu sein. Da kündigt Ormonte den cumaenischen Fürsten Emilio an; sie willigt ein, ihn zu empfangen, und bittet Ormonte und Arsace, ihr zu folgen. Im Abgehen dreht dieser sich um und gibt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, wie ähnlich „Eurimene“ Rosmira sehe. Diese fragt nun Armindo, warum er so traurig dreinblicke, und er gesteht „ihm“, dass er heimlich Partenope liebe, sich aber keinerlei Chancen ausrechne, da diese Arsace ihr Herz geschenkt habe. Und er greift „Eurimenes“ Vorschlag, Partenope seine Liebe zu erklären, mutig auf und beschließt, sein Schicksal in die Hand zu nehmen.

In einem Hof im Palast treffen Arsace und Rosmira aufeinander. Dem verwirrten Arsace entdeckt die wütende Rosmira ihre Identität. Als er aber mit fliegenden Fahnen zu ihr zurückkehren will, verlangt sie einen Liebesbeweis von ihm: Auf keinen Fall dürfe er ihre Identität verraten. Und obwohl ihm dieses schwerfällt, gibt er ihr sein Versprechen. Inzwischen bespricht sich Partenope mit Ormonte über Emilios mögliche Motive, mit seinem Heer vor Neapel zu erscheinen; während sie an Krieg denkt, glaubt er, Emilio wolle nur seine ganze Pracht vorführen, weil er auf Freiersfüßen wandle. Als Ormonte gegangen ist, naht Armindo in der festen Absicht, ihr sein Herz zu entdecken. Doch er bringt es trotz ihrer Ermunterung nicht über sich; wohl schafft er das Geständnis, verliebt zu sein, doch den Namen seiner Angebeteten vermag er nicht zu verraten, zumal Arsace hinzukommt. Nur dass er ihn als seinen Rivalen bezeichnet, bevor er davonstürzt, verrät sein Geheimnis. Partenope ist ein wenig betrübt, denn sie verdankt Armindo viel, aber ihr Herz gehört nun einmal Arsace. Dieser hat Rosmira fast schon wieder vergessen und beginnt erneut mit Partenope zu turteln, erschrickt aber, als „Eurimene“ auf der Bildfläche erscheint. Partenope dagegen steht offen zu ihrer Liebe und ist erschrocken, als „Eurimene“ ihr zu Arsaces Erleichterung „seinerseits“ eine Liebeserklärung macht, und, als Partenope dankend ablehnt, „seine“ Treue ins Feld führt, die größer sei als Arsaces. Partenope mag dies nicht glauben. Rosmira aber macht dem schuldbewussten Arsace Vorwürfe, sie erneut betrogen zu haben.

In einem königlichen Zimmer treffen Ormonte und Emilio auf der einen sowie Partenope, umgeben von ihren drei Verehrern, auf der anderen Seite zusammen. Emilio bietet Partenope die Ehe an, um ihre beiden Länder zu vereinigen und sein Volk zu befrieden, das den Krieg gegen Partenope verlange. Sie aber weist ihn zurück und fordert ihn auf, im Namen seines Volkes Krieg zu führen. Emilio nimmt die Herausforderung an, und Partenope bestimmt Arsace zu ihrem Heerführer. Als auch Armindo und „Eurimene“ diese Ehre beanspruchen, beendet sie diesen edlen Wettstreit, indem sie sich selbst zur Heerführerin erklärt. Und während Arsace versucht, „Eurimene“ von „seinen“ kriegerischen Absichten abzubringen, missversteht Armindo die Situation und sieht eifersüchtig in dem Armenier einen neuen Rivalen erwachsen. „Eurimene“ aber beruhigt Armindo: „Er“ versuche nur, Partenope um Armindos willen von Arsace abzulenken; „sein“ Herz sei anderweitig vergeben.[7]

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Auf offenem Feld treffen die feindlichen Heere aufeinander. Als Partenope im Kampf von cumaenischen Soldaten umringt wird, eilt Armindo ihr zu Hilfe. Kurz darauf wird „Eurimene“ von Emilio angegriffen und von Arsace befreit, der Emilio gefangen nimmt. Damit ist der Kampf entschieden: Emilio wird den Wachen übergeben, und Partenope feiert mit ihren Untergebenen den Sieg.

Auf einer Straße in der Stadt beklagt Emilio in Ketten sein Schicksal, als Partenope mit ihrem Gefolge naht und ihm die Freiheit schenken will. „Eurimene“ nutzt die Gelegenheit, um Armindos Mut zu preisen und den Sieg über Emilio für sich zu reklamieren. „Er“ bedrängt Partenope mit seiner Liebe, doch Arsace, durch sein Versprechen gebunden, kann das wilde Gebaren des Armeniers nicht aufklären. Auch als Partenope ihre Getreuen mit der Erklärung verlassen hat, sie werde sich nicht vorschreiben lassen, wen sie zu lieben habe, und den Befehl gibt, „Eurimene“ zu verhaften, liefern sich Arsace und „Eurimene“ weitere Wortgefechte – zum ungläubigen Erstaunen Armindos und Emilios, die nicht verstehen können, was „Eurimene“ antreibt. Dies sind, wie sich Rosmira eingesteht, als sie schließlich allein ist, die Furien der Eifersucht.

Im Garten wundert sich Partenope, warum sich Arsace so eindringlich für „Eurimene“ verwendet. Um seinetwillen gibt sie schließlich den Befehl, „Eurimene“ freizulassen; „er“ möge ihr aber aus dem Weg gehen. Doch auch diese Anordnung vermag Arsaces Laune nicht aufzuheitern; ihren Wunsch, er möge sich erklären, kann er nicht erfüllen. Erneut versucht nun Armindo, Partenope seine Liebe zu erklären. Als er es schließlich herausgebracht hat, verlässt ihn einmal mehr der Mut, und er stürzt wiederum davon. Partenope aber bleibt standhaft. Armindo trifft „Eurimene“ und berichtet von seinen Fortschritten. „Eurimene“ trägt ihm auf, bei Partenope um eine Audienz für ihn nachzusuchen – „er“ habe ihr ein wichtiges Geheimnis zu entdecken, das auch für Armindo große Bedeutung habe. Als Armindo gegangen ist, versucht Arsace erneut, Rosmira seine Liebe zu erklären. Doch sie glaubt ihm nicht, und in seiner Brust kämpfen Pflicht und Liebe, Scham und Ehre miteinander.[7]

Dritter Akt[Bearbeiten]

Im Garten bittet Armindo Partenope um die Audienz für „Eurimene“. „Dieser“ erklärt nun, „er“ sei im Auftrag der zyprischen Fürstin Rosmira gekommen, die von Arsace verlassen worden sei, um ihn zum Duell zu fordern. Partenope ist entsetzt, Armindo und Emilio schöpfen Hoffnung. Arsace dagegen versucht ein letztes Mal, Rosmira zur Vernunft zu bringen – umsonst. Gegen ihr Gefühl wehrt sie seine Versöhnungsversuche ab.

Partenope bestimmt Ormonte als Schiedsrichter in dem Duell. Armindo bietet sich als Sekundant für „Eurimene“ an, Emilio für Arsace. Endlich hat Partenope Armindos Treue erkannt und ist bereit, ihm ihr Herz zu schenken. Voller Verzweiflung schläft Arsace auf einem Felsen ein. Als Rosmira ihn findet, ist sie von Mitleid überwältigt, doch als sie Partenope kommen sieht, muss sie ihr Spiel weiterspielen. Und Partenope ermuntert „Eurimene“, für Rosmira zu kämpfen und den Ungetreuen zu bestrafen. Armindo und Emilio bereiten sich auf ihre Aufgabe vor.

Der Schauplatz des Duells ist vorbereitet. Heimlich versucht Arsace noch einmal, Rosmira von ihrem Vorhaben abzubringen. Als es auch diesmal nichts fruchtet, greift er zu seinem letzten Mittel und macht von seinem Recht Gebrauch, mit nackter Brust kämpfen zu wollen. Da dieses nach den Regeln für beide Duellanten gilt, wird „Eurimene“ aufgefordert, ebenfalls „seinen“ Oberkörper zu entblößen. Nun kann Rosmira nicht anders, als ihre wahre Identität preiszugeben. Partenope zeigt Verständnis und ist bereit, allen zu vergeben, reicht Armindo die Hand zum Ehebund, führt Arsace und Rosmira zusammen und entlässt Emilio in die Freiheit, nicht ohne ihm vorher ihre Freundschaft angeboten zu haben.[7]

Musik[Bearbeiten]

In Händels Musik findet sich kaum eine Spur von dem pathetisch-heroischen Zug, den seine Opern zuvor sonst kennzeichneten. Mit dem ganzen Reichtum seiner musikalischen Phantasie ist es ihm geglückt, die vielfältigen Empfindungen der Liebe klanglich mit größter Behutsamkeit in Musik darzustellen. Aus den Angriffen der Bettler-Oper und den zurückliegenden Misserfolgen – sie waren auch auf ihn gemünzt – hatte er eine Lehre gezogen. Händel hat sich aber auch von den Neuerungen, die er in Italien gerade kennengelernt hatte, anregen lassen und sie – das zeigen einige Arien – ganz in seinen Stil eingeschmolzen. So hat er in fast der Hälfte der Arien das Orchester nur zweistimmig gehalten.[2]

Für die Rückkehr Senesinos in der Spielzeit 1730/31 hat Händel eine Reihe von Arien Bernacchis einen Ton tiefer transponiert. Außerdem komponierte Händel für Senesino zusätzlich Seguaci di Cupido (Nr. 45b), welche anstelle von Partenopes Arie Sì, scherza, sì (Nr. 45a) gesungen wurde. Die Änderungen, die Händel für die Neuinszenierung 1737 vornehmen musste, erstreckten sich vor allem auf die Transposition der Partien des Armindo in die Sopranlage für Gioacchino Conti, genannt „Gizziello“, und die des Ormonte in die Altlage für Maria Caterina Negri.[6] Insgesamt sind diese und weitere Änderungen aber nicht als Verbesserungen zu verstehen, sondern lediglich als ein Anpassen an neue Gegebenheiten.

Erfolg und Kritik[Bearbeiten]

“[The libretto is] the very worst book (excepting one) that I ever read in my whole life: Signor Stampiglia [...] endeavours to be humourous and witty in it: If he succeeded in his attempt, on any stage in Italy, ‘twas, meerly, from a depravity of Taste in the audience – but I am very sure ‘twill be received with contempt in England.”

„[Das Libretto ist] das schlechteste Buch (außer einem), die ich jemals zuvor in meinem ganzen Leben gelesen habe. Signor Stampiglia [...] ist bestrebt, sowohl humorvoll als auch witzig zu sein: wenn ihm das auf einer Bühne in Italien gelang, war es nur ein Zeugnis vom schlechten Geschmack des Publikums, denn ich bin sehr sicher, es würde in England verachtet werden.“

Owen Swiney: Brief an Charles Lennox, 2. Duke of Richmond. Bologna, 13. August 1726.[8][9]

„[Im Ganzen ist die Musik durch] größere Eingänglichkeit des Musikalischen, stärkere Volkstümlichkeit des Melodischen und eine Vereinfachung des Orchestersatzes [gekennzeichnet].“

Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Köln 1995.[10]

„Händels Partenope-Partitur ist ein raffiniertes Klangwunder. Die Gesangsnummern reichen von lyrischen Kanzonen über brillante Solo-Arien bis zu vierstimmigen Ensembles. Das Orchester bietet mit Traversflöten, [Oboen, Fagott], Hörnern, Trompeten…eine Fülle von farblichen Möglichkeiten.“

Deutsche Presse-Agentur. 20. Februar 2011.[11]

“[…] the aria ‘Ch’io parta?’ […] is one of the line of ‘otherwordly’ slow movements in E major that lead to ‘I Know that my Redeemer liveth’. It was a key in which Handel found a fatalistic quality, and Burney admits that this aria has ‘no fault but brevity’.”

„[…] die Arie ‚Ch’io parta?‘ [(Nr. 36)][…] gehört zu jenen überirdisch-verklärten langsamen E-Dur-Sätzen, die schließlich zu ‚Ich weiß, dass mein Erlöser lebet‘ [(Messiah Nr. 40)] hinführen. Diese Tonart besaß für Händel fatalistischen Charakter, und Burney bekennt, dass der einzige Fehler dieser Arie in ihrer Kürze liege.“

Christopher Hogwood: Handel. London 1984.[12][1]

Orchester[Bearbeiten]

Zwei Traversflöten, zwei Oboen, Fagott, Trompete, zwei Hörner, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Laute, Cembalo).

Diskografie[Bearbeiten]

La Petite Bande; Dir. Sigiswald Kuijken (190 min)
  • Händel Gesellschaft (2001): Meredith Hall (Partenope), Kai Wessel (Arsace), Annette Markert (Rosmira), Christopher Josey (Armindo), John McVeigh (Emilio), William Berger (Ormonte)
Philharmonia Baroque Orchestra San Francisco; Dir. Nicholas McGegan
The Early Opera Company; Dir. Christian Curnyn (190 min)
Concerto Copenhagen; Dir. Lars Ulrik Mortensen (DVD)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2000, ISBN 3-458-34355-5, S. 170 ff.
  2. a b c d e Eduard Gröninger: Händel. Partenope. DHM GD 77109, Freiburg 1979, S. 11–13.
  3. Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006, Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-268-3, S. 154.
  4. Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 3-7618-0717-1, S. 179.
  5. a b Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 3-7618-0717-1, S. 180.
  6. a b Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 343.
  7. a b c d Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 265 ff.
  8. Handel Reference Database 1726
  9. English National Opera: Programme, Parthenope, 12
  10. Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 476.
  11. news.de
  12. Christopher Hogwood: Handel. Thames and Hudson, London 1984, Paperback Edition 1988, ISBN 978-0-500-27498-9, S. 94.