Parti communiste français

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Parti communiste français
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Pierre-Laurent.jpg
Partei­vorsitzender Pierre Laurent (Secrétaire National)
Gründung 1920
Gründungs­ort Tours
Haupt­sitz 2, Place du Colonel Fabien
75019 Paris
Aus­richtung kommunistisch
Farbe(n) rot
Parlamentsmandate 15 (Assemblée nationale)
Mitglieder­zahl 138.000 (Stand: 2012)
Europapartei EL
Website www.pcf.fr
Ein von der PCF organisiertes Volksfest

Die Parti communiste français (PCF, dt. Kommunistische Partei Frankreichs) ist mit 138.000 Mitgliedern die mitgliederstärkste kommunistische Partei Westeuropas. Zugleich ist sie in der französischen Kommunalpolitik mit 10.000 Gewählten in 500 Gemeinden präsent.[1]

Die PCF wurde 1920 beim Parteitag von Tours nach dem Auseinanderbrechen der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO, dt.: Französische Sektion der Arbeiter-Internationale) gegründet. Offizielle Parteizeitung war lange Zeit die Zeitung L’Humanité, die trotzdem ihre strukturelle Unabhängigkeit bewahrte. Der Sitz der Partei befindet sich am Place du Colonel Fabien in Paris in einem vom berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfenen Betonbau.

Die früher mit der Partei eng verbundene Gewerkschaft CGT ist inzwischen organisatorisch und inhaltlich unabhängiger von der PCF geworden.

Die PCF war mehrfach an französischen Regierungen beteiligt, beispielsweise nach dem Wahlsieg François Mitterrands 1981. Zusammen mit der italienischen PCI galt die PCF zwischen Anfang der 1970er und Ende der 1980er Jahre mit als bedeutendste Vertreterin der – die pluralistisch-demokratischen Strukturen der westlichen Demokratien anerkennenden – Strömung des Eurokommunismus, und grenzte sich damit in wesentlichen strukturellen, aber auch in einigen inhaltlichen Punkten von den kommunistischen Parteien der damaligen als realsozialistisch bezeichneten Systeme Osteuropas ab.

Parteigeschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Als Erbe der Pariser Kommune von 1871 wuchs die PCF neben der PCI zur bedeutendsten Partei dieser Ausrichtung in den westlichen Demokratien an. Ihr politisches Gewicht ging vorwiegend zulasten sozialdemokratischer Strömungen. Diese konnten bis 1984 keine Regierung ohne die Unterstützung der Kommunisten bilden und in Frankreich aufgrund ihrer Zersplitterung erst spät eine politische Bedeutung erlangen, die der demokratischer und linksgerichteter Parteien anderer europäischer Staaten entspricht.

Innerhalb der SFIO waren 1914 die Reaktionen auf die Allianz mit Raymond Poincaré bei Ausbruch des Krieges geteilt. Während des Krieges steigerten sich die Spannungen innerhalb Frankreichs in der Zeit bis zur russischen Oktoberrevolution 1917 zu Meutereien und Streiks. Im März 1919 wurde die Kommunistische Internationale (Komintern) gegründet, die zu einem Bruch innerhalb der französischen Bewegung führte. Auf einem Parteitag in Straßburg im Februar 1920 wurde beschlossen, zunächst die Organisation der Sozialistischen Internationale zu verlassen. Beim anschließenden Parteitag in Tours im Dezember des gleichen Jahres sprach sich die Mehrheit der Vertreter unter dem Einfluss von Charles Rappoport und Boris Souvarine für eine Anbindung an die Komintern aus und gründete die Section française de l'Internationale communiste (SFIC, dt.: Französische Sektion der Kommunistischen Internationale), die 1922 zur Kommunistischen Partei Frankreichs wurde.

Einfluss der Internationalen Kommunistischen Bewegung[Bearbeiten]

Sowjetische Briefmarke mit Maurice Thorez (1965)

Die Anfänge der Partei wurden von heftigen Querelen innerhalb der Bewegung begleitet. Sie führten noch im gleichen Jahr zum Ausschluss zahlreicher Mitglieder und Führungspersönlichkeiten, die als Opportunisten betrachtet wurden. Nach einem ersten Wahlerfolg 1924 sank die Popularität der Partei infolge der Stalinisierung und erreichte 1932 einen Tiefpunkt. Es folgten ein Rückgang auf 25.000 Mitglieder und schlechte Wahlergebnisse. Der Generalsekretär der PCF, Maurice Thorez, unterhielt enge Kontakte zu Josef Stalin. In der Folgezeit steigerte sich die Abhängigkeit von den Anweisungen der sowjetischen Staatsbürokratie. Auch an der Parteibasis machte sich diese Veränderung der politischen Ausrichtung bemerkbar. Allmählich wandelte sich die Anhängerschaft, die bisher vorherrschende Mittelklasse (Lehrpersonal, Journalisten, Ärzte, usw.) wurde zunehmend durch junge Arbeiter ersetzt. Die Bindung an die sowjetische Partei nahm auch eine wirtschaftliche Dimension an, als die PCF ab 1950 jährlich mehrere Millionen Franc an Zahlungseingängen von dieser verbuchte.

Viele der bisher mit der PCF sympathisierenden Intellektuellen wandten sich im Prozess der Stalinisierung von der Partei ab, so die Surrealisten André Breton und Benjamin Péret, welche sich beide zumindest zeitweise trotzkistischen Gruppen anschlossen, sowie der Schriftsteller André Gide.

Antifaschismus und Front Populaire[Bearbeiten]

Der Kampf gegen den Faschismus, aus dem Helden der Résistance wie Gabriel Péri oder Guy Môquet hervorgingen, bildet wahrscheinlich das erfolgreichste Kapitel der Parteigeschichte. Dennoch blieben die Positionen der Partei in dieser Frage nicht immer eindeutig.

Ursprünglich, als sich die Machtergreifung Benito Mussolinis, dann Adolf Hitlers anbahnte, wurde der Faschismus als ultimative Form des Kapitalismus und Imperialismus angesehen. Die Sozialisten wurden als Verräter an der Arbeiterklasse betrachtet, namentlich weil die deutschen Sozialdemokraten im Januar 1919 im Dienste der Reaktion den Spartakusbund bekämpft hatten (Sozialfaschismusthese), eine Denkströmung, wie sie noch heute von einigen linksextremistischen Gruppierungen wie der Lutte Ouvrière vertreten wird.

Gegen diese Politik stellte sich Jacques Doriot, Generalsekretär der Kommunistischen Jugend. Er wurde im Juni 1934 dafür aber aus der Partei ausgeschlossen. Er ist auch bekannt für die spätere Gründung einer Bewegung, die sich durch ihre Unterstützung des faschistischen Regimes und ihre antikommunistische Ausrichtung geradezu auszeichnete, was wahrscheinlich mit dieser Erfahrung in Zusammenhang zu bringen ist.

Ironischerweise wurde seine Beurteilung der Situation von Josef Stalin, der auf die Verherrlichung Adolf Hitlers mit Besorgnis reagierte, übernommen. Der Parteitag, der den Ausschluss von Jacques Doriot besiegelte, wurde sogar um einen Tag verlängert, um es Maurice Thorez zu ermöglichen, die neue Politik einer einheitlichen Vorgehensweise vorzustellen, die auf eine Einigung der linken Strömungen abzielte und eine radikale Wende der Anweisungen aus Moskau darstellte.

Als Folge stellte sich eine patriotische Ausrichtung der Bewegung ein, die in einem Zusammenschluss mit der SFIO und der Parti radical socialiste unter der Bezeichnung Front populaire mündete und es den Parteien ermöglichte, bei den Wahlen 1936 den Sieg davonzutragen. Bei den darauf folgenden Gemeinderatswahlen gelang es den Kommunisten, mehrere Pariser Arbeitervorstädte von ihrer Politik zu überzeugen. Dank einer stärkeren gesellschaftlichen als politischen Ausrichtung ihrer Arbeit in diesen Gemeinden war es der PCF möglich, sich die Loyalität dieser Bastionen ihrer Macht, unter der Bezeichnung Ceinture Rouge (Roter Gürtel) bekannt, bis in die 1980er Jahre zu bewahren.

Dem spontanen Generalstreik 1936 gegenüber ablehnend eingestellt, unterstützte die PCF in der Folge die neue Regierung, ohne an ihr beteiligt zu sein. Die PCF stärkte die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg zugunsten der republikanischen Regierung.

Im Oktober 1938 widersetzten sich die Kommunisten als einzige Partei dem Münchner Abkommen, das die Annexion der Tschechoslowakei besiegeln sollte, und von dem die Sowjetunion bewusst ausgeschlossen blieb.

Die Nachricht der Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes am 24. August 1939 mit geheimen Klauseln, welche die Aufteilung Polens und weiterer Teile Osteuropas vorsahen, führte zum Schock. Seitens der französischen Regierung führte der Pakt zum Abbruch diplomatischer Beziehungen mit Moskau sowie zum Verbot der kommunistischen Parteiorgane L’Humanité und Soir am 26. August.[2]

Kriegsausbruch und Parteiverbot[Bearbeiten]

In Fortführung ihrer patriotischen Volksfrontpolitik sprach sich die Partei zunächst auch für einen Krieg gegen Deutschland aus, erhielt aber im September 1939 gegenteilige Anweisungen der Komintern-Zentrale aus Moskau. Der Krieg wurde nicht als Kampf gegen den Faschismus, sondern als eine Auseinandersetzung zwischen kapitalistisch-imperialistischen Staaten bezeichnet, entsprechend sollte die PCF ihre Haltung ändern. Das Verbot der Partei bis Ende September 1939 hinderte sie jedoch an einer effektiven Umsetzung ihrer Ziele. Gleichzeitig wurde der Aufruf der Komintern von der Regierung als Rechtfertigung genutzt, gegen vermeintliche kommunistische Saboteure und Defätisten vorzugehen. Der tatsächliche Umfang der Sabotage der französischen Verteidigungsbemühungen wird jedoch als extrem gering eingeschätzt.[3]

In den Untergrund gedrängt und in Abwesenheit ihrer bedeutendsten Führer, die als Soldaten mobilisiert worden oder wie Maurice Thorez in die Sowjetunion geflohen waren, durchlebten die Aktivisten der Partei eine Phase der Orientierungslosigkeit.

In der Erwiderung auf die Meldung der französischen Nachrichten- und Werbeagentur Havas über eine angebliche Rede Josef Stalins vor dem Politbüro am 19. August 1939 erklärte dieser am 30. November 1939 in einem Artikel in der sowjetischen Tageszeitung Prawda:[4]

„Diese Meldung der Agentur Havas ist wie viele andere ihrer Meldungen ein Lügengeschwätz. Ich kann natürlich nicht wissen, in welchem Café-chantant dieses Lügengeschwätz fabriziert worden ist. Aber wie sehr auch die Herrschaften in der Agentur Havas lügen mögen, so können sie doch nicht in Abrede stellen,

  1. daß nicht Deutschland Frankreich und England angegriffen hat, sondern daß Frankreich und England Deutschland angegriffen und damit die Verantwortung für den gegenwärtigen Krieg auf sich genommen haben;
  2. daß Deutschland nach der Eröffnung der Kampfhandlungen Frankreich und England Friedensvorschläge unterbreitet, und daß die Sowjetunion diese Friedensvorschläge Deutschlands offen unterstützt hat, weil sie der Auffassung ist und dies auch weiterhin sein wird, daß eine schnellstmögliche Beendigung des Krieges in entscheidender Weise die Lage aller Länder und Völker erleichtert würde;
  3. daß die herrschenden Kreise Englands und Frankreichs in brüsker Form sowohl die Friedensvorschläge Deutschlands wie auch die Versuche der Sowjetunion, eine schnellstmögliche Beendigung des Krieges zu erreichen, abgelehnt haben. Das sind die Tatsachen.

Was können die Café-chantant-Politiker aus der Agentur Havas dem entgegenstellen?“

J. Stalin

Nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 beantragten die Kommunisten erfolglos bei der Besatzungsmacht die erneute Zulassung ihrer Parteizeitung L’Humanité. Gleichzeitig brachten sie sich mit Persönlichkeiten wie Guy Môquet in Paris, Eusebio Ferrari in Nordfrankreich und zahlreichen anderen aktiv in die Résistance ein.

Résistance, Nachkriegszeit und Beginn des Kalten Kriegs[Bearbeiten]

Mit Hitlers Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 bekam die Partei die Weisung, sich erneut im antifaschistischen Kampf zu engagieren, was auch mit hohem Engagement geschah[5]. 1944 beteiligte sich die PCF an der Seite der Gaullisten an der Befreiung von der deutschen Okkupation. Das Engagement und die Opferbereitschaft der französischen Kommunisten innerhalb der Résistance, der Mut der sowjetischen Soldaten und letztendlich der Sieg der Alliierten, ließen die Zwiespältigkeit der sowjetischen Politik in Vergessenheit geraten und hoben das Prestige der Bewegung wieder so weit an, dass sie in die Regierung der nationalen Einheit aufgenommen wurde. Aus den Wahlen zur Nationalversammlung 1946 ging die PCF mit 28,8 % der Wählerstimmen als stärkste Partei hervor. Mit der Anbindung der Gewerkschaft CGT an die sowjetischen Kommunisten 1945 verstärkte sich der Einfluss der Partei auf das Arbeitermilieu. Auf dieser Grundlage entwickelte sich eine kommunistische Gegenkultur, die darauf abzielte, die Bevölkerung in allen ihren Lebensbereichen zu erfassen und infolgedessen beispielsweise die Gründung von Zentren für Kollektivurlaub durch kommunistische Gemeinden mit sich brachte. In diese Epoche fiel ebenfalls das Wirken von Arbeiterpriestern, die Katholiken für die Ideologie der Partei empfänglich machten.

Viele Künstler und Intellektuelle wie Louis Aragon, Paul Éluard, Yves Montand, Pablo Picasso, Henri Wallon oder auch Max Gallo und Jean-Paul Sartre standen der Partei zeitweilig nahe. Zu dieser Zeit war die PCF voll in die Regierungsarbeit eingebunden, und der Kampf ihrer Gegner beschränkte sich auf einige wenige rechtsradikale Gruppierungen, die völlig am Rande der Gesellschaft standen.

Mit dem Marshallplan und dem Beginn des Kalten Krieges 1947 sah sich die PCF gegenüber den Sozialisten der SFIO in eine Oppositionsrolle gedrängt, schnitt aber dennoch in der Wählergunst etwas besser ab. Organisationen wie die Friedensbewegung ermöglichten ihren Sympathisanten, sich gegen den US-amerikanischen Imperialismus und seine französischen Handlangern stark zu machen.

In der Nachfolge des Kampfes gegen das Vichy-Regime blieb die Partei eine patriotische Bewegung. In diesem Rahmen sah die Partei im Antiamerikanismus einen Schutz vor einer neuen Form des Imperialismus und die Fortsetzung des Kampfes gegen den Faschismus. An dieser Quelle schürt sich noch die heutige antiamerikanisch ausgerichtete Bewegung.

1950er Jahre[Bearbeiten]

Bis zum Tod Stalins am 5. März 1953 unterstützte die PCF dessen Regime bedingungslos. 1956 begann mit der Veröffentlichung des Berichts von Nikita Sergejewitsch Chruschtschow im Frühjahr und verstärkt nach der Unterdrückung des Ungarischen Volksaufstandes durch sowjetische Truppen im Herbst die Äußerung von Zweifeln an der Rechtfertigung der stalinistischen Politik, die für viele frühere Résistants mit heftigen Auseinandersetzungen verbunden sein sollte. Anfangs bereitete es der Partei Schwierigkeiten, dem Stalinismus eine Absage zu erteilen und der neuen Linie friedlicher Koexistenz, die von Chruschtschow vorgegeben wurde, zu folgen. Leitende Persönlichkeiten der Partei lehnten es ab, sich mit Chruschtschows Bericht auseinanderzusetzen. Ende der 1950er Jahre lösten sich zudem die Strukturen der PCF in den Überseegebieten von der Mutterpartei los. Sie gründeten eigene Parteien, so etwa 1958 die Parti communiste guadeloupéen (PCG) oder 1959 die Parti communiste réunionnais (PCR).

1960er Jahre[Bearbeiten]

Nach dem Tod von Maurice Thorez 1964 übernahm Waldeck Rochet die Führung der Partei. Als militante Orthodoxe marxistisch-leninistischer Ausrichtung, die sich wie Jacques Jurquet und Marcel Juliot der Entstalinisierung verweigerten und offen für eine Unterstützung der Politik der Volksrepublik China eintraten, wurden sie aus der Partei ausgeschlossen. So kam es auf Initiative dieser Kreise im September zur Gründung der ersten maoistischen Organisation, nämlich der Fédération des Cercles Marxistes-Léninistes de France (FCML). Die PCF blieb noch für längere Zeit eine stalinistisch-leninistische Kaderpartei, was sich vor allem in den Parteistrukturen widerspiegelte wie beispielsweise an dem demokratischen Zentralismus, dem Fraktionsverbot, der Bildung von Betriebszellen an der Basis, den Parteiausschlüssen und dem reaktionären Charakter der Parteiführung.

Von den Ereignissen im Mai 1968 eher verstört, widersetzte sich die PCF zunächst der Streikbewegung der Studenten und kritisierte die Besetzung der Universitäten. Selbst als Beschäftigte sich dem Streik anschlossen, sprachen die Kommunisten dem Generalstreik jedes revolutionäre Potenzial ab und weigerten sich, an der Versammlung im Stadion von Charléty teilzunehmen. Diese Empfehlung übernahm auch die der PCF nahestehende Gewerkschaft CGT. Im Sommer 1968 äußerte allerdings Waldeck Rochet Kritik an der Unterdrückung des Prager Frühlings. Bei den Präsidentschaftswahlen 1969 schnitt Jacques Duclos mit 21,3 % der Wählerstimmen im ersten Wahlgang ausgezeichnet ab und erzielte das beste Ergebnis eines Kommunisten bei einer Präsidentschaftswahl in Frankreich aller Zeiten.

1970er Jahre[Bearbeiten]

Georges Marchais

Insgesamt sahen die 1970er-Jahre tendenziell eine Schwächung des Ansehens der Partei in der Bevölkerung. Mit dazu bei trug die Veröffentlichung von Solschenizyns Der Archipel Gulag (1974), dessen Bild vom Stalinismus eine weiterhin unkritische Rezeption unmöglich machte und fatale Folgen für das Ansehen der Partei in der Öffentlichkeit nach sich zog. Um im linken Parteienspektrum die Führungsrolle anzunehmen, kam es 1972 zur Unterzeichnung eines gemeinsamen Regierungsprogramms mit der Sozialistischen Partei. Die Vorteile aus der Allianz machten sich allerdings nur einseitig zugunsten der Sozialisten bemerkbar, weshalb die Parteiführung das gemeinsame Programm nach sechs Jahren wieder aufgab.

1976 distanzierte sich die PCF von der Linie des Sowjetkommunismus und schlug eine stärker eurokommunistisch geprägte Richtung ein, so wurde etwa der Begriff der Diktatur des Proletariats aus dem Parteiprogramm gestrichen.[6] Dennoch kam es infolge von Ereignissen wie der öffentlichen Befürwortung Georges Marchais' der Intervention in Afghanistan durch sowjetische Truppen 1979 endgültig zum Bruch mit den Künstlern und Intellektuellen, die der Bewegung traditionell nahestanden. Auf dem XXIII. Parteitag (9. bis 13. Mai 1979) erfolgte das vorläufige Ende der Öffnung der Partei: Parteichef Marchais setzte sich mit seiner Position durch, die in Osteuropa herrschenden politischen Systeme des Realsozialismus seien „grundsätzlich positiv“. Es gab keinerlei kritische Auseinandersetzungen und innerparteiliche Kritiker wie Jean Elleinstein wurden erst gar nicht auf den Parteitag delegiert. Es erfolgten eine Wiederannäherung an sowjetische Positionen und der Ausschluss von einigen eurokommunistisch orientierten Mitgliedern. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Journalisten, Schriftsteller oder Geisteswissenschaftler.

1980er Jahre[Bearbeiten]

1981 war die PCF nach dem Wahlsieg der Linken unter Mitterrand an der Regierung von Pierre Mauroy beteiligt, mit Charles Fiterman als Verkehrsminister, Anicet Le Pors als Minister für Öffentlichen Dienst, Jack Ralite als Gesundheitsminister und Marcel Rigout als Bildungsminister. Nachdem die Wahlversprechen von der Verstaatlichung der Großindustrie und der Banken erfüllt worden waren, begann der sozialistische Finanzminister Jacques Delors zwischen Juni 1982 und März 1983 einen wirtschaftlichen Austeritätskurs, nachdem sich drei Mal in Folge Abwertungen der Währung als notwendig erwiesen hatten und zu Milliardenverlusten an Kapital und einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt hatten. Aus diesem Hintergrund ist die Entscheidung der Sozialisten zu verstehen, nicht an ihren wirtschaftlichen und sozialen Reformen festzuhalten, aus Angst, die französische Wirtschaft innerhalb Europas in die Isolierung zu treiben. Als Ergebnis beschloss die PCF im Jahr 1984 die Regierung zu verlassen, um gegen diese neoliberale Ausrichtung der von den Sozialisten gestellten Regierung zu protestieren.

Die Kritik der PCF blieb allerdings undefinierbar und ohne konkrete Projekte, begleitet von tiefgreifenden internen Spaltungen der Bewegung und als Ergebnis einer neuen Phase von Auflösungserscheinungen. Auf die Reformprozesse in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow fand die PCF, die immer die kommunistische Orthodoxie unterstützt hatte, keine klare Antwort. Dabei kam es zu zunehmenden internen Auseinandersetzungen, bei denen innerparteiliche Kritiker wie Pierre Juquin aus der Partei ausgeschlossen wurden.

1990er Jahre[Bearbeiten]

1994 übernahm Robert Hue den Platz an der Parteispitze. Trotz eines stetigen Rückgangs in der Wählergunst in den 1970er und 1980er Jahren und dem Scheitern der Revolution nach sowjetischem Vorbild, die in dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung der ehemaligen Ostblockstaaten mündete, blieb der Einfluss der PCF dennoch nicht zu vernachlässigen. Unter Hue wurden orthodox-kommunistische Positionen wie der demokratische Zentralismus aufgegeben und es kam zu einem neuen Dialog mit den innerparteilichen Gegnern der Parteilinie.

Seine Bemühungen richteten sich außerdem auf eine Wiederannäherung an die Sozialdemokratie in Gestalt der Parti socialiste im Rahmen einer strategischen Allianz, der Gauche plurielle, mit der Parti socialiste und den Grünen. Daraufhin gelang es der Partei 1997 wieder einige Persönlichkeiten in die Regierung einzubringen: Jean-Claude Gayssot als Verkehrs- und Wohnungsminister, Marie-George Buffet als Ministerin für Sport sowie Michelle Demessine als Staatssekretärin im Ministerium für Tourismus. Die Neuorientierung bedeutete aber auch heftige Auseinandersetzungen innerhalb der Partei.

2000er Jahre[Bearbeiten]

Demonstration der PCF 2005

Auf dem 31. Parteitag im Oktober 2001 wurde Robert Hue als Generalsekretär von Marie-George Buffet abgelöst. Die katastrophalen Ergebnisse bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2002 brachten die Partei finanziell in eine extrem prekäre Situation, aber die Ausgabe von Obligationen ermöglichte es schon bald, das Defizit zu überwinden. Zudem war bei den folgenden Wahlen eine Erholung in der Gunst der Öffentlichkeit zu verspüren.

Unter dem Einfluss von Buffet machte sich eine Öffnung der Bewegung bemerkbar, indem bei den Regionalwahlen 2004 auch Kandidaten aus dem Milieu der Globalisierungskritiker und der Verbandsarbeit in die Listen aufgenommen wurden.

Gleichzeitig kam es, zwecks Koordinierung der Aktivitäten der Kapitalismusgegner, im Mai 2004 bei einer Tagung in Rom zur Gründung einer Europäischen Linken. Es sei bemerkt, dass die PCF mit 135.000 eingetragenen Mitgliedern in dieser Hinsicht stärkste Partei Frankreichs bleibt. Im Rahmen der Kampagne der Gegner einer Europäischen Verfassung im Vorfeld des Referendums 2005 nahm die PCF eine bedeutende Rolle ein und sah ihre Zukunft in einem radikaleren linken Forum als die Sozialdemokraten der Parti socialiste (PS), nämlich gemeinsam mit oder in Konkurrenz zu den Trotzkisten der Ligue communiste révolutionnaire (LCR) und den Globalisierungskritikern.

Nach der Gründung der Linkspartei durch sozialistische Dissidenten Ende 2008 haben beide Strömungen gemeinsame Initiativen angekündigt. Am 8. März 2009 wurde etwa die Front de gauche für die Europawahlen vorgestellt. Auch bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen arbeiteten beide Parteien zusammen.

Am 20. Juni 2010 ist Pierre Laurent mit 80,7 % der Stimmen als Nachfolger von Buffet zum Parteivorsitzenden gewählt worden.[7]

Aktuelle Strömungen innerhalb der Partei[Bearbeiten]

Auf dem politischen Spektrum der radikalen Linken sieht sich die PCF der Konkurrenz von Parteien wie der Lutte Ouvrière und der LCR (bzw. seit 2009 der Nouveau Parti anticapitaliste (NPA)) ausgesetzt, ohne dass es ihr möglich ist, auf der Seite der gemäßigteren Linken, der Parti socialiste, Stimmen abzuringen. Paradoxerweise wird zudem ihre Rolle als Protestpartei von einer rechtsextremen Partei übernommen, dem Front National, der eigenen Aussagen nach einen Teil seiner Anhänger aus den Kreisen der Arbeiterklasse und ehemaliger Kommunisten schöpft, was wiederum von der PCF strikt bestritten wird. Innerparteilich zeichnet sich die PCF durch eine Vielfalt an Meinungen und Denkströmungen aus.

Mit dem Parteiapparat verbundene Strömungen sind nicht offiziell, aber klar wahrzunehmen:

  • Die Anhänger der Linie von Marie-George Buffet (Buffistes) leiten die Partei und verteidigen das Prinzip einer Allianz mit der Parti socialiste, aber auch mit diversen Globalisierungsgegnern und sozialen Bewegungen
  • Die Anhänger der Linie von Robert Hue (Huistes) verteidigen das Prinzip der Allianz mit der Parti socialiste im Rahmen der Gauche plurielle.
  • Die Befürworter einer Erneuerung, Patrick Braouezec und Roger Martelli verbunden, kritische Anhänger der Parteiführung unter Buffet, setzen sich für einen losen Zusammenschluss des PCF mit sozialen Bewegungen ein und für eine Öffnung der Listen der Partei für deren Anhänger

Diese drei ersten Gruppierungen bilden die Mehrheit innerhalb der Partei.

  • Die ehemaligen Anhänger der Linie von Georges Marchais (Marchaisiens) verteidigen das Prinzip einer Autonomie der Partei im Verhältnis zur Parti socialiste, befürworten dabei aber einen neuen Zusammenschluss der Linken um wieder ein Gleichgewicht innerhalb der Allianz zugunsten der PCF herzustellen.
  • Die orthodoxen Kommunisten der Regionalorganisation des Départements Pas-de-Calais.
  • Die kommunistische Linke hinter Jean-Jacques Karmann, die zunächst in Opposition zur Parteiführung stand, sich mit der Zeit aber der Linie der Parteimehrheit annäherte.

Präsidentschaftskandidaten[Bearbeiten]

Vor 1958, während der Vierten Republik, wurde der Staatspräsident von den Abgeordneten und Senatoren der Nationalversammlung gewählt, später vom Parlament. Am 21. Dezember übernahm eine Delegation von 80.000 Wahlmännern diese Funktion. Mit den Verfassungsreformen zur Fünften Republik im Jahre 1962 wurde der Präsident allgemein und unmittelbar vom Volk gewählt.

Jahr Kandidat Prozent Alter Mandatsfunktion
1924 Zéphyrin Camélinat 2,4 % 84 Jahre ehemaliger Abgeordneter für die Seine
1931 Marcel Cachin 1,1 % 61 Jahre Abgeordneter für das Département Seine
1932 Marcel Cachin 1,0 % 62 Jahre Abgeordneter für das Département Seine
1939 Marcel Cachin 8,1 % 69 Jahre Senator für das Département Seine
1953 Marcel Cachin 12,1 % 84 Jahre Abgeordneter für das Département Seine
1958 Georges Marrane 13,0 % 70 Jahre Abgeordneter für das Département Seine
1969 Jacques Duclos 21,3 % 72 Jahre Senator für das 20. Pariser Arrondissement
1974 Unterstützung für François Mitterrand
1981 Georges Marchais 15,4 % 60 Jahre Abgeordneter für das Département Val-de-Marne
1988 André Lajoinie 6,8 % 59 Jahre Abgeordneter für das Département Allier
1995 Robert Hue 8,6 % 48 Jahre Bürgermeister von Montigny-lès-Cormeilles
2002 Robert Hue 3,4 % 55 Jahre Abgeordneter für das Département Val-d’Oise
2007 Marie-George Buffet 1,9 % 57 Jahre Abgeordnete für das Département Seine-Saint-Denis
2012 Jean-Luc Mélenchon (Front de Gauche) 11,1 % 60 Jahre Abgeordneter des Europäischen Parlaments

Parlamentswahlen[Bearbeiten]

In Frankreich wird die Nationalversammlung nach dem romanischen Mehrheitswahlrecht in zwei Wahlgängen gewählt. Eine Ausnahme bildet lediglich die Parlamentswahl aus dem Jahre 1986 bei der nach dem Verhältniswahlrecht gewählt wurde.

Stimmenanteile der Kommunisten in den Wahlen seit 1945
Jahr Stimmen Prozent Sitze Parlamentsfraktion
1958 3 882 204 18,9 % 10 Sitze fraktionslos
1962 4 003 553 21,8 % 41 Sitze Groupe communiste
1967 5 039 032 22,5 % 71 Sitze Groupe communiste
1968 4 434 832 20,0 % 33 Sitze Groupe communiste
1973 5 156 619 21,3 % 73 Sitze Groupe communiste
1978 5 870 402 20,5 % 86 Sitze Groupe communiste
1981 4 065 962 16,1 % 43 Sitze Groupe communiste
1986 2 739 925 9,8 % 35 Sitze Groupe communiste
1988 2 765 761 11,3 % 25 Sitze Groupe communiste
1993 2 331 399 9,2 % 22 Sitze Groupe communiste
1997 2 519 281 9,9 % 34 Sitze Groupe communiste
2002 1 216 178 4,8 % 21 Sitze Groupe communiste et républicain
2007 1 115 719 4,3 % 15 Sitze Gauche démocrate et républicaine
2012 1 792 923 6,9 % 10 Sitze* Gauche démocrate et républicaine

* Wahlantritt als Front de Gauche, auf Kandidaten der PDF entfallen 7 der 10 Sitze der Fraktion.

Siehe auch[Bearbeiten]

Zusammenfassend zur Kurzform der Geschichte der PCF siehe auch unter Kommunistische Partei, die dortigen Unterartikel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zahlen auf politique.net (frz.), abgerufen am 8. Januar 2011
  2. In: Sonntagsblatt zu Staatszeitung und Herold (New York), 27. August 1939, S.A3
  3. Tablot Imlay: Mind the Gap. The Perception And Reality of Communist Sabotage of French War Production During the Phoney War. In: Past and Present, No. 189, (Nov. 2005), S. 179-234. Joel Blatt: The French Defeat of 1940. Reassessments. Berghahn Books: Oxford, 1998, ISBN 1571812261, S. 141.
  4. Prawda: Zu einer Lügenmeldung der Nachrichtenagentur Havas, 30. November 1939. Deutsche Übersetzung nach Viktor Suworow: Der Eisbrecher. Klett-Cotta, Stuttgart 1989.
  5. http://www.sedcontra.fr/La-Une/La-veritable-histoire-de-Guy-Moquet-victime-du-PCF-et-de-lElysee.html
  6. Vgl. hierzu Michael Mayer:„Machterschleichung auf Filzpantoffeln“. Die Bundesrepublik, die DDR und die mögliche Regierungsbeteiligung der Kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien in den Siebzigerjahren. In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2010, S. 127-141.
  7. Sylvia Zappi: Pierre Laurent élu à la tête du Parti communiste français. Le Monde, 19. Juni 2010.

Weblinks[Bearbeiten]