Partialbruchzerlegung
Die Partialbruchzerlegung ist eine standardisierte Darstellung rationaler Funktionen. Sie wird in der Mathematik verwendet, um die Rechnung mit solchen Funktionen zu erleichtern. Insbesondere kommt sie bei der Integration der rationalen Funktionen zur Anwendung.
Hier liegt die Tatsache zugrunde, dass jede rationale Funktion als Summe einer Polynomfunktion und Brüchen der Form
dargestellt werden kann. Die
sind dabei die Polstellen der Funktion.
Werden die Polstellen als bekannt vorausgesetzt, so ist die Bestimmung der Zähler
die eigentliche Aufgabe der Partialbruchzerlegung.
Bei reellwertigen Funktionen müssen die Polstellen
und infolgedessen auch die Zahlen
nicht unbedingt reell sein, denn die reellen Zahlen sind nicht algebraisch abgeschlossen. Man kann das Rechnen mit komplexen Zahlen aber vermeiden, weil mit jeder komplexen Nullstelle
auch die konjugiert komplexe Zahl
Nullstelle ist.
Statt
und
verwendet man dann einen Term
, wobei
eine reelle quadratische Form ist und auch
und
reell sind.
Inhaltsverzeichnis |
Der Hauptsatz über Partialbruchzerlegung [Bearbeiten]
Reellwertige Funktionen [Bearbeiten]
Jede rationale Funktion
mit den
verschiedenen reellen Polstellen
der Ordnung
und den
bis auf Konjugation verschiedenen komplexen Polstellen
der Ordnung
hat eine eindeutig bestimmte Darstellung
mit einer Polynomfunktion
und reellen Konstanten
,
und
. Diese wird die Partialbruchzerlegung (abgekürzt PBZ) von
genannt.
Die Brüche
heißen Partial- oder Teilbrüche 1. Art, die Brüche
Partial- oder Teilbrüche 2. Art.
Komplexwertige Funktionen [Bearbeiten]
Jede rationale Funktion
mit den
verschiedenen Polstellen
der Ordnung
hat eine eindeutig bestimmte Darstellung
mit einer Polynomfunktion
und komplexen Konstanten
.
Dieser Satz lässt sich für Polynome über jedem anderen algebraisch abgeschlossenen Schiefkörper verallgemeinern.
Anwendungen [Bearbeiten]
Die Partialbruchzerlegung wird unter anderem zum Integrieren rationaler Funktionen benutzt. Da die Integrale sämtlicher Partialbrüche bekannt sind, ist die Integration immer möglich, wenn sich die Polstellen der betrachteten Funktion angeben lassen.[1]
Des Weiteren wird die Partialbruchzerlegung bei der Laplace- und der z-Transformation benötigt.
Verfahren [Bearbeiten]
Die Partialbruchzerlegung einer reellen rationalen Funktion
wird in mehreren Schritten bestimmt:
- Man vergleicht den Grad des Zählers mit dem des Nenners von
:
- Ist der Zählergrad größer oder gleich dem Nennergrad, so dividiert man den Zähler durch den Nenner. Man erhält daraus das Polynom
und möglicherweise eine rationale Restfunktion
, sodass gilt:
.
- Ist
, ist das Verfahren abgeschlossen. - Andernfalls hat der Zähler
von
einen kleineren Grad als der Nenner
. Man arbeitet dann nur mehr mit der Restfunktion
weiter.
- Ist
- Ist der Zählergrad kleiner als der Nennergrad, so kann man die Funktion
direkt betrachten. Um im Folgenden eine einheitliche Bezeichnungsweise zu ermöglichen, setzen wir in diesem Fall
.
- Ist der Zählergrad größer oder gleich dem Nennergrad, so dividiert man den Zähler durch den Nenner. Man erhält daraus das Polynom
- Anschließend betrachtet man die Nullstellen von
. Abhängig von der Art der Nullstellen wird ein geeigneter Ansatz verwendet. - Die Konstanten
,
und
erhält man dann zum Beispiel durch Koeffizientenvergleich nach Multiplikation der Zerlegung mit dem Nennerpolynom.
Die beiden letzten Schritte sollen nun im Detail erläutert werden.
Ansatz [Bearbeiten]
Vorausgesetzt wird hier, dass
in der Form
gegeben ist, wobei der Grad von
kleiner als der Grad des Nennerpolynoms
ist und sämtliche Nullstellen von
bekannt sind. Sind, wie oben angenommen, die
verschiedenen Nullstellen
und ihr jeweiliger Grad
bekannt, so kann das Nennerpolynom auf folgende Form gebracht werden:
Zu beachten ist, dass einige der
komplex sein können.
Der Ansatz ist nun folgendermaßen aufgebaut:
- Für jede einfache reelle Nullstelle
enthält er einen Summanden 
- Für jede
-fache reelle Nullstelle
enthält er
Summanden 
Da
reell ist, gehört zu jeder komplexen Nullstelle
notwendigerweise auch die konjugiert komplexe Nullstelle
. Sei
das quadratische Polynom mit den Nullstellen
und
, also
.
- Für jede einfache komplexe Nullstelle
enthält der Ansatz nun einen Summanden 
- Entsprechend enthält der Ansatz für jede
-fache komplexe Nullstelle
(und die zugehörige, ebenfalls
-fache, konjugiert komplexe Nullstelle
) die
Terme 
Jeder Ansatz enthält somit genau
unbekannte Koeffizienten 
Bestimmung der Konstanten [Bearbeiten]
Um die Konstanten
,
und
zu ermitteln, wird
mit dem Ansatz gleichgesetzt und diese Gleichung mit dem Nennerpolynom
multipliziert.
Auf der einen Seite der Gleichung steht dann nur noch das Zählerpolynom
, auf der anderen ein Ausdruck mit allen Unbekannten, der ebenfalls ein Polynom in
ist und entsprechend nach den Potenzen von
geordnet werden kann. Ein Koeffizientenvergleich der linken und rechten Seite ergibt dann ein lineares Gleichungssystem, aus dem sich die unbekannten Konstanten berechnen lassen. Alternativ kann man bis zu
beliebige verschiedene Werte für
in diese Gleichung einsetzen, was wie der Koeffizientenvergleich zu einem aus
Gleichungen bestehenden linearen Gleichungssystem führt. Sinnvoll ist das Einsetzen der zuvor berechneten (reellen) Nullstellen, was sofort jeweils einen Koeffizientenwert liefert.
Diese beiden Möglichkeiten können auch kombiniert werden.
Laurent-Reihenentwicklung [Bearbeiten]
Ist für jede Polstelle eine Laurent-Reihenentwicklung der Funktion bekannt, so erhält man die Partialbruchzerlegung sehr einfach als Summe der Hauptteile dieser Laurent-Reihen. Dieser Weg steht im Zusammenhang mit dem Residuenkalkül.
Beispiele [Bearbeiten]
- 1. Beispiel
.
Es gibt zwei einfache Definitionslücken
und
. Der Ansatz lautet also
wobei
und
unbekannte, noch zu ermittelnde Konstanten sind. Multipliziert man beide Seiten der Gleichung mit
, erhält man
.
Sortiert man die rechte Seite nach Gliedern mit
und Gliedern ohne
, so ergibt sich
.
Koeffizientenvergleich: Der Koeffizient von
ist Eins:
und das absolute Glied Null:
. Hieraus lässt sich berechnen:
Die gesuchte Partialbruchzerlegung ist also
- 2. Beispiel (doppelte Nullstelle)
(Polynomdivision und Faktorenzerlegung des Nenners.)
ist also die einzige, allerdings doppelte Nullstelle des Nenners. Ansatz:
Koeffizientenvergleich:
Lösung:
,
also erhalten wir die Partialbruchzerlegung
.
- 3. Beispiel (komplexe Nullstelle)
.
Der Nenner hat hier eine reelle Nullstelle
, eine komplexe Nullstelle
und deren konjugiert-Komplexe
.
Das quadratische Polynom mit den Nullstellen
und
ist 
Ansatz:
Koeffizientenvergleich:
Lösung:
,
Partialbruchzerlegung:
.
Literatur [Bearbeiten]
- Schülerduden Mathematik II. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus 2004, ISBN 3-411-04275-3, S. 316-317
- Charles D. Miller, Margaret L. Lial, David I. Schneider: Fundamentals of College Algebra. Scott & Foresman/Little & Brown Higher Education, 3. Auflage 1990, ISBN 0-673-38638-4, S. 364-370
- L.D. Kudryavtsev: Undetermined coefficients, method of. In: Michiel Hazewinkel (Hrsg.): Encyclopaedia of Mathematics. Springer-Verlag, Berlin 2002, ISBN 1-4020-0609-8 (Online).
- Eric W. Weisstein: Partial Fraction Decomposition. In: MathWorld. (englisch)
Weblinks [Bearbeiten]
- Beispiel einer Partialbruchzerlegung
- Online-Rechner und kommentierte interaktive Beispiele (Arndt Brünner)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Christoph Bock: Elemente der Analysis (PDF; 1,2 MB) Abschnitt 8.35



, sodass gilt:
.
, ist das Verfahren abgeschlossen.
.





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,
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,
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